Die Faszination für Geschwindigkeit hat Zweiradfahrer schon immer angetrieben, insbesondere wenn es um Mopeds geht. Von historischen Rekordfahrten mit der Kreidler Florett bis hin zu modernen Bestrebungen mit speziell präparierten Rollern - die Suche nach dem schnellsten Moped der Welt ist eine Geschichte von Ingenieurskunst, Leidenschaft und dem Wunsch, Grenzen zu überschreiten.
Historische Rekorde und Tuning-Boom
Im Spätherbst 1965 sorgte eine Kreidler Florett in den USA für Aufsehen, als sie zu einer Weltrekordfahrt aufbrach. Normalerweise fuhr das Moped mit etwa 50 km/h, aber diese spezielle Fahrt sollte Geschichte schreiben. Ob diese Weltrekordfahrt den Startschuss für einen Tuning-Boom bei Mofas gab, ist nicht eindeutig belegt.
Fakt ist jedoch, dass sich Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre eine ganze Generation von Jugendlichen dem Geschwindigkeitsrausch hingab. Obwohl der Rekord der Kreidler auf deutschen Straßen unerreicht blieb, waren Mofas mit Geschwindigkeiten von 100 km/h und mehr unter jungen Bikern keine Seltenheit.
Die Manipulation von Zweirädern war weit verbreitet, und ganze Tuning-Pakete wurden von Herstellern angeboten, um mit wenigen Handgriffen zusätzliche Leistung zu erzielen. Der Verkauf von Tuning-Artikeln war erlaubt, aber der Händler durfte beim Einbau nicht helfen. So entwickelte sich das Basteln bundesweit zur Hauptfreizeitbeschäftigung, selbst bei technisch weniger versierten Jugendlichen.
Mit einfachen Modifikationen konnte man aus einem normalen Mofa ein schnelles Geschoss machen. Der Austausch der Auspuffanlage brachte bereits 20 km/h mehr, und eine andere Übersetzung oder ein neues Ritzel erhöhten die Geschwindigkeit um weitere 15 km/h. Wer tiefer eintauchen wollte, fand in Handbüchern wie dem "Two-Stroke Tuner's Handbook" von Gordon Jennings eine Fülle von Informationen.
Der Einbau eines 80-Kubikzentimeter-Rennsatzes machte es möglich, mit kleinen Motorrädern auf der Autobahn mitzuhalten. Allerdings waren Bremsen, Rahmen und Reifen der Mofas nicht für diese hohen Geschwindigkeiten ausgelegt, was zu gefährlichen Situationen führen konnte.
Kreidler: Eine Legende der 1960er und 1970er Jahre
Die Kreidler Florett aus dem Stuttgarter Vorort Kornwestheim war in den 1960er und 1970er Jahren ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit. Die Firma Kreidler stellte nicht nur Telegraphendrähte und Kabel her, sondern erkannte nach dem Zweiten Weltkrieg im Moped eine Marktlücke.
Die K 50 von Kreidler hatte 2,2 PS aus 50 ccm und erreichte die Leistung eines üblichen 98 ccm-Motorfahrrads. Im Jahr 1954 wurde die "Lex Kreidler" eingeführt, die den Führerschein IV ab 16 Jahren ohne PS- oder Geschwindigkeitsbegrenzung ermöglichte, solange das Motorrad nicht mehr als 50 ccm hatte.
Die Florett, entworfen vom Messerschmitt-Flugzeugbauingenieur Johann Hilber, wurde legendär. Im Jahr 1965 stellte Kreidler mit einer kompressorgeladenen Maschine den bis heute gültigen Weltrekord für 50ccm-Zweiräder auf: 225,342 km/h!
Obwohl Konkurrenten wie Zündapp, Sachs (Hercules) und Puch ebenfalls erfolgreiche Mopeds herstellten, war Kreidler für viele Jugendliche das Nonplusultra. Die Qualität der Maschinen war hoch, und Kreidler gewann fünfmal den WM-Titel in der 50 ccm-Klasse während der 1970er Jahre.
In den 1970er Jahren brach der Markt zusammen, da die Kundschaft jung und die Unfallzahlen hoch waren. Versicherungsprämien, Helmpflicht und Führerscheinpflicht für Mofa-Fahrer drückten den Markt zusätzlich. Kreidler geriet ins Trudeln und meldete 1982 Konkurs an.
Moderne Rekordversuche mit Pirelli DIABLO ROSSO Scooter Reifen
Mit dem DIABLO ROSSO Scooter von Pirelli wurden vom Moto Club Benelli gleich sechs Geschwindigkeits-Weltrekorde geknackt. Montiert waren die sportlichen Rollerreifen auf einem speziell präparierten Benelli-Scooter des Typs 491 mit einer Sonderlackierung von Stardesigner Aldo Drudi.
Motorenseitig kümmerten sich die in Bologna ansässigen Tuning-Spezialisten der Firma Malossi um die Vorbereitung des Weltmeister-Scooters. Der Ingenieur Fabio Fazi sorgte als Pilot auf dem Malossi-Benelli am Sonntag, den 27. August 2017 für die ersten beiden Rekorde in der 50ccm-Kategorie. Fazi ist nicht nur Mastermind des Projekts von Bologna nach Bonneville, sondern zudem Technikkommissions-Mitglied des Motorradweltverbands (FIM) und Partner des Moto Club Benelli.
Die nächsten vier Weltrekorde wurden am Mittwoch, den 30. August 2017 von Mauro Sanchini aufgestellt. Der ehemalige Fahrer in der italienischen Superbikeserie und der Superbike-Weltmeisterschaft arbeitet heute bei Sky Italia als MotoGPTM-Moderator und brach direkt nach dem britischen Grand Prix in Silverstone in die USA auf. Parallel dazu machten die Techniker von Malossi die 85 und 100ccm-Motoren für ihn bereit.
In der 85ccm-Klasse legte er die Ein-Kilometer-Strecke mit 133,002 und die Eine-Meile-Distanz mit 132,668 Stundenkilometern zurück.
Entsprechend zufrieden zeigte sich auch Salvo Pennisi, Leiter der Testabteilung von Pirelli Moto: "Obwohl Weltrekorde für Pirelli nichts Neues sind - seit dem Jahr 2000 haben wir 21 Weltrekorde aufgestellt - freuen wir uns sehr über diese jüngsten Erfolge."
Übersicht der Geschwindigkeitsrekorde mit Pirelli DIABLO ROSSO Scooter Reifen (2017)
| Datum | Fahrer | Kategorie | Rekord | Geschwindigkeit (km/h) |
|---|---|---|---|---|
| 27. August 2017 | Fabio Fazi | 50ccm | ... | ... |
| 30. August 2017 | Mauro Sanchini | 85ccm | Ein-Kilometer-Strecke | 133,002 |
| 30. August 2017 | Mauro Sanchini | 85ccm | Eine-Meile-Distanz | 132,668 |
| 30. August 2017 | Mauro Sanchini | 100ccm | ... | ... |
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