Schmalere Reifen auf dem Mountainbike: Vor- und Nachteile

Die Wahl der richtigen Reifenbreite ist entscheidend für die Performance und den Komfort deines Mountainbikes. In diesem Artikel werden die Vor- und Nachteile schmalerer Reifen auf Mountainbikes beleuchtet, um dir bei der Wahl der optimalen Reifengröße zu helfen.

Welche Reifenbreite ist möglich?

Um die Reifenbreite am Fahrrad zu bestimmen, kannst du diese selbst messen oder die Reifenbreite anhand der Mantelbeschriftung bestimmen. An Mountainbikes sind normalerweise Breiten von 50 bis 64 mm zu finden.

Kann ich auch einen dünneren Reifen verwenden?

Normalerweise ja. Im ersten Schritt würde ich anhand der Reifenbeschriftung den Reifeninnendurchmesser bestimmen und mir einen Überblick über verfügbare schmälere Reifen machen. Die oben genannten technischen Begrenzungen durch andere Fahrradteile machen bei schmaleren Reifen natürlich keine Probleme. Allerdings ist auch hier das Verhältnis zur Maulweite der Felge zu beachten, um Quetschlöcher zu vermeiden.

Welche Reifenbreite darf ich auf meiner vorhandenen Felge verwenden?

Der ETRTO-Standard empfiehlt Reifenbreiten in Abhängigkeit von der Maulweite der Laufradfelge. Die Maulweite (auch Felgeninnenweite genannt) bezeichnet den Abstand zwischen den beiden Innenseiten einer Felge. Nachfolgende Tabelle zeigt die empfohlenen Reifenbreiten gemäß ETRTO.

Maulweite der Felge in mmEmpfohlene Reifenbreiten in mm
1318 - 25
1523 - 32
1725 - 50
1928 - 57
2135 - 62
2337 - 64
2544 - 64
2747 - 64
2954 - 64

Solange man die empfohlenen Reifenbreiten verwendet, sollte man auf der sicheren Seite sein. Abhängig von der Stabilität des Reifenmantels erlauben manche Reifenhersteller durchaus noch größere Reifenbreiten. Hier bitte im Einzelfall die Herstellerangaben überprüfen.

Vor- und Nachteile breiter Fahrradreifen

Auf dem Mountainbike (MTB) dürfen es gerne dicke Reifen sein, also Reifen mit größerer Breite. Neben dem optischen Aspekt hat ein Fahrrad mit dicken Reifen Vorteile im Gelände und auf unbefestigten Wegen.

Vorteile breiter Reifen:

  • Aufgrund ihrer größeren Kontaktfläche mit dem Boden haben breite Reifen eine bessere Bodenhaftung und fahren über kleinere Bodenunebenheiten einfacher hinweg, was oft als höheren Fahrkomfort empfunden wird.
  • Dadurch eignen sie sich besser für Offroad-Fahrten und auf unbefestigten Wegen.

Nachteile breiter Reifen:

  • Schmale Reifen sind leichter und bilden weniger rotierende Masse.
  • Sie lassen sich daher besser beschleunigen, sind also agiler.

Warum rollen dicke Reifen besser als schmale?

Die Erklärung liegt im Einfederungsverhalten. Jeder Reifen flacht unter Belastung unten etwas ab. Daraus resultiert eine ebene Aufstandsfläche.

Bei gleichem Luftdruck haben der breite und der schmale Reifen eine gleich große Aufstandsfläche. Während sich der breite Reifen eher in die Breite platt drückt, hat der dünne Reifen eine schmalere aber längere Aufstandsfläche.

Das abgeflachte Stück kann man als einen Lastarm interpretieren, welcher der Rollbewegung des Reifens entgegenwirkt. Durch die stärkere Abflachung des schmalen Reifens wird das Rad „unrunder“ und muss sich beim Abrollen stärker verformen. Beim breiten Reifen wirkt sich die Abflachung weniger in Laufrichtung aus. Daher bleibt er „runder“ und rollt leichter.

Bereits bei 2bar rollt ein 60 mm breiter Reifen so leicht wie ein 37 mm bei 4bar.

Die Vorteile auf einen Blick:

  • er rollt besser
  • deine Fahrtechnik verbessert sich enorm im schwierigen Gelände. Der fette Schlappen steckt viel mehr weg. Ausprobieren!
  • der Fahrkomfort ist um Welten besser. Ein dicker Reifen mit dem richtigen Luftdruck wirkt wie eine zweite Federgabel.

Entscheidend ist, dass der Luftdruck stimmt. Zuviel Luft im Bike-Reifen und die ganze Theorie ist nichts mehr wert. Aber: Die Menge Luft raus lassen, damit der Gummi schön geschmeidig und komfortabel rollt, kannst du nur wirklich bei breiten dicken Reifen. Bei schmalen Reifen hättest du zu wenig Schutz für die Felge und folglich an der nächsten Kante ein Problem.

Je „fetter“ der Reifen wird, desto schwerer wird er - was sich wiederum bei der Beschleunigung auswirken kann (Trägheitsmoment). Achte darauf, dass du am Hinterrad keinen zu breiten Reifen montierst! An vielen Bikes gibt es wegen den Kettenstreben konstruktiv bedingte Einschränkungen: Hat der Reifen zu wenig Durchlauf, dann wird er beim nächsten kleinen Achter derart am Rahmenrohr anstehen, dass sich nichts mehr bewegt.

Die Ideallösung heißt vorne breit und hinten schmäler: Komfort- und Traktionsprobleme werden naturgemäß stärker im Frontbereich wahrgenommen.

Die richtige Reifenbreite für verschiedene Mountainbike-Typen

Es ist schwer, für jede Disziplin eine konkrete Empfehlung auszusprechen, da zu viele individuelle Faktoren des Fahrers die tatsächliche Reifenwahl beeinflussen sollten. Dennoch haben wir für dich grobe Richtlinien für die gängigsten Bike-Typen zusammengestellt, um die Orientierung etwas zu erleichtern.

Welche Reifen für XC-Fully und Hardtail MTBs?

  • Leicht profilierte Faltreifen mit rennspezifischer Gummimischung (z.B. Continental Race King)
  • Breite sollte dabei zwischen 2 und 2,2 Zoll liegen
  • Reifen mit Schlauch ca. 2,4 Bar, für Tubeless-Reifen in etwa 2,2 Bar.
  • Tubeless-Reifen, da diese leichter rollen, im Gesamten weniger wiegen und besseren Pannenschutz bieten
  • Einlagige Karkassen um die 120 TPI

Welche Reifen für Touren Fully MTBs?

  • Profil sollte einen Kompromiss zwischen Traktion und Rollwiderstand finden, wie z.B. beim Schwalbe Nobby Nic
  • Die mittlere Gummimischung der meisten Hersteller ist sehr gut für das Vorderrad geeignet. Am Hinterrad kann auch auf die härteste Mischung gesetzt werden
  • 2,2-2,3 Zoll breite Reifen rollen gut und bieten genügend Grip
  • Der Luftdruck sollte für Systeme mit Schlauch ca. 2,3 Bar, bei Tubeless-Reifen 2,1 Bar betragen
  • Sowohl Systeme mit Schlauch als auch ohne überzeugen. Unsere Empfehlung ist aber ein Tubeless-System, da die Vorteile einfach überwiegen

Welche Reifen für Enduro MTBs?

  • Ein grobstolliger Reifen á la Maxxis Highroller II, der kräftigen Seitenhalt mit ordentlicher Bremstraktion und akzeptablen Rolleigenschaften verbindet
  • Reifen um die 2,4 Zoll Breite für den harten Renneinsatz, für den Freizeitsport bis zu 3 Zoll breite Plus-Reifen
  • Bei 2,4 Zoll dürfen es 2,0 Bar bei Schlauch-Systemen und 1,8 Bar bei Tubeless-Systemen sein
  • Bei Plus-Reifen mit Schlauch in etwa 1,4 Bar, ohne Schlauch sogar nur 1,2 Bar
  • Systeme wie Procore ermöglichen einen noch geringeren Luftdruck
  • Zweilagige Karkassen mit jeweils ca. 60 TPI bieten guten Pannenschutz und super Dämpfung

Welche Reifen für Downhill und Freeride MTBs?

  • Sehr grobstolliges, aggressives Profil
  • Weiche Gummimischung (z.B. Schwalbe Addix Soft, Maxxis Supertacky)
  • Reifenbreite um die 2,5 Zoll. Plus-Reifen kommen eher nicht zum Einsatz
  • Luftdruck mit Schlauch ca. 2,0 Bar, bei Tubeless ca. 1,8 Bar.
  • Obwohl Drahtreifen noch recht verbreitet sind, empfehlen wir Faltreifen. Diese sparen Gewicht und sitzen dennoch straff genug auf der Felge. Bei schmalem Geldbeutel dürfen es auch Drahtreifen sein
  • Mehrlagige Karkassen (um die 60 TPI) wie Schwalbe Super Gravity oder Maxxis Double Down sorgen für ordentlich Dämpfung und guten Pannenschutz
  • Entweder man verwendet sehr dicke Downhill-Schläuche oder man setzt direkt auf ein Tubeless-System
  • Zusätzliche Pannenschutzsysteme wie Procore oder Huck Norris sind beim Downhill sinnvoll

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