Tipps für das Radfahren mit Rucksack

Egal, ob du zur Arbeit radelst, eine Tagestour mit dem Mountainbike planst oder in mehreren Etappen das Donaudelta erreichen möchtest: Überflüssiges Gewicht möchtest du immer vermeiden. Und das gilt auch bei der Wahl deines Rucksacks und deiner Fahrradtaschen.

Die wichtigsten Grundregeln beim Bikepacking

Einige Basisregeln verhindern allerdings böse Überraschungen unterwegs:

  • Oberste Regel: Sitzposition und Tretbewegung dürfen nicht für das Gepäck verändert werden. Ist etwas im Weg, muss es dem Fahrer weichen.
  • An Lenker und Gabel maximal etwa ein Drittel des Gepäck befestigen, um die Steuerung nicht zu beeinträchtigen.
  • Möglichst tief beladen, um den Schwerpunkt fahrdynamisch zu halten.
  • Vor jedem Start kurz auf festen Sitz kontrollieren. Hat man etwa einer Tasche etwas entnommen, kann diese labiler sein und in Speichen, Bremsen oder Kurbellauf hineinragen.
  • Je schwerer ein Gegenstand ist, desto näher sollte er Richtung Radmittelpunkt befestigt werden. Sogar innerhalb einer Tasche ist es wichtig, massive Gegenstände zum Zentrum hin zu packen.
  • Auf die Breite achten. Gravelrouten können durch enge Fels- oder Gestrüpp-Passagen führen, breiter als der Lenker sollten die Taschen nicht sein.
  • Achtung bei Lenkertaschen am Gravelbike: Ist die Tasche zu breit oder nicht fest verzurrt, können die Fingerkuppen gequetscht oder die Bremshebel blockiert werden.

Packliste: Was muss, was nicht?

So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Das ist das Credo beim Bikepacking. Stell dir immer die Frage: Was kann ich zur Not weglassen? Welches Equipment spart Platz und Gewicht? Die Frage: „Was muss mit?“, hängt entscheidend von der Länge des Trips ab.

Zwar macht es auf dem Rad mehr Spaß, ohne Zelt, Kochequipment und den kompletten Proviant durch die Natur zu fahren. Die Flexibilität bei der Wahl der Route und ihrer Länge schränkt dies allerdings auch merklich ein.

Helfen kann ein Minizelt, bei dem das Rad gleichzeitig Zeltgestänge wird, wie der „Bikecamper“ von Topeak. Das spart nicht nur bis zu 1,5 Kilogramm Gepäck, sondern ist zugleich effektiver Diebstahlschutz für das eigene Rad bei Nacht.

Die richtige Größe und Ausstattung des Rucksacks

Neben dem geringen Eigengewicht kommen bei einer Fahrradtasche oder einem Fahrradrucksack noch weitere Anforderungen hinzu: Stabil, langlebig und wasserdicht sollten sie sein - und das sind nur die wichtigsten. Spezielle Features, die deinem Einsatzzweck entgegenkommen, sollten das Ganze noch ergänzen.

Da wäre zum Beispiel ein Laptopfach mit spezieller Polsterung, falls du zur Arbeit pendelst, oder ein Nasswäschefach, das wichtig wird, wenn du bei Touren nasse Kleidung gegen trockene austauschst und nicht das gesamte Gepäck feucht werden soll.

Bei deinem Backpack ist ein gut belüfteter Rücken ein zentraler Faktor, damit sich möglichst wenig Feuchtigkeit am Rücken staut. Belüftungssysteme helfen, doch achte darauf, dass sich das Gewicht des Rucksacks durch die Belüftungszone nicht zu weit vom Rücken entfernt. Denn dann sitzt der Rucksack nicht mehr perfekt und kann zu schlingern beginnen.

Hier kommen Hüft- und Brustgurt ins Spiel, mit denen du den Rucksack individuell anpassen und das Gewicht über die Hüften ableiten kannst. Ergonomische Schulterträger sorgen einerseits für ein bequemes Tragegefühl, andererseits lassen sie dir aber auch viel Bewegungsfreiheit, was gerade beim Mountainbiken wichtig wird.

Für Enduristen besonders interessant: Hüftflossen, die auch hoch über der Hüfte eingestellt werden können, sorgen dafür, dass der Rucksack bei steilen Abfahrten nicht nach vorne rutscht.

Wer keinen zusätzlichen Rückenprotektor tragen möchte, kann auf einen Rucksack zurückgreifen, in dem der Protektor bereits integriert ist. Doch achte darauf, dass der Rucksack während der Fahrt wirklich perfekt sitzt, damit der Protektor im Falle eines Falles nicht verrutschen und deine Wirbelsäule auch wirklich gut schützt.

Extra schmal geschnittene Rucksäcke sind für Rennradfahrer konzipiert. So wird der Rucksack windschnittig und sitzt auch bei nach vorne gebeugtem Oberkörper gut.

Eine integrierbare Trinkblasen hat den großen Vorzug, dass du weiterradeln kannst, während du trinkst. Du erkennst, dass ein Rucksack für eine Trinkblase designt wurde, auf den ersten Blick: entweder über eine Halteklammer oder über einen Halteriemen für den Trinkschlauch an einem der beiden Schultergurte.

Adäquate Rucksackgröße:

  • 10 bis 20 Liter für kurze Touren
  • 20 bis 25 Liter für längere Tagestouren
  • 25 bis 35 Liter für Mehrtagestouren

Die richtige Packweise

Die Platzierung des Gepäcks am Rad wirkt sich direkt auf die Fahrqualität aus. Viele Gravelbikes verfügen zum Beispiel über Ösen oder Gewinde für einen Heckträger. Kleinere und rundum am Bike verteilte Taschen erhalten aber die fürs Gelände wichtige Gewichtsverteilung und entlasten den Rahmen.

Hersteller wie der ISPO Award Preisträger Ortlieb bieten zudem kompakte Taschen für Sattel, Rahmen, Lenker und Gabel mit erstaunlich geringem Packmaß.

Bei Gravelbikes kommt es hin und wieder zu Tragepassagen, das Radgewicht ruht dann auf einem durchgehend weichen Polster. Wichtig ist hier: alles Schwere tief in die Tasche drücken. So vermeiden sie starke Pendel- und Wippbewegungen.

Je variabler einzelne Gegenstände sind, desto weniger muss mit. Arm- und Beinling plus Regenjacke mit abnehmbaren Ärmeln machen aus einem Trikotsatz ein universelles Dress.

An folgende Ausrüstung solltest du beim Bikepacking denken:

  • Bekleidung für alle wahrscheinlichen Bedingungen
  • Werkzeug und Reparaturmaterial, besonders für Reifen und Kette
  • kleines Verbandszeug und bei langen Touren Gesäßcreme sowie Sonnenschutz
  • kompakte Toilettenartikel wie ein Mikrofaserhandtuch
  • (Not)beleuchtung und oder reflektierende Kleidung, falls der Zeitplan mal aus den Fugen gerät
  • Geldbeutel, am besten wasserdicht oder im Zipbeutel mit Ausweis, Notfallkontakt, Geldkarte, Bargeld je nach Region und Münzen z.B. für Automaten oder die (Selbst)-Waschstraße
  • Zur Bikewartung reicht eine alte Zahnbürste und sogenanntes Trockenschmiermittel (sammelt weniger Sand auf als Öl)
  • Bei mehrtägigen Touren darf ein Bikepacking Zelt nicht fehlen

Achtung: Gravelbikes besitzen oft „tubeless“ Reifen, die besondere Pumpen erfordern! Hilfreich ist auch ein Adapter von Sclaverand- auf Autoventil, um an Tankstellen nachfüllen zu können.

Nützliche Gadgets:

  • Multitool mit Bikewerkzeugen
  • Kabelbinder / Tape
  • Powerbank inkl.

Trinkblase statt Flaschen am Rahmen

Die Trinkflasche am Rahmen ist ein Klassiker. Dabei gibt es viel bessere Lösungen: Zum einen verhindern die Flaschen am Rahmen, dass das Rad leicht geschultert werden kann, zum anderen bedarf es im Gelände spezieller Flaschen mit geschützten Trinkventilen.

Besser als Flaschen am Rahmen sind beim Bikepacking kleine Trinkrucksäcke oder „Hydration Vests“, wie sie Trailrunner tragen.

Eine 1,5-Liter Trinkblase samt Schlauch auf dem Rücken, zwei Softflasks und eine Fülle von kleinen und leicht erreichbaren Taschen rund um den Oberkörper halten Getränke, Riegel, Werkzeug oder Elektronik körpernah. Sie werden weniger durchgeschüttelt, können im Winter schwer einfrieren und sind immer gut erreichbar.

Weiterer Pluspunkt: die Biketaschen können im „freien Feld“ geschlossen bleiben. Der Inhalt bleibt trocken und sauber.

Schwere Rucksäcke vermeiden

So verlockend es ist, das schwerste Gepäck einfach im Rucksack auf dem Rücken zu verstauen, so unpraktisch ist es doch auf langen Radreisen.

Denn schwerere Rucksäcke verändern die Haltung auf dem Rad derart, dass schnell muskuläre Probleme auftreten, selbst wenn der Rucksack sich gut anfühlt. Zudem können schwere Rucksäcke die Beweglichkeit einschränken.

Für schnelle Abschnitte verhindern sie außerdem die Aerodynamik, da sie eine stark gebeugte Position unmöglich machen. Und: Der Rücken bekommt bei der Fahrt mit Rucksack kaum eine Belüftung ab.

Ein guter Kompromiss können hier Ultraleichtrucksäcke ohne Tragegestell sein.

Die richtige Einstellung des Rucksacks

Ein schlecht sitzender oder unergonomischer Rucksack sorgt für Verspannungen, Scheuerstellen und kann durch die Einschränkung der Beweglichkeit die Fahrsicherheit beeinträchtigen.

Der erste wichtige Schritt bei der Anpassung vom Rückensystem und damit auf dem Weg zum besten Tragekomfort ist der Kauf in der richtigen Länge. Viele Modelle lassen sich bezüglich der Rückenlänge stufenweise einstellen, die Ergon Modelle zum Beispiel in vier Längen.

Beim Einstellen des MTB-Rucksacks ist das Anpassen der Rückenlänge also Schritt eins. Die allermeisten Bikerucksäcke benutzen Klettverschlüsse dafür. Bitte deren Flächen nach dem Einstellen wieder fest aneinanderdrücken.

Als zweites sollte man alle Riemen am Rucksack lockern, nicht nur die Schultergurte. Jetzt folgt die Anpassung am Fahrer oder an der Fahrerin. Die meisten Modelle von Ergon bieten an der Stelle eine zusätzliche Möglichkeit, das Rückensystem an den Körper anzupassen.

Eine biegsame Aluschiene, waagerecht oberhalb der Hüftgurtes ins Tragesystem eingelassen, kann so verformt werden, dass sie genau der Kontur des Körpers folgt. Durch diese Adaption an die Ergonomie von Bikern oder Bikerinnen richten sich die Polster ideal am Rücken aus. Sie liegen flächig an den jeweils richtigen Stellen auf und halten gleichzeitig die Lüftungskanäle offen. Zusätzlich geben die so angewinkelten Hüftpolster mehr seitliche Führung.

Deshalb wird nach dem Aufsetzen zunächst der Hüftgurt geschlossen. Tipp: Beim Einstellen sollte der Rucksack nicht leer sein. Sowohl Volumen als auch Gewicht sollten grob dem Setup während der Tour entsprechen.

Die Last des Rucksacks sitzt perfekt, wenn der Hüftgurt zu zwei Dritteln seiner Breite oberhalb und einem Drittel unterhalb der oberen Beckenkante verläuft. Liegen die Hüftpolster exakt auf, kann der Hüftgurt festgezogen werden.

Die eigentlichen Schultergurte werden im nächsten Schritt so strammgezogen, dass ihre Polster geradeso anliegen. Sie sollten nahezu keine Last tragen und vor allem volle Beweglichkeit im Oberkörper und den Schultern zulassen.

Als letztes muss der Brustgurt geschlossen und auf leichte Spannung gebracht werden. Er muss nur verhindern, dass durch Bewegungen die Schulterpolster nach außen von den Schultern rutschen. Auf keinen Fall sollte er das Einatmen begrenzen.

Bei großen Bikerucksäcken findet man am oberen Ende der Schulterträger sogenannte Lageverstellriemen, die die Last zum Körper ziehen, manchmal auch als Lastenkontrollriemen bezeichnet. Auch für sie gilt: Gerade so stramm ziehen, dass der Rucksack im oberen Bereich nicht seitlich pendeln kann, aber gleichzeitig dem Schultergürtel ausreichend Freiheiten für alle Fahrmanöver lässt.

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