Fahrraddiebstahl ist leider ein weit verbreitetes Problem. Laut Polizeiangaben wurden 2021 233.584 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte jedoch noch höher liegen. Um Ihr wertvolles Elektrofahrrad vor Langfingern zu schützen, ist ein hochwertiges Fahrradschloss unerlässlich.
Doch weil selbst ein unaufmerksamer Moment bei einer Mittagspause ausreicht und das geliebte Rad anschließend nicht mehr an Ort und Stelle ist, sollten Sie auch auf Tour jederzeit ein Not-Fahrradschloss dabeihaben. Diese praktischen Leichtschlösser verhindern zumindest, dass Diebe ein geparktes Rad einfach so wegschieben. Ein Blick auf die Statistik zeigt auch hier eine erschreckende Zahl: Die Aufklärungsrate von Fahrraddiebstählen liegt gerade mal bei 9,8 Prozent.
Welches Fahrradschloss ist das Richtige?
Spiral- oder Panzerkabelschlösser leisten Dieben meist nur wenig Widerstand und sind für hochwertige, in der Stadt geparkte Räder keine Option. Daher konzentrieren wir uns in diesem Test auf die „schweren Brocken“. An Bügel-, Falt- und Kettenschlössern aus gehärtetem Stahl beißen sich die meisten Handwerkzeuge die Zähne aus.
Wir haben über 150 Fahrradschlösser mit Seitenschneider, Stahlsäge, Bolzenschneider und Winkelschneider malträtiert. Gegen die meisten Bügelschlösser im Test, einige sehr dicke und schwere Kettenschlösser und die besten Faltschlösser konnten wir mit unseren Werkzeugen aber nichts ausrichten - zumindest nicht innerhalb von drei Minuten. Fahrradschlösser, die innerhalb dieser Zeit nicht zu knacken sind, gelten als sicher.
So wurde getestet
Im Labor: Für die Aufbruchversuche haben wir die laut Polizei gängigsten Werkzeuge verwendet: Fäustelhammer, Metallsäge und Bolzenschneider lassen sich von Dieben problemlos unter einer Jacke mitführen. Pro Versuch standen maximal drei Minuten zur Verfügung. Das „intelligente“ Öffnen von einem Fahrradschloss spielt in der Praxis kaum eine Rolle. Daher haben wir im Test davon abgesehen. Das Gewicht der Schlösser wurde im Verhältnis zum Schlossinnenmaß bewertet - ein längeres Schloss bietet auch mehr Flexibilität bei der Befestigung. Die leichten Schlösser durften - dem geringen Schutz-Level entsprechend - nur mit Seitenschneider, einer Eisensäge oder per Hand bearbeitet werden.
In der Praxis: Unter dem Punkt Handhabung haben wir die Leichtgängigkeit des Schließmechanismus in zahlreichen Schließvorgängen überprüft. Zudem wurden die verschiedenen Ansperrmöglichkeiten getestet sowie die Montage der Rahmenhalterungen und der saubere Sitz der Schlösser bewertet. In der Bewertung der Ausstattung haben wir die Anzahl der mitgelieferten Schlüssel, die Schlosshalterung und die Bedienungsanleitung berücksichtigt. Bonuspunkte konnten die Hersteller sammeln, wenn sie zusätzliche Schlüssel oder andere Features wie etwa eine Schlüsselbeleuchtung bieten.
6 Tipps zum Thema Fahrradschloss
Was macht ein gutes Fahrradschloss aus, und worauf sollten Sie beim Kauf sonst noch achten? Wir haben Torsten Mendel, Sicherheitsexperte bei Abus, gefragt.
- Das Fahrradschloss: Kaufen Sie unbedingt ein hochwertiges Fahrradschloss - abhängig vom Fahrradwert (Richtwert: zehn Prozent des Kaufpreises) und vom Abstellort. Leasingrad-Anbieter oder Versicherungen fordern häufig Schlösser einer bestimmten Preis- oder Schutzklasse. Hat man sein Fahrrad mit einem billigen Schloss abgesperrt und es wird gestohlen, kann die Versicherung eine Entschädigung aberkennen. Welche Voraussetzungen ein Fahrradschloss erfüllen muss, erfragen Sie am besten bei Ihrer Versicherung.
- Die Sicherheitsstufen: Zwar ordnen alle Hersteller ihre Schlösser in verschiedene Schutzklassen ein - je höher der Wert, desto sicherer ist das Fahrradschloss -, eine einheitliche Norm für Fahrradschlösser gibt es aber hierzulande nicht. Was bei dem einen Sicherheitsstufe 5 ist, bedeutet bei einem anderen Hersteller vielleicht Schutzklasse 15. Hinweise zur Qualität liefern unabhängige Prüfsiegel, wie es sie etwa vom ADFC gibt. Fahrradbesitzern mit einer Diebstahlversicherung wird auch häufig das VdS-Siegel (Vertrauen durch Sicherheit) empfohlen. Bei hochwertigen Fahrrädern setzen manche Versicherungen dieses Prüfsiegel sogar voraus, um überhaupt Ansprüche geltend machen zu können.
- Finger weg davon: Besonders leicht lassen sich in der Regel dünne Spiralkabelschlösser knacken. Auch Panzerkabelschlösser bieten oft nur wenig Schutz vor Bolzenschneider und Co. Diese Schlösser sollten daher nur für kurze Standzeiten verwendet werden. Die sichersten Modelle im Test sind Bügelschlösser, Falt- und Kettenschlösser - doch auch hier kommt es stark auf die Materialqualität an. Sichere Schlösser sind häufig auch sehr schwer. So kann ein gutes Bügelschloss schon mal zwei Kilo wiegen. Beim Anschließen beschränkt die Breite des Bügels. Kettenschlösser bieten zwar viele Anschließoptionen, sind aber umständlich im Transport. Eine gute Kombi sind die flexiblen Faltschlösser - geringes Packmaß und gute Anbringungsmöglichkeiten.
- Doppelt hält besser: Zwei Schlösser sind besser als eines. So können beispielsweise Anbauteile wie Laufräder oder der Sattel zusätzlich mit einem längeren Kabelschloss geschützt werden. Achten Sie auch auf unterschiedliche Bauweisen - Bügelschloss und Kabelschloss zum Beispiel - oder Modelle verschiedener Hersteller. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Dieb nicht das passende Werkzeug dabeihat. Es gibt auch Täter, die sich auf Schlösser bestimmter Marken spezialisieren und von „Fremdfabrikaten“ abgeschreckt werden.
- Richtig sichern: Ansperren statt nur absperren ist hier das Zauberwort. Der Gegenstand, an dem das Fahrrad angesperrt wird, sollte mindestens so stabil sein wie das verwendete Fahrradschloss. Diebe setzen immer am schwächsten Glied der Kette an. Maschendraht lässt sich einfach mit einem Seitenschneider durchzwicken, ein dünner Holzstamm leicht durchsägen. Am besten eignen sich stabile Fahrradständer aus Eisen oder ein Laternenmast. Das Fahrradschloss sollte man möglichst hoch anbringen, um dem Täter weniger Deckung zu bieten. Auch ein Bolzenschneider kann auf diese Weise nicht auf dem Boden als Gegenhalt abgestützt werden. Öffentliche Plätze sind besser als dunkle Ecken. Stark frequentierte Orte schrecken Diebe eher ab. Im Eigenheim lässt sich das Bike an sogenannten Wand- oder Bodenankern sichern. Im Fahrradkeller des Mehrfamilienhauses sollte man immer mehrere Gegenstände zusammen absperren. So lassen sich diese nicht mehr so einfach wegtragen.
- Gut zu wissen: Um im Falle eines Diebstahls überhaupt Ansprüche geltend machen oder eine Anzeige bei der Polizei aufgeben zu können, sollten Sie auf jeden Fall die Rechnung Ihres Fahrrads aufheben und sich die Rahmennummer notieren. Halten Sie zudem auffällige Merkmale wie Marke, Farbe und Zubehör fest. Zusätzlich können Sie sich auch einen Fahrradpass oder die Fahrradpass-App der Polizei besorgen. Auch ein Foto des Bikes kann bei der Regulierung helfen.
10 Fahrradschlösser für die Stadt im Test
Wir haben zehn Heavy-Duty-Schlösser und sechs leichte Alternativen für unterwegs einem Härtetest unterzogen. Nicht jedes Exemplar leistete unseren Aufbruchversuchen dauerhaft Widerstand.
| Schloss | Preis | Gewicht/Länge (innen) | Zertifizierung | MYBIKE-Urteil |
|---|---|---|---|---|
| ABUS GRANIT XPlus 540 SH B | 139,95 Euro | 1455 g / 22,5 x 10,6 cm | ART-3; Sold Secure Diamond; VdS | Sehr gut |
| BBB Secure Chain BBL-75 | 69,95 Euro | 1972 g / 90 cm | ART-2; Sold Secure Silver | Befriedigend |
| ELOPS Fahrrad-Ketten-Schloss 920 L Art 3 | 59,99 Euro | 3257 g / 110 cm | ART-3; Sold Secure Silver | Gut |
| HIPLOK D1000 | 279,99 Euro | 1930 g / 15,1 x 9,0 cm | Sold Secure Diamond | Sehr gut |
| KRYPTONITE Evolution 790 | 135 Euro | 1428 g / 90 cm | ART-2; Sold Secure Gold | Sehr gut (Test-Sieger 1/2023) |
| LITELOK One Wearable | 149,95 Euro | 1330 g / 100 cm | ART-2; Sold Secure Silver | Gut |
| MASTERLOCK Bügelschloss 8279 | 71,95 Euro | 1155 g / 21,5 x 10,6 cm | Sold Secure Gold; VdS | Sehr gut |
| TRELOCK FS 580 TORO X-Press | 132,99 Euro | 1427 g / 90 cm | ART-2; Sold Secure Gold | Sehr gut (Test-Sieger 1/2023) |
| SEATYLOCK Foldylock 90 | 109,95 Euro | 1625 g / 90 cm | Sold Secure Gold | - |
Empfehlungen und Testsieger
Das Panzerkabelschloss Abus Ivera Steel-O-Flex 7200: Es stellt eine echte Herausforderung für Gelegenheitsdiebe dar - ohne eine umfangreiche Werkzeugausstattung ist es kaum zu knacken. Mit einem einzigen Werkzeug kommt man hier nicht weit. Auch wenn es nicht völlig unüberwindbar ist, sorgt der hohe Aufwand dafür, dass sich die meisten Diebe gar nicht erst daran versuchen.
Das Bügelschloss Abus Granit XPlus 540: Wer auf höchste Sicherheit setzt, aber nicht tief in die Tasche greifen will, ist mit dem Bügelschloss Abus Granit XPlus 540 bestens beraten. Der massive Stahlbügel widersteht selbst den stärksten Bolzenschneidern, während die XPlus-Schließtechnik unter Profis als nahezu unmöglich zu knacken gilt.
Das Faltschloss Abus Bordo 6000K: Dieses Modell, das die Nachfolge des bewährten Bordo 6000 antritt, überzeugt mit erstklassiger Verarbeitung und außergewöhnlich hartem Stahl. Trotz der vergleichsweise dünnen Faltglieder konnte es unseren Angriffen lange standhalten.
Das Hiplok Gold: Für Radfahrer, die Kettenschlösser unhandlich finden, bietet das Hiplok Gold eine geniale Lösung. Wie der Name vermuten lässt, kann man es während der Fahrt bequem um die Hüfte tragen. Die robuste Stahlkette im Inneren stellt sich als extrem widerstandsfähig heraus und widersteht selbst hartnäckigen Angriffen.
Das Olympia S 200: Neben physischer Barrierewirkung kann Lärm ein effektives Mittel gegen Fahrraddiebstahl sein. Das Olympia S 200 setzt genau hier an: Mit einer Sirene, die satte 90 Dezibel erreicht, dürfte es die meisten Diebe in die Flucht schlagen.
Zusätzliche Tipps für mehr Sicherheit
- Immer anschließen: Das beste Schloss nutzt nichts, wenn man es mitsamt dem Fahrrad einfach wegtragen und in einen Transporter werfen kann. Schließen Sie es deshalb immer an einem feststehenden, unbeweglichen Gegenstand fest, der so hoch ist, dass man es nicht einfach darüberheben kann.
- Immer umschauen: Nach Möglichkeit sollte Ihr Fahrrad so sichtbar wie nur irgendwie möglich sein. Belebte Plätze und Einkaufsstraßen eignen sich besser als halbdunkle Seitengassen, in denen ein Dieb viel Zeit hat, um unbeobachtet sein Werkzeug auszupacken.
- Nicht so leicht zu finden, aber praktisch, ist eine erhöhte Position.
- Durch und durch: Achten Sie darauf, dass das Schloss immer durch den Rahmen und nach Möglichkeit noch eins der Räder geht. Besonders die Vorderräder lassen sich nämlich leicht abmontieren und der Rest des Fahrrads mitnehmen.
- Doppelt hält besser: Wenn Sie Ihr Fahrrad über Nacht draußen stehen lassen, sichern Sie es am besten mit zwei verschiedenen Schlosstypen. Diebe spezialisieren sich oft nur auf einen davon und schleppen für den anderen kein geeignetes Werkzeug mit sich herum.
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