Schottland Motorrad Reise: Tipps für unvergessliche Touren

Schottland bietet abwechslungsreiches Terrain für abenteuerliche Motorradreisen - ein Traum vieler Motorradfahrer! Auf der North Coast 500 bis an die Nordküste oder auf einsamen Single Track Roads mitten durch die Highlands. Motorradfahren in Schottland bringt - nicht nur dank der kurvigen Routen - Fahrspaß pur.

Anreise und Planung

Wer mit dem eigenen Fahrzeug anreisen möchte, kann problemlos die Fähre nehmen. Bei Fähranreise nach Newcastle in Nord-England ist die Mitnahme des eigenen Motorrades problemlos möglich. Es gibt zwei Hauptrouten: die Verbindung von Amsterdam nach Newcastle mit DFDS und die von Rotterdam nach Hull mit P&O Ferries. Hier liegt der Preis für die Überfahrt für eine Person inkl. der Mitnahme des Motorrades und Kabinenübernachtung bei etwa 100-150 Euro pro Strecke - je nach Buchungszeit.

Ich empfehle, so früh wie möglich zu buchen, da die Preise mit näherrückendem Abfahrtstermin enorm steigen können. Die Fähren legen abends in Rotterdam oder Amsterdam ab und erreichen früh morgens gegen 8 Uhr die jeweiligen nordenglischen Hafenstädte Hull oder Newcastle, von wo aus es noch etwa 300 bzw. 100 Kilometer bis an die schottische Grenze sind.

Wer eine Motorradtour durch Schottland plant, der kann sich auf abwechslungsreiche Routen freuen. Auf der eigenen Maschine entlang des Malt Whisky Trails durch die Region Speyside oder auf der North Coast 500 durch die schottischen Highlands.

Die beste Reisezeit

Die Frage nach der klimatologisch besten Reisezeit lässt sich wirklich nur schwer beantworten. Der statistisch gesehen trockenste Monat ist der Mai. Ich persönlich war von Mai bis Juli in Schottland unterwegs und fand das Wetter in dieser Zeit einfach perfekt. Es war sogar viel besser, als ich erwartet hätte und so gab es einige Wochen am Stück keinen Niederschlag, was dazu führte, dass es in den Highlands verboten war Lagerfeuer zu machen und die Zeitungen vor einer Hitzewelle warnten.

Wer es arrangieren kann, sollte seinen Roadtrip über die North Coast 500 in Schottland auf Anfang Mai legen. Dann sind die Tage lang, das Wetter ist für schottische Verhältnisse schön und auf den schmalen Landstraßen ist noch kaum Verkehr. Nachdem die North Coast 500 seit 2015 erfolgreich beworben wurde, müssen Motorradfahrer damit rechnen, dass in den Sommermonaten dort recht viele Pkw und Wohnmobile unterwegs sind. Die Nebensaison hat natürlich auch Auswirkungen auf die Preise entlang der Route. Falls der Mai nicht zu eurer Planung passt, solltet ihr alternativ mit dem September liebäugeln.

Dabei gilt: Im September gibt es mehr Regen, ab Ende Mai sind mehr midgets unterwegs (beißende kleine Fliegen). Im Folgenden erfährst du, wie du dich vor diesen nur 2 Millimeter großen Blutsaugern schützen kannst.

Mücken und "Highland Midgets"

„Mücken“ ist nicht ganz korrekt. Bei eventuell auftauchenden „Highland midgets“ (Culicoides impunctatus) handelt es sich um nur zwei Millimeter große, beißende Fliegen mit dunklen Punkten auf beiden Flügeln. Nach dem sie zugebissen haben, saugen sie etwas Blut, weil sie Proteine zur Eiablage benötigen. In ihrem Speichel ist Histamin enthalten - was uns die lästig juckenden Quaddeln beschert. Im Gegensatz zum Biss von anderen Blutsaugern kann der Biss der "midgets" keine Krankheiten übertragen.

Mückensaison ist Ende Mai bis Mitte Juni und Ende Juli bis Anfang August. Die kleinen Vampire lieben hohe Luftfeuchtigkeit, relativ hohe Temperaturen und meiden helles Licht. Wie unsere einheimischen Stechmücken sind sie vor allem dämmerungsaktiv. Aktiven Bikern können sie aufgrund der Geschwindigkeit und der Motorradkluft kaum etwas anhaben.

Das Wetter in Schottland

„Dir gefällt das Wetter nicht? Dann warte eben mal fünf Minuten ab.“ Dieser Spruch ist in Schottland weit verbreitet. Es gibt auch noch eine andere Redensart, die besagt, dass man in den schottischen Highlands alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann. Wohnmobilreisenden auf der North Coast 500 kann das so ziemlich egal sein - ganz wie andere Schnecken verfügen sie über einen optimalen Witterungsschutz. Als Biker sollte man allerdings von der Badehose über atmungsaktives Regenzeug bis hin zu leicht gefütterten Handschuhen alles einpacken, um den Roadtrip bei jedem Wetter genießen zu können.

Schottland ist sicherlich kein Land, das seine Besucher mit schönem Wetter ködern muss. Wer nach Schottland reist, der muss Regen hin und wieder mal in Kauf nehmen. Das Schöne ist jedoch, dass nach dem Regen meistens auch sehr schnell wieder die Sonne folgt. Ich habe selten ein Land erlebt, wo sich das Wetter so facettenreich zeigt.

Verkehrsregeln und Straßen

Wegen des Linksverkehrs braucht man sich als Kontinentaleuropäer keine Sorgen zu machen, wenn man mit dem Motorrad nach Schottland fährt. Am Steuer des eigenen Fahrzeugs gewöhnt man sich schnell an die ungewohnte Straßenseite. Außerdem sind die Schotten die höflichsten Autofahrer der Welt. Sie streiten sich fast darum, wer wem Vorfahrt gewähren darf.

Auf der Strecke der North Coast 500 bewegt ihr euch durchgängig auf einer Fernstraße - außer ihr macht Abstecher zu Sehenswürdigkeiten. Fernstraßen sind in Schottland mit dem Buchstaben A vor der Nummer gekennzeichnet. Auf einspurigen Straßen außerhalb von Ortschaften (single carriage ways) ist die Geschwindigkeit für Motorradfahrer auf 96 km/h (60 mph) begrenzt. Auf zweispurigen Straßen mit einer Abgrenzung in der Mitte (dual carriage ways) sind Bikern maximal 70 mph (112 km/h) erlaubt.

Single Track Roads

„Single Track Roads“ sind einspurige Straßen, die nur Platz für ein einziges Fahrzeug bieten. An diesen sind Ausweichbuchten eingerichtet, auf die schon von Weitem hingewiesen wird. Bei Gegenverkehr gilt, dass derjenige ausweicht, der einen „passing place“ auf seiner linken Seite hat. Die Buchten haben auch den Zweck, schnellere Fahrzeuge an langsameren vorbeizulassen.

Gewöhnen muss man sich an die Single Track Roads. Das sind einspurige Straßen, mit denen fast alle abgelegenen ländlichen Gegenden durchzogen sind. Alle paar hundert Meter wartet eine Ausweichstelle. Das Ganze ist kein Problem, wenn man während seiner Motorradtouren ein wenig vorausschauend fährt. Es ist erstaunlich, wie diszipliniert und zuvorkommend die Schotten sich an diese Regel halten. Man sollte natürlich ebenfalls Rücksicht nehmen und sich stets mit einem Gruß bei den Wartenden bedanken.

Achtung: Schafe!

Eine Bevölkerungsschicht Schottlands kennt allerdings keine Gnade mit Besuchern - die Schafe. Halbwild weiden sie das ganze Jahr über auf den Wiesen und kennen keinen Respekt vor Motorfahrzeugen jeder Art. Gerne warten sie, bis man dicht an ihnen dran ist, um dann mit einem Satz die Fahrbahn zu überqueren. Besonders die Kinderschafe sind auf solche Einlagen spezialisiert.

Während freilaufende Schafe meistens panisch von den schmalen Fahrbahnen der North Coast 500 flüchten, wenn ein Motorrad heranbraust, scheint so etwas die stoischen Wiederkäuer nicht sonderlich zu beeindrucken. In Anbetracht ihrer beeindruckend langen Hörner solltet ihr euch mit ihnen auf ein rücksichtsvolles Miteinander einigen: Wer im Schritttempo an ihnen vorbei tuckert, ist auf der sicheren Seite.

Der Speyside Whisky Trail

Er ist knapp hundert Kilometer lang und eine Route, die auf keiner Schottland Tour mit dem Motorrad fehlen darf - der Speyside Whisky Trail. Diese Route führt durch die wichtigste der fünf schottischen Whisky-Regionen und ist die einzige ihrer Art weltweit.

Drei Tage sollte man sich für den Whisky Trail Zeit nehmen. Drei Tage für hundert Kilometer, werden Sie sich fragen? Nun, auf den hundert Kilometern dieser Motorrad Tour in Schottland warten sieben Destillerien, eine historische Brennerei und eine Böttcherei. Durch alle Destillerien sollte man sich unbedingt durchprobieren, danach ist mit dem Fahren selbstverständlich erst mal Schluss.

Übrigens sollte man den Whisky Trail auch unter die Räder nehmen, wenn man nicht unbedingt ein Liebhaber dieses Getränks ist. Allein wegen der teils uralten historischen Anlagen und der einzigartigen Atmosphäre, die dort herrscht, zählt sie mit zu den schönsten Motorradstrecken in Schottland. Und so mancher - wir sprechen aus eigener Erfahrung - wurde auf seinem Motorrad durch Schottland unterwegs zum Whisky-Liebhaber.

Die sieben aktiven Destillerien auf dem Trail sind: Glenlivet, Cardhu, Glenfiddich, Glen Grant, Strathisla, Glen Moray und Benromach. Der Platz im Seitenkoffer kann also nicht groß genug sein, um ein Souvenir vom Whisky-Trail mit nach Hause zu bringen.

Unterkünfte

Die typischste Unterkunft in Schottland ist das Bed & Breakfast. Die durch ein B&B Schild angekündigten Häuser findet man in jedem noch so kleinen Nest und es gibt so überraschend viele davon, dass man nur selten eine Reservierung benötigt. Die Übernachtungskosten liegen in der Hauptsaison durchschnittlich bei etwa 30 Pfund pro Person, wobei das Frühstück im Preis inbegriffen ist.

Kulinarische Tipps

Vielleicht mag es Leute geben, die mir widersprechen aber Schottland ist kein Feinschmeckerparadies. Es gibt Ausnahmen aber in der Regel wird - wie auch in England - frittierter Fisch mit Fritten angeboten. Ansonsten gilt Haggis als das typischste Gericht in Schottland. Wer deutsche Hausmannskost mag, der wird Haggis sicherlich lieben. Ich persönlich habe ihn immer bestellt, wenn er auf der Karte stand.

Neben Whiskey, wird in schottischen Pubs in erster Linie Bier getrunken. Hier stellt sich die Frage, wie und was bestellt man überhaupt. Die Auswahl ist gigantisch und mit „one beer please!“ erntet man nur fragende Blicke. Will man ein Bier, das einem Pils am ähnlichsten ist, dann bestellt man ein Lager. Wenn man jedoch ein wenig experimentierfreudig ist, so empfehle ich ein leckeres Ale. Hier gibt es in ganz Großbritannien eine riesige Auswahl. Während ein Lager bei etwa 5-7 Grad serviert wird liegt die Trinktemperatur bei einem Ale bei etwa 12 Grad. Auch der Kohlesäuregehalt ist niedriger. Ale ist der Grund dafür, warum viele Deutsche spotten, die Briten hätten nur schales Bier im Angebot.

Fazit

Motorradtouren durch Schottland lassen sich im Grunde mit keiner anderen vergleichen. Das Fahren an sich rückt hier eher in den Hintergrund. Es ist mehr eine Reise in eine andere Zeit, in eine mystische Landschaft, zu bezaubernden Menschen, in ein Land, in dem man sich trotz - oder vielleicht gerade wegen des wechselhaften Wetters - als Motorradfahrer extrem wohl fühlt. Balsam für die Seele.

Die North Coast 500 ist ein abwechslungsreicher Roadtrip für Biker, die ihre Augen nicht nur auf den Tacho und die Fahrbahn richten. Sie zählt zu den 5 besten Panoramarouten Europas. Blühendes Heidekraut säumt die einspurigen Straßen durch die Highlands, ein Dram duftender Whisky vergoldet den Abend im Pub. Kein Wunder, dass Schottland zu den angesagten Reisezielen für Motorradfahrer gehört, bei all den schönen Strecken und der schottischen Gemütlichkeit.

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