Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker und gehört seit Jahren zu den beliebtesten Bremsen an hochwertigen Mountainbikes. Für das neue Modelljahr wurde sie modifiziert und hat neben einer neuen Farbe eine neue Gebereinheit bekommen.
Design und Eigenschaften
Die neue Gebereinheit wirkt deutlich schlanker und hat eine schmalere Lenkerklemme. Shimano Shifter lassen sich über die I-Spec II Kombi-Klemme am Bremshebel montieren. Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit. Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC. So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden.
Gleich geblieben sind die individuellen Einstellmöglichkeiten: Die Hebelweite lässt sich einfach werkzeuglos einstellen. Mit einem Schraubendreher kann man den „Free Stroke“ bzw. Druckpunkt verändern. Die Klemmung kann leicht gelöst werden und dank einteiliger Ausführung geht nichts verloren - wir sind Fans!
Technische Details
- Bremskolben: Vier Keramikkolben (BR-M8020) für hohe Hitzebeständigkeit
- Bremssattel: Zweiteilig, aus Aluminium konstruiert
- Bremshebel: Aus Aluminium gefertigt
- Kompatibilität: I-SPEC für die Kombination mit Shimano Shiftern
- Bremsmedium: Mineralöl (umwelt- und hautfreundlicher)
Ergonomie und Anpassung
Ein Aspekt, mit dem Shimano Bremsen schon lange überzeugen können, ist ihre Ergonomie. Die Entwickler haben viel Wert auf eine optimale Hebelergonomie gelegt. Die hervorragende Hebelergonomie der neuen Shimano XT Bremse ist mit der ihres Vorgängers identisch. Für die Verstellung der Hebelweite wurde der XT eine große Range spendiert, (40 - 65 mm vom Griff gemessen) sodass jeder seine ideale Einstellung findet, egal ob mit großen oder kleinen Händen. Einstellen lässt sich dies werkzeuglos.
Dagegen kann die Verstellung des Leerwegs nicht überzeugen. Hier konnten wir schlichtweg keine Veränderung feststellen, wenn wir an der Free Stroke Schraube gedreht haben. Dennoch haben wir die Schraube genutzt. Beim Entlüften haben wir diese so weit herausgedreht, dass sie gerade noch so im Gewinde saß. Anschließend haben wir die Bremse entlüftet. Danach haben wir die Schraube wieder reingedreht. Die Free Stroke Schraube soll eigentlich dazu dienen, den Leerweg zu verstellen. Eine Funktion konnten wir nicht wirklich feststellen.
Bremsleistung und Dosierbarkeit
Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling. Der Druckpunkt ist definiert, aber tendenziell weich und die Leistung lässt sich gut dosieren. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes.
Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR. Auf dem Trail sind die XT und XTR ziemlich gleich, erst im Labortest werden die Unterschiede deutlich: Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und hinter Hayes Dominion T4, dicht gefolgt von der Shimano XTR.
Bremsleistung unter verschiedenen Bedingungen
- Original Resin-Beläge: In den meisten Situationen genug Power, die sich mit einem Finger abrufen lässt.
- Vollbremsungen ab 60 km/h: Starkes Fading trat auf, Scheibe schleifte, legte sich aber nach wenigen Minuten wieder.
- Dauerbremsen: Leistung war konstant hoch, deutliches Fading trat erst im steileren Streckenabschnitt auf.
- Metall-Beläge: Im kalten Zustand gefühlt stärker, Leistung ließ mit zunehmender Temperatur nach.
Wartung und Zuverlässigkeit
Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld. Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen. So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.
Generell lässt sich sagen, dass die XT uns mit einem sehr geringen Wartungsaufwand überzeugen konnte - sieht man vom gelegentlichen Entlüften der Bremse ab.
Shimano XT BR-M8020 Vierkolbenbremse
Shimano präsentierte im Rahmen der Eurobike 2017 die neue Shimano XT Scheibenbremse BR-M8020. Der neue Vierkolbenbremssattel, den der Hersteller von einer bestehenden Vierkolbenbremse übernahm und somit mit bewährter Technik die XT-Familie erweitert, spricht aggressive Trailrider sowie eMTB-Fahrer an, die hohe Bremskraft bei guter Dosierbarkeit suchen.
Aufbau und Funktion
Bei einer Vierkolbenbremse drücken, anders als bei der Zweikolbenbremse, je zwei Kolben, mit unterschiedlichem Durchmesser, auf einen Bremsbelag. Das gewährt eine bessere Flächenpressung bei größerer Reibfläche der Bremsbeläge und bewirkt so die höhere Bremskraft. Darüber hinaus kann ein Vierkolbenbremssattel Hitze, die vor allem beim Bremsen auf längeren Abfahrten entsteht, über die größere Fläche des Bremssattels besser abführen.
Montage und Einstellung
Shimano ist für eine problemlose Montage bekannt und so geht es auch bei diesem Modell gewohnt leicht von der Hand. Der Shimano-Bremsgriff lässt sich durch die geteilte Klemme, ohne Demontage der Griffe, schnell montieren. Auch gelingt das schleiffreie Einstellen des Bremssattels durch einen großen Spalt zwischen Scheibe und Belägen schnell. Das Kürzen der Leitung und damit verbundene Entlüften der Bremse erweist sich dank Shimanos One-Way Entlüftung als äußerst effektiv.
Vergleich mit anderen Bremsen
Die Shimano XT hat über mehrere Jahre bewiesen, dass sie zu den besten Bremsen gehört. Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen. Während es in der Vergangenheit nur wenige Alternativen gab, haben andere auf das Niveau aufgeschlossen. Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €.
Probleme und Lösungen
Ein bekanntes Problem der Shimano XT ist der wandernde Druckpunkt, der vor allem auf ruppigen Trails auftreten kann. Dieses Problem kann durch regelmäßiges Entlüften und Überfüllen des Hebels behoben werden. Hier empfiehlt es sich, den Entlüftungstrichter am Hebel anzusetzen und/oder die Druckpunktverstellung ganz zuzudrehen.
Gebrochene Bremshebel
Ein weiteres Problem, das einige Fahrer erlebt haben, sind gebrochene Bremshebel. Die XT-Hebel machen einen besonders filigranen Eindruck und verfügen über eine Sollbruchstelle, damit die Gebereinheit bei einem Sturz keinen Schaden nimmt. Gefühlt ist diese allerdings sehr dünn, zu dünn und bricht auch bei leichten Stürzen oder Baumkontakt. Eine Lösung hierfür sind stabilere Ersatzhebel von Drittanbietern wie FLO Motorsports.
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