Die Wahl des richtigen Reifens ist entscheidend für die Performance und Sicherheit beim Motocross und Offroad-Fahren. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Test von Offroad-Motorradreifen, einschliesslich Schaufelreifen, mit Fokus auf Leistung in verschiedenen Terrains und Bedingungen. Es gibt nicht die Universalwaffe à la „one size fits all“ in der Gattung der Offroad-Motorradreifen für große Reiseenduros. Natürlich könnte man nach Punkten den Gesamtsieger küren. Das wäre der Pirelli Scorpion Rally. Aber wo ein Erster, da auch ein Letzter und der hieße dann Michelin Anakee Wild.
Jeder, der aus dem Reifenangebot „On-/Offroad“ unbedingt den Geländetauglichsten herauspicken will, kommt am Michelin nicht vorbei. Wer kernige Optik mit Eins-a-Straßenperformance kombiniert, greift zum Mitas. Bridgestone liefert einen soliden Mix aus Offroad, Nässe und Laufleistung, Conti bewegt sich auf Asphalt und Schotter besonders gut. In Summe haben wir hier sechs Reifen für Individualisten. Und das ist gut so.
Bridgestone AX 41
Der Bridgestone Battlax AX 41 ist der Tipp für offroad-orientierte Reiseenduristen.
- Gewicht: vorne 5,3 kg, hinten 7,6 kg
- Geschwindigkeitsindex: Q (bis 160 km/h)
Der Blick aufs Profil weckt Zweifel, dass der neue AX 41 auf Asphalt überzeugen wird. Und so ist es: In engen Kurven wirkt der Offroader leicht kippelig, beim Beschleunigen sowie höherem Tempo stören Walkbewegungen. Ab Tempo 80 nehmen die Abrollgeräusche deutlich zu.
Abseits der Straße überzeugt der AX mit toller Performance, verzahnt sich stark auf Schotter und Geröll, punktet beim Bremsen im Gelände. Im Regen vermittelt der Bridgestone ein gut einschätzbares Feedback und gefällt durch satte Haftreserven. Manko: die Bremsperformance!
Mit seinen groben Stollen bietet der AX viel Angriffsfläche, trotzdem steckt er den Stresstest im Straßen- und Offroad-Mix noch gut weg. Ein Tipp für offroad-orientierte Reiseenduristen. Die Nachteile auf asphaltierten Pisten halten sich im Rahmen, auf der Habenseite stehen souveräne Geländeleistungen, ausreichend Grip im Regen sowie geringe Verschleißwerte.
MOTORRAD-Bewertung: gut
Continental TKC 80
Der Continental TKC 80 überzeugt auch nach über drei Jahrzehnten mit Ausgewogenheit.
- Gewicht: vorne 4,5 kg, hinten 6,7 kg
- Geschwindigkeitsindex: Q (bis 160 km/h)
Auf geteerten Wegen kann der TKC besser überzeugen als die ähnlich grob profilierten Konkurrenten von Bridgestone und Michelin, bleibt unterm Strich noch einigermaßen harmonisch und neutral steuerbar. Auch Bremsperformance, Geradeauslauf und Fahrgeräusche gefallen besser.
Im groben Geländeeinsatz fühlt sich der Grobstöller richtig wohl. Nur wenn es richtig deftig wird, haben Bridgestone- und Michelin-Piloten die Nase vorn. Bei Regen ist inzwischen zu spüren, dass der TKC der Opa im Feld ist. Die Konkurrenz punktet durch mehr Grip und ist besser einschätzbar.
Hinten schwindet das Gummi, vorne dagegen nicht. Damit Sieger im Kapitel „Wirtschaftlichkeit“. Der Klassiker in dem Segment sieht auch nach über drei Jahrzehnten nicht wirklich alt aus und überzeugt mit ausgewogenen Eigenschaften auf Asphalt, einer Top-Geländeperformance sowie den besten Verschleißwerten.
MOTORRAD-Bewertung: gut
Metzeler Karoo 3
Der Metzeler Karoo 3 macht auf der Straße einen guten Job.
- Gewicht: vorne 5,4 kg, hinten 7,6 kg
- Geschwindigkeitsindex: T (bis 190 km/h)
Das Stollendesign weist in Richtung Straße, das ist auch tatsächlich zu spüren. Auf Asphalt punktet der Karoo 3 mit guten Haftreserven, seine Handlichkeit und Stabilität in Kurven spricht besonders sportlich orientierte Reiseenduristen an. Beim Bremsen in Schräglage ist ein kleiner Aufstellimpuls zu spüren.
Auf Schotterpisten bereitet der Metzeler keine Probleme, auch Bergaufpassagen meistert er mit guter Verzahnung. In gröberem Gelände sowie auf Schlamm kann er aber nicht mithalten. Satter Grip, gut abgestimmter Grenzbereich, klasse Bremswerte. Ein Reifen für Regentage.
Vorne passt es, hinten bleibt allerdings reichlich Profil auf der Strecke. Insgesamt durchwachsen. Die Marschrichtung des Karoo 3 weist klar in Richtung Straße, wo er auch bei widrigen Bedingungen, zum Beispiel im Regen oder auf Rollsplitt, einen guten Job macht. Ernsthafte Geländeausritte sind allerdings nicht sein Ding.
MOTORRAD-Bewertung: gut
Michelin Anakee Wild
Der Michelin Anakee Wild ist mit seiner Top-Performance spitz auf offroad konfiguriert.
- Gewicht: vorne 5,2 kg, hinten 6,5 kg
- Geschwindigkeitsindex: R (bis 170 km/h)
Der Weg ins Gelände muss förmlich erkämpft werden, auf asphaltierten Straßen macht der Anakee Wild keine besonders gute Figur - kippelig in Schräglagen, deutlich spürbare Walkbewegungen beim Beschleunigen und in Kurven, dazu eine nur mäßige Stabilität und eine insgesamt sehr verhaltene Bremsperformance.
Feiner Schotter oder grobes Geröll, bergauf oder bergab, Schlammpassagen oder nasse Wiesenhänge - in diesem Terrain fühlt sich die Michelin-bereifte Reiseenduro pudelwohl. Top! Beim Bremsen im Regen noch okay, ansonsten sind die Gripreserven im Nassen sehr mau.
Die groben Stollen lassen beim Kilometerschrubben on- wie offroad besonders schnell nach. Die Top-Performance im Gelände ist über jeden Zweifel erhaben. Dafür müssen viele Nachteile im Alltagseinsatz auf „normalen“ Straßen in Kauf genommen werden. Für einen On-/Offroader ist der Anakee Wild sehr spitz konfiguriert.
MOTORRAD-Bewertung: befriedigend
Mitas E-07+
Der Mitas E-07+ steht für die Kombination aus Straßenperformance und kerniger Optik.
- Gewicht: vorne 5,8 kg, hinten 8,0 kg
- Geschwindigkeitsindex: T (bis 190 km/h)
Mit seinem neutralen Lenkverhalten, ausreichend Stabilität und souveränem Auftritt beim Bremsen fährt der Mitas der Konkurrenz in diesem Testkapitel davon. Der Speed-Index kann dank geringer Walkbewegungen bis zum Limit von 190 km/h problemlos ausgereizt werden, und mit seinen moderaten Abrollgeräuschen punktet der E-07+ auch in der Komfortwertung.
Das straßenorientierte Profil mit geringem Negativanteil kommt abseits geschotterter Wege mangels Traktion schnell an seine Grenzen. Gerade hinten sind die Haftreserven schnell aufgebraucht. Das Feedback bei Nässe ist aber okay.
Die großen Profilblöcke zeigen sich besonders hinten sehr zäh und robust. Gut gemacht! Wer Straßenperformance mit kerniger Optik kombinieren will, sollte zum Newcomer von Mitas greifen. Onroad überzeugt der E-07+ beim Kurvenwedeln, offroad darf das Gelände aber nicht zu rau werden. Top im Verschleiß.
MOTORRAD-Urteil: gut
Pirelli Scorpion Rally
Der Pirelli Scorpion Rally überzeugt mit brillanter Ausgewogenheit.
- Gewicht: vorne 5,5 kg, hinten 7,5 kg
- Geschwindigkeitsindex: T (bis 190 km/h)
Sein leichtes Einlenkverhalten, das satte Grippolster, ein geringes Abrollgeräusch sowie das gute Feedback machen den Offroader von Pirelli zu einem sehr guten Straßenreifen. Auch der Geradeauslauf überzeugt mit überdurchschnittlicher Stabilität. Mit seiner leichten Tendenz zur Kippeligkeit müssen bei der Lenkpräzision Abstriche in Kauf genommen werden.
Auf losem Terrain schaufelt sich der Pirelli förmlich durch den Untergrund. Besonders klasse: der spurstabile Vorderreifen. Im Schlamm hapert’s. Breiter, gut einschätzbarer Grenzbereich plus reichlich Grip. Ein Tipp für die Regenzeit!
Starker Raubbau an den Profilblöcken vorne wie hinten. Die Performance kostet Laufleistung. Seine Ausgewogenheit macht ihn klar zu einem der besten On-/Offroad-Reifen in diesem Testfeld. Brillante Performance auf der Straße gepaart mit guten Geländeeigenschaften sowie einer Top-Vorstellung auf nassem Asphalt.
MOTORRAD-Urteil: gut
Offroad-Motorradreifen auf der Landstraße
Hervorragend funktioniert der sehr präzise Mitas, knapp dahinter platzieren sich Gummis von Metzeler und Pirelli.
Die Tatsache, dass es mit fetten Noppen auf der Außenhaut eben nicht die Stabilität genretypischer Enduroreifen geben kann, sollte jeder reisende Geländegänger akzeptieren und entsprechend vernünftig am Gas hantieren. Denn wer will schon bei aller Liebe zur Natur auf eine feiste Kurvenorgie verzichten, wenn sich diese plötzlich vor dem Vorderrad auftut?
Gerade in diesem Bewertungspunkt klafft die Schere besonders weit auf. Zwischen Bestem (Mitas) und Schlechtestem (Michelin) beträgt der Unterschied knapp fünf Meter. Das ist eine Autolänge. Oder noch drastischer in Form der Restgeschwindigkeit ausgedrückt: Wenn die Mitas-bereifte GS steht, hat der Michelin-Pilot noch 32 km/h drauf. Das klingt schon sehr krass.
Es gibt klar „auf Straße“ gestrickte Gummis (Mitas, Metzeler, Pirelli), und es gibt Reifen, bei denen Straße unter„ferner liefen“ im Lastenheft steht (Bridgestone, Conti, Michelin).
Offroad-Motorradreifen im Gelände
Im Gelände zeigt Michelins wilder Anakee der Konkurrenz was Sache ist.
Auf Sardinien finden wir vermutlich den perfekten Kompromiss aus allen Welten: staubige Feldwege, lehmige Ziegenpfade durch die immergrüne Macchia, steinige Geröllpisten, die sich im Nirgendwo der Berge verlieren.
Als nahezu ideales Testwerkzeug erweist sich in diesem Augenblick die R 1250 GS mit dem genialen Shiftcam-Motor und der Einstellmöglichkeit „Enduro Pro“, die bereits ab Werk auf den Einsatz grobstölliger Geländebereifung abgestimmt ist.
Mühelos und ohne Kraftaufwand, fast schon an der Grenze zum Trialbike ausbalanciert, lässt sich der Geländeboxer über Stock und Stein bugsieren. Selbst unfassbar steile Geröllabhänge meistert die Großenduro, als würde man mit einem federleichten Crosser herunterrutschen.
Erwartungs- gemäß trumpfen jetzt nämlich die drei Paarungen auf, die sich zuvor auf festem Boden - sprich der Straße - als besonders zickig erwiesen haben. Sie ziehen die Karre (und so manchen verzweifelten Piloten) sozusagen mit Sternchen-Plus-Auszeichnung wieder aus dem Dreck.
Offroad-Motorradreifen im Nässe-Test
Der Anakee Wild gibt bei Nässe sehr schnell auf. Einwandfrei die Leistung von Pirelli und Metzeler mit sattem Grippolster und gut einschätzbarem Grenzbereich.
Deshalb testen wir, wie die sechs Reifen normale Fahrsituationen auf Asphalt absolvieren. Ort des Nässetests für die Reifen 2019: das Testareal von Bridgestone nahe Rom, wo wir zwei Tage lang einen permanent bewässerten Rundkurs nutzen können.
Nahezu alle Reifenhersteller betreiben ähnlich konzipierte Anlagen, ein Heimvorteil der eigenen Reifenmarke durch eine besondere Streckenführung oder einen speziell präparierten Asphalt ist quasi ausgeschlossen und würde in der Praxis auch gar nicht funktionieren.
Allerdings lassen sich erst durch dieses von MOTORRAD quasi normierte Testverfahren genaue Aussagen zum „Was wäre, wenn …“ treffen. Wenn zum Beispiel eine Notbremsung im Regen eingeleitet werden muss!
Gibson Tyre Tech im Motocross- und Enduro-Bereich
Die englische Offroad Motorradreifen Marke Gibson Tyre Tech ist stark von der Leidenschaft zum Motorrad Offroad Rennsport geprägt. Das Engineering der Produkte und die Produktion von hochwertigen, technisch anspruchsvollen Offroad Reifen, sowie das technisch anspruchsvolle Erstellen von Gummimischungen, findet in Großbritannien in modernsten chemischen Laboren und unter Einsatz modernster Computertechnologien statt.
Dem ambitionierten Kunden, ob Amateur oder Profi, wird ein modernes, umfangreich getestetes und technisch höchst anspruchsvolles Produkt, das perfekt auf das gewählte Einsatzgebiet ausgerichtet und entwickelt wurde, an die Hand gegeben. Das sehr gute Preis-Leistungsverhältnis rundet das gute Angebot des englischen Offroad Reifen Spezialisten ab, streng dem Motto der jungen Firma folgend: ALWAYS MOVING FORWARD, NEVER LOSING GRIP.
Das Produktportfolio von GIBSON Tyre Tech umfasst: Motocross, Minicross, Enduro, Mousse und Luftschläuche.
Gibson MX Reifenprofile
- MX 1.1 (Vorderrad): V-förmiges Profil für stabilen Bodenkontakt und präzises Handling, geeignet für weiche bis mittelharte Böden.
- MX 3.1 (Hinterrad): Für Weich- und Mischböden, mit hoher Traktion und guter Selbstreinigung.
- MX 4.1 (Hinterrad): Für mittlere bis mittelharten Böden, mit optimaler Anordnung der Profilblöcke für maximale Kontrolle.
- MX 5.1 (Hinterrad): Speziell für weichen Sand konzipiert, mit Schaufelprofil für außergewöhnliche Traktion.
Gibson Mousse
Das Gibson Tyre Tech Mousse wurde für den harten Offroad-Wettbewerbseinsatz entwickelt und verfügt über eine spezielle, einzigartige Materialeigenschaft, die zu einer perfekten Funktionalität in der komplexen Rad-Reifen-Verbindung führt und optimale Balance zwischen Haltbarkeit und Performance bietet. Bei der fachgerechten Montage unter Beachtung der Montageinformationen garantiert der Moosgummiring eine hohe Einsatzdauer.
Bridgestone im Einsatz: Erfahrungen von Stefan Ekerold und Eduard Ederer
Stefan Ekerold ist seit vielen Jahren einer der deutschen Spitzenfahrer. Die Reifen sind die erste Kontaktfläche mit der Rennstrecke. Sie geben dem Fahrer das erste Feedback, wie schnell man in die Kurve reinfahren kann, wie sehr man sich reinlegen kann und so weiter.
Mein Sponsor Bridgestone empfiehlt verschiedene Einsatzzwecke für die unterschiedlichen Böden und meistens muss man sich nur zwischen je zwei Profilen für vorne und hinten entscheiden.
Wenn ich jemandem einen Reifen empfehlen müsste, der einen nicht im Stich lässt, wenn es morgens im ersten Training vielleicht noch ein bisschen matschig ist, der aber auch am Ende von Tag, wenn es ausgetrocknet ist, immer noch gut mit Grip versorgt, würde ich auf jeden Fall vorne wie hinten den Bridgestone X20 wählen.
Eduard Ederer: "Ich bin schon seit fast 20 Jahren auf Bridgestone Reifen unterwegs. Die großen Vorteile die wir bei Bridgestone Reifen für viele Jahre erfahren haben sind, dass sie sehr lange halten, nie Stollen reißen und dennoch eine top Performance abliefern. Karkassenbrüche oder sonstige Qualitätsmängel gibt es einfach nicht.
Dunlop Geomax MX14: Der Spezialist für Sand
Der Nachfolger vom Geomax MX12 wurde für extrem sandige Bedingungen konzipiert und bietet Fahrern spürbare Traktionsvorteile beim Start, auf Geraden und am Kurvenausgang - egal ob im Tiefsand oder auf sandigen Oberflächen mit harten Untergründen.
Ein absoluter Hingucker ist das neue Profil-Design mit seinen schaufelartigen Profilblöcken. Dabei wurde die Höhe der Profilblöcke um 18% gegenüber dem Geomax MX12 erhöht. Zusammen mit der gewölbten Stollenform und dem optimierten Abstand der Stollen kann die sandige Oberfläche nun deutlich schneller durchdrungen werden, so dass Sand und Schmutz in größeren Mengen erfasst werden kann.
Luca Davide Andreoni, Marketing Manager, Dunlop Motorrad Europe: „Wir wollten einen Motocrossreifen entwickeln, der in jeder Hinsicht einen Schritt nach vorne macht - nicht nur im Vergleich zu seinem Vorgänger, sondern auch gegenüber seinen Mitbewerbern. Das hat der Geomax MX14 bereits eindrucksvoll in der letzten MXGP-Saison bewiesen.
Zusammenfassung der Reifentestergebnisse
Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse der getesteten Reifen zusammen, basierend auf den verschiedenen Kriterien:
| Reifen | Landstraße/Alltag | Offroad/Gelände | Nasstest | Verschleiß | Gesamtbewertung |
|---|---|---|---|---|---|
| Bridgestone AX 41 | 104 | 124 | 74 | 78 | Gut |
| Continental TKC 80 | 116 | 117 | 67 | 80 | Gut |
| Metzeler Karoo 3 | 120 | 106 | 83 | 74 | Gut |
| Michelin Anakee Wild | 97 | 129 | 61 | 71 | Befriedigend |
| Mitas E-07+ | 125 | 88 | 72 | 79 | Gut |
| Pirelli Scorpion Rally | 121 | 111 | 84 | 71 | Gut |
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