Rumänien mit dem Motorrad: Reiseberichte und Tipps

Rumänien, längst kein Geheimtipp mehr unter Motorradfahrern, bietet eine Vielzahl an unvergesslichen Erlebnissen. Von den kurvenreichen Straßen der Karpaten bis zu den historischen Städten Siebenbürgens - das Land hält für jeden Biker etwas bereit.

Verkehrsregeln und Maut

In Rumänien gelten ähnliche Verkehrsregeln wie in Deutschland. Motorräder müssen auch tagsüber mit Abblendlicht fahren und es besteht Helmpflicht. Eine Warnweste muss nicht mitgeführt werden, aber wer außerhalb geschlossener Ortschaften eine Panne hat, muss eine Warnweste anlegen. Dies gilt für Auto- und Motorradfahrer. Auch als Radfahrer oder Fußgänger muss man eine Warnweste tragen: außerhalb geschlossener Ortschaften, nachts oder bei schlechter Sicht. Für alle gilt die 0,0 ‰-Regel!

Die Maut in Rumänien, die sogenannte Straßenbenutzungsgebühr (Rovinieta), wurde 2005 eingeführt und muss für alle Straßen entrichtet werden. Motorräder sind jedoch von der Maut befreit. Die Gebühr für die Autovignette ist bei der POST, am Grenzübergang und bei den Tankstellen erhältlich (Kaufbeleg unbedingt aufbewahren!). Eine Monatsvignette für Autos kostet ca. 7,- Euro. Autofahrer, die ohne Vignette erwischt werden, müssen mit einer empfindliche Strafe zwischen 300,- und 500,- Euro rechnen.

Im Transitland Ungarn muss für die Autobahn Maut bezahlt werden. Die Maut wird an Tankstellen und bei der Einreise bezahlt (Minimum 10 Tage) und nicht wie in Österreich eine Vignette aufgeklebt, sondern nur ein Kassenzettel mit der Mautgebühr ausgegeben.

Straßenverhältnisse und Gefahren

Die Straßenverhältnisse in Rumänien sind unberechenbar. Es gibt gute Straßen, frisch asphaltiert und glatt, aber auch Federbeinteststrecken mit Schlaglöchern, Holperstrecken und unerwarteten, tiefen Kratern in Kurven. Ein Wunder war allerdings auch, warum solche Strecke dann auf 40 km/h Höchstgeschwindigkeit limitiert wird. Die großen Straßen sind meist einigermaßen gut zu fahren, aber dort schiebt sich der Schwerverkehr auch vor Dir her oder Dir entgegen.

Über die kleineren Straßen lässt sich kein eindeutiges Urteil fällen. Hier gerät die Zustandsbeschreibung von "ganz gut" bis "grausam schlecht". Bei der kurzfristigen Beurteilung von Schlaglöchern (vor allem die wassergefüllten), ob sie fahrbar sind oder ob man ihnen besser in einem Notmanöver ausweichen sollte, prägt man sich am besten unseren Grundsatz ein: Haben die Schlaglöcher (= Pfützen) ein sichtbares Ufer, vertiefen sich also sanft, sind sie fahrbar. Weiße Straßen avancieren für Motorradfahrer mit Sozia (und vollem Gepäck) zur Mut- und Kraftprobe.

Achtung:

  • Schafherden auf der Straße sind ein gewohntes Bild, auch trottet schon mal verschiedenes Vieh auf der Straße herum: Kühe, Ziegen, Pferde, Esel, Hühner.
  • Hinweisschilder, welcher Weg zum Ziel führt, darf man natürlich nicht erwarten, da sollte man seinen gesunden Instinkt und Orientierungssinn bemühen.
  • Man sollte sich auch von den Straßenbegrenzungen nicht allzu viel Sicherheit erhoffen.
  • Erhöhte Vorsicht an Bahnübergängen! Besser schrittfahren, denn die Bodenwellen, Vertiefungen und Spalten können einen ganz schön aushebeln!
  • Nachtfahrten sollte man so gut es geht meiden. Sie können zum Himmelfahrtskommando werden.

Auf gelben und roten Straßen findet man nützliche Meilensteine mit Angaben zur Straßennummer und zur Entfernung zur nächstgrößeren Stadt.

Verhalten im Straßenverkehr

Die rumänischen Auto- und LKW-Fahrer sind nicht immer so verrückt, wie oft behauptet wird. Wer schon in Istanbul, in Palermo und Neapel Motorrad gefahren ist, der wird den rumänischen Verkehr nicht ganz so derb erleben. Es gibt auch sehr viele, sehr brave Autofahrer. Allerdings stand auch öfters mal Polizei am Straßenrand und die Einheimischen kennen die Gepflogenheiten ihrer Ordnungshüter sicher schon.

In keinem Land, das wir bisher mit dem Motorrad bereisten, sahen wir so viele Pferdekarren wie hier. Zur Abwechslung auch mal Ochsenkarren. Die waghalsigsten Überholmanöver unternehmen manche Rumänen bei derartigen Hindernissen!

Warnung: "Passt's auf die Schlaglöcher auf und bleibt's weg vom Straßenrand!" Die eindrückliche Warnung vor dem Straßenrand vor allem deswegen, weil dort der meiste Mist in Form von Metallteilchen, Nägeln, Schrauben und dergleichen, der von den alten Fahrzeugen und Fuhrwerken fällt, hingeschleudert wird und man sich am ehesten irgendein Teil in seinen Reifen fährt.

Bei einem Unfall mit Personenschaden muss, bei größerem Blechschaden sollte die Polizei (Notrufnummer 112) zum Unfallort gerufen werden. Nichts verändern und möglichst Schäden mit der Kamera dokumentieren. Ist lediglich geringer Blechschaden entstanden, so ist der Unfall binnen 24 Stunden der für den Unfallort zuständigen Polizeistelle anzuzeigen.

Sicherheit und Diebstahl

Dass uns die Utensilien und unser Motorrad unter dem Hintern weg geklaut würden, prophezeiten uns nur Leute, die nie in Rumänien waren. Uns wurde während der gesamten Tour kein einziges Stück gestohlen. Natürlich haben wir die üblichen Vorkehrungen getroffen, die wir in jedem Land wie Italien, Frankreich oder Tschechien treffen würden.

In größeren Städten sind die Langfinger (Taschendiebstahl!), Trickbetrüger und Geldwechsler jedoch durchaus ein Thema, so wie in jeder großen europäischen Großstadt. Nervig können in größeren Städten die "Fensterputzer" werden (Kinder oder Erwachsene, meist Roma, die ungefragt die Autofenster putzen und dafür ein Trinkgeld erwarten).

Unterkünfte und Verpflegung

Die Unterkünfte lassen sich nicht beschreiben, es gibt nicht “die” Unterkünfte! Es gibt noble Hotels, sozialitisch geprägte Hotelanlagen und kleine und große Pensionen. Viele Pensionen haben ein angeschlossenen Restaurant, was wir vorher auch nicht wussten. Aber auch die anderen bieten oftmals auf Rückfrage ein kleines Menü für ihre Gäste an. Ich denke, man sollte sich vorher entscheiden, ob man in den Städten oder lieber auf dem Land übernachtet. Beides hat Vor- und Nachteile. Sauber und gemütlich waren sie alle, die Badezimmer in unseren Unterkünften übertrafen alle unsere Erwartungen!

Das Essen in Rumänien würde ich eher als “rustikal” bezeichnen. Es ist sehr fleischlastig und eher fett, aber auch Fisch kommt oftmals auf den Tisch. Ich empfehle sehr Mici - das sind rumänische Cevapcici! Die gibt es mittags (und abends) in allen möglichen Kneipen und Bars, werden frisch gegrillt und gehören einfach zur rumänischen Küche dazu. Einige Lokale verkaufen sie portionsweise, andere stückweise. Sie sind recht fettig, weshalb sich wirklich nur Brot als Beilage empfiehlt!

Die schönsten Motorradstrecken

Transalpina (DN67C)

Die Transalpina, auch bekannt als DN67C, ist die höchste befahrbare Straße Rumäniens. Sie bietet atemberaubende Ausblicke und kurvenreiche Strecken, die das Herz jedes Motorradfahrers höherschlagen lassen. Die Strecke ist in der Regel von Mai bis Oktober geöffnet.

Transfăgărășan (DN7C)

Der Transfăgărășan, die berühmte Strasse Nummer 7C, ist ein Muss für jeden Motorradfahrer in Rumänien. Der irre Diktator Ceausescu selbst hat den Bau Anfang der 1970er Jahre durchführen lassen. Sie gilt als eine der spektakulärsten Straßen der Welt, mit zahlreichen Haarnadelkurven und einem Tunnel auf dem Gipfel.

Donaustraße

Eine weitere empfehlenswerte Route auf Deiner Motorradreise nach und durch Rumänien ist die Donaustraße. Es handelt sich um eine zweitrangige Nationalstraße in Rumänien, die sich durch die Durchquerung der Ostkarpaten auszeichnet. Während der Fahrt hast Du die Möglichkeit, mit dem Motorrad durch Pinienwälder zu fahren und den berühmten Roten See zu sehen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht wie eine sehr attraktive Motorradstrecke aussieht, ist es in Wirklichkeit eine Straße voller Kurven.

Reiseberichte und persönliche Erfahrungen

Viele Motorradfahrer berichten von ihren positiven Erfahrungen in Rumänien. Die Gastfreundschaft der Menschen, die beeindruckende Landschaft und die abwechslungsreichen Straßen machen das Land zu einem attraktiven Ziel für Motorradtouren.

Einige Reisende empfehlen, sich nicht von Vorurteilen abschrecken zu lassen und das Land selbst zu entdecken. Die Angst vor Diebstahl oder Kriminalität ist oft unbegründet, solange man die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachtet.

Beste Reisezeit

Die beste Zeit, um nach Rumänien zu reisen und eine Tour durch diese wundervollen Städte, Landschaften und Berge zu unternehmen, ist August und September. Andererseits sind ab Juli alle interessanten und atemberaubenden Bergpässe geöffnet. Bergpässe wie Transalpina oder der legendäre Transfăgărășan. Es sollte auf jeden Fall klar sein, dass solche Pässe über die Wintermonate gesperrt sein können bzw. Frühsommer hinein liegen bleibt.

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Schloss Bran (Draculaschloss): Ein Muss für alle Dracula-Fans.
  • UNESCO-Weltkulturerbestadt Sighișoara: Geburtsort von Vlad dem Pfähler (Dracula).
  • Fröhlicher Friedhof in Săpânța: Ein farbenfroher Friedhof mit humorvollen Grabinschriften.
  • Donaudelta: Ein einzigartiges Naturparadies mit einer reichen Tierwelt.
  • Moldauklöster: Berühmt für ihre farbenprächtigen Außenfresken.
  • Salina Turda: ist ein altes Salzbergwerk, das im 17. Jahrhundert existierte und heute einen unterirdischen Vergnügungspark darstellt.

Fazit

Rumänien ist ein faszinierendes Land mit einer reichen Kultur, einer atemberaubenden Landschaft und kurvenreichen Straßen, die das Herz jedes Motorradfahrers höherschlagen lassen. Lassen Sie sich von den Vorurteilen nicht abschrecken und entdecken Sie selbst die Schönheit und Gastfreundschaft dieses einzigartigen Landes!

Tabelle: Wichtige Informationen für Motorradfahrer in Rumänien

Thema Information
Maut Motorräder sind mautbefreit
Lichtpflicht Auch tagsüber mit Abblendlicht fahren
Promillegrenze 0,0 ‰
Straßenverhältnisse Variabel, von sehr gut bis sehr schlecht
Beste Reisezeit August und September

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