Eine Fahrradpanne während der Radtour ist ärgerlich und beendet schnell das Vergnügen. Reifen-Inserts erfreuen sich immer größerer Beliebtheit in allen MTB-Kategorien, um Pannen zu vermeiden und die Felge zu schützen. Aber ist das wirklich die Lösung, mit der man nie wieder Platten und kaputte Laufräder bekommt oder nur unnötig Extragewicht?
Mountainbiken ist voller Höhen und Tiefen, und zwar wörtlich und sprichwörtlich. Es ist ein traumhafter Tag auf dem Bike mit Kaiserwetter, Hero-Dirt und einer mega Crew! Doch leider kann der Stoke durch diesen einen fiesen Stein, der versteckt hinter einer Kuppe lauert, gedämpft werden. Es ist zu spät zum Ausweichen und pffff… der Reifen ist hinüber, oder schlimmer noch: gleich die ganze Felge.
So kann aus einem Höhenflug schnell ein tiefer (emotionaler) Sturz werden. Und genau das sollen Reifen-Inserts verhindern. Das Prinzip an sich ist sehr simpel: In die tubeless-aufgebauten Reifen wird bei der Montage ein kreisförmiges Stück Schaumstoff-Nudel hineingelegt. Das soll Schläge auf die Felge abdämpfen, den Durchschlagschutz verbessern und zudem ein sanfteres Fahrgefühl bringen.
Reifen-Inserts mögen ein vermeintlich simples Teil sein, doch innerhalb des Testfelds gibt es dennoch deutliche Unterschiede: Allein das Gewicht reicht von 40 g bis über 300 g pro Stück. Die Breite der Inserts ist dabei sehr ähnlich und die Differenz kommt hauptsächlich durch die unterschiedliche Dichte - und damit Festigkeit - des Materials. Auch der Preis hat eine große Spannweite: Die teuersten Inserts im Test kosten knapp 180 €, während die DIY-Lösung auf gerade einmal 14 € kommt.
Was sind Reifen-Inserts?
Tire-Inserts sind Schaum- oder Kunststoffkonstruktionen, die ihren Platz im Inneren des Reifens haben. Dort sollen sie den Reifen bei seiner Tätigkeit unterstützen, schließlich ist der am ungefederten Gravel-Bike das Fahrwerk und daher besonders wichtig für das Fahrverhalten.
Dementsprechend wollen Tire-Inserts für eine Reihe positiver Eigenschaften sorgen: von verbessertem Komfort über erhöhte Effizienz bis hin zum Schutz von Reifen und Laufrad vor Durchschlägen. Für alle, die Letztere nicht kennen: Durchschläge sind Ereignisse, bei denen ein Hindernis - ein Stein, eine Wurzel oder etwas anderes - den kompletten Federweg des Reifens in Anspruch nimmt, also bis auf die Felge durchdringt.
Dabei wird der Reifen zwischen Hindernis und Felge eingeklemmt und kann beschädigt werden, wie übrigens auch die Felge bei ganz harten Einschlägen.
Verschiedene Arten von Reifen-Inserts
Es gibt verschiedene Arten von Tire-Inserts, die sich in ihrer Konstruktion und Funktionsweise unterscheiden:
- Felgenbett-Inserts: Diese liegen im Felgenbett, drücken den Reifen von innen in seine Position im Felgenhorn und füllen den Reifen je nach Modell von ca. einem bis zu zwei Dritteln aus. Dabei soll der äußere Teil der Tire-Inserts die Reifenflanke von innen stabilisieren.
- Schlauch-ähnliche Inserts: Diese sehen aus wie ein zweiter Reifen und schmiegen sich von innen an den eigentlichen Reifen. Sie richten sich an Gravel-Fans, die immer noch mit Schlauch unterwegs sein wollen, denn in den meisten Fällen wird genau der benötigt, um diese Art von Insert in Position zu halten.
- Zwei-Kanal-Inserts: Diese liegen ebenfalls im Felgenbett - jedoch mit dem Unterschied, dass sich nicht nur ein Luftkanal über dem Tire-Insert befindet, sondern auch noch ein zweiter zwischen Tire-Insert und Felge. Die beiden Luftkanäle sind aber nicht voneinander abgeschlossen, sondern mit einigen kleinen Löchern verbunden.
- Poolnudel-Inserts: Diese erinnern an eine Poolnudel. Sie liegen ohne viel Hightech einfach im Inneren des Reifens und füllen ihn zum Großteil aus.
Vor- und Nachteile von Reifen-Inserts
Vorteile
- Erhöhter Pannenschutz: Reifen-Inserts schützen vor Durchschlägen und Beschädigungen der Felge.
- Niedrigerer Reifendruck: Sie ermöglichen das Fahren mit niedrigerem Reifendruck, was zu mehr Grip und Komfort führt.
- Verbesserte Fahrstabilität: Die Seitenwand der Reifen wird stabilisiert, was ein direkteres Fahrgefühl in Kurven ermöglicht.
- Dämpfung: Sie dämpfen feine Vibrationen und sorgen für zusätzlichen Komfort.
- Notlaufeigenschaften: Selbst bei einer Reifenpanne kann man mit Insert noch mit ruhigerem Gewissen zurückrollen.
Nachteile
- Montage: Reifen-Inserts aufzuziehen ist harte Arbeit.
- Gewicht: Sie erhöhen das Gewicht des Laufrads.
- Rollwiderstand: Durch den niedrigeren Druck kann sich der Rollwiderstand erhöhen.
- Kosten: Die Preise können sehr hoch sein.
- Kompatibilität: Zum Verbauen von Inserts sind spezielle Ventile nötig, die Öffnungen zur Seite haben, sodass das Insert nicht den Luftfluss blockiert.
Montage von Reifen-Inserts
Die Montage von Reifen-Inserts kann eine Herausforderung sein. Hier sind einige Tipps:
- Suchen Sie sich einen Freund, der Ihnen bei der Montage helfen kann.
- Verwenden Sie spezielle Ventile, die für Inserts geeignet sind.
- Verwenden Sie etwas mehr Tubeless-Milch als üblich.
- Verwenden Sie einen Kompressor oder eine Booster-Pumpe.
Testergebnisse und Erfahrungen
In verschiedenen Tests haben sich Reifen-Inserts bewährt, insbesondere in Bezug auf den Durchschlagschutz. Generell kann man aber sagen: Je schwerer das Insert, desto besser ist der Durchschlagschutz. So bietet das massive Technomousse mit einer Fallhöhe von 720 mm mit einigem Abstand den besten Schutz.
Ein weiterer Effekt von Inserts - der wohl am meisten für schwere Fahrer, Berm-Cutter oder Brap-Champions interessant sein wird - ist: Durch die breite Form der Inserts wird die Seitenwand der Reifen stabilisiert, sodass dieser nicht so schnell aus dem Felgenbett rutscht.
Schaum für Fahrradreifen: Pepi’s Tire Noodle
Neben bekannten „Flat Tire Protection“ Systemen, wie dem Procore von Schwalbe oder auch dem Huck Norris kam jetzt ein weiteres System auf den Markt: Pepi’s Tire Noodle aus Italien. „Das Geheimnis der Champions“ sagt Pepi´s. Der Deutschlandimport wird von MaXalmi im hessischen Kelkheim übernommen. Jetzt kann man die Noodle auch im Vertrieb über Bikeshops wie HIBIKE kaufen. Der Kostenaufwand von nur 59,90 Euro pro Noodle-Satz ist relativ gering. Im Vergleich zu Procore und Cushcore also ein absolutes Schnäppchen!
Beim Auspacken merkt man bereits, dass die Noodles tatsächlich extrem leicht sind. Dies liegt am Material, einem geschlossenzelligen Schaumstoff (diese nehmen kein bzw. wenig Wasser auf im Gegensatz zu offenzelligem Schaum - wie z.B. bei einem Spülschwamm, die Wände der einzelnen Zellen sind geschlossen).
Tatsächlich erlaubt die PTN leichtere Reifen/Felgen zu fahren. So war es mir sowohl auf Downhill, als auch dem Enduro Bike möglich, einen einfachen Faltreifen ohne Wandverstärkung zu fahren. Tatsache, auch der Gripp auf dem Trail ist echt besser als zuvor. Ein Stück weit als Nachteil ist die sehr mühsame Montage und Demontage zu sehen, wofür in meinem Fall zwei Personen benötigt wurden.
Alles in allem gibt es für die „Pepi’s Tire Noodle“ jedoch eine Kaufempfehlung von mir.
Anwendungsfälle für Reifen-Inserts
Es gibt Anwendungsfälle, in denen die Stunde von Tire-Inserts schlägt:
- Wenn man in rauem Gelände im Under-Biking-Style unterwegs ist, seine Limits pushen und nicht vom Gravel- aufs Mountainbike wechseln will.
- Wenn man großteils auf richtig losem, grobem und ruppigem Untergrund unterwegs ist und die Performance durch geringen Luftdruck steigern will.
- Wenn man in diesen Fällen das Limit der Reifen schon voll ausgenutzt hat, sprich den stabilsten Aufbau und das maximale Reifenvolumen gewählt hat, die ins eigene Gravel-Bike passen.
Dann können Tire-Inserts helfen, durch geringeren Reifendruck mehr Federweg zu erzeugen, und dabei gleichzeitig Reifen und Felge vor Durchschlägen schützen. Dann können sie durch den geringeren möglichen Reifendruck und eine größere Aufstandsfläche für mehr Grip in Kurven sorgen und dabei die Gefahr von Burping minimieren, also dem plötzlichen Druckabfall, weil sich der Reifen kurz von der Felge löst. Und dann können sie für ein besseres Fahrverhalten sorgen, weil sie bei niedrigem Druck die Reifenflanke stabilisieren.
Fazit
Die breite Masse der Gravel-Fans holt sich allein durch die Wahl des richtigen Reifen-Laufrad-Systems die gewünschten Eigenschaften ans Gravel-Bike. Selbst für grobes Gelände gibt es die richtigen Modelle. Wir sagen daher: Tire-Inserts am Gravel-Bike sind ein Nischenprodukt!
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