Die Wahl des richtigen Bikepacking-Taschen-Sets ist entscheidend für jede Bikepacking-Tour, ob kurz oder lang. Es bestimmt, ob Ordnung im mobilen Hausstand herrscht, ob der Tascheninhalt gut geschützt ist und ob das Gepäck so am Rad untergebracht ist, dass Fahrspaß und Fahrsicherheit auch unter schwierigen Bedingungen erhalten bleiben. Acht Hersteller haben sich diesem Praxistest mit je einem Set gestellt, bestehend aus vier Taschen zur Montage an Lenker, Oberrohr, Sattel bzw. Sattelstütze sowie im Rahmendreieck.
Bikepacking-Taschen: Worauf es ankommt
Beim Bikepacking kommt es auf die richtige Ausrüstung an. Satteltaschen sind dabei fast unverzichtbar, um zumindest das nötigste Ersatz-Material mitführen zu können. Die Auswahl an Satteltaschen ist vielseitig, genauso wie die vielen unterschiedlichen Ansatzlösungen für einen optimalen Transport von Ersatzschlauch und Mini-Tool. Da ist die Qual der Wahl groß. Alle haben sie jedoch eins gemeinsam: praktisch sollen sie vor allem sein.
Die Preisspanne für ein Set, bestehend aus Sattel-, Rahmen-, Oberrohr- und Lenkertasche, reicht von 215 Euro bei Topeak bis zum knapp vierfachen Preis bei Tailfin. Die leichtesten Sets wiegen weniger als ein Kilo und kommen von Cyclite und Restrap; Evoc und Ortlieb sind kaum schwerer. Die meisten Taschen sind wasserdicht und gut verarbeitet. Die größten Unterschiede ergeben sich in der Montage, Befestigung und Handhabung.
Taschen-Sets, die in Summe weniger als ein Kilogramm wiegen, setzen den Maßstab, kosten dafür jedoch auch ein paar Euro mehr. Details wie eine Fächeraufteilung im Inneren der Taschen helfen dabei, Ordnung zu halten; Schnüre oder Laschen außen an den Taschen erschließen zusätzliche Transportplätze mit schnellem Zugriff, beispielsweise für Windweste oder Sonnenschutz.
Entscheidend ist unterwegs
Die größten Unterschiede zwischen den Sets ergeben sich bei Montage und Befestigung. Fest montierte Halterungen, wie sie Tailfin und Revelate Designs bieten, sind Alleinstellungsmerkmale im Markt, auf dem ansonsten Riemen und Klettverschlüsse dominieren. Die genannten Produkte benötigen zwar etwas mehr Zeit für die Erstmontage, die man unterwegs aber wieder einspart, weil das Anbringen und Abnehmen der Taschen nur noch einen Handgriff erfordert. Tasche und Halterung sind in Summe etwas schwerer, punkten aber mit sicherem Sitz auch auf holperigem Untergrund, was insbesondere Viel-, Weit- und Offroad-Radler zu schätzen wissen.
Wer eher ein einfach zu montierendes Taschen-Set für die gelegentliche Bikepacking-Tour sucht, findet bei Anbietern wie Topeak und Acid (der Zubehörmarke von Radhersteller Cube) geeignete Taschen-Sets für knapp über 200 Euro.
Zusammengefasst: Der Markt bietet eine erfreulich große Bandbreite von Taschen-Sets mit ganz verschiedenen Eigenschaften, die unterschiedlichste Ansprüche bedienen können, je nachdem, ob das Gepäck-Ensemble besonders leicht, besonders robust oder besonders praktisch sein soll. Das nächste Bikepacking-Abenteuer mit dem Gravelbike kann jedenfalls starten!
Die Testkriterien im Detail
Für die Gesamtnote der Taschen-Sets wurden die Einzelnoten der Taschen unterschiedlich gewichtet. Dabei hat die Satteltasche aufgrund ihrer komplexen Konstruktion den größten Anteil mit 40 Prozent, gefolgt von der Rahmen- und der Lenkertasche mit je 25 Prozent und der Oberrohrtasche mit 10 Prozent. Die vier Produktkriterien Wasserdichtigkeit, Ausstattung/Verarbeitung, Montage/Halt sowie die Handhabung wurden mit jeweils 25 Prozent gleich gewichtet.
Wasserdichtigkeit
Die Taschen-Sets wurden jeweils mit einem definierten Wasserstrahl zehn Minuten lang bewässert. Papiertaschentücher im Inneren dienten dabei als Feuchtigkeits-Indikator. Die Rollverschlüsse - Mindesteinschlag drei Umdrehungen - hielten alle dicht, bei Reißverschlüssen oder geklebten Nähten an Rahmen- und Oberrohrtaschen drang Wasser ein.
Ausstattung / Verarbeitung
Die meisten Taschen zeigten sich gut verarbeitet; kleine Mängel stellten wir an manchen Befestigungen der Lenkertaschen oder an Nahtstellen bei Oberrohr- und Rahmentaschen fest. Positiv bewertet wurden Ausstattungsdetails wie zusätzliche Riemen an Lenker- oder Satteltaschen, Kompressionsventile oder sinnvolle Befestigungsteile.
Montage / Halt
Bei der Erstmontage der Sets wurde die Zeit gemessen vom Auspacken bis zum fertig bestückten Rad. Sehr schnell geht das beispielsweise bei Evoc, während die Adaptermontage für die Lenker- und Satteltasche von Tailfin Geschick und Geduld verlangt. Dafür überzeugt das Set mit dem besten Halt in jeder Fahrsituation und in jedem Gelände.
Handhabung
Bei manchen Herstellern braucht es mehr Übung als bei anderen, bis die Benutzung eingespielt ist. Ortliebs Rahmentasche mit Rollverschluss beispielsweise verfügt über ein gut zugängliches Ladefach, wird aber leicht bauchig und stört beim Treten an den Knien.
Einzelvorstellungen der getesteten Bikepacking-Taschen-Sets
Im Folgenden werden die getesteten Bikepacking-Taschen-Sets der verschiedenen Hersteller einzeln vorgestellt.
Acid Bikepacking-Set
Acid ist die Hausmarke von Cube und bietet viel Tasche fürs Geld. Sattel- und Lenkertasche mit Rollverschluss lassen sich aus dem Halfter entnehmen, das ist praktisch und verkürzt die Ladezeiten. Mit knapp zwei Kilo bei 34 Liter Volumen gehört das Set zu den schweren im Test.
Bewertung:
- Set-Preis: 285 Euro
- Volumen: 33,7 Liter
- Gewicht: 1,9 Kilogramm
Cyclite Bikepacking Set
Der Anspruch des deutschen Herstellers ist Leichtbau. Dem wird das Set-Gewicht von 900 Gramm für 30 Liter Stauraum vollauf gerecht. Viele gute und durchdachte Details.
Bewertung:
- Set-Preis: 525 Euro
- Volumen: 29,8 Liter
- Gewicht: 0,9 Kilogramm
Evoc Bikepacking Set
Das Set von Evoc zählt zu den leichtesten im Test, bietet dafür jedoch weniger Stauraum. Top ist die kurze Montagezeit; nach maximal zehn Minuten ist das komplette Set am Renner. Dabei sind die Boa-Verschlüsse praktisch, bieten jedoch nur wenig Zugkraft.
Bewertung:
- Set-Preis: 410 Euro
- Volumen: 17,3 Liter
- Gewicht: 1,1 Kilogramm
Ortlieb Bikepacking Set
Der deutsche Fahrradtaschen-Pionier spielt bezüglich Preis, Gewicht und Stauraum in einer ähnlichen Liga wie Evoc, schützt den Inhalt dank perfekter Rollverschlüsse jedoch etwas besser. Rahmen- und Oberrohrtasche fallen in der Handhabung und beim Halt etwas ab.
Bewertung:
- Set-Preis: 420 Euro
- Volumen: 19 Liter
- Gewicht: 1 Kilogramm
Restrap Bikepacking Set
Das Set wiegt weniger als ein Kilo, ist sehr flexibel, bietet jedoch nicht so viel Stauraum wie das gleich schwere Set von Cyclite. Die Montage geht schnell von der Hand; gute Ausstattungsdetails wie Magnetverschlüsse oder die Fächereinteilung der Rahmentaschen. Das Material raschelt.
Bewertung:
- Set-Preis: 468 Euro
- Volumen: 19,4 Liter
- Gewicht: 0,9 Kilogramm
Revelate Designs Bikepacking Set
Robustes und durchdachtes Set aus den USA; aufgrund seiner Bauweise vergleichsweise schwer, aber mit reichlich Stauraum. Dank der Spinelock-Halterung kann die Satteltasche in Fahrt nicht taumeln. Die Rahmen- und Oberrohrtasche könnten ihren Inhalt besser vor Nässe und Staub schützen.
Bewertung:
- Set-Preis: 695 Euro
- Volumen: 36 Liter
- Gewicht: 1,8 Kilogramm
Tailfin Bikepacking Set
Das teuerste und schwerste Set im Test ist unzerstörbar und für den Dauereinsatz gemacht. Selbst voll beladen bleibt das Rad sehr fahrstabil, das Gepäck ist gut geschützt. Benötigt mehr Zeit zur Erstmontage, überzeugt danach aber mit sehr einfacher Anbringung und Entnahme von Lenker- und Hecktasche.
Bewertung:
- Set-Preis: 805 Euro
- Volumen: 35,1 Liter
- Gewicht: 2,7 Kilogramm
Topeak Bikepacking Set
Topeaks Komplett-Set ist knapp kalkuliert und eine Empfehlung für die erste oder nur gelegentliche Schotter-Fluchten; Halfter für Sattel- und Lenkertasche erleichtern das Handling. Auf Dauer stören Details wie die voll beladen bauchige Rahmentasche, die leicht taumelnde Satteltasche oder die teils hakeligen Riemenverschlüsse.
Bewertung:
- Set-Preis: 215 Euro
- Volumen: 38,3 Liter
- Gewicht: 1,5 Kilogramm
Weitere getestete Satteltaschen
Neben den Bikepacking-Sets wurden auch einzelne Satteltaschen verschiedener Hersteller getestet. Hier eine Auswahl:
- AGU Clean Shelter: Absolut wasserdicht, Reflex-Elemente, aber dunkles Innenfutter.
- Deuter Bike Bag 0,8: Leicht, recyceltes Material.
- Evoc Seat Bag Tour L: Helles Innenfutter, zusätzliche Innenfächer, aber schwergängiger Reißverschluss.
- Norco Ontario Midi: Halteschlaufe für mobiles Rücklicht, reflektierende Elemente, gute Verarbeitung.
- Ortlieb Saddle Bag Two: Absolut Staub- und Wasserdicht, 5 Jahre Garantie, aber ohne Innentaschen.
- Rose Reflect: Reflektierende Elemente, Volumen erweiterbar, Zwei-Wege-Reißverschluss, aber nicht ganz wackelfrei am Sattel.
- SKS Explore Click: Sehr robust, helles Innenfutter für besseres Zurechtfinden.
- Vaude Tool LED: Einfach zu befüllen, Innentäschchen, fester Halt am Rad.
- Deuter Big Bag 1,2 Bottle: Reflektierende Logos, Fixier-Gummiband für Trinkflasche, aber dunkles Innenfutter.
- Norco Utah XL: Mehrere Innen- und Außentäschchen, aber für kleine Rahmengrößen ggf. zu voluminös.
- Topeak Mondopack Hydro: Absolut Staub- und Wasserdicht, 5 Jahre Garantie, aber ohne Innentaschen.
Die besten Satteltaschen (MTB): Wählen Sie Ihren persönlichen Testsieger aus der Bestenliste
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über einige der besten Satteltaschen (MTB) und ihre Eigenschaften:
| Position | Modell | Preis | Großes Fassungsvermögen | Widerstandsfähiges Material |
|---|---|---|---|---|
| Platz 1 | Rockbros C29-BK | ca. 24,00 € | 1,5 l | Nylon und Kunststoff |
| Platz 2 | Vaude 11814 | ca. 17 € | 0,9 l | Polyamid |
| Platz 3 | KlickFix 0295S | ca. 24 € | 1,2 - 2 l | Polyester und Kunststoff |
| Platz 4 | Rovativ Satteltasche | ca. 49 € | 10 l | TPU-Gewebe |
| Platz 5 | Topeak TC2273B | ca. 24 € | 1,3 - 1,7 l | Nylon |
Diese Tabelle bietet eine gute Grundlage für die Auswahl der passenden Satteltasche für Ihre Bedürfnisse.
Satteltaschen (MTB)-Kaufberatung: So wählen Sie das richtige Produkt aus
Vor dem Kauf einer Fahrradtasche sollte man sich fragen, für welchen Einsatzzweck die Tasche gedacht ist. Viele Taschen fürs Rad haben keine weitere Unterteilung. Für den Alltag ist das unpraktisch - wer möchte schon beim Einkaufen jedesmal in den Tiefen der Tasche nach seinem Portemonnaie kramen?
Damit die Tasche schließlich stabil sitzt und nicht vom Rad runterfällt, sobald Sie über Bordsteine, Schlaglöcher, Geröll oder Ähnliches fahren, sollte sich die Tasche unkompliziert und fest am Fahrrad befestigen lassen. Am besten sind zwei Klemmen am Gepäckträger, die sich horizontal anpassen lassen. Idealerweise ohne zusätzliches Werkzeug. Stabilität gibt ein weiterer Haken an den Streben des Gepäckträgers.
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