Riemenantrieb beim Fahrrad: Vor- und Nachteile im Überblick

Ein Carbonriemen kann die bessere Alternative zur altbewährten Fahrradkette sein. Viele Radfahrerinnen und Radfahrer ziehen eine Kettenschaltung vor, da sie die beste Übersetzungsbandbreite bietet, besonders in hügeligen Gegenden oder Städten. Unsere E-Lastenräder bieten wir in verschiedenen Ausstattungsvarianten mit Kette und mit Riemen an. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile.

Was ist ein Riemenantrieb?

Fahrräder, welche mit einem Riemen angetrieben werden, haben anstelle einer Fahrradkette einen Carbongurt. An dem Riemen sind an der Innenseite aus Nylon gefertigte Zähne; an der Kurbel finden Sie eine größere Riemenscheibe. An der Hinterradnabe ist eine zweite Riemenscheibe zu finden, welche aber etwas kleiner ist. Zwischen den beiden Sprockets (Zahnscheiben) gespannt, greifen sowohl die Zähne des Zahnriemens als auch die der Zahnscheiben direkt ineinander. Der führende Hersteller im Bereich der Riemenantriebe ist die Firma Gates aus den USA; sie stellen den Gates Carbon Drive her. Ihre Zahnriemen, weisen - durch eingearbeitete Carbon-Zugstränge - auch unter Belastung keine Längenveränderung auf.

Vorteile des Riemenantriebs

  • Längere Lebensdauer: Riemenhersteller werben damit, dass fünfstellige Kilometerzahlen mit ihrem Antriebssystem locker drin sind. Im Durchschnitt halten Riemengetriebe viermal länger als Kettenantriebe, bevor sie ausgetauscht werden müssen (30.000 gegenüber 8.000 Kilometer). Selbst bei optimaler Pflege kommen Ketten selten auf 10.000 Kilometer Laufleistung, empfohlen wird zumeist sogar, eine Kette nach 2.000 oder 3.000 Kilometer zu wechseln.
  • Wenig Wartungsaufwand: Nie wieder Kettenantrieb reinigen und ölen, kein Geschmiere mehr an den Hosenbeinen! Carbonriemen benötigen keinen Schmierstoff, es reicht, wenn du den gröbsten Schmutz mit Wasser und einem Tuch abwischst. Der offensichtlichste Vorteil von Antriebsriemen am Fahrrad und E-Bike ist, dass kein Öl mehr im System ist, das Schmutz anzieht und weiter verteilt. Riemenantriebe benötigen kein Schmiermittel und müssen nicht eingestellt werden. Dadurch wird die Schmutzanhaftung verringert, wodurch eine regelmäßige Reinigung im Wesentlichen entfällt.
  • Sauberkeit: Da beim Riemenantrieb kein Öl verwendet wird, ist er sauberer als ein Kettenantrieb. Das bedeutet auch weniger Ölflecken an Händen und Beinen oder an der Kleidung.
  • Geringe Geräuschentwicklung: Beim Riemenantrieb gibt es keinen Kontakt einzelner Metallteile wie bei der traditionellen Fahrradkette. Auch ohne Schmierstoff macht der Riemen so gut wie kein Geräusch beim Fahren, die Kraftübertragung ist auf ähnlichem Niveau wie bei einer ordentlich gepflegten Kette. Zudem knarzen und quietschen Riemenantriebe nicht aufgrund mangelnder Wartung.
  • Verschleißt nicht so stark bei hohen Lasten: Grundsätzlich gilt, dass besonders E-Bikes profitieren, da die Last vom Mittelmotor zur Hinterradnabe insgesamt größer ist, was bei Ketten zu höherem Verschleiß führt.
  • Allwettertauglichkeit: Durch den wasserfesten Aufbau ist der Antrieb gegen Rost sozusagen immun. Sorgenfrei fahren im Winter, weniger Wartung insgesamt: Der Riemen spielt seine Stärken eindeutig an Alltagsfahrrädern aus.

Weitere Vorteile

  • Geringes Gewicht
  • Schalten im Stillstand mit Nabenschaltung

Nachteile des Riemenantriebs

  • Eingeschränkte Kompatibilität: Zunächst funktioniert der Riemen nur mit Naben- oder Getriebeschaltungen sowie an Singlespeedbikes. Kettenschaltungen und Riemen passen - das steht schon im Namen - nicht zusammen. Ketten hingegen sind flexibler und können in Kombination mit allen Schaltungsarten genutzt werden.
  • Kostenintensiver: Zugegeben: Fahrräder und E-Bikes mit Riemen kosten in der Regel etwas mehr als Modelle mit Kettenschaltung. In der Anschaffung ist ein Bike mit Riemenantrieb teurer. Um die Kosten von Ketten und Riemen miteinander zu vergleichen, solltest du nicht nur die Anschaffung, sondern auch die Lebensdauer ins Verhältnis setzen. Wenn der Riemen zwar doppelt so teuer wie eine Kette ist, aber dreimal so lange hält, kommst du auf Dauer günstiger weg.
  • Montage und Reparatur: Um den Riemen unter Spannung zu halten, muss bei vielen E-Bikes der Rahmen geöffnet und der Riemen als Ganzes auf die Ritzel gebracht werden. Zusätzlich muss das Hinterrad exakt ausgerichtet werden. Während eine Kette zwar gereinigt werden muss, aber mit geübten Händen schnell gewechselt ist, dauern Ein- und Ausbauen des Riemens etwas länger.
  • Weniger sportliches Schaltverhalten: Sportfahrräder - Mountainbikes, Rennräder, Gravelbikes - werden auch in absehbarer Zeit mit Kettenschaltung angetrieben. Obwohl der breite Riemen etwas weniger dynamisch daherkommt als die feingliedrige Kette, gibt es kein nennenswertes Plus, was den Widerstand beim Fahren angeht.
  • Begrenzte Übersetzung: Kettenantriebe bieten größere Übersetzungsbereiche als Riemenantriebe. Deshalb wird die Effizienz beim Riemenantrieb in bergigem Gelände verringert.
  • Empfindlicher: Wenn sich beispielsweise ein Ast verfängt, kann der Riemen etwas empfindlicher reagieren als eine Kette.

Weitere Nachteile

  • Begrenzte Reifen- oder Felgengröße
  • Teure Ersatzteile
  • Ersatzteile sind schwer zu finden
  • Benötigt spezielle Rahmenkonstruktion

Für wen ist ein Riemenantrieb geeignet?

Für alle, die viel, lange und sorgenfrei fahren möchten. Selbst bei hoher Beanspruchung und wenig Pflege dürfte ein Riemen über Jahre keine Probleme verursachen. Für Stadtradler, Vielfahrer und Globetrotter auf jeden Fall eine Überlegung wert: der Riemenantrieb. Wer schmutzfrei ankommen möchte, geringen Wartungsaufwand und eine hohe Lebensdauer schätzt, ist damit bestens bedient.

Für wen ist ein Kettenantrieb geeignet?

Grundsätzlich sind Kettenantriebe immer da im Einsatz, wo wir über Sport sprechen. Mountainbiker, Rennradfahrer oder auch performance orientierte Gravelbiker fahren mit Kette.

Riemenantrieb vs. Kette: Eine Übersicht

Hier ist eine vergleichende Übersicht der Vor- und Nachteile von Riemen- und Kettenantrieben:

Aspekt Riemenantrieb Kettenantrieb
Lebensdauer Länger Kürzer
Wartung Wenig Wartung, kaum Reinigung notwendig Muss regelmäßig geölt werden
Kosten Meist etwas teurer in der Anschaffung Günstig in der Anschaffung
Verschleiß Verschleißt nicht so stark bei hohen Lasten Verschleißt relativ schnell, besonders an E-Bikes
Schaltverhalten Weniger sportliches Schaltverhalten Kettenschaltung bietet dynamischeres Fahrverhalten und für steile Anstiege
Geräuschentwicklung Leise Macht oft Geräusche beim Fahren
Wartung im Schadensfall Radausbau im Pannenfall möglicherweise kompliziert Schneller, unkomplizierter Service im Schadensfall

Nachrüstung eines Riemenantriebs

Die Nachrüstung eines Fahrrades mit einem Riemenantrieb ist grundsätzlich möglich, wobei einige Faktoren zu beachten sind. Zunächst ist zu prüfen, ob der Fahrradrahmen mit einem Rahmenschloss ausgestattet werden kann, um den geschlossenen Riemen aufziehen zu können. Bei Stahlrahmen ist dies deutlich einfacher als beispielsweise bei Aluminium- oder Carbonrahmen.

Ist der nachträgliche Einbau eines Rahmenschlosses nicht möglich, kannst du auch einen teilbaren Riemen verwenden. Damit entfällt das Öffnen des Rahmens mit einem Rahmenschloss. Dies gilt jedoch nicht für die Kettenblätter und Ritzel. Diese müssen in beiden Fällen durch Riemenscheiben ersetzt werden, da ein Riemen nur auf spezielle „Antriebsräder“ aufgezogen werden kann. Grundvoraussetzung ist übrigens auch eine Naben- oder Tretlagerschaltung oder ein Singlespeed-Hinterrad. In Kombination mit einer Kettenschaltung ist die Montage eines Riemens nicht möglich.

Bei senkrechten Ausfallenden des Fahrradrahmens ist zusätzlich die Montage eines Riemenspanners erforderlich, da der Riemen sonst nicht auf die erforderliche Spannung gebracht werden kann. Bei waagerechten Ausfallenden ist dies nicht notwendig, da das Hinterrad horizontal verschoben werden kann, um den Riemen zu spannen.

Wichtige Hinweise zur Montage

  • Ketten- bzw. Riemenlinie: Die Ketten- bzw. Riemenlinie muss zwingend gerade sein, da eine reibungslose Funktion sonst nicht gewährleistet ist und der Riemen schneller verschleißen bzw. reißen kann.
  • Kein Knicken: Der Riemen ist unter keinen Umständen zu knicken, da sonst irreparable Schäden entstehen können.
  • Verwendung von Riemenscheiben: Die Montage des Riemens kann nur in Kombination mit entsprechenden Riemenscheiben erfolgen.
  • Richtige Spannung: Der Antriebsriemen benötigt eine entsprechende Spannung, sodass entweder horizontale Ausfallende oder ein Riemenspanner notwendig sind.

Hersteller von Riemenantrieben

Platzhirsch auf dem Gebiet der Fahrradriemen ist der Hersteller Gates Carbon Drive. Aber auch die Contitech Power Transmission Group hat sich diesem Thema gewidmet wie auch Veer Cycle. Dieser Hersteller hat sich sogar dem Problem angenommen, dass man einen Riemen bisher nur fahren konnte, wenn der eigene Fahrradrahmen über ein Rahmenschloss verfügt. Als Lösung hat Veer Cycle einen teilbaren Riemen gebaut.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0