Scheibenbremsen Nachrüsten: Eine Anleitung für Fahrräder

Die Scheibenbremse ist eine sehr kräftige und gleichzeitig wartungsarme Bremse. Allerdings ist sie erst seit vergleichsweise kurzer Zeit auf dem "Massen"-Fahrradmarkt verbreitet. Heutzutage werden fast alle Fahrräder mit Scheibenbremsen ausgestattet.

Wer nicht von Haus aus die Shimano Disc Brakes vertrauen kann, hat oftmals die Möglichkeit diesen beliebten Geschwindigkeitsreduzierer entsprechend nachzurüsten, sofern die Voraussetzungen am Fahrrad dies zulassen. Schauen Sie nach, ob Ihr Fahrrad an der Federgabel und am Hinterbau des Fahrradrahmens Discaufnahmen hat.

Ebenso müssen am Hinterbau und am Oberrohr eine Bremsleistungsführung vorhanden sein. Wenn Ihr geliebter Drahtesel über diese Komponenten verfügt, können Sie hier durchaus Shimano Scheibenbremsen nachrüsten. Wenn dem nicht so ist, müssen die entsprechenden Bauteile ausgetauscht werden, denn einzelne Aufhängungen sind nicht erhältlich. Machen Sie eine Kostenaufstellung und prüfen, ob es sich lohnt aufzurüsten - sowohl von den Kosten als auch vom Zeit-/Arbeitsaufwand her oder ob es ggf.

Wichtig ist, dass Sie die neuen Shimano-Bremsen immer genauestens nach der Hersteller-Anleitung von Shimano einbauen und sich dabei an die Vorgaben halten. Es gibt keine allgemeine Anleitung, da jeder Hersteller hier andere Vorgaben hat. Starten Sie mit der Scheibenbremsen-Montage auf der Fahrradnabe.

Beachten Sie dabei unbedingt die Laufrichtung, welche meist mit einem kleinen Pfeil angegeben ist. Befestigen Sie dann die mitgelieferten Adapter nach der Shimano-Anleitung am Fahrradrahmen. Achten Sie darauf, dass Sie nicht ausversehen den vorderen mit dem hinteren Adapter vertauschen.

Ggf. Nun bringen Sie die Bremshebel am Fahrradlenker an und verlegen die Bremsleitungen. Entfernen Sie dann die Transportsicherungen an den Bremsbelägen und GANZ WICHTIG: Bestätigen Sie den Bremshebel NICHT!

Allerdings ist sie erst seit vergleichsweise kurzer Zeit auf dem "Massen"-Fahrradmarkt verbreitet. Um Scheibenbremsen an älteren Fahrradrahmen oder eigenen Lastenradkonstruktion zu verwenden, muss daher eine Scheibenbremsaufnahme nachgerüstet werden. Auch Starrgabeln (vor allem für 20") sind nur schwierig mit Scheibenbremsaufnahme zu finden.

Nachrüstung einer IS-Aufnahme

Wir beschränken uns hier auf die Nachrüstung einer IS-Aufnahme, da eine PM-Aufnahme anzufertigen deutlich aufwendiger ist. Als erstes sollte man am Rahmen (/Gabel) die Stelle wo die Aufnahme angeschweißt / gelötet wird großflächig anschleifen und von Lack befreien.

Dann wird die Nabe/LR mit montierter Bremsscheibe in den Rahmen(/Gabel) eingesetzt und penibelst ausgerichtet (das ist wichtig!). Grob mit Filzstift die Form vom Bremssattel (und ggf. Rahmen) anzeichnen und Flachstahl mit Fräser, Trenn-/Schruppscheibe, etc. ggf.

Wird der Flachstahl auf normales Rahmen- / Gabelrohr gesetzt, so besteht ein starkes Masseunverhältnis zwischen dem Flachstahl (4-5 mm dick) und dem Rohr (1mm Wandstärke und kleiner). Das heiß beim Schweißen besteht sehr leicht die Gefahr ein Loch in das Rahmenrohr zu brennen bevor der Flachstahl überhaupt warm ist.

Daher bietet sich hier ein klassische Hartlötverbindung oder WIG-Löten an. Beim Hartlöten wird generell keine so hohe Temperatur erreicht das Stahl schmilzt und beim WIG-Löten wird mit deutlich geringerem Strom gearbeitet, so dass die Gefahr ein Loch zu brennen viel kleiner ist. ggf.

Scheibenbremsen am Rennrad

Herzlichen Glückwunsch! Auch wenn sie aktuell aufgrund des UCI-Verbots einen schweren Stand in der Profi-Szene haben: Scheibenbremsen an Rennrädern werden immer mehr zum Standard und lösen die klassischen Felgenbremsen Stück für Stück ab.

Top-Marken wie Giant und Specialized setzen für das neue Modelljahr 2017 bei ihren Endurance Road Bikes für die Langstrecke ausschließlich auf Scheibenbremsen, viele weitere Hersteller gehen einen ähnlichen Weg. Der größte Faktor für den zunehmenden Erfolg der Disc-Variante ist die drastisch verbesserte Bremskontrolle bei jedem Wetter, die das Rennrad einfach sicherer macht.

Weitere Vorteile: Höhere Zuverlässigkeit, weniger Wartungsaufwand und mehr Möglichkeiten für ein komfortableres Bike Design.

Eine Frage, die sich viele Hobby-Rennradfahrer stellen, ist ob sich ein Rennrad mit Scheibenbremsen nachrüsten lässt. Die kurze Antwort: Nein.

Warum das so ist:

Eine traditionelle Felgenbremse nutzt die Felge selbst als RotorWie Felgenbremsen funktionieren, wissen mit Sicherheit die meisten. Beim Bremsen werden zwei gegenüberliegende Beläge auf die beiden Felgenflanken des Laufrads gepresst, so dass durch Reibung die Bremswirkung entsteht.

Angebracht im Zentrum des Rads, haben die Scheibenbremsen ihren Namen von der Rotorscheibe, die sich an der Nabe befindet. Dieser Rotor wird als Bremsfläche genutzt und durch Bremsbeläge verzögert, was die Bremswirkung erzeugt. Die Scheibe hat dabei in der Regel einen Durchmesser zwischen 140mm und 160mm und ist nur wenige Millimeter breit und muss durch die hohen einwirkenden Kräfte mit einer speziellen Nabe am Rad befestigt werden, was den ersten großen baulichen Unterschied des Fahrrads zur Felgenbremse darstellt. Laufräder von Disc-Fahrrädern haben zudem häufig eine höhere Speichenzahl, um die Bremskräfte abzufangen.

Laufräder von Disc-Fahrrädern

Laufräder von Disc-Fahrrädern haben zudem häufig eine höhere Speichenzahl, um die Bremskräfte abzufangen. Die Rotorscheiben sind typischerweise mit Six-Bolt-Mount und Centerlock-Mount verfügbar.

Letzteres ist eine Erfindung von Shimano und nutzt eine verzahnte Verbindung sowie einen Verschlussring für den Rotor, ist aber nur mit speziellen Shimano Werkzeug oder einem Werkzeug für die Tretlagermontage zu justieren. Die Six-Bolt-Mount Variante verwendet wie der Name schon sagt sechs kleine Bolzen, um die Scheibe zu fixieren.

Position des Bremssattels

Mit dem Rotor muss auch der Bremssattel zentral am Rad platziert werden. Dazu gibt es bei Rennrädern mit Scheibenbremsen spezielle Aufnahmepunkte bei den vorderen und hinteren Ausfallenden. Die zwei etablierten Standards sind Post Mount und Flat Mount.

Der Post Mount Standard kommt vom Mountainbike und ermöglicht es dem Bremssattel, parallel zur Rotorscheibe zu verlaufen. Die Pfosten (Posts), auf denen der Bremssattel sitzt, sind in den Rahmen und die Gabel eingelassen.

Das Post Mount Konzept wird allerdings zunehmend vom neuen Flat Mount Standard von Shimano verdrängt, der 2015 eingeführt wurde. Angepasst an die Anforderungen eines Rennrads, bietet die Flat Mount Aufnahme eine aufgeräumte, flache Schnittstelle, die bei kompakteren Platzverhältnis einfach besser funktioniert.

Die Schrauben zur Befestigung gehen hier direkt durch den Rahmen (oder eine Adapterplatte) und fixieren den Bremssattel auf der Kettenstrebe / an der Gabel. Ein Flat Mount Rahmen ist außerdem kompatibel zu den Post Mount Bremssätteln, aber nicht andersherum.

Verschiedene Achsen-Standards bei Rennrädern

Neben der Bremsaufnahme und der Radnabe sind für Scheibenbremsen auch andere Achsensysteme erforderlich. Bei Rennrädern mit Felgenbremsen ist der Schnellspanner mit 100mm breiter Nabe vorn und 130mm hinten nach wie vor die Nummer 1. Ein Rennrad mit Scheibenbremsen sollte beim Schnellspanner-System hinten eine 135mm breite Nabe besitzen.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass bei Disc-Rennrädern ein Steckachsensystem eingesetzt wird. Dies sorgt für eine noch sicherere Radaufnahme und erhöhte Steifigkeit. Bei Mountainbikes ist das Steckachsensystem ein vertrauter Anblick und hat sich längst bewährt.

Anfangs nutzten Rennräder mit Scheibenbremsen wie Mountainbikes 135mm Naben oder 142mm mit 12mm Steckachse (135x12 bzw. 142x12) hinten und 100x15mm Naben vorne. Durch das Aufkommen des Flat Mount Standards bekommen Rennräder jetzt aber ihren eigenen Steckachsen-Standard, und zwar 142x12mm hinten und 100x12mm vorne - also leichter und kompakter als beim Mountainbike.

Anforderungen der hydraulischen Scheibenbremse

Die mechanische Scheibenbremse wird mit einem Bowdenzug ähnlich der Felgenbremse betätigt. Hydraulische Systeme nutzen Bremsflüssigkeit.

Der Großteil der auf dem Markt erhältlichen Rennrädern mit Felgenbremsen nutzen die mechanische Variante, bei der ein Bowdenzug den Bremshebel mit dem Bremssattel verbindet. Dieser Ansatz wird auch bei Scheibenbremsen angewandt (mechanische Scheibenbremse), allerdings geht der Trend in Richtung hydraulischer Systeme.

Das mechanisch agierende Kabel wird dabei durch einen abgedichteten Schlauch mit Bremsflüssigkeit ersetzt, dessen Druck durch den Bremshebel geregelt wird. Das selbe Konzept wird bekanntermaßen auch bei Autos und Motorrädern angewandt.

Bei einem vollständig hydraulischen System müssen Brems- und Schalthebel mit einem internen Membransystem ausgestattet sein. Dies kann nur in der Gruppe gekauft werden und lässt sich bei mechanischen Systemen nicht nachrüsten.

Wie man sieht unterscheiden sich Felgenbremssysteme und Disc-Systeme erheblich voneinander und machen eine Umrüstung von einem Rennrad mit Felgenbremsen auf eines mit Scheibenbremsen mit einfachen Mitteln eigentlich unmöglich. Statt Nachrüsten ist also Umsteigen angesagt.

Bremsscheiben Montage

Bremsscheibenmontage - da muss man doch nur sechs Schrauben festdrehen und fertig? Nicht ganz, tatsächlich gibt es deutlich mehr zu beachten, von der Auswahl der Scheiben, über passende Adapter, der Montage in Laufrichtung, Anzugsmomente und vieles mehr. Damit dir bei diesem sicherheitsrelevanten Bauteil niemals Fehler unterlaufen, haben wir dir das Wichtigste zum Thema Bremsscheibenmontage in diesem Artikel zusammengefasst. Solltest du dir also unsicher sein, lies einfach weiter.

Wie du die Scheibe deiner Scheibenbremse wechseln kannst, zeigt Markus in diesem Video. Wichtig ist, dass du das richtige Werkzeug benutzt. Schaue davor genau nach, welches Scheibensystem du hast.

Welche Bremsscheiben gibt es?

Grundlegend gibt es momentan zwei verschiedene Befestigungsstandards: Centerlock und 6-Loch.

6-Loch

Bei letzterem Standard werden - wie es der Name vermuten lässt - die Bremsscheiben mittels sechs Schrauben befestigt. Je nach Hersteller sollten diese mit 4-6 Nm angezogen werden (sowohl Manual für die Nabe als auch der Scheibe beachten). Auf den Schrauben befindet sich eine Schraubensicherung, damit sich die Bremsscheibe nicht lösen kann.

Centerlock

Centerlock kommt hingegen mit einem einzelnen Abschlussring aus, der mit demselben Tool montiert wird, das für die Montage einer Kassette oder Innenlager benötigt wird. Hier werden gut 40-50 Nm Drehmoment benötigt. Durch eine Verzahnung auf der Nabe und auf dem Abschlussring wird verhindert, dass sich die Bremsscheibe lockern kann. Das System ist also, genauso wie bei 6-Loch, absolut sicher und zuverlässig.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile von Centerlock liegen bei der einfacheren Montage. Da hier nur ein Verschlussring festgezogen werden muss, geht es deutlich schneller und entspannter. Das gilt natürlich nur, wenn man das passende Werkzeug hat.

Je nachdem, welche Naben und Scheiben verwendet werden, kann manchmal auch ein leichter Gewichtsvorteil gegenüber 6-Loch-Systemen erreicht werden. Allerdings ist dieser Punkt schwer zu verallgemeinern.

Ein großer Nachteil von Centerlock ist die reduzierte Auswahl an Komponenten. Der Standard kommt ursprünglich von Shimano und so bieten hauptsächlich die Japaner passende Scheiben an. Auch bei den Naben ist längst nicht jeder Komponentenhersteller auf den Centerlock-Zug aufgesprungen. Will man also maximale Auswahl, setzt man lieber auf 6-Loch Scheiben.

Auch auf Alpenüberquerungen oder anderen längeren Touren sind sie im Grunde überlegen, da man sie mit den meisten Multitools (meistens wird ein T25-Torx benötigt) demontieren kann. Für Centerlock müsste man dafür ein sperriges Kassettentool mitschleppen.

Im Notfall findet man eine Schraube für 6-Loch Scheiben auch bedeutend leichter als den Verschlussring eines Centerlock-Systems. Wer also gerne etwas abseits vom Schuss unterwegs ist, ist mit 6-Loch besser beraten.

Ein Nachteil ist hingegen, dass sich durch nicht korrektes Anziehen die Scheibe verspannen und zu Defekten führen kann. Außerdem hat sich schon der eine oder andere schon eines der sechs Gewinde in der Nabe kaputtgedreht. Hier ist also Vorsicht geboten.

6-Loch Centerlock
Vorteile
  • Große Auswahl an Naben und Bremsscheiben
  • Montage per Multitool (meist Torx-25)
  • Ersatzschrauben leicht zu beschaffen
  • Mit Adapter auch 6-Loch Bremssscheiben möglich
  • Kompatibel mit 15/20mm Achsen
  • Einfache und schnelle Montage
  • Eventueller Gewichtsvorteil
Nachteile
  • Montage dauert länger
  • Höhere Wahrscheinlichkeit, ein Gewinde zu beschädigen
  • Spezielles Werkzeug notwendig
  • Reduzierte Auswahl an Bremsscheiben und Naben
  • Keine Umrüstung auf Centerlock möglich
  • Für verschiedene Achsen werden unterschiedliche Abschlussringe benötigt

Bremsscheibendurchmesser

Hinsichtlich der Größe haben sich 140, 160, 180 und 200mm Bremsscheiben durchgesetzt. Bei genauer Betrachtung ist es aber leider doch nicht ganz korrekt, da einige Hersteller ihr eigenes Süppchen kochen.

So verwendet Formula z.B. 185mm Scheiben, während Magura nicht auf 200 sondern auf 203mm Bremsscheiben setzt. Warum das so ist, weiß vermutlich niemand so genau, aber umso wichtiger ist es daher, genau hinzusehen.

Um den Einsatzbereich der verschiedenen Scheiben zu definieren, nehmen wir aber einfach einmal die vier eingangs genannten Größen: 140mm Scheiben passen zu Rennrädern, die mittlerweile immer mehr auf Disc-Stopper setzen, und zu Cyclocrossern. Wichtig ist allerdings, dass das Fahrergewicht hier eher gering sein sollte (<80 kg). Ansonsten greift man besser zu 160mm Scheiben.

Diese kommen auch gerne bei Cross-Country Fahrern zum Einsatz, da sie einen guten Kompromiss aus Bremskraft und Gewicht darstellen. Wer gerne Trail-Touren fährt, der braucht jedoch mehr Standfestigkeit. 180mm Scheiben vorne und hinten haben sich dafür bewährt.

Kräftigere Kerle können auch auf eine 200mm Scheibe an der Front setzen. Spätestens beim Enduro-Fahren ist das sowieso Pflicht und wer im Bikepark den ganzen Tag seine Laps zieht, der darf auch noch hinten eine 200mm Version verbauen.

Auch E-Bikes werden häufig mit 200mm Scheiben ausgestattet, da hier durch das erhöhte Systemgewicht deutlich mehr Belastung auf die Bremse wartet. Allgemein gilt also, je abfahrtsorientierter, desto größer die Bremsscheibe.

Die Empfehlungen oben sind dabei natürlich nur Richtlinien, die noch um Faktoren, beispielsweise den eigenen Fahrstil und das Fahrkönnen (Thema Schleifbremsung), ergänzt werden sollten. Außerdem sollte man sein Gewicht beachten, da mehr Gewicht nach größeren Scheiben ruft.

Kurz zusammengefasst:

  • 140mm für Rennrad- und Cyclocross-Fahrer
  • 160mm für Cross-Country-Fahrer, leichte Fahrer können evtl. hinten noch auf 140mm setzen
  • 180mm vorne und hinten für Trail-Touren, bei mehr Körpergewicht vorne 200mm
  • 180mm hinten und 200mm vorne für Enduro-Bikes und E-Bikes
  • 200mm vorne und hinten für Downhiller

Lieber zu große Scheiben als zu kleine!

Spezielle Technologien

Wie bei jedem Fahrradteil wurde natürlich auch an der Bremsscheibe herumoptimiert, was das Zeug hält. Bei Shimano nennt sich das Ergebnis Ice-Tech. Diese Scheiben zeichnen sich durch zweiteilige Bremsscheiben aus.

Ein Aluminiumträger im Zentrum, der als Spider fungiert und deutlich bessere Wärmeleitfähigkeit aufweist, nimmt einen Reibring aus Stahl auf. Dadurch sollen die Scheiben deutlich hitzebeständiger und geräuschärmer sein. Zudem beugt die zweiteilige Konstruktion einem ungünstigen Verformen bei hohen Temperaturen vor.

Auch der britische Hersteller Hope setzt auf zweiteilige bzw. sogar dreiteilige Scheiben aus Spider und zwei Reibringen. Die Reibringe sind dabei schwimmend gelagert und weisen einen schmalen Luftschlitz zwischen ihnen auf.

Dadurch kann die Luft noch besser zirkulieren, was zu einer extrem guten Kühlperformance führen soll. SRAM setzt bei seinen Scheiben auf die sogenannte Centerline-Technologie.

Der Reibring ist hier durch sehr lange Aussparungen geteilt, die fast ringsherum gehen. Dadurch werden die Scheiben nicht nur leichter, sondern das Reibzentrum bleibt während der Radumdrehung durchgehend konstant. Das beugt nervigen Geräuschen vor, reduziert Vibrationen und sorgt für mehr Performance.

Benötige ich irgendwelche speziellen Adapter?

Es gibt vermutlich kein anderes Bauteil, das mit so vielen verschiedenen Adaptern kombiniert werden kann, wie die Scheibenbremse. Es ist ein regelrechter Urwald. Für den Durchblick muss daher zunächst geschaut werden, was für eine Bremse man überhaupt vor sich hat: Es gibt International Standard- (IS), Postmount- (PM) und Flatmount-Bremszangen.

Jeder Standard hat dann seine eignen Adapter, um verschiedene Scheibengrößen zu verbauen. Beim IS-Standard ist die Aufnahme ohne Adapter für 140mm Scheiben geeignet, zumindest wenn man eine Bremszange mit kurzen Befestigungsarmen hat. Auch Flatmount-Aufnahmen starten bereits bei 140mm ohne Adapter. Bei Standard PM-Aufnahme (6 Zoll) passen hingegen erst 160mm Bremsscheiben ohne Adapter, wobei einige Federgabeln (speziell Downhill-Gabeln) mittlerweile mit einer standardmäßigen 200mm PM-Aufnahme (8 Zoll) ausgestattet werden. Auch manche Rahmen haben diesen Standard, hier muss man also genau hinsehen.

Mit den passenden Adaptern kann man nun jeden der Standards auf die gewünschte Scheibenbremsengröße hin anpassen. Während Flatmount-Aufnahmen nur bis 180mm Scheiben funktionieren, können bei IS- und PM-Aufnahmen mit den passenden Adaptern bis zu 203mm große Scheiben montiert werden.

PM-Bremszangen passen übrigens mit entsprechenden Adaptern auch auf IS-Aufnahmen, sogar bei derselben Scheibengröße. Umgekehrt gibt es zwar auch Adapter, allerdings muss bei einer IS-Zange auf PM-Aufnahme immer eine größere Scheibe gefahren werden, als es die PM-Aufnahme zulassen würde.

Sprich: Wenn ich eine 6 Zoll PM-Aufnahme habe, kann ich mit IS-Zangen minimal eine 180mm Scheibe fahren. Flatmount-Zangen funktionieren hingegen problemlos auf PM-Aufnahmen, vorausgesetzt, man verwendet den passenden Adapter, und dasselbe gilt auch umgekehrt.

Kurz zusammengefasst:

  • Flatmount-Standard ermöglicht 140-180mm große Bremsscheiben
  • IS-Aufnahmen ermöglichen 140-203mm große Bremsscheiben
  • PM-Aufnahmen starten entweder bei 160mm (6 Zoll) oder 200mm (8 Zoll). Mittels Adapter können 6 Zoll PM-Aufnahmen auf bis zu 203mm angepasst werden
  • IS-Bremszangen passen auf PM-Aufnahmen mit Adapter und größeren Scheiben
  • PM-Aufnahmen passen auf IS-Aufnahmen mit Adapter
  • PM- und Flatmount sind mit Adaptern jeweils uneingeschränkt kompatibel

Was muss ich bei der Montage beachten?

Egal ob 6-Loch- oder Centerlock-Bremsscheibe - es ist extrem wichtig, immer auf die Montagerichtung der Scheibe zu schauen. Die meisten Bremsscheiben haben nämlich eine Laufrichtung, bei der die volle Stabilität gewährleistet werden kann. Das hat folgenden Grund: Bei richtig herum montierter Bremsscheibe werden die Speichen der Scheibe (bzw. der Spider) auf Druck belastet, also zusammengedrückt.

Der Reibring hingegen ist auf Zug belastet, man spricht auch von Zugspannung. Montiert man die Scheibe umgekehrt, tritt genau der umgekehrte Fall ein: Speichen auf Zug, Reibring auf Druck.

Das hat ab dann fatale Folgen, wenn die Bremsscheibe heiß wird. Nun sinkt nämlich die Widerstandsfähigkeit des Stahls, weshalb der Reibring unter dem Druck zusammenfallen kann. Unter Zug passiert das nicht.

Man kann sich das so vorstellen: Nimmt man ein Drahtseil in die Hand, kann man es ziehen und es ist perfekt stabil. Drückt man es jedoch zusammen, nimmt es keine stabile Form ein und fällt in sich zusammen.

Es ist also absolut sicherheitsrelevant, die Bremsscheibe in Laufrichtung zu montieren. Bei 6-Loch-Schrauben sollte man außerdem darauf achten, die einzelnen Schrauben bei der Montage immer über Kreuz festzuziehen.

Dadurch beugt man einer Verspannung der Scheibe vor, was sich ansonsten ebenfalls negativ auf deren Stabilität auswirken könnte. Die oben genannten Drehmomente sollten natürlich immer beachtet werden, was auch für Centerlock-Scheiben gilt.

Zudem sollte man an der Bremse immer mit sauberen Fingern arbeiten, da man sonst erst die Bremsscheibe und anschließend die Bremsbeläge unbrauchbar verschmutzen kann. Vor allem Öle und Fette sind hier natürlich problematisch.

Welche Hersteller sind die gängigsten?

Wie schon bei den Antrieben, sind auch bei den Bremsen zwei Platzhirsche besonders aktiv: Shimano und SRAM. Die meisten OEM Ausstattungen nutzen wohl Scheiben dieser beiden Hersteller und das zurecht: Schließlich funktioniert sowohl die Ice-Tech- als auch die Centerline-Technologie sehr gut.

Natürlich darf in dieser Liste aber auch nicht der schwäbische Traditionshersteller Magura fehlen. Die Storm-Bremsscheiben sind schon seit geraumer Zeit echte Legenden und auch die neuaufgelegte Variante ist ein echter Wurfanker, dabei aber dennoch sehr leicht. Gerade seit der neu aufgelegten MT-Serie sieht man sie an unglaublich vielen Rädern.

Wenn es dir auf das Preis-Leistungs-Verhältnis ankommt, solltest du dir Tektro ansehen. Die klassischen, einteiligen Stahlscheiben bieten zwar keine ausgefallene Technologie, dafür aber einen super Preis. Dennoch überzeugt die Performance vollständig und vom gesparten Geld kann man sich auf der nächsten Alm noch ein Bierchen gönnen.

Wer es dennoch gerne etwas exklusiver mag, kann sich nochmals im Südwesten Deutschlands umsehen. Trickstuff ist eine Firma aus Freiburg, bei der es immer das gewisse Extra gibt. So auch bei ihrer Dächle Bremsscheibe. Speziell die Dächle Ultralight ist ein echter Hingucker, die aus mehr Löchern zu bestehen scheint als Stahl. Dabei soll sie dennoch sehr standfest sein.

Apropos standfest: Wenn das dein Hauptanliegen sein sollte, dann ist der britische Hersteller Hope etwas für dich. Die zweiteiligen Floating Technology Scheiben kriegst du nämlich einfach nicht heißgebremst. Dank des Luftspalts zwischen den Bremsen hast du immer volle Performance, egal wie lange der Trail ist.

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