Sattel richtig einstellen am MTB Fully: Eine Anleitung

Eine optimale Sitzposition beginnt mit der richtigen Einstellung des Fahrradsattels. Ob leidenschaftlicher Radfahrer, Wochenend-Biker oder E-Bike-Fan - wenn der Sattel nicht richtig eingestellt ist, wird jede Fahrt schnell zur Qual. Rückenschmerzen, eingeschlafene Hände oder schmerzende Knie können die Folge sein. Glücklicherweise lässt sich dies mit einigen einfachen Schritten vermeiden.

Warum ist die richtige Einstellung wichtig?

Die richtige Einstellung deines Mountainbikes ist entscheidend für dein Fahrerlebnis. Eine falsche Sitzposition kann nicht nur zu Schmerzen und Ermüdung führen, sondern auch deine Gesundheit langfristig beeinträchtigen. Besonders die Sattelhöhe und -neigung, sowie die Position des Lenkers und der Griffe spielen eine große Rolle.

Hier sind einige Gründe, warum du dein MTB richtig einstellen solltest:

  • Vermeidung von Schmerzen und Beschwerden: Eine zu hohe oder zu niedrige Sattelhöhe kann zu Knie-, Rücken- und Handschmerzen führen.
  • Effiziente Kraftübertragung: Eine korrekte Sitzposition ermöglicht eine optimale Kraftübertragung auf die Pedale.
  • Bessere Kontrolle und Handling: Ein richtig eingestellter Lenker verbessert die Kontrolle über das Bike und erhöht die Sicherheit.

Die richtige Sattelhöhe einstellen

Die Sattelhöhe ist einer der wichtigsten Faktoren für eine komfortables Fahrerlebnis und effiziente Kraftübertragung. Sie ist entscheidend für eine effiziente Tretbewegung und um Knieprobleme zu vermeiden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Innenbeinlänge messen: Stelle dich ohne Schuhe mit dem Rücken an eine Wand und miss von der Sohle bis zum Schritt. Dies schaffst du am besten, indem du ein Buch zwischen den Beinen nach oben schiebst. Die Oberkante des Buches ist deine obere Messkante.
  2. Sattelhöhe berechnen: Multipliziere deine Beinlänge mit 0,883. Das Ergebnis ist deine Sattelhöhe.
  3. Sattel einstellen: Stelle den Sattel so ein, dass der gemessene Abstand dem von der Mitte des Tretlagers zur Oberkante des Sattels entspricht.

Auf unseren neuen Sattelmodellen wirst du die sogenannte Biomechanische Referenzlinie (BMR) finden. Sie bestimmt den Messpunkt auf der Oberfläche des Sattels.

Es gibt auch die Hügi-Methode, die in den 1980er-Jahren entwickelt wurde. Dabei wird die Beinlänge vom Fuß bis zum Schritt gemessen und mit dem Faktor 0,885 multipliziert.

TIPP: Die richtige Sitzhöhe ist das Maß für gute Kraftentfaltung. Beginnen Sie die Annäherung an die optimale Sitzposition am besten von einer etwas zu hohen Sitzposition aus - erkennbar am unrunden Tritt und kippendem Becken. Tasten Sie sich abwärts mit der Sitzhöhe, bis der Tritt rund ist und das Becken nicht mehr mit jedem Tritt wegkippt.

Die Fersenmethode

Mit der Fersenmethode kann ganz einfach die optimale Sitzhöhe ermittelt werden. Setzt euch auf den Sattel und stellt die Ferse am tiefsten Punkt auf das Pedal. Das Knie sollte nun durchgestreckt sein. Solltest du das Pedal nicht erreichen, musst du den Sattel tiefer einstellen. Sollte das Knie noch leicht gebeugt sein, muss der Sattel höher.

Die Winkelmesser-Methode (Goniometer)

Mit einem Winkelmesser (Goniometer) kann die Sattelhöhe ebenfalls bestimmt werden.

Wichtig: Bei allen Einstellungen ist es immer ratsam auf seinen Körper zu hören. Zu tiefer Sattel belastet das Knie stärker und sorgt für eine schellere Ermüdung der Muskulatur. Ist der Sattel zu hoch wird das Knie durchgedrückt und der Fuß überstreckt. Es erhöht sich der Druck auf den vorderen Teil des Fußes.

Die horizontale Sattelverstellung

Die horizontale Position des Sattels beeinflusst deine Position im Verhältnis zum Tretlager und zum Lenker. Das erreichst du, indem du ein Lot von der Kniescheibe nach unten fällst. Das Lot sollte durch die Pedalachse fallen. Das kann am besten von einer anderen Person kontrolliert werden.

Verschiebe den Sattel so lange nach vorne oder hinten, bis diese Position erreicht ist.

Denn wer nur nach seinem Gefühl geht, sitzt schnell zu niedrig oder zu hoch.

Die richtige Sattelneigung einstellen

Neben der Sattelhöhe spielt die Neigung des Fahrradsattels eine wichtige Rolle dabei, eine bequeme und gesunde Sitzposition auf dem Fahrrad zu finden.

Viele Biker stellen bewusst die Sattelnase etwas nach unten, um den Dammbereich zu entlasten. Das führt jedoch zu mehr Druck und Haltearbeit in Armen, Händen und Schultern. Deshalb sollte der MTB-Sattel im Idealfall waagerecht sein.

Am besten sollte der Sattel möglichst waagerecht eingestellt sein. Zur Ermittlung der Waagerechten, kannst du eine Wasserwaage verwenden. Diese legst du am besten zuerst auf den Boden, um zu sehen, ob der Untergrund eben ist. Anschließend bringst du den Fahrradsattel in eine waagerechte Position, indem du die Schraube(n), die den Sattel mit der Sattelstütze verbinden lockerst.

Viele Schmerzgeplagte glauben, mit einer stark abgesenkten Sattelspitze bei langen Uphills den Druck vom Schambein zu nehmen - um Taubheitsgefühle zu verhindern. Das klappt jedoch nur für kurze Zeit. Denn bei einem schrägen Sattel muss die Rumpfmuskulatur die Hüfte quasi krampfhaft aufrichten. Schafft sie das nicht (mehr), kippt das Becken nach vorne - und der Druck lastet stark auf dem Dammbereich.

Lenker optimal einstellen

Die Lenkerhöhe und -position beeinflussen deine Sitzhaltung und den Fahrkomfort. So stellst du den Lenker richtig ein:

  • Lenkerhöhe: Die Höhe des Lenkers sollte so eingestellt sein, dass deine Arme leicht gebeugt sind. Ein höherer Lenker sorgt für eine aufrechtere Sitzposition, ein niedrigerer Lenker für eine sportlichere Haltung.
  • Lenkerbreite: Die Lenkerbreite sollte zu deiner Schulterbreite passen. Ein breiterer Lenker bietet mehr Kontrolle, ein schmalerer Lenker weniger Luftwiderstand.
  • Lenkerneigung: Stelle den Lenker so ein, dass deine Handgelenke in einer neutralen Position sind, um Überlastungen zu vermeiden. Wenn du unsicher bist, beginne zuerst so, dass du die Griffstück waagerecht einstellst. Nach Bedarf kannst du dann den Winkel der Griffe, beziehungsweise deren Neigung so einstellen, das nur ein sehr feiner Winkel vom Arm zum Handrücken entsteht.

Guter Indikator: Die Handgelenke knicken seitlich nicht ein. Zu breite Lenker verursachen (bei schmalen Schultern) oftmals Schmerzen in den Handgelenken, da diese stark abgeknickt werden. Zu schmale Lenker vermindern ein freies Atmen und vermindern die Kontrolle im technischen Gelände.

Bremsgriffe richtig einstellen

Um eine Kompression der Handnerven zu vermeiden, sollte der Bremsgriff in Verlängerung mit dem Unterarm stehen - in Fahrposition versteht sich. Der Zeigefinger liegt dabei in einer Linie mit dem Unterarm am Ende des Bremshebels.

Abfahrtsorientierte Biker richten die Griffe oft deutlich flacher aus, um das Hangelenk nicht so weit flexen zu müssen.

Cleat-Position: Pedalplatten korrekt einstellen

Zur Findung der Grundposition sollte das Cleat über Ihrem Großzehengrundgelenk (der dicke Teil hinter dem großen Zeh) sitzen. Schrauben Sie das Cleat mittig unter den Schuh. Mit einem Fall-Lot testen Sie (angesetzt in der Mitte des Kniegelenks außen), ob das Lot über die Pedalachse fällt. Dafür steht die Kurbel in einer 90-Grad-Tretstellung. Schieben Sie nun den Sattel vor oder zurück, um das Lot auszurichten.

Sattelposition finden

Nun sollte der Fußballen auf Höhe der Pedalachse stehen und das Knie sollte am tiefsten Punkt leicht angewinkelt sein. Die Kniescheibe sollte nun im besten Fall durch die vordere Pedalachse laufen.

Die genaue Einstellung auf persönliche Bedürfnisse, die Körperproportionen und auf das eigene Bike ist mindestens so wichtig wie einen passenden Sattel zu finden. Nehmen Sie sich deshalb Zeit dafür!

Testfahrten und Anpassungen

Mache nach veränderten Einstellungen eine kurze Testfahrt und überprüfe, ob du dich wohlfühlst.

Verändere die Einstellungen in kleinen Schritten und teste die Wirkung. Mache dir am besten vorher Notizen von den aktuellen Einstellungen, um diese Anpassungen im Bedarfsfall rückgängig zu machen.

Berücksichtige deine individuellen Bedürfnisse und Vorlieben.

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