Komfort-Sattelstützen für Mountainbikes im Test

Für die meisten Biker erfüllt die Sattelstütze nur den Zweck, den Sattel sicher und dauerhaft in seiner Position zu halten. Doch aus den starren Rohren lässt sich wesentlich mehr herausholen. Clevere Konstruktionen und gezielter Materialeinsatz liefern Dämpfungskomfort, wo Hardtail-Fahrer früher die Launen des Untergrundes ungefiltert ertragen mussten. Die modernen Komfortstützen gehen einen subtileren Weg und beschränken sich darauf, möglichst effektiv Vibrationen und kleinere Schläge, wie sie auf Forststraßen oder Schotterwegen auftreten, abzudämpfen. Gerade an Hardtails können gute Komfortstützen so für viele Fahrer ein Gewinn sein - vor allem auf langen Touren und Marathons.

Der Entwicklung der Komfortsattelstütze kamen dabei die immer fortschrittlicheren Fertigungstechniken, vor allem beim Werkstoff Carbon, zu passe. So verwundert es kaum, dass in unserem Test sechs von sieben Stützen aus dem schwarzen Gold gefertigt sind. Canyon geht mit seiner S25 VCLS sogar noch weiter und baut die Stütze zweigeteilt - wie zwei parallele Blattfedern. Prompt setzt sich diese auch an die Spitze der Komfortwertung. Bei keiner anderen ist der Komfortgewinn durch die Dämpfung ermüdender Vibrationen so deutlich, doch auch die anderen leisten Beachtliches. Auch Titan als metallischer Werkstoff ist in unserem Test in Form der USE Sumo vertreten, mit ebenfalls hohen Komfortwerten.

Die Testkriterien

Doch wie bei allen tragenden Bauteilen stehen Stabilität und Sicherheit an oberster Stelle, und gerade da zeigt sich noch durchaus Optimierungspotenzial. So haben wir die sieben Sattelstützen, denen der Hersteller ein komfortoptimiertes Flexverhalten zuspricht, nicht nur auf ihren Komfortgewinn in Labor und Praxis, sondern auch auf ihre Dauerhaltbarkeit hin untersucht. Mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Diese Komfort-Sattelstützen fürs Mountainbike sind im Test:

  • Cannondale Save2
  • Canyon S25 VCLS
  • Easton EC90 Zero
  • Ritchey WCS Carbon Link Flexlogic
  • Schmolke SL
  • Syntace P6 Hiflex (BIKE-Tipp: Testsieger)
  • USE Sumo Titan

So haben wir getestet

Die Untersuchungen zum Ermüdungsverhalten der Stützen und deren Flexverhalten fanden im Prüfinstitut Zedler (www.zedler.de) in Ludwigsburg statt. Dabei musste jede Stütze zuerst die Vorgaben der ISO-4210-Norm erfüllen. Das sind 100000 Lastwechsel von 1200 N hinter der Mitte der Sattelklemmung. Danach durchliefen die Testmuster ein vom Zedler-Institut eigens erarbeitetes, praxisnahes Testkollektiv, das sowohl höhere Kräfte bis 1700 N, wie auch einzelne Lasten auf die Sattelnase aufbringt. Die Beanspruchungen sollen eine mehrjährige Nutzungsdauer der Stütze im intensiven Touren-Einsatz durch einen 90 Kilo schweren Fahrer simulieren. Als Auszugslänge wurden realitätsnahe 27 cm gewählt.

Waren die Ergebnisse des Ermüdungstests der beiden Testmuster, auf konstantem Niveau, unbedenklich und schlüssig, bzw. haben beide Muster den Test ohne Auffälligkeiten durchlaufen, blieb es bei den beiden Tests. Gab es Auffälligkeiten, eine nennenswerte Wertestreuung oder ein kritisches Versagensverhalten, so wurde ein drittes Testmuster geprüft.

Die Test-Bewertung der Komfort-Sattelstützen

Die Bewertung erfolgt unter Berücksichtigung mehrerer Faktoren - Haltbarkeit, Handling, Gewicht und das Flexverhalten - immer auf Grundlage des Testmusters mit dem schlechtesten Ergebnis.

Als tragendes und sicherheitsrelevantes Bauteil kommt der Haltbarkeit dabei die größte Gewichtung zu. Dieser Aspekt nimmt daher 50 % der Gesamtbewertung ein. Sie wird aber gesplittet in die bis zum Versagen durchlaufenen Lastwechsel und auch Bruchbild. Ins Testurteil fließt daher die Lastzyklen mit 25 % und das Bruchbild mit 25 % ein. Wenn eine Stütze die ISO 4210 Norm bestanden hat, erhält sie automatisch die halbe Punktzahl. Die volle Punktzahl gibt es bei Durchlaufen des gesamten Ermüdungstests ohne Auffälligkeiten.

Das Flexverhalten entspricht dem praktischen Komfortgewinn und wird mit 30 % gewertet. Das Urteil setzt sich zusammen aus den Auslenkungswerten in den Labormessungen und den zusammengetragenen Praxiseindrücken der Testfahrer.

Beim Handling, das mit 10 % gewichtet wird, fließen das Handling der Stütze bei der Montage und Einstellung genauso ein, wie der Verstellbereich des Sattels auf der Stütze. So erlauben manche Stützen durch die breite Klemmung nur einen sehr enge Verstellung des Sattels nach vorne und hinten, andere sehr viel mehr. Eventuelle Auffälligkeiten im Fahrbetrieb fließen hier ebenfalls mit ein.

Das Gewicht wird ebenfalls mit 10 % bewertet. Die Einteilung erfolgt anhand der heute üblichen Gewichte anderer, vergleichbarer Sattelstützen.

Die Komfortstützen im Detail

Die Komfortstützen aus Carbon und Titan (USE) flexen deutlich mehr als die beiden Alu-Referenzmodelle von Thomson und Syntace. Canyon ist am komfortabelsten, Cannondale am unnachgiebigsten. In der Praxis ist das dynamische Flexverhalten ausschlaggebend. So fahren sich die USE und die Syntace wahrnehmbar komfortabler als etwa Easton, Schmolke und Ritchey.

Die Konstruktion macht den Unterschied: Ein Knick in der Cannondale SAVE2-Stütze erzeugt einen recht großen Versatz, wirkt aber auch versteifend. Sie ist zwar die mit Abstand längste Stütze, flext dennoch am geringsten. Nur leicht sein bringt aber noch keinen spürbaren Komfort. USE, Syntace und allen voran Canyon zeigen, dass intelligent eingesetztes Material in dem Falle zum Ziel führt.

Die Auslenkung ist von der Auszugslänge abhängig. Die Syntace P6 Hiflex Carbon gibt an der maximalen Auszugslänge (310 mm) 8,17 mm nach. Je geringer die Auszugslänge (hier: Reduzierung in 2-cm-Schritten auf 190 mm), desto weniger Flex. Komfort spürt selbst mit der dünnen Stütze nur, wer sie weit genug herausziehen kann.

Der Durchmesser entscheidet über die Flexibilität. Die Komfortmessungen mit der Syntace P6 Hiflex Carbon in verschiedenen Durchmessern zeigen den nichtlinearen Zusammenhang zwischen Durchmesser und Auslenkung: Im Vergleich zur dünnen 27,2-mm-Stütze nimmt die Auslenkung der dicken 34,9-mm-Variante überproportional ab.

Haltbarkeit - ein komplexes Thema

Doch wie schlagen sich die einzelnen Stützen im Haltbarkeitstest? Aus vergangenen Ermüdungstests wissen wir: Nur weil ein Testmuster hält, muss das nicht fürs nächste gelten. Und wenn dann doch etwas kaputt geht: lieber ein frühes Versagen, das sich erkennbar ankündigt, als ein später, aber plötzlicher Kollaps.

Statements der Sattelstützen-Hersteller

Cannondale Save2

Die SAVE2-Stütze ist ab Werk auf den Cannondale-Top-Bikes spezifiziert, und es gibt sie nur in 27,2 mm Durchmesser. In ihrer Geometrie ist sie auf die F-Si-Hardtails ausgelegt. Sie besitzt nicht nur einen recht großen Versatz, sie ist auch die mit Abstand längste Stütze. Bis 33,5 cm kann der Sattel damit über dem Sitzrohr thronen. Durch den sehr flachen Winkel am Klemmkopf ist die vordere der beiden Titanschrauben aber nur schlecht zugänglich. Die Montage und Neigungseinstellung gestaltet sich damit etwas aufwändig. Entgegen den Erwartungen erwies sich die SAVE2 als eine eher steife "Komfortstütze" und wird dem Flexanspruch erst bei großem Auszug gerecht. Bemerkenswert ist das hohe zulässige Fahrergewicht. Wenn auch erst spät, so brachen zwei der drei Testmuster im Labor am vorderen Gewindebolzen.

Carbon-Sattelstützen im Vergleich (Stand 2025)

Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene Carbon-Sattelstützen, verglichen nach Material, Gewicht, Maßen und weiteren Eigenschaften:

Modell Material Gewicht Maße (B x L) Besondere Merkmale
Rlx-Sl SE027 Kohlefaser 210 g 27,2 x 350 mm Zahlreiche Varianten, versetzter Sattel
Rxl SL SE027 Kohlefaser 210 g 27,2 x 350 mm Einstellbarer Sattelwinkel, viele Varianten
Esen Sp Carbon-Sattelstütze Kohlefaser 165 g 27,2 x 350 mm Sehr leicht, matte und glänzende Varianten
Alvinlite Vollcarbon-Sattelstütze Kohlefaser 229 g 31,6 x 400 mm Verstellbarer Sattelwinkel, hohe Kompatibilität
Qiku Ultraleichte Vollcarbon Sattelstütze Rennrad Kohlefaser 135 g 27,2 x 350 mm Sehr leicht, korrosionsbeständig
Rongxuan Carbon Sattelstütze Rennrad Kohlefaser 190 g 27,2 x 350 mm Sehr leicht, korrosionsbeständig
Yglong Carbon-Sattelstütze Kohlefaser 300 g 27,2 x 400 mm Matte und glänzende Varianten, versetzter Sattel

Die Auswahl der richtigen Sattelstütze hängt von individuellen Vorlieben und Anforderungen ab. Faktoren wie Fahrergewicht, bevorzugtes Gelände und gewünschter Komfort spielen eine entscheidende Rolle.

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