Schlauchlose Reifen (Tubeless) werden von vielen Herstellern als die Reifentechnologie der Zukunft angepriesen. Sie sind speziell für sportlich ambitionierte Fahrradfahrer hervorragend geeignet. Das englische Wort "tubeless" bedeutet auf Deutsch "schlauchlos". Somit sind Tubeless-Reifen Fahrradreifen, die mit Luft, aber ohne Schlauch funktionieren. Die Entwicklung von schlauchlosen Fahrradreifen war eine größere Herausforderung, da diese Reifen sehr empfindlich aufgebaut und somit anfälliger für Schäden durch äußere Einflüsse sind.
Aufbau und Funktionsweise
Tubeless-Reifen sind recht einfach aufgebaut und weisen zumeist die Eigenschaften von Faltreifen bzw. Drahtreifen auf. Zusammen mit der Fahrradfelge bilden sie eine dichte Luftkammer. Damit die Luft besser im Reifen gehalten wird, hat er meist eine ganz spezielle Form. Auf den Boden der Felge wird ein spezielles Tubeless Felgenband geklebt - so wird der Reifen abgedichtet und das Entweichen der Luft über die Speichenlöcher verhindert.
Normale Fahrradreifen-Mäntel sind eher selten komplett luftdicht. Daher müssen Sie die Tubeless-Bereifung mit einer ganz speziellen Emulsion aus Latex füllen. Umgangssprachlich wird diese Emulsion Dichtmilch oder auch Tubeless-Milch genannt. Durch sie werden kleinere Schnitte und Löcher, welche durch das innenliegende Felgenband nicht komplett abgedeckt werden, eigenständig abgedichtet. Die Dichtmilch gibt es je nach Bedarfszweck - z.B. unterschiedlich große Löcher oder ganz speziell für das Abdichten von Schnitten - in verschiedenen Varianten.
In der Regel haben Tubeless-Fahrradreifen einen Luftdruck von 1,8 bis 1,9 Bar. Dies ist jedoch abhängig von diversen Faktoren, wie z.B. dem Gewicht des Fahrradfahrers, den Straßenbedingungen und anderem.
Vorteile von Tubeless-Reifen
- Besserer Pannenschutz: Die Dichtmilch dichtet defekte Stellen im Reifen ab. Kleine Schäden, wie Einstiche durch Dornen, werden sofort von der Dichtmilch abgedichtet, sodass du ohne Unterbrechung weiterfahren kannst. Das Risiko von „Plattfüßen“ durch kleinere Löcher wird nahezu ausgeschlossen.
- Höherer Fahrkomfort und mehr Grip: Dank niedrigerer Reifendrücke kann mit schlauchlosen Reifen mit einem niedrigeren Luftdruck gefahren werden, was gerade im Gelände für eine höhere Kontrolle des Rades sorgt. Die Möglichkeit, mit niedrigeren Reifendrücken unterwegs zu sein, ist ein gewaltiger Vorteil von Tubeless und erlaubt es euch, eine bessere Performance sowie mehr Grip und Komfort von euren Reifen zu erhalten.
- Geringerer Rollwiderstand: Durch den fehlenden Schlauch kommt es zu einem deutlich geringeren Rollwiderstand im Vergleich zu herkömmlichen Falt- oder Schlauchreifen. Bei Tubeless-Reifen tritt keine unnötige Reibung mehr zwischen Reifen und Schlauch auf. Tatsächlich kann ein Tubeless-Setup an eurem MTB neben der Pannenanfälligkeit auch euren Rollwiderstand verringern.
- Gewichtsersparnis: Durch das Fehlen des Schlauchs lässt sich auch Gewicht einsparen.
- Weniger Snakebites: Ein Tubeless-System ist weniger pannenanfällig (selbst mit niedrigeren Luftdrücken) als ein Reifen mit Schlauch, da bei Tubeless eben kein Schlauch zwischen einem Hindernis und der Felge eingeklemmt werden kann.
Nachteile von Tubeless-Reifen
- Aufwendigere Montage: Zum Umrüsten auf ein Tubeless-System benötigt man neben einem tubeless-tauglichen Laufrad und Reifen Dichtmilch, besondere Tubeless Ventile und ein besonderes Felgenband. Noch dazu ist die Montage von schlauchlosen Fahrradreifen nicht ganz einfach durchzuführen. Die Erstmontage kann aufwändiger sein, insbesondere bei Reifen, die nicht von vornherein „Tubeless-ready“ sind.
- Regelmäßiger Austausch der Dichtmilch notwendig: Im Laufe der Zeit trocknet die Dichtmilch im Reifen ein und verliert somit auch ihre Wirkung. Um den Pannenschutz zu erhalten, muss die Dichtmilch nach etwa 2.000 Kilometern oder spätestens nach 6-7 Monaten erneuert werden. Lässt man das schleifen, kann das dazu führen, dass die Dichtmilch eintrocknet und die Ventile verstopfen.
- Teurer in der Anschaffung: Wenngleich die Anschaffungskosten für Ventile, Felgenband und Dichtmilch nicht besonders hoch sind, können die Gesamtkosten schnell durch die Decke gehen, falls eure Reifen und Felgen nicht bereits Tubeless-ready sind. Für die Nutzung von Tubeless-Reifen müssen zunächst spezielle Felgen und andere Teile (wie Felgenband) angeschafft werden.
- Luftverlust bei längeren Standzeiten: Ein Tubeless-Reifen hält den Luftdruck nur über wenige Wochen auf dem gewünschten Level. Tubeless montierte Reifen neigen außerdem dazu, zwischen den Ausfahrten ein wenig Luft zu verlieren, daher solltet ihr vor jeder Fahrt den Luftdruck eurer MTB-Reifen prüfen.
- Mögliche Verschmutzung: Bei größeren Defekten kann die Dichtmilch austreten, was sowohl den Reifen als auch das Fahrrad und den Fahrer verschmutzen kann.
Umrüstung auf Tubeless
Wenn Sie sich mit der Thematik beschäftigen, die Fahrradreifen von Ihrem Bike auf tubeless umzustellen, bedenken Sie, dass sich nicht alle Reifen auf das schlauchlose System umstellen lassen. Die Tubeless-Fahrradbereifung besteht im Prinzip aus einem „Set“ einzelner Bestandteile, die alle miteinander harmonieren müssen, um so kompatibel zu sein. Daher ist es wichtig, dass Sie sich vor dem Zusammenbau informieren, ob wirklich eine Kompatibilität aller Einzelteile vorhanden ist und eben auch, ob die Felgen wirklich tubeless-fähig bzw. tubeless-ready sind.
Viele aktuelle Felgen sind bereits für Tubeless ausgelegt. Wenn du nicht sicher bist, ob deine Felge für Tubeless geeignet ist, hilft dir ein Fachhändler weiter. Für die Umrüstung auf das Tubeless-System können Sie ein Tubeless-Kit nutzen. In diesem Bausatz für schlauchlose Reifen sind Ventile, Dichtmilch und auch die Flüssigkeit für die Montage enthalten.
Montage eines Tubeless Reifens
Der Tubeless-Reifen wird mittels eines Reifenhebers auf die Felge montiert - hierbei gibt es keinen Unterschied zu einer herkömmlichen Reifen-Montage bei einem Fahrrad. Vor der Montage muss zunächst der Bereich zwischen Reifenwand und Felge mit einem Montagefluid bestrichen werden, dann erst kann der Reifen aufgepumpt werden. Während des Aufpumpens sollte sich das Ventil zwischen den Reifenwülsten befinden.
Zum Aufpumpen sollte man eine Standpumpe oder gar einen Kompressor verwenden. Sobald der Reifen hörbar auf der Felge einrastet, sollte noch der richtige Sitz überprüft werden - damit keine Luft zwischen Reifenwand und Felge entweichen kann. Passt alles, wird im nächsten Schritt die Luft wieder abgelassen. Dafür muss der Ventileinsatz entfernt werden und schließlich wird über das Ventil dann rund 60 ml Dichtmilch (Pannenschutzflüssigkeit) in den Reifen eingefüllt. Im Anschluss daran den Reifen wieder aufpumpen.
Nachdem der der „fertige“ Reifen wieder am Rad befestigt ist, sollte man direkt eine Ausfahrt mit dem Rad unternehmen. Denn die Abdichtung durch die Milch funktioniert erst richtig, wenn der Reifen durch vollständige Umdrehungen während der Fahrt belastet („gewalkt“) wurde und die Milch den Bereich zwischen Felge, Felegenband und Schlauch benetzt hat. Nach etwa 24 Stunden sollte der Reifen noch einmal wieder aufgepumpt werden.
Seht euch dazu unsere Anleitung zur Schritt-für-Schritt-Installation von Tubeless-Reifen an - diese beinhaltet alles, was ihr wissen müsst! Der gesamte Prozess sollte nicht mehr als 20 Minuten pro Laufrad in Anspruch nehmen und ist mit etwas Geschick eine saubere Sache.
Wartung von Tubeless-Reifen
Damit ihr eine Orientierung habt, welcher Luftdruck ideal ist, haben wir diesen Guide erstellt. Tubeless montierte Reifen neigen außerdem dazu, zwischen den Ausfahrten ein wenig Luft zu verlieren, daher solltet ihr vor jeder Fahrt den Luftdruck eurer MTB-Reifen prüfen. Es ist wichtig, ein Auge auf den Zustand eurer Tubeless-Ventile zu haben. Stellt sicher, dass der Ventilkern nicht verbogen ist und Luft problemlos durch das Ventil strömen kann.
Die Wartung eines Tubeless-Systems ist unkompliziert und nicht sehr arbeitsaufwendig. Um die Menge an Dichtmilch zu überprüfen, nehmt das Laufrad in die Hand und schüttelt es. Wenn ihr ein schwappendes Geräusch hört, dann sollte noch genügend Dichtmittel vorhanden sein. Wenn ihr jedoch keinerlei Geräusche aus dem Inneren des Reifens vernehmen könnt, lasst die Luft eures Reifens ab und zieht einen kleinen Teil der Reifenwulst von der Felge.
Wenngleich es unmöglich ist, ein genaues Service-Intervall festzulegen, würden wir euch empfehlen, wenigstens alle sechs Monate das Dichtmittel nachzufüllen. Es gibt zwei Arten, Tubeless-Dichtmilch in den Reifen zu bekommen. Bei der ersten Methode lasst ihr die Luft eures Reifens ab und zieht einen Teil der Reifenwulst von der Felge. Ihr könnt dann die Dichtmilch einfach am Boden des Reifens einschütten, bevor ihr die Reifenwulst wieder komplett aufzieht und den Reifen aufpumpt. Die zweite Methode ist einfacher, schneller und sauberer, aber ihr benötigt dafür eine Spritze oder einen Dichtmittel-Injektor.
Tubeless oder Schlauch?
Ob für Sie persönlich nun ein Schlauchlos-System tatsächlich in Frage kommt, ist wie so oft Ihre ganz individuelle Entscheidung. Wenn ihr euer Bike nur unregelmäßig nutzt und die Performance-Vorteile von Tubeless nicht braucht, dann ist ein System mit Schlauch leichter zu installieren und erfordert wenig bis gar keinen Wartungsaufwand. Wir empfehlen Tubeless jedem, der mit seinem Mountainbike regelmäßig im Gelände unterwegs ist. Die Vorteile von Tubeless sind enorm und wer sich maximale Performance wünscht, kommt um einen schlauchlos montierten Reifen nicht herum.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Besserer Pannenschutz | Aufwendigere Montage |
| Höherer Fahrkomfort und mehr Grip | Regelmäßiger Austausch der Dichtmilch |
| Geringerer Rollwiderstand | Teurer in der Anschaffung |
| Gewichtsersparnis | Luftverlust bei längeren Standzeiten |
| Weniger Snakebites | Mögliche Verschmutzung durch Dichtmilch |
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