Mountainbike Reifen Schlauchlos: Vor- und Nachteile

Schlauch oder kein Schlauch? Das ist seit einigen Jahren eines der am heißesten diskutierten Themen der Fahrradszene. Die Wahrheit? Doch was steckt wirklich hinter dem Tubeless-Trend? Lohnt sich der Umstieg? Was braucht es dafür? Wir haben jemanden gefragt, der es genau weiß: Alexander Steurer, Tubeless-Fahrer der ersten Stunde.

Was sind Tubeless-Reifen?

Tubeless-Reifen kommen ganz ohne klassischen Schlauch aus. Stattdessen wird eine spezielle Dichtmilch in das System eingefüllt, die für die Luftdichtheit sorgt. Sollte der Reifen ein Loch bekommen, dichtet die Dichtmilch den Schaden schnell ab.

Besonders bei Mountainbikes hat sich das Tubeless-System etabliert, da es Pannensicherheit und mehr Grip bei niedrigerem Luftdruck bietet. Aber auch Rennräder und Citybikes profitieren von den Vorteilen der Tubeless-Technologie.

Die Vorteile von Tubeless-Reifen

  • Weniger Rollwiderstand, da die Walkarbeit des klassischen Schlauchs entfällt.
  • Geringeres Gewicht, weil der Schlauch nicht mehr benötigt wird. Ein Tubeless-System spart in der Regel rund 50 bis 60 Gramm pro Laufrad - je nach Felge, Reifen und Ventil.
  • Hoher Pannenschutz: Kleine Schäden, wie Einstiche durch Dornen, werden sofort von der Dichtmilch abgedichtet, sodass du ohne Unterbrechung weiterfahren kannst.
  • Höherer Fahrkomfort und mehr Grip dank niedrigerer Reifendrücke.

Die Nachteile von Tubeless-Reifen

  • Die Erstmontage kann aufwändiger sein, insbesondere bei Reifen, die nicht von vornherein „Tubeless-ready“ sind.
  • Bei größeren Defekten kann die Dichtmilch austreten, was sowohl den Reifen als auch das Fahrrad und den Fahrer verschmutzen kann.
  • Regelmäßiger Austausch der Dichtmilch notwendig. Die Dichtmilch im Reifeinneren verfestigt sich mit der Zeit zu einem Gummifilm. Um den Pannenschutz zu erhalten, muss die Dichtmilch nach etwa 2.000 Kilometern oder spätestens nach 6-7 Monaten erneuert werden.
  • Etwas aufwendigere Montage.
  • Teurer in der Anschaffung.

Für wen sind Tubeless-Reifen geeignet?

Tubeless-Reifen sind für alle Fahrradkategorien sinnvoll, da sie den Pannenschutz erhöhen, den Rollwiderstand verringern und den Fahrkomfort verbessern.

Bei Gravelbikes und Trekking-Bikes sorgen Tubeless-Reifen für mehr Sicherheit auf unterschiedlichen Oberflächen. Sie ermöglichen es, den Luftdruck zu reduzieren, was zu verbessertem Grip und Komfort führt.

Bei E-Mountainbikes macht Tubeless Sinn, da der zusätzliche Motor die Belastung auf die Reifen verstärken kann.

Kann ich mein Fahrrad auf Tubeless umrüsten?

Grundsätzlich lassen sich viele Felgen - auch ältere Modelle - auf Tubeless umrüsten. Allerdings ist Vorsicht geboten: Nicht jede Felge wurde dafür konstruiert. Bei nicht dafür vorgesehenen Felgen besteht ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Die Reifen können in Extremsituationen - etwa bei harten Landungen, hoher Seitenbelastung oder niedrigem Luftdruck - plötzlich Luft verlieren.

Viele aktuelle Felgen sind bereits für Tubeless ausgelegt. Wenn du nicht sicher bist, ob deine Felge für Tubeless geeignet ist, hilft dir ein Fachhändler weiter. Wichtig ist, dass alle Komponenten auf Tubeless abgestimmt und hochwertig verarbeitet sind.

Die Felgen sollten klar als Tubeless-ready gekennzeichnet sein. Die Reifen selbst können ebenfalls Tubeless-ready oder „Tubeless-kompatibel“ sein, aber die Felgen spielen die entscheidende Rolle, wenn es um eine sichere und dichte Montage des Tubeless-Systems geht.

Was tun bei größeren Schäden?

Wenn der Schaden zu groß ist und die Dichtmilch das Loch nicht mehr zuverlässig abdichtet, kannst du einfach das Tubeless-Ventil entfernen und wie bei einem herkömmlichen System einen Fahrradschlauch einsetzen. Das ist besonders praktisch bei Touren oder im Gelände, wenn kein passender Ersatzreifen zur Hand ist.

Montage von Tubeless-Reifen

Easy-Fit ist eine spezielle Montageflüssigkeit, die beim Aufziehen von Fahrradreifen - insbesondere Tubeless-Reifen - verwendet wird. Sie sorgt dafür, dass der Reifen leichter auf die Felge rutscht und sich gleichmäßig in der richtigen Position („ins Felgenbett“) setzt. Alternativ kannst du auch Seifenlauge verwenden, z. B. eine milde Spülmittellösung.

Zum Aufpumpen eines Tubeless-Reifens ist ein kräftiger Luftstoß erforderlich. Leider ist eine Standpumpe dafür nicht bei allen Laufrädern ausreichend und einen Kompressor haben die wenigsten Nutzer zuhause. Hier schafft der Tire Booster Abhilfe.

Anleitung: In 10 Schritten zum Tubeless-Reifen

  1. Reifen per Reifenheber auf einer Seite von der Felge lösen und den Schlauch entfernen.
  2. Falls nötig, Felgenband in der zur Felge passenden Breite anbringen. Dabei muss sich das Felgenband an den Enden ein gutes Stück überlappen.
  3. Loch fürs Ventil durchs Felgenband stechen.
  4. Ventil einschrauben. Wichtig ist dabei eine zur Felgenform passende Dichtung. Oft liegen dem Ventil verschiedene Dichtungen bei.
  5. Den Reifen aufziehen, dabei auf die Laufrichtung des Reifens achten. Will der Reifen nicht über die Felge, kann es helfen, diese mit etwas Seifenwasser einzureiben.
  6. Den Kompressor aufpumpen und die Luft von dort stoßartig in den Reifen ablassen. Wenn es ein paar Mal laut geknackt hat, sitzt der Reifen richtig in der Felge.
  7. Wenn der Reifen richtig sitzt, die Luft wieder ablassen und den Ventilkern aus dem Ventil schrauben.
  8. Die für das Reifenmaß benötigte Menge an Dichtmilch durch das Ventil einfüllen.
  9. Den Ventilkern wieder einschrauben und die Dichtmilch durch Drehen und Schütteln des Laufrades verteilen.
  10. Da die Dichtmilch mit der Zeit verklumpt und erhärtet, sollte sie etwa alle sechs Monate ausgetauscht werden.

Tubeless-Alternativen im Kurzprofil

  • Schlauch: Der Fahrradschlauch ist der Klassiker, verliert im sportlichen Bereich aber mehr und mehr an Bedeutung. Allerdings sorgen aktuelle Varianten aus thermoplastischem Polyurethan (TPU) dank besserem Pannenschutz und geringerem Rollwiderstand für eine kleine Renaissance des Fahrradschlauchs.
  • Schlauchreifen: Bei dieser Variante sind Reifen und Schlauch fest miteinander verbunden. Wegen ihrer guten Rolleigenschaften werden sie speziell im Rennsport eingesetzt. Zwar schwört mancher Profisportler noch auf Schlauchreifen, ansonsten verschwinden sie aber zunehmend von der Bildfläche.
  • Schaumstoff: Nicht nur ohne Schlauch, sondern auch ohne Luft funktioniert das Airless-System. Hier sitzt ein an Styropor erinnernder Kern aus dem Partikelschaumstoff E-TPU unter dem Reifen. Das System ist unplattbar und lange haltbar, für den sportlichen Einsatz allerdings nicht geeignet.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile Nachteile
Besserer Schutz vor platten Reifen durch Abdichtung defekter Stellen per Dichtmilch Etwas aufwendigere Montage
Höherer Fahrkomfort und mehr Grip dank niedrigerer Reifendrücke Regelmäßiger Austausch der Dichtmilch notwendig
Geringerer Rollwiderstand Teurer in der Anschaffung

Ob ein Schlauchlos-System für dich in Frage kommt, ist wie so oft eine individuelle Entscheidung. Ein gutes Fahrgefühl, weniger Pannen und ein geringer Rollwiderstand sind überzeugende Argumente für neue Reifen.

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