Fahrradschloss-Test: Sicherheit für Ihr Mountainbike

Fahrraddiebstähle sind ärgerlich und alltäglich. Mit dem richtigen Fahrradschloss können Sie in den meisten Fällen erfolgreich verhindern, dass Ihr Rad gestohlen wird. Dieser Artikel bietet Ihnen eine Übersicht über verschiedene Fahrradschlösser und gibt Ihnen Tipps, wie Sie Ihr Mountainbike optimal schützen können.

Wie sicher sind Fahrradschlösser wirklich?

In unserem Test haben wir über 150 Fahrradschlösser mit Seitenschneider, Stahlsäge, Bolzenschneider und Winkelschneider malträtiert. Gegen die meisten Bügelschlösser im Test, einige sehr dicke und schwere Kettenschlösser und die besten Faltschlösser konnten wir mit unseren Werkzeugen aber nichts ausrichten - zumindest nicht innerhalb von drei Minuten. Fahrradschlösser, die innerhalb dieser Zeit nicht zu knacken sind, gelten als sicher.

Um ein Schloss zu öffnen, gibt es für Diebe prinzipiell zwei Möglichkeiten: rohe Gewalt oder Köpfchen und Fingerspitzengefühl. Fahrradschlösser werden in aller Regel entweder durch Pins oder Scheibenzylinder verriegelt. Erst wenn die Stifte oder Scheiben von einem passenden Schlüssel in die richtige Position gedreht werden, kann der Sperrbalken rein- oder rausgeschoben werden.

Lockpicker können Pins und Scheiben statt mit dem Schlüssel auch mithilfe ihrer Werkzeuge in die richtigen Positionen bewegen. In der Praxis spielt das Lockpicking bei Fahrraddiebstählen kaum eine Rolle. Der Grund dafür ist zum Einen, dass die Schließmechanismen immer sicherer werden. Zum Anderen hat jeder Schließmechanismus andere Schwachstellen.

Je nach Material und Dicke des Fahrradschlosses kann man ihm mithilfe von Bohrern, Brecheisen, Sägen, Hämmern, Schweißbrennern, Seiten- oder Bolzenschneidern auf den Leib rücken. Spätestens bei einem Winkelschleifer, umgangssprachlich »Flex« genannt, kapituliert am Ende fast jedes Schloss - es dauert nur unterschiedlich lange. Allerdings macht es in der Praxis auch nur einen geringen Unterschied, ob ein Dieb nun zehn oder zwanzig Sekunden für ein Schloss braucht.

Arten von Fahrradschlössern im Überblick

Fahrradschlösser lassen sich in mehrere Kategorien einteilen:

  • Kabel-/Panzerkabelschlösser: Wie der Name schon sagt, wird hier ein flexibles Kabel (fast immer ein Stahlseil) benutzt, an dessen Enden das eigentliche Schloss sitzt. Besser sind hier Panzerkabelschlösser, bei denen das Stahlseil zusätzlich von einer Stahlhülle ummantelt ist. Diese wird zusätzlich durch eine feste Textil- oder robuste Kunststoffschicht geschützt.
  • Bügelschlösser: Statt eines flexiblen Stahlkabels wird ein fester, U-förmiger Bügel benutzt, der in einem soliden Verschlussriegel steckt. Diese Schlösser gelten als praktisch aufbruchsicher, da an den dicken Stahlbügeln auch Bolzenschneider scheitern.
  • Faltschlösser: Faltschlösser bestehen aus einzelne Stahlgliedern, die über Scharniere verbunden sind. Ihre schwächsten Stellen sind die Scharniere, die sich bei besonders günstigen Modellen häufig ohne große Probleme aufbrechen lassen.
  • Kettenschlösser: Statt eines Stahlkabels steckt in ihrem Innern allerdings eine stabile Stahlkette. Dadurch sind sie so flexibel wie ein Kabel-, zugleich aber so aufbruchsicher wie ein Bügelschloss. Ein sicheres Kettenschloss bringt daher naturgemäß ein sehr hohes Gewicht auf die Waage.
  • Smart-/Alarmschlösser: Praxistauglicher sind hier schon alarmgesicherte Schlösser, die laut Alarm schlagen, wenn sich jemand an ihnen zu schaffen macht.

Schlüssel vs. Zahlencode

Ob Sie Ihr Fahrrad lieber per Zahlenkombination oder einem herkömmlichen Schlüssel öffnen möchten, ist in erster Linie Geschmacksache. Schlüssel können anders als Zahlen nicht erraten werden und es kann Ihnen auch niemand heimlich über die Schulter gucken. Auf der anderen Seite kann man Schlüssel verlieren. Sie können auch verbiegen oder - noch schlimmer - im Schloss abbrechen.

Mit Zahlenschlössern hat man diese Probleme nicht. Zwar kann sich auch zwischen den Zahlenwalzen Schmutz ansammeln, ein vollständiges Blockieren ist aber unwahrscheinlicher. Blöd ist nur, wenn man das Schloss eine Weile lang nicht benutzt und die Nummer vergisst - wo man die Ersatzschlüssel wiederfinden könnte, stellt einen eine verlorene Kombination vor Probleme.

Empfehlenswerte Fahrradschlösser

Hier finden Sie einige Testsieger und Empfehlungen aus unseren Tests:

Das Panzerkabelschloss: Abus Ivera Steel-O-Flex 7200

Das Panzerkabelschloss ist ein ernstzunehmender Widersacher, nur mit viel Mühe zu öffnen und trotz seiner Länge relativ leicht. Das Abus Ivera Steel-O-Flex 7200 stellt eine echte Herausforderung für Gelegenheitsdiebe dar - ohne eine umfangreiche Werkzeugausstattung ist es kaum zu knacken. Mit einem einzigen Werkzeug kommt man hier nicht weit.

Um das Innenleben freizulegen, mussten wir zunächst einmal durch das Textil kommen. Unter dem Textil kam eine Art Gummischlauch zum Vorschein. Mit dem Bolzenschneider konnten wir die Stahlhülsen zerquetschen, darunter kam schlussendlich das Stahlkabel zum Vorschein, das man mit viel Gefummel dann wiederum mit dem Seitenschneider durchtrennen konnte.

Die Ausstattung des schwarz-blau gestreiften Panzerkabelschlosses ist leider etwas mager; es liegen nur zwei Schlüssel bei und keiner der beiden hat eine LED. Unschön finden wir auch, dass das Ivera Steel-O-Flex 7200 keinen Staubschutz hat - selbst die billigsten Schlösser von No-Name-Herstellern verfügen meist mindestens über einen manuellen Schieber.

Das Bügelschloss: Abus Granit XPlus 540

Hier beißt man auf Granit: Das Schloss ist mit gängigen Mitteln nicht zu überwinden. Wer auf höchste Sicherheit setzt, aber nicht tief in die Tasche greifen will, ist mit dem Bügelschloss Abus Granit XPlus 540 bestens beraten. Der massive Stahlbügel widersteht selbst den stärksten Bolzenschneidern, während die XPlus-Schließtechnik unter Profis als nahezu unmöglich zu knacken gilt.

Sogar gegen Winkelschleifer ist das Granit XPlus 540 relativ gut aufgestellt. Satte 126 Sekunden brauchten wir, um das Schloss komplett vom Fahrrad zu entfernen. Dafür sorgt neben dem harten Material vor allem die doppelte Verriegelung des Bügels, die uns dazu zwang, selbigen zweimal zu durchtrennen. Ob einem das den hohen Aufpreis wert ist, muss freilich jeder selbst entscheiden.

Das Faltschloss: Abus Bordo 6000K

Das Abus Bordo ist ein Klassiker und ein Musterbeispiel eines Faltschlosses. Abus hat das Modell im Lauf der Jahre aber immer weiter verbessert. So ist es kaum verwunderlich, dass unser ehemaliger Testsieger Bordo 6000 von seinem direkten Nachfolger abgelöst wird. Das Bordo 6000K kam in unserem Fall mit der gut verarbeiteten Halterung SH 6000 mit tollem Verschlusssystem.

Mit einem Bolzenschneider konnten wir das Bordo 6000K aber auch nicht an den Streben öffnen, was sehr für die Qualität der verwendeten Materialien spricht, denn die Glieder sind nur 5 Millimeter dick. Im Gegensatz zum Vorgänger haben wir das 6000K jedoch auch aufgeflext, was bei uns rund 15 Sekunden dauerte. Wären die Faltglieder etwas dicker, könnte das Schloss einem Winkelschleifer sicherlich etwas länger widerstehen, es wäre dadurch aber auch schwerer.

Das tragbare Kettenschloss: Hiplok Gold

Für Radfahrer, die Kettenschlösser unhandlich finden, bietet das Hiplok Gold eine geniale Lösung. Wie der Name vermuten lässt, kann man es während der Fahrt bequem um die Hüfte tragen. Die robuste Stahlkette im Inneren stellt sich als extrem widerstandsfähig heraus und widersteht selbst hartnäckigen Angriffen.

Das Alarmschloss: Olympia S 200

Neben physischer Barrierewirkung kann Lärm ein effektives Mittel gegen Fahrraddiebstahl sein. Das Olympia S 200 setzt genau hier an: Mit einer Sirene, die satte 90 Dezibel erreicht, dürfte es die meisten Diebe in die Flucht schlagen.

Weitere Tipps zum Schutz vor Fahrraddiebstahl

  • Immer anschließen: Das beste Schloss nutzt nichts, wenn man es mitsamt dem Fahrrad einfach wegtragen und in einen Transporter werfen kann. Schließen Sie es deshalb immer an einem feststehenden, unbeweglichen Gegenstand fest, der so hoch ist, dass man es nicht einfach darüberheben kann.
  • Immer umschauen: Nach Möglichkeit sollte Ihr Fahrrad so sichtbar wie nur irgendwie möglich sein. Belebte Plätze und Einkaufsstraßen eignen sich besser als halbdunkle Seitengassen, in denen ein Dieb viel Zeit hat, um unbeobachtet sein Werkzeug auszupacken.
  • Durch und durch: Achten Sie darauf, dass das Schloss immer durch den Rahmen und nach Möglichkeit noch eins der Räder geht.
  • Doppelt hält besser: Wenn Sie Ihr Fahrrad über Nacht draußen stehen lassen, sichern Sie es am besten mit zwei verschiedenen Schlosstypen.

Die Rolle des Preises beim Fahrradschloss

Eine ältere Faustformel besagt: Der Preis des Schlosses sollte etwa zehn Prozent des Fahrrad-Neupreises betragen. Das gilt so für E-Bikes nicht mehr, kosten die doch gut und gerne 4000 Euro und mehr. Die Schlösser in unserem faltschloss Test liegen preislich zwischen 19,99 (Crivit) und 194,95 Euro (Squire).

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