Das Foto ging um die Welt: Rubén Xaus biegt mit der Ducati Hypermotard 1100 im gewagten Drift in eine Linkskurve ein. Das Knie schleift am Boden, die linke Hand streckt der Superbike-Star dabei lässig nach oben. Spektakulärer hätte Ducati die Interpretation des Themas Supermoto nicht in Szene setzen können.
Doch so frisch der Eindruck von diesem furiosen Einstand in den Köpfen noch sein mag, die schräge Nummer ist nun auch schon einige Jahre her. Für die Bologneser offensichtlich lange genug, um den zeitgeistigen Flitzer aufzupolieren oder korrekter: von Grund auf neu zu konstruieren.
Die Evolution der Hypermotard
Mit der bisherigen Ducati Hypermotard hat die Neue kaum noch eine Schraube gemein. Der luftgekühlte Zweiventil-Motor wurde durch einen wassergekühlten 821-cm³-Testastretta-Vierventiler ersetzt. Die obenliegenden Schalldämpfer sind einem trendigen, seitlich montierten Auspuff gewichen. Das über Schubstangen aktivierte Federbein ist nun direkt an der Schwinge angelenkt. Das Gitterrohr-Rahmenheck wurde durch ein zierliches Aluguss-Teil ersetzt. Und all dies noch garniert mit Ride-by-Wire-Elektronik (drei Fahrmodi, Traktionskontrolle), geänderter Fahrwerksgeometrie (längerer Radstand, flacherer Lenkwinkel) und serienmäßigem ABS.
Erstaunlich, wie sehr sich die Ducati Hypermotard trotz dieser Neukonstruktion in ihrer Anmutung treu geblieben ist: filigran, schlank, kein Teil zu viel.
Sitzposition und Handling
Eine Portion Sportlichkeit sollte auch der Hypermotard-Fan besitzen. Mit 885 Millimetern übertrifft das Funbike sämtliche aktuellen Reiseenduros in der Sitzhöhe. Eine 20 Millimeter niedrigere Sitzbank bietet Ducati im Zubehörkatalog an. Die Erstbesteigung weckt sofort bekannte Gefühle. Weit rückt die Duc den Piloten in Richtung Lenker.
Neutralität ist nach wie vor nicht die Stärke der Ducati. Vor allem in engen Kehren kippt das Vorderrad zur Kurveninnenseite, muss mit Gegendruck am Lenker auf Kurs gebracht werden. Je holpriger der Belag, desto mehr. Ein sicheres Gefühl will sich erst einstellen, wenn die Ducati Hypermotard auf Zug gehalten und das Vorderrad entlastet wird. Früh bremsen und schon beim Kurveneingang ans Gas gehen, das ist das Rezept für den sauberen Strich auf der Italienerin.
Toll, wie mühelos sich das Spaßmobil in Wechselkurven von einer in die nächste Schräglage werfen lässt, mit schlanker Taille und schmalem Knieschluss ein Gefühl der Leichtigkeit vermittelt. Dass die optisch so luftig wirkende Ducati Hypermotard bei der Überarbeitung im Vergleich zu ihrer Vorgängerin sieben Kilo zugelegt hat, fällt dabei kaum auf.
Motor und Fahrleistungen
Imposant, wie lässig sich der Desmo-Vierventiler aus dem etwas unaufgeräumten Drehzahlkeller unter 3000 Touren herausschüttelt und anschließend mit gut kalkulierbarem linearen Druck durchs Drehzahlband schiebt. Sofort werden Erinnerungen an den Antrieb der Multistrada wach. Denn neben der geschickt getroffenen Wahl der Schwungmasse tut dem 821er-L-Twin offensichtlich die bereits im Motor der großen Reiseenduro bewährte Ventilüberschneidung von elf Grad gut. Besser noch: Den Hubraumnachteil zum 1198-cm³-Multistrada-Triebwerk münzt der Junior-Testastretta in eine feine Laufkultur und schmissige Drehfreude um. Unwillkürlich nutzt der Treiber einen deutlich breiteren Drehzahlbereich als beim dicken Pendant und bemerkt erst dann, dass der neue Treibsatz mit gemessenen 107 PS im Vergleich zu den bisherigen Hypermotards eine dicke Schippe Kohlen nachlegt.
Die Fahrleistungen der neuen Ducati Hypermotard gerieten in allen Bereichen deutlich besser als die ihrer luftgekühlten Vorgängerinnen. Vor allem die leicht beherrschbare Leistungsentfaltung und die für einen Zweizylinder sehr ordentliche Laufruhe machen den V2-Motor- nicht nur für den sportlichen Einsatz, sondern auch den Alltagsbetrieb gut geeignet. Die Antihopping-Kupplung verhindert das Hinterradstempeln beim schnellen Herunterschalten wirkungsvoll und gefällt zudem mit moderater Handkraft. Auch die Schaltung funktioniert geschmeidig.
Fahrwerk und Bremsen
Die Federung der Ducati Hypermotard fordert das Fahrwerk. Zeigt sich die nicht einstellbare 43er-Vorderradgabel von Kayaba gut abgestimmt und reicht nur grobe Schläge an den Fahrer weiter, gibt das Sachs-Federbein den derben Sportsmann. Selbst bei vollständig aufgedrehter Zugstufe noch zu straff gedämpft, holpert das Heck unsensibel über die Landstraße, schmälert den Komfort und bringt in welligen Kurven zusätzlich Unruhe ins Fahrwerk.
Das serienmäßige ABS funktioniert erstklassig. Zwei Stufen, die über das Setup-Menü individuell den Fahrmodi zugeordnet werden können, stehen zur Verfügung. Und wie schon bei der jüngst so erfolgreich überarbeiteten Multistrada leistet das System auch in der neuen Ducati Hypermotard ganze Arbeit. Mit feinen Regelvorgängen und geringer notwendiger Handkraft verzögert die Combo von Bosch (Modulator) und Brembo (Bremssättel, Armaturen) die Ducati schon in der moderaten Stufe 2 effizient und unaufgeregt.
Alltagstauglichkeit
Die recht nah an den Lenker gerückte Sitzposition charakterisiert nach wie vor die etwas gewöhnungsbedürftige Ergonomie der Ducati Hypermotard. Einen effektiven Windschutz erwartet niemand von einem Supermoto-Bike. Die konventionellen Rückspiegel sind zwar weniger originell als die klappbaren Pendants der Vorgängerinnen, bieten aber eine deutlich bessere Sicht nach hinten. Auch besser: der neue, hellere Scheinwerfer. Mit von 12,4 auf 16 Liter vergrößertem Tank nimmt auch die Reichweite auf einen praxistauglichen Wert von 314 km zu. Die Verarbeitung ist wertig.
Ducati Hypermotard SP
Wie bei vielen Ducati-Modellen üblich, bieten die Italiener auch bei der Hypermotard eine aufgerüstete Variante, die Ducati Hypermotard SP, an.
Sie unterscheidet sich von der Basisversion in folgenden Punkten:
- Geschmiedete Felgen von Marchesini (Basisversion: Guss-Felgen)
- Upside-down-Gabel von Marzocchi mit kohlenstoff-beschichteten Gleitrohren (Basisversion: Kayaba)
- Federbein von Öhlins mit umfangreicher Einstellmöglichkeit (Basisversion: Sachs, nur Federbasis und Zugstufendämpfung einstellbar)
- Federwege auf 175/185 mm (vorn/hinten) verlängert (Basisversion: 170/150 mm)
- Bereifung Pirelli Supercorsa SP (Basisversion: Pirelli Diablo Rosso II)
- Kotflügel vorn und Zahnriemenabdeckung aus Karbon (Basisversion: Kunststoff)
- Mehrfarblackierung (Basisversion: Einfarblackierung)
Technische Daten
Hier eine Übersicht der technischen Daten der Ducati Hypermotard:
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Motor | Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor |
| Hubraum | 821 cm³ |
| Leistung | 81,0 kW (110 PS) bei 9250/min |
| Max. Drehmoment | 89 Nm bei 7750/min |
| Radstand | 1500 mm |
| Tankinhalt | 16 Liter |
| Zulässiges Gesamtgewicht | 406 kg |
Die neue Ducati Hypermotard ist ihren Vorgängermodellen in jeder Beziehung überlegen. Der 821er-Motor vereint Charakter, Laufkultur und Universalität, die Optik wirkt noch gefälliger, das ABS regelt erstklassig und das Fahrverhalten fällt deutlich neutraler aus.
So wie jetzt. Ui, schon wieder zu schnell? Kommt mit Supermoto-Maschinen öfter vor. Mit der Ducati erst recht.
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