Rumänien ist unter Motorradfahrern längst kein Geheimtipp mehr. Vor allem die beiden Straßen Transalpina und Transfagarasan fallen in diesem Zusammenhang und waren der Grund, mich in dieses Abenteuer zu stürzen.
Die legendäre Transfăgărășan-Hochstraße
Sie heißt etwas sperrig Transfogarascher Hochstraße oder auch Transfăgărășan und gilt als beste Motorradstrecke Rumäniens - ein Muss für jeden, der in Rumänien mit dem Motorrad unterwegs ist. Die zirka 160 Kilometer lange Route ist wesentliche jünger als die Transalpina, sie wurde in den 1970er-Jahren von dem Diktator Nikolai Ceausescu gebaut.
Zum einen, weil er im Falle eines russischen Überfalls seine Truppen schnell in die Berge schaffen wollte. Und zum anderen, weil die neue Hochstraße die legendäre Transalpina übertreffen sollte und er damit in die Straßenbaugeschichte eingehen würde. Ein russischer Angriff fand, wie wir jetzt wissen, nie statt.
Einen Namen geschaffen hat sich Ceausescu jedoch auf jeden Fall. Er scheute weder Kosten noch Aufwand, um eine spektakuläre Route in den Fels der Karpaten zu sprengen. Das Ergebnis - wir werden das auf unseren Motorradtouren durch Rumänien mit Freude feststellen - ist beachtlich.
Auf perfektem, griffigem Asphalt kurvt man zügig in die Höhe, kann die Schräglagentauglichkeit des Bikes austesten und fährt sich geradezu in einen Rausch. Ab dem Bâlea-See windet sich die Straße in vielen Serpentinen im Bâlea-Naturschutzgebiet hinunter nach Siebenbürgen. Ein Drittel der Strecke verläuft auf der Nordseite des Fagarascher Gebirges und war für deren Bau auch der etwas schwierigere Streckenabschnitt.
Weil hier im Bâlea-Tal gelegentlich tiefhängende Wolken die Sicht behindern, wird die Transfagarascher Hochstraße auch als Straße in den Wolken bezeichnet. Bei meiner Überquerung dieser legendären Strecke herrschte Kaiserwetter mit bester Fernsicht.
Die Transalpina: Eine weitere Traumstraße
Die Transalpina, auch als Drum național 67C bezeichnet, ist eine touristisch bedeutsame Straße in Rumänien. Sie durchquert die Transsilvanischen Alpen, verbindet den Kreis Gorj in der Kleinen Walachei mit dem Kreis Alba in Siebenbürgen und erreicht eine Höhe von 2132 m. Die moderne, auch unter der Bezeichnung Drumul Regal („Königsstraße“) bekannte Straße wurde 1939 eröffnet und im Zweiten Weltkrieg aus strategischen Gründen ausgebaut.
Auch kulturell sollte noch einiges folgen, schließlich hieß das Tagesziel Sibiu (Hermannstadt). Aber da wir intensiv gefahren waren, stand nur noch das Abendessen auf dem Programm. Die Transalpina ist super und sehr flüssig zu fahren, was auch andere Motorradfahrer zu schätzen wissen. Wir haben Hochsommer, aber der Verkehr ist mit dem in den Alpen nicht vergleichbar.
Manchmal hat die Strasse über den Winter etwas gelitten, aber das macht nichts. Wenn die Reparaturen noch nicht komplett fertig sind, wird sie eben einfach etwas enger gemacht. Der Verkehr und die daran teilnehmenden Fahrzeuglenker kommen überall gut miteinander aus.
Beste Reisezeit und Tipps
Für beide Motorradrouten gilt, dass sie in der Regel zwischen Spätherbst und Frühjahr wegen Schneefall gesperrt sind. Daher bietet sich die Zeit von Mai bis September an. Wer die Wochenenden meidet und die Karpaten unter der Woche bereist, hat die perfekte Wahl getroffen und kann die Wildheit dieser Bergregion in aller Ruhe genießen.
Transsilvanien: Auf den Spuren von Dracula
Blutrünstige Vampire, heulende Wölfe - Transsilvanien, diese Region Zentralrumänien, ist von Mythen und Geschichten umwittert wie keine andere. Deshalb sollte Deine Motorradtour auf jeden Fall auch durch Transsilvanien führen.
Sie gibt es tatsächlich, die Region, in der Graf Dracula einst sein Unwesen trieb und die auch weniger aufregend Siebenbürgen genannt wird. Wie auch immer - auf Deinen Motorradtouren durch Rumänien solltest Du stets den Knoblauch im Tankrucksack haben, denn Graf Dracula ist sehr real.
Zum Beispiel auf seiner Burg Bran nahe der Stadt Brasov. Ein Besuch dort auf dem Dracula-Schloss darf nicht fehlen. Geburtsort Draculas ist das mittelalterliche Städtchen Sighioara, ein bezaubernder Ort, den man ebenfalls einplanen sollte.
Kulturelle Highlights: Sibiu (Hermannstadt)
Wer abends gerne im Thermalbad relaxen möchte, hat in Transsilvanien die Auswahl, hält die Region doch eine Reihe von Heilquellen bereit, denen allerlei positive Wirkungen nachgesagt werden. So soll das Wasser aus Ocna Sibiului nahe der bezaubernden Stadt Sibiu gut gegen Arthritis sein.
Sibiu wurde wie alle sieben Festungsstädte im Mittelalter von deutschen Kaufleuten erbaut, die halfen, das Land gegen Tataren und Türken zu verteidigen. Daher der Name Siebenbürgen. Als Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2007 gehört Sibiu oder Hermannstadt auf die Routen, wenn Du in Rumänien zum Motorrad fahren unterwegs bist.
Reisebericht: Eine erlebnisreiche Tour durch Rumänien
Gebucht hatte ich schließlich folgende Reise: Südkarpaten. Die Reise startete ab Wien ab Samstag, 03.09.2022. So blieb mir irgendwie nur der Freitag zur Anreise. Irgendwie hatte ich mich bis Donnerstag zum Dienst gemeldet.
Nach kurzem Briefing geht es auf die Autobahn. Es gilt Ungarn zu durchqueren. Dieser Transit ist genauso wie ich es mir vorgestellt habe, total dröge. Neben Autobahn mit Raststätten gab es vom flachen Land nicht viel zu sehen.
Kurz vor der rumänischen Grenze verließen wir die Autobahn und fuhren über Land zu einem kleineren Grenzübergang. Dort zeigte sich der Vorteil eines geeinten Europas. Unser Guide, ein Rumäne,fuhr an einer kleinen Schlange vorbei bis ganz nach vorn. Er wollte die Gruppe schnell abgefertigt wissen.
Das fand allerdings der ungarische Grenzer nicht lustig und nahm es mit der Kontrolle recht genau. Neben Ausweis wollte er die Fahrzeugpapiere, jeder wurde einzeln kontrolliert und so stellte sich heraus, dass ein Teilnehmer mit abgelaufenem Personalausweis unterwegs war... Über die Grenze durften wir trotzdem. Das Ziel Rumänien war erreicht.
Bis nach Timisoara war nicht mehr weit. Es gab das erste rumänische Stiefelbier und nach dem Duschen ging es auf Stadtführung und zum Essen in die Innenstadt. Die Stadt hat mehr zu bieten, als man es auf den ersten Blick erahnte. Der Kilometerzähler stand bei 1.300 km.
Entlang der Donau
Sonntag, 04.09.22 Das Abenteuer Rumänien beginnt richtig. Zunächst geht es noch flach und relativ gerade aus bis nach Resita. Hier konnten bei einem Tankstopp die Dampfloks in einem Art Freilichtmuseum bewundert werden. Von da aus ging es weiter an Donau, die wir am frühen Nachmittag erreichten.
Ich hatte sie ja erst vor 2 Tagen gesehen, von Passau bis vor die Tore von Wien. Aber hier präsentiert sich der Fluß noch einmal mächtiger. Fast wie ein See. Jetzt wurde es auch fahrtechnisch interessant. Gute 100 Kilometer ging kurvig am Fluß entlang, für Sonntagnachmittag war überhaupt kein Verkehr.
Den freien Tag verbrachten viele beim Angeln am Fluß. Ziel war das Eiserne Tor, in dessen Nähe wir in Eselnita unser Hotel bezogen. Vor dem Abendbrot ging es noch zu einer Bootstour auf die Donau.
Transalpina bei bewölktem Himmel
Montag, 05.09.22 Heute verlassen wir die Donau schon wieder. Das erste große Highlight wartet mit der Transalpina wartet auf uns. Das Wetter ist trocken, aber es ist bewölkt. Kurz vor der Transalpina beim Tanken war klar, die Straße ist zum Teil in den Wolken ist.
Schade, denn freies Fahren ist angesagt. Trotzdem überzeugt die Strecke mit einer guten Streckenführung und ganz ordentlichen Asphalt. Direkt auf der Passhöhe gab es Mittag in einer Hirtenhütte, ehe es wieder hieß: Freies Fahren.
Aber auch der weitere Straßenverlauf der 67C überzeugte. Kurviger Verlauf, bester Asphalt, es ging durch den Wald und an Stauseen vorbei. Fahrtechnisch war der Tag allererste Sahne. Auch kulturell sollte noch einiges folgen, schließlich hieß das Tagesziel Sibiu (Hermannstadt).
Aber da wir intensiv gefahren waren, stand nur noch das Abendessen auf dem Programm. Der Kilometerzähler zeigte 1.976 km an.
Erkundung von Sibiu und Fahrt zur Transfăgărășan
Dienstag, 06.09.2022 Während zum Frühstück sich der Himmel noch bewölkt zeigte, als man in der obersten Etage des Golden Tulip saß, zeigte sich später die historische Stadt bei bestem Sonnenschein. Im Hinterkopf aber schon das nächste Highlight - die Transfagarasan.
Aber erstmal ein paar Eindrücke aus Sibiu: Es geht auf Mittag zu und es kribbelt. In der Literatur liest man von einer der schönsten Straßen der Welt. Der zweite rumänische Guide möchte einen Vergleich mit der Transalpina und ich will endlich da hoch.
Die Straße beginnt im Wald und schraubt sich langsam hoch in den unbewaldeten Teil. Der Asphalt ist nicht der beste. Man fährt aber auch nicht am Maximum, da man ab und an für Fotos anhält. Auf der Passhöhe geht es zum Balea Lac, wo zu später Stunde noch eine Mittagsrast anstand.
Auch die Abfahrt ein Genuss, zumal ich das erste Mal Braunbären auf der Straße hatte. Das heutige Tagesziel war Curtea de Arges. Da zeigte der Tageszähler 2.144 km an.
Zeit für ein erstes Fazit: Bis hierher schon super Strecken unter die Räder genommen. Darunter mit Transalpina und Transfagarasan die bekanntesten Straßen Rumäniens. Welche davon ist die schönere und ist es gar die schönste Straße der Welt?
Würde ich in Sibiu wohnen und hätte beide vor der Tür, dann würde ich wohl die Transalpina bevorzugen. Da ist weniger Verkehr, der Asphalt besser, der Straßenverlauf lässt höhere Geschwindigkeiten zu. Leider konnte ich den Ausblick nicht genießen.
Aber bei über 1.500 Kilometer Anreise bietet die Transfagarasan das bessere Gesamtpaket. Abwechslungsreicher Straßenverlauf, spektakuläre Aussichten, der Asphalt ist zwar etwas in die Jahre gekommen, trübt aber die Erfahrung nicht.
Die schönste Straße der Welt? Da sage ich klar Nein und das nimmt mir kein Rumäne übel, der etwas die Welt bereist hat. Sicher eine beeindruckende Straße, die sich in ein Dutzend Straßen einreiht, die ich in Europa mit dem Motorrad schon befahren habe.
Besuch des Draculaschlosses und Weiterfahrt nach Brasov
Mittwoch, 07.09.22 Jetzt zu sagen, man hat alles gesehen wäre verfrüht. Auch wenn es das Wetter nicht zu gut mit uns meinte, ging es weiter ostwärts. Landschaftlich interessant durch Schluchten, wurde kurz vorm Mittag ein touristisches Highlight, das Schloss Bran, angesteuert.
Auch bekannt als Draculaschloss. Vlad Tepes Draculea war wahrscheinlich nie auf dieser Burg gewesen. Trotzdem wird sie als solche vermarktet und zieht die Besucher an. Eintritt für die Besichtigung haben wir uns gespart, trotzdem ein ganz nettes Fotomotiv.
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir südlich von Brasov im Bergland. Sehr gute Strecken waren vorhanden, allerdings mit Vorsicht zu genießen. Es war nass und überall hatte es vom Rand Dreck auf die Straße gespült.
Mit der Anfahrt auf Brasov zeigte sich die Sonne. Unser Stadtführer hatte unsere Ankunft nicht abgewartet. So dass man sich nur einen kleinen Eindruck auf dem Weg zum Abendessen verschaffen konnte.
Ich war begeistert, eine sehr gemütliche Stadt, in der Leben herrschte, umgeben von Bergen. Auf jeden Fall einen Aufenthalt länger als diese Nacht wert. Das Abendessen konnte man als landestypisch bezeichnen. Der Kilometerzähler steht bei 2.412 km.
Kurvenreiche Strecken und ländliche Gastfreundschaft
Donnerstag, 08.09.22 Der östlichste Punkt der Reise war erreicht. Ab hier ging es wieder westwärts. Unsere Guides hatten dafür kurvige Strecken rausgesucht, die meist in tadellosen Zustand waren. Aber auch Holperpisten, die Mensch und Material an die Grenzen bringen. Es zeichnet sich ab, dass aktuell immer mehr Straßen entstehen.
Dank ortskundiger Guides lässt sich so etwas entdecken. Das Hotel total ländlich in Coltesti, aber sehr liebevoll eingerichtet. Das lässt sich für die komplette Reise feststellen. Sicher hat das Reisebüro die besseren Häuser gebucht, aber der Standard war jeweils sehr angemessen. Kilometerstand: 2.728 km
Abschluss der Tour in Oradea
Freitag, 09.09.22 Der Morgen wartete mit Regen auf, der auch tagsüber uns immer mal wieder erwischte. Der letzte Tourtag stand an und führte uns ins Apuseni-Gebirge. Sicher kann man hier noch viel mehr Straßen entdecken bei schönem Wetter. Es wurde ruhig angegangen und sich rechtzeitig zum letzten Hotel in Oradea aufgemacht.
Dieses erreichten wir am Nachmittag, ganz ungewohnt, die letzten Tage waren eher stressig. Da hieß es einchecken und gleich wieder los zu Stadtführung, Essen etc. Das wechselhafte Wetter hatte auch etwas Gutes, es zauberte kurz vor Ende einen Regenbogen hervor, der als Kulisse fürs Gruppenbild diente.
Gemütlich ging es zum Ausklang zum gemeinsamen Essen in die Innenstadt von Oradea, die sich zum Freitag sehr schön präsentierte. Die offizielle Reise endete hier und die meisten Teilnehmer machten sich am nächsten Morgen relativ direkt wieder Richtung Wien auf. Der Kilometerzähler zeigte 3.060 km an.
Zusammenfassung der Reiseetappen
| Tag | Datum | Strecke | Highlights | Kilometerstand |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 03.09.2022 | Anreise nach Wien | Vorbereitung auf die Tour | - |
| 2 | 04.09.2022 | Timisoara | Stadtführung, Stiefelbier | 1.300 km |
| 3 | 05.09.2022 | Entlang der Donau zum Eisernen Tor | Dampfloks in Resita, Bootstour auf der Donau | - |
| 4 | 06.09.2022 | Transalpina | Hirtenhütte, kurviger Verlauf | 1.976 km |
| 5 | 07.09.2022 | Sibiu und Transfăgărășan | Balea Lac, Braunbären | 2.144 km |
| 6 | 08.09.2022 | Draculaschloss und Brasov | Schloss Bran, Stadtführung | 2.412 km |
| 7 | 09.09.2022 | Coltesti | Kurvenreiche Strecken | 2.728 km |
| 8 | 10.09.2022 | Oradea | Apuseni-Gebirge, Stadtführung | 3.060 km |
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