Die Geschichte der GS ist eine beispiellose Erfolgsstory für BMW. Alles begann mit der R 80 G/S, einem schnörkellosen Spaßmacher, der nicht unbedingt Asphalt unter den Rädern benötigt.
Die Anfänge: Yamaha XT 500 und die Boxer-Enduro Idee
Eigentlich ebnete erst die legendäre Yamaha XT 500 den Weg. Der Einzylinder-Dampfhammer schuf Mitte der Siebziger eine neue Gattung, die Enduros. 1976 präsentiert, fand der Eintopf ein Jahr später in Deutschland knapp über 2000 Käufer, 1978 waren es schon 2833. Im selben Jahr verzeichnete die Motorradsparte bei BMW im Hauptexportland USA schmerzhafte Einbrüche. Die Verantwortlichen suchten nach Lösungen, besonders weil die US-Generalniederlassung den dortigen Motorrad-Importeur Butler & Smith schlucken wollte, was die Situation weiter zuspitzte. Schließlich trat die Geschäftsführung der Motorradsparte Ende 1978 geschlossen zurück.
Glück für die Motorrad-Versuchsabteilung: Sie stellten der aushilfsweise eingesetzten Auto-Marketingabteilung eine kühne Idee vor, die Verkäufe wieder anzukurbeln: eine Boxer-Enduro mit Kardan. Wie die aussehen könnte, darüber spekulierte Anfang 1979 MOTORRAD-Chefredakteur Helmut Luckner. Die Studie auf dem Titel von MOTORRAD 1/1979 zeigt bereits viel Ähnlichkeit mit der späteren Serie.
Entwicklung der R 80 G/S
Nachdem die rasche Umsetzung des Projekts beschlossen wurde, war das Team um Projektleiter Rüdiger Gutsche froh, auf Geländesport-Erfahrungen zurückgreifen zu können. Etwa auf die von Herbert Schek, mehrfacher Deutscher Meister auf BMW, und Laszlo Peres, Geländefahrer und BMW-Entwicklungsingenieur. Letzterer hatte im Jahr zuvor für eine neue Geländesportklasse über 750 cm³ ein Sportgerät mit Chrom-Molybdänrahmen konstruiert. Eine Kleinserie solcher Fahrzeuge hatte Versuchsleiter von der Marwitz klammheimlich bei Laverda in Breganze bauen lassen.
Leicht, robust und geländetauglich sollte die neue Enduro werden. Eine pfiffige Einarmschwinge erlaubte schnelle Radwechsel und sparte zudem Gewicht. Nur 21 Monate nach der Vorstellung des Versuchs-Prototyps »Roter Teufel« war die Serienversion R 80 G/S (Gelände/Straße) fertig der Strich zwischen den Buchstaben sollte das Dual purpose-Wesen unterstreichen. Schließlich bekräftigte eine Studie die These, dass sich Endurofahrer überwiegend auf Schotterwegen und auf der Straße bewegten.
Ausgestattet mit dem modifizierten Zweiventilaggregat aus der R 80/7, der einzigartigen Hinterradaufhängung, einem soliden Ölwannenschutz und der clever verlegten Zwei-in-eins-Auspuffanlage avancierte die G/S rasch zu einem Verkaufsrenner.
Modellpflege und Rallye-Erfolge
Die Modellpflege war dezent, aber konsequent: 1981 wurde die Scheibenbremse verbessert, 1982 die Auspuffanlage korrosionsbeständiger, ab 1984 konnte bleifrei getankt werden. Außerdem sorgten spektakuläre Erfolge im Rallyesport für das Ende des hausbackenen Gummikuh-Image.
Und mit dem Paralever, der endlich dem Fahrstuhleffekt des Kardanantriebs den Garaus machte, samt den neuen Kreuzspeichenrädern bewies die zweite GS-Generation ab 1987, dass BMW eine große Nummer geworden war. Der Grundsatz Hubraum ist durch nichts zu ersetzen außer durch mehr Hubraum galt auch für die GS: Mit über 38000 R 100 GS liefen bis Ende 1996 fast dreimal so viel 1000er- GS vom Band als 800er.
Umso mutiger der Bruch mit der Vergangenheit, als BMW 1994 die völlig neuartige R 1100 GS aus dem Hut zauberte. Kein echter Rahmen mehr, statt einer gewöhnlichen Telegabel ein Telelever, als Antrieb ein Vierventilmotor und dazu ein Entenschnabel als Designelement das hätte gewaltig in die Hose gehen können. Tat es aber nicht. Die 1100 GS wurde der Renner, die Fangemeinde wuchs weiter. Denn diese BMW war ein Fernreisemotorrad par excellence.
Erst nach knapp 40000 gefertigten Exemplaren kam Ende 1999 die Ablösung in Form der R 1150 GS. Die Zylinder des Cruisers R 1200 C verhalfen der überarbeiteten GS zu 1130 cm³ und 85 PS. Dank Sechsganggetriebe drehte der nun mit hydraulischer Kupplung ausgestattete Boxer bei Tempo 100 ziemlich genau 3000/min, was den Verbrauch auf unter vier Liter senkte. Die R 1150 GS führte in Deutschland auf Anhieb die Verkaufsliste an. 2001 etwa wurden 6714 Stück zugelassen.
Zweifellos kann BMW mit dem jüngsten Spross R 1200 GS an den Erfolg der Vorgängerin anknüpfen: Der um 30 Kilogramm erleichterte und abermals gründlich überarbeitete Allrounder hat bei uns bislang über 12000 Käufer gefunden.
BMW im Motorsport
BMW-Motorrad ist seit der frühesten Phase seiner Historie eng mit dem Motorsport verbunden. Die aktuellen BMW-Werksfahrer Marco Melandri und Chaz Davies treten in die Fußstapfen von Legenden wie Ernst Jakob Henne (GER) und Georg "Schorsch" Meier (GER), die vor fast 90 Jahren den Grundstein für die erfolgreiche Geschichte von BMW-Motorrad im Rennsport legten.
Bereits 1923 sorgt BMW mit der BMW R 32 auch auf der Rennstrecke erstmals für Furore, 1925 und 1926 ist die BMW R 37 das Motorrad, das es zu schlagen gilt. In den 1930er-Jahren fahren BMW Werksfahrer auf internationalen Sechs-Tage-Fahrten eindrucksvolle Erfolge ein.
Auch die Serienfertigung der von BMW entwickelten hydraulischen Telegabel wird erst durch gnadenlose Tests im harten Umfeld von Geländesport-Veranstaltungen möglich. Dasselbe gilt für die damals eher unübliche Geradeweg-Hinterradfederung, die über mehrere Jahre gewissenhaft auf den großen Geländeprüfungen erprobt wird.
Ernst Jakob Henne und weitere Erfolge
Zu besonderer Berühmtheit bringt es Ernst Jakob Henne: Seit seiner ersten Geschwindigkeits-Bestmarke auf einem BMW Motorrad, die er am 19. September 1929 aufgestellt hat, kann er seinen Rekord mehrfach verbessern. Am 28. November 1937 gelingt dem zu diesem Zeitpunkt 33-Jährigen sein Meisterstück: Auf der Autobahnstrecke bei Frankfurt am Main erreicht er auf einer vollverkleideten 500 ccm BMW mit 108 PS einen neuen Weltrekord - 279,503 km/h. 14 Jahre lang schafft es kein Fahrer, diese Höchstgeschwindigkeit zu überbieten.
1939 macht Georg Meier bei der legendären "Tourist Trophy" auf der Isle of Man auf sich aufmerksam. Als erster ausländischer Pilot gewinnt der BMW Werksfahrer das berühmte "Senior Race" - die Königsklasse des damals populärsten Rennens der Welt. In der Nachkriegszeit wird er in Deutschland zum Volkshelden.
Auch im Seitenwagensport ist BMW mit dem Königswellen-Boxer lange Jahre das Maß aller Dinge. Mit dem zweiten Platz des mehrmaligen deutschen Meisters Walter Zeller (GER) hinter John Surtees (GBR) in der 500-ccm-Motorrad-Weltmeisterschaft geht 1956 der erste Abschnitt des BMW Motorrad Werksengagements im Motorsport auf die Zielgerade.
Auch ohne Werksunterstützung bleiben private Rennfahrer auf BMW Motorrädern auf der Erfolgsspur. Vor allem in der Deutschen Geländemeisterschaft beweisen die Piloten die Sportlichkeit der BMW Maschinen. 1963, 1964 und 1965 siegt Sebastian Nachtmann (GER) auf der BMW R69S, 1966 tut es ihm Kurt Tweesmann (GER) gleich. Rolf Witthöft (GER) kann 1980 sogar die Europameisterschaft gewinnen.
Im Anschluss geht die BMW R 80 GS in Serie - und schreibt so das erste Kapitel in der Enduro-Geschichte von BMW Motorrad. Glanzvoll gehen die Paris-Dakar-Erfolge in den 1980er-Jahren in die Geschichte ein, als Hubert Auriol (FRA) und Gaston Rahier (BEL) auf Rallye-Versionen der BMW R 80 GS jeweils zwei Offroad-Siege feiern.
Erfolge bei Paris-Dakar und Comeback im Motorsport
1999 gelingt es Richard Sainct, den Paris-Dakar-Erfolg für BMW auf einer modifizierten Einzylinder BMW F 650 zu wiederholen. Der damals 28 Jahre alte Franzose gewinnt mit einem Vorsprung von vier Minuten und neun Sekunden - nach 9.062 Kilometern nicht mehr als ein Wimpernschlag. Doch damit nicht genug, denn im Jahr 2000 verbucht BMW sogar einen Vierfach-Sieg. Wieder ist es Sainct, der auf dem Treppchen ganz oben steht. Die Plätze zwei bis vier belegen die BMW Piloten Oscar Gallardo (ESP), Jimmy Lewis (USA) und Jean Brucy (FRA).
Beide fahren eine BMW R 90 S, vorbereitet vom amerikanischen BMW Importeur Butler & Smith. Am Saisonende ist es jedoch Pridmore, der den Titel gewinnt und damit als erster amerikanischer Superbike-Meister in die Geschichte eingeht.
Neun Jahre später nehmen die Pläne für eine Superbike-WM - die Weltmeisterschaft für seriennahe Motorräder - Gestalt an. Die Rennserie debütiert 1988 und gilt seither als Inbegriff hart umkämpfter und spektakulärer Rennen.
Sein Comeback in den werksseitigen Motorsport gibt BMW Motorrad jedoch zunächst im Langstreckenbereich: Seit 2007 sammeln Endurance-Teams bei ausgewählten 24-Stunden-Klassikern und im Rahmen der Langstrecken-Weltmeisterschaft Erfolge - zunächst mit dem Boxer HP Sport, dann auch mit der BMW S 1000 RR. Zudem schickt BMW Motorrad Motorsport seit 2008 die BMW G 450 X in der Enduro-Weltmeisterschaft an den Start.
Rückkehr zur Rallye Dakar und Superbike-WM
2011 folgt mit dem Team "BMW Motorrad by speedbrain" auch die Rückkehr zur Rallye Dakar. Seit 2009 ist BMW Motorrad offiziell in der Superbike-WM engagiert. Die erfolgreichste Saison bisher kann BMW Motorrad im Jahr 2012 feiern: Sechs Siege, insgesamt 18 Podiumsplatzierungen und sechs schnellste Rennrunden für die BMW S 1000 RR lautet die Bilanz. In der Herstellerwertung belegt BMW damit in der Saison 2012 den zweiten Gesamtrang.
Herbert Schek und die frühen GS Modelle
Seit 1966 war Heribert Schek Werksfahrer bei BMW. Zur ISDT 1969 in Garmisch Partenkirchen konnte er mit einem Prototyp der BMW R 75 5 Klassensieger bis 750ccm werden. Die BMW waren aber im Vergleich zu anderen Bikes extrem schwer. Im Winter 1970 baute Heribert Schek einige mit 130 Kilogramm unglaublich leichte BMW R75/5 GS auf. Diese Motorräder wurden von ihm, Kurt Twessmann und Kurt Distler unter anderen bei den Six Days 1970 in Spanien und 1971 in England eingesetzt.
Technische Details früher Modelle
Anfangs der siebziger Jahre wurde der seit 1963 verwendete Brückenrahmen aus einem starken runden Rahmenrohr und der seriennahe schlitzgesteuerte Motor mit Kupplung auf der Kurbelwelle und fünf Gängen beibehalten. Während die Kleinserie bei 28,5 PS blieb leisteten die 250er Werksmaschinen etwa 32 PS. Es gab auch Motoren mit 350 und 370 Kubikzentimetern. Letzterer hatte einen Fächer-Zylinderkopf und gab 44 PS ab. Auf einer solchen Maschine wurde Fred Willamowski im Jahr 1971 Europameister.
Globale Zusammenarbeit
Globale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist heute eine Selbstverständlichkeit, aber Mitte der 70er Jahre noch unbekannt. Um so erstaunlich ist es, dass solch eine konservative Firma wie BMW hiermit ein Vorreiter war. Hans-Günther von der Marwitz, der damaliger technischer Direktor der BMW Motorrad GmbH, und Massimo Laverda pflegten einen regen Kontakt miteinander. Von der Marwitz war der Überzeugung, dass die Vorbereitung eines Prototypen der GS für die Amis in München zu lange gedauert hätte, und außerdem fehlten in München die Kontakte zu den ganzen italienischen Zulieferern, welche auf Komponenten für Off-road Motorräder spezialisiert waren.
In nur 5 Wochen wurden die 3 Prototypen von Laverda auf die Räder gestellt: Die Gabel stammte von Marzocchi, die vordere Radnabe von Grimeca, und die Felgen von Akront, die Armaturen waren von Magura, während Tank und Sattel respektive aus den Regalen von Bernardi Mozzi, und Giuliari kamen, die schon Laverda-Lieferanten waren.
Weitere Informationen
Am 24. März 2012 feierte BMW Motorrad den traditionellen Saisonstart bei allen BMW Motorrad-Händlern. Bereits auf den ersten Blick wirkt die RR schlanker, spitzer und eleganter, mit dem steil in den Wind ragenden Heck als markantes Erkennungszeichen. Die Freude am Fahren hautnah erleben. Sich mit Fachleuten persönlich austauschen und über Fahrerausstattung und Zubehör informieren.
BMW hat im vergangenen Jahr über 6000 Motorräder mehr verkauft als 2010 und damit so viele wie noch nie in der fast 90-jährigen Geschichte. Die 104 286 Einheiten liegen deutlich über der bisherigen Bestmarke aus dem Jahr 2007 (102 467 Motorräder).
Die Anforderungen an individuelle Mobilitätskonzepte, speziell für urbane Ballungsräume, unterliegen einem starken Wandel. Ausgedehnte Touren, Fernreisen oder sogar Fahrten in weit abgelegene Hemisphären unserer Erde ziehen sich ebenso wie ein roter Faden durch die BMW GS Geschichte, wie spektakuläre Abenteuerrallyes und grandiose Sporterfolge.
| Modell | Baujahr | Hubraum | Leistung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| BMW R 80 G/S | 1980 | 797 cm³ | 50 PS | Erstes GS Modell |
| BMW R 100 GS | 1987 | 980 cm³ | 60 PS | Paralever Hinterradaufhängung |
| BMW R 1100 GS | 1994 | 1085 cm³ | 80 PS | Telelever Vorderradaufhängung |
| BMW R 1150 GS | 1999 | 1130 cm³ | 85 PS | Sechsganggetriebe |
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