Schmolke, der Carbon-Spezialist vom Bodensee, ist vor allem unter Leichtbau-Enthusiasten bekannt und lässt mit High-End- und Low-Weight-Komponenten Roadie-Herzen höher schlagen. Doch Schmolke steht dabei nicht nur für eine Abspeckkur fürs Fahrrad, sondern vor allem für hochwertige und detailverliebte Produkte. Neben federleichten Carbon-Sattelstützen und -Laufrädern bietet Schmolke neuerdings auch Gravel-Bikes an und will damit den ganz Großen Konkurrenz machen.
Wir hatten das 8.350 € teure Infinity Integral im Test und konnten das bis zur Oberkante mit Schmolke ausgekittete Bike sowohl im heimischen Schwarzwald als auch auf katalanischen Gravel-Pisten testen. Dabei zeigt sich nicht nur wie vielseitig, sondern auch wie komfortabel Carbon sein kann und wo die Schwächen des Gravel-Bikes liegen. Kann sich der Hersteller vom Bodensee mit dem Infinity Integral mit lauter Carbon-Komponenten behaupten?
Vollausstattung aus eigenem Haus
Schmolke als kleiner Hersteller zieht durch, was sonst nur die ganz großen à la Specialized und Co. können und setzt beim Infinity Integral auf eine Vollausstattung aus eigenem Haus. Beim Gravel-Renner vom Bodensee entspringen lediglich Naben, Schaltgruppe und Reifen nicht dem Designbüro Schmolke. Doch wo eine waschechte Vollausstattung bei preisbewussten Herstellern zum Problem wird, kann Schmolke voll und ganz auftrumpfen. Und die Detailverliebtheit macht sich bezahlt.
Die Komponenten im Detail
Das Cockpit fällt auf den ersten Blick vor allem durch das weiße Lenkerband auf. Doch hier versteckt sich noch so viel mehr. Der Schmolke Roadbar Gravel TLO-Lenker ist ein kleines Schmuckstück in sich. Die Haptik, kombiniert mit dem 1K-Carbon-Finish und dezent-schwarzen Schmolke-Grafiken, macht den Lenker zu einem kleinen Meisterstück. Durch den breiten Flare von 20° misst der Lenker ganze 530 mm in den Drops. Der gewollt breite Griff vermittelt viel Sicherheit in technischem Gelände, wirkt aber etwas gezwungen und verleiht dem Bike ein behäbiges Gefühl. Optisch nicht ganz passend ist allerdings der Vorbau. Ebenfalls von Schmolke, und natürlich aus Carbon, wirkt er etwas klobig, passt mit dem matten Finish aber super zum Rahmen und den restlichen Komponenten.
Ganz im Gegensatz dazu die Sattelstütze. Wir hatten noch kein Modell im Test, das uns so überzeugt hat wie Schmolkes Meisterwerk. Es treibt nicht nur Gewichtsersparnis und Look an die Spitze des Möglichen, sondern - man mag es kaum glauben - es ist auch eine der komfortabelsten Sattelstützen im Radkeller. Damit avanciert sie nicht nur zu einem der Highlights am Bike, sondern wird von uns auch ganz uneingeschränkt als Upgrade empfohlen.
Als i-Tüpfelchen runden die Schmolke-Laufräder mit Challenge Gateway TLR-Reifen in 40-mm-Breite das Gesamtpaket ab. Die hauseigenen Carbonfelgen, gepaart mit DT Swiss 180-Naben, ergeben einen leichten, reaktiven und steifen Laufradsatz.
Gewöhnlich ist dagegen die Entscheidung, eine SRAM Force XPLR-Schaltgruppe zu verbauen. Sie liefert präzise und knackige Schalt-Performance und funktioniert verlässlich, dennoch fehlt der Gruppe die Emotionalität und Detailverliebtheit, wie sie Schmolke bei den eigenen Komponenten zeigt.
Ähnlich auch der Rahmen: Vor allem optisch mag er nicht so recht zum exklusiven Schmolke-Image passen. Mit der breiten Gabel und dem massiven Bereich der Sattelstützklemme wirkt das Bike nüchtern und unzerstörbar. Außergewöhnlich sind dagegen die Flaschenhalter. Mit nur 14 g sind die Carbon-Halter wahre Leichtgewichte und halten die Flaschen trotzdem sicher, auch offroad!
Fahrgefühl und Handling
Trotz des Auftretens und der High-End-Komponenten ist das Schmolke Infinity Integral ein zurückhaltendes Bike. Das Handling befindet sich, bestimmt durch den breiten Lenker, auf der laufruhigen Seite des Spektrums. Durch die breiten Drops lässt sich das Bike vor allem in schnellen Situationen und langen Kurven sicher fahren. In schwierigem Gelände und in Abfahrten ist der breite Lenker aber von Nachteil.
Die Sitzposition dagegen ist gestreckt, für ein Bike in Größe 57 aber durchaus angebracht und kann durch einen kürzeren Vorbau individualisiert werden. Wie bereits erwähnt, ist die Compliance, vorne wie hinten, herausragend: Die Komponentenwahl mit hauseigenem Sattel und Sattelstütze bringt einiges an Flex und Dämpfung. Auch hier lassen sich nur positive Worte über die Schmolke-Produkte verlieren.
Im Antritt kommen das geringe Gewicht von 7,64 kg und die hohe Effizienz der Kombination aus Laufrad und Challenge Gateway-Reifen voll zur Geltung. Auch das Profil der Reifen vermittelt viel Sicherheit und bietet ausreichend Kontrolle auf unserem teils matschigen Testparcour. Was sich im Antritt zeigt, lässt sich auch auf das Fahrverhalten im Anstieg übertragen.
Schmolke Leggerissima TLO: Das leichteste Rennrad im TOUR-Test 2024
Kurz vor dem Jahreswechsel schrieb das Leggerissima TLO von Schmolke Geschichte: Mit 5,4 Kilogramm war die Neuheit nämlich nicht nur das leichsteste Rennrad 2024, sondern setzte sich auch insgesamt an die Spitze der leichtesten Disc-Modelle im TOUR-Test. Der Kletterspezialist verwies damit das Benotti Fuoco Carbon Ultra (6,1 Kilo) und Giant TCR Advanced SL (6,5 Kilo) recht deutlich auf die weiteren Plätze. Beide Modelle wurden ebenfalls in diesem Jahr vorgestellt.
Die Abkürzung TLO (The lightest one) verdient sich das Leggerissima durch konsequentes Tuning mit Leichtbaukomponenten. Schmolke spielt dabei seine Carbon-Expertise bei Vorbau (80 Gramm) und Lenker (140 Gramm) sowie Sattel (57 Gramm) und Stütze (90 Gramm) aus. Ein Highlight ist der hauseigene Laufradsatz. Dank Prepreg-Fertigung, Carbonspeichen und leichten Extralite-Naben wiegen Vorder- und Hinterrad unter 1000 Gramm. Abgerundet wird das Rekord-Setup unter anderem mit Carbonkettenblättern von Carbon-Ti, die Superstar Tadej Pogacar auch an sein Colnago schraubt, und einer Carbonkurbel von THM.
Komponenten im Detail: Schmolke Leggerissima TLO
- Stütze: 90 Gramm (Klassische Jochklemmung, extrem guter Flex)
- Sattel: 57 Gramm (Einteilige Carbonskulptur, überraschend bequem)
- Lenker: ca. 140 Gramm
- Vorbau: ca. 80 Gramm (Titanschrauben, sorgsame Schrauberhand erforderlich)
- Rahmen: 786 Gramm
- Gabel: 341 Gramm (Hergestellt in Kooperation mit einem südkoreanischen Rahmenhersteller)
- Laufräder: Weniger als 1000 Gramm für Vorder- und Hinterrad (Prepreg-gefertigte Felgen, Carbonspeichen, Naben von Extralite)
Die Zukunft von High-End-Komponentenherstellern
Die jüngsten Entwicklungen im Fahrrad-Business lassen uns rätseln, wie die Zukunft aussieht, welche Perspektiven High-End-Komponentenhersteller noch haben? Wie entwickelt sich Schmolke? Verschwindet durch den Weg zu integrierten und proprietären Sattelstützen, Lenker-Vorbaueinheiten und das vollumfängliche Angebot vieler großer Hersteller der Markt für Unternehmen wie Schmolke?
Doch wie sich am Infinity Integral zeigt, lässt sich Know-how aus dem Komponentenbau nicht direkt auf Rahmen transferieren. Mit dem Infinity Integral ist es Schmolke aber gelungen, ein spaßiges und sehr ausgeglichenes Bike auf die Räder zu stellen. Und das zu einem Preis und Gewicht, wie es nur wenige Hersteller im Gravel-Bereich schaffen. Schmolke bietet für 8.350 € ein Bike mit der kompletten Bandbreite an High-End-Komponenten. Dabei erkauft man sich nicht nur Leichtbau, sondern auch ein auffällig komfortables und ausgeglichenes Bike.
Wer aber tiefe Taschen hat und auf Schmolke durch und durch steht, holt sich mit dem Schmolke Infinity Integral ein sehr solides Bike ins Haus, das definitiv Alleinstellungsmerkmale besitzt. Für den stolzen Preis von 8.350 € bietet Schmolke mit dem Infinity Integral ein sehr leichtes Bike, das vor allem mit seinem gutmütigen und verzeihenden Fahrverhalten und den hochwertigen Komponenten auftrumpfen kann. Das durchdachte Schmolke Komplettpaket mit allem, was das Herz begehrt, überzeugt nicht nur Weight-Weenies und Carbon-Fetischisten, auch absolut Gravel-Begeisterte kommen hier auf ihre Kosten.
Neue Optionen für Laufräder: DT Swiss Naben
Der Konstanzer Laufradspezialist bietet seine Laufrad-Sätze für Scheibenbremsen ab sofort auch mit den Top-Naben von DT Swiss an. Der Leichtbau-Experte Schmolke Carbon setzt immer wieder Maßstäbe, wenn es um noch geringere Gewichte geht. Neu bietet Schmolke Carbon die 180er-Naben von DT Swiss als weitere Option für Scheibenbrems-Aufbauten im Rahmen des Laufradbau-Programms an - als Alternative zu den Naben von Extralite und Tune. Dies begründen die Leichtbauspezialisten mit der überzeugenden Funktion des neuen „Ratchet EXP“-Freilaufs, dem geringen Gewicht sowie der hohen Qualität und Zuverlässigkeit der Naben aus Biel.
Schmolke Aerrow: Komplettrennräder für Leichtbau-Fans
Schmolke baut jetzt auch Komplettrennräder. Flaggschiff der Produktpalette ist das im Dezember 2023 aufgelegte Modell Aerrow TLO Polar Light. Dank Carbonfasern höchster Güteklasse und leichten Anbauteilen von Schmolke und THM Parts sowie Shimanos Top-Gruppe Dura-Ace Di2 bringt es das Aerrow TLO auf gerade mal 6,1 Kilogramm Gesamtgewicht. Preis: ab 14 560 Euro.
Das Schmolke Aerrow (ohne Namenszusatz TLO) kommt in schwarz-rotem Gewand und zwei Ausstattungsvarianten: mit TLO-Parts und mit SL-Parts. Beide Varianten sind ausgesprochen leicht, die TLO-Ausführung allesamt unter 7 Kilogramm.
Der Aerrow-Rennradrahmen soll laut Hersteller auf 950 Gramm Gewicht kommen. Zur Verbesserung von Aerodynamik und Optik verlaufen die Bremsleitungen durch den TLO Evo-Lenker und den TLO-Vorbau ins Rahmeninnere - auch der Übergang von Gabelkopf zum Steuerrohr sowie das gesamte Design des Steuerrohrbereiches wurde unter aerodynamischen Gesichtspunkten entwickelt.
Stefan Schmolke lässt die von ihm entwickelten Rahmen übrigens in Südkorea bei WiaWis produzieren - dem Weltmarktführer im Bau von Sportbogen, der auch mit eigenen Rennrädern in der Rennrad- und Mountainbikewelt vertreten ist.
Ausstattungsvarianten, Gewichte und Preise
Alle Aerrow-Ausführungen (sowohl mit als auch ohne TLO-Namenszusatz) sind in sechs Rahmengrößen von XXS bis XL erhältlich. Kompletträder sind ab 8240 Euro erhältlich.
Die Geschichte von Schmolke Carbon
Schmolke Carbon wurde im Jahr 1992 in Konstanz am Bodensee durch Stefan Schmolke gegründet. Zu dieser Zeit war Schmolke der einzige Hersteller, der Rennradlenker aus Kohlefaser herstellte. Im Jahr 2001 fuhr unter anderem Jan Ullrich mit einem Carbon-Lenker von Schmolke auf den zweiten Platz der Gesamtwertung der Tour de France. Dieser Erfolg sorgte dafür, dass Schmolke Carbon deutlich bekannter wurde.
Bei der Herstellung setzt Schmolke auf modernste Techniken, wie etwa die Prepreg-Technologie, bei der Carbonfasern bereits mit Harz imprägniert sind, bevor sie in Formen gelegt und ausgehärtet werden. Dieser Prozess ermöglicht es, besonders leichte und gleichzeitig stabile Komponenten zu produzieren.
Vergleich: Schmolke vs. DT Swiss
Einige Nutzer diskutieren über den Wechsel von DT Swiss zu Schmolke Laufrädern, hauptsächlich aus optischen Gründen. Es gibt jedoch Bedenken hinsichtlich der Performance und des Gewichts. Die Schmolke Felgen werden von Munich Composites produziert. Der Unterschied von 48 auf 65mm würde keine großen Wunder erwarten lassen, vielleicht 2 bis 3W.
| Merkmal | Schmolke | DT Swiss |
|---|---|---|
| Herstellung | Teilweise von Munich Composites | Eigene Produktion |
| Optik | Individuell, Carbon-Design | Funktional, verschiedene Designs |
| Performance | Leichtbau, reaktiv | Hohe Qualität, Zuverlässigkeit |
| Nabenoptionen | Extralite, Tune, DT Swiss | DT Swiss Eigenmarke |
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