Schottland ist ein wahrer Traum für Motorradfahrer. Motorradfahren in Schottland bringt - nicht nur dank der kurvigen Routen - Fahrspaß pur. Auf der eigenen Maschine entlang des Malt Whisky Trails durch die Region Speyside oder auf der North Coast 500 durch die schottischen Highlands: Wer eine Motorradtour durch Schottland plant, der kann sich auf abwechslungsreiche Routen freuen.
Die beste Reisezeit für Motorradtouren in Schottland
Wer es arrangieren kann, sollte seinen Roadtrip über die North Coast 500 in Schottland auf Anfang Mai legen. Dann sind die Tage lang, das Wetter ist für schottische Verhältnisse schön und auf den schmalen Landstraßen ist noch kaum Verkehr. Nachdem die North Coast 500 seit 2015 erfolgreich beworben wurde, müssen Motorradfahrer damit rechnen, dass in den Sommermonaten dort recht viele Pkw und Wohnmobile unterwegs sind. Falls der Mai nicht zu eurer Planung passt, solltet ihr alternativ mit dem September liebäugeln. Die Nebensaison hat natürlich auch Auswirkungen auf die Preise entlang der Route.
Der statistisch gesehen trockenste Monat ist der Mai. Ich persönlich war von Mai bis Juli in Schottland unterwegs und fand das Wetter in dieser Zeit einfach perfekt. Es war sogar viel besser, als ich erwartet hätte und so gab es einige Wochen am Stück keinen Niederschlag, was dazu führte, dass es in den Highlands verboten war Lagerfeuer zu machen und die Zeitungen vor einer Hitzewelle warnten.
Dabei gilt: Im September gibt es mehr Regen, ab Ende Mai sind mehr midgets unterwegs (beißende kleine Fliegen). Wie ihr euch vor diesen nur 2 Millimeter großen Blutsaugern schützen könnt, erfahrt ihr im Absatz „Mücken / midgets in den schottischen Highlands“.
Das Wetter in Schottland
„Dir gefällt das Wetter nicht? Dann warte eben mal fünf Minuten ab.“ Dieser Spruch ist in Schottland weit verbreitet. Es gibt auch noch eine andere Redensart, die besagt, dass man in den schottischen Highlands alle vier Jahreszeiten an einem Tag erleben kann. Wohnmobilreisenden auf der North Coast 500 kann das so ziemlich egal sein - ganz wie andere Schnecken verfügen sie über einen optimalen Witterungsschutz. Als Biker sollte man allerdings von der Badehose über atmungsaktives Regenzeug bis hin zu leicht gefütterten Handschuhen alles einpacken, um den Roadtrip bei jedem Wetter genießen zu können.
Niederschlagreichstes Gebiet ist die Westküste mit der Isle of Skye. Am wenigsten Regen geht über der Speyside nieder. Es lohnt also durchaus, die Wettervorhersage im Auge zu behalten.
Mücken und andere Plagegeister
„Mücken“ ist nicht ganz korrekt. Bei eventuell auftauchenden „Highland midgets“ (Culicoides impunctatus) handelt es sich um nur zwei Millimeter große, beißende Fliegen mit dunklen Punkten auf beiden Flügeln. Nach dem sie zugebissen haben, saugen sie etwas Blut, weil sie Proteine zur Eiablage benötigen. In ihrem Speichel ist Histamin enthalten - was uns die lästig juckenden Quaddeln beschert. Im Gegensatz zum Biss von anderen Blutsaugern kann der Biss der "midgets" keine Krankheiten übertragen.
Mückensaison ist Ende Mai bis Mitte Juni und Ende Juli bis Anfang August. Die kleinen Vampire lieben hohe Luftfeuchtigkeit, relativ hohe Temperaturen und meiden helles Licht. Wie unsere einheimischen Stechmücken sind sie vor allem dämmerungsaktiv. Aktiven Bikern können sie aufgrund der Geschwindigkeit und der Motorradkluft kaum etwas anhaben.
Verkehrsregeln und Besonderheiten
Auf der Strecke der North Coast 500 bewegt ihr euch durchgängig auf einer Fernstraße - außer ihr macht Abstecher zu Sehenswürdigkeiten. Fernstraßen sind in Schottland mit dem Buchstaben A vor der Nummer gekennzeichnet. Auf einspurigen Straßen außerhalb von Ortschaften (single carriage ways) ist die Geschwindigkeit für Motorradfahrer auf 96 km/h (60 mph) begrenzt. Auf zweispurigen Straßen mit einer Abgrenzung in der Mitte (dual carriage ways) sind Bikern maximal 70 mph (112 km/h) erlaubt.
Single Track Roads
„Single Track Roads“ sind einspurige Straßen, die nur Platz für ein einziges Fahrzeug bieten. An diesen sind Ausweichbuchten eingerichtet, auf die schon von Weitem hingewiesen wird. Bei Gegenverkehr gilt, dass derjenige ausweicht, der einen „passing place“ auf seiner linken Seite hat. Die Buchten haben auch den Zweck, schnellere Fahrzeuge an langsameren vorbeizulassen. Ganz typisch für Schottland sind die sogenannten Single Track Roads.
Es ist erstaunlich, wie diszipliniert und zuvorkommend die Schotten sich an diese Regel halten. Hier gilt: wer den anderen zuerst sieht, der wartet und macht Platz. Man sollte natürlich ebenfalls Rücksicht nehmen und sich stets mit einem Gruß bei den Wartenden bedanken.
Tierische Begegnungen
Während freilaufende Schafe meistens panisch von den schmalen Fahrbahnen der North Coast 500 flüchten, wenn ein Motorrad heranbraust, scheint so etwas die stoischen Wiederkäuer nicht sonderlich zu beeindrucken. In Anbetracht ihrer beeindruckend langen Hörner solltet ihr euch mit ihnen auf ein rücksichtsvolles Miteinander einigen: Wer im Schritttempo an ihnen vorbei tuckert, ist auf der sicheren Seite.
Eine Bevölkerungsschicht Schottlands kennt allerdings keine Gnade mit Besuchern - die Schafe. Halbwild weiden sie das ganze Jahr über auf den Wiesen und kennen keinen Respekt vor Motorfahrzeugen jeder Art. Gerne warten sie, bis man dicht an ihnen dran ist, um dann mit einem Satz die Fahrbahn zu überqueren. Besonders die Kinderschafe sind auf solche Einlagen spezialisiert.
Routenempfehlungen
Die North Coast 500 ist ein abwechslungsreicher Roadtrip für Biker, die ihre Augen nicht nur auf den Tacho und die Fahrbahn richten. Sie zählt zu den 5 besten Panoramarouten Europas. Auf der North Coast 500 bis an die Nordküste oder auf einsamen single track roads mitten durch die Highlands - Schottland bietet abwechslungsreiches Terrain für abenteuerliche Motorradreisen. Ein Traum vieler Motorradfahrer!
Eine Motorradreise durch Schottland sollte zumindest die Klassiker umfassen. Dazu zählen die Highlands der Grampian Mountains, die Speyside mit ihren Whisky Brennereien und natürlich Loch Ness. Bekannt geworden durch das angebliche Seeungeheuer, ist der Loch Ness für viele Urlauber ein Muss. Entsprechend voll ist es dort. Schade nur, dass man weder Nessie noch den See wirklich sieht, denn die Uferstraße verläuft überwiegend hinter Bäumen.
Wer Lust auf die sogenannten „single tracks“ hat, die einspurigen Straßen über einsame Hochebenen, ist im Norden Schottlands richtig. Ob im äußersten Nordosten bei John o’Groats oder im Nordwesten bei Durness: die Küstenstraße beeindruckt mit tollen Ausblicken und netten Kurven. Und wer schon so weit in den Norden fährt, sollte überlegen, ob nicht noch Zeit bleibt für einen Abstecher auf die Orkneys.
Der Speyside Whisky Trail
Er ist knapp hundert Kilometer lang und eine Route, die auf keiner Schottland Tour mit dem Motorrad fehlen darf - der Speyside Whisky Trail. Diese Route führt durch die wichtigste der fünf schottischen Whisky-Regionen und ist die einzige ihrer Art weltweit. Drei Tage sollte man sich für den Whisky Trail Zeit nehmen. Drei Tage für hundert Kilometer, werden Sie sich fragen?
Nun, auf den hundert Kilometern dieser Motorrad Tour in Schottland warten sieben Destillerien, eine historische Brennerei und eine Böttcherei. Durch alle Destillerien sollte man sich unbedingt durchprobieren, danach ist mit dem Fahren selbstverständlich erst mal Schluss. Übrigens sollte man den Whisky Trail auch unter die Räder nehmen, wenn man nicht unbedingt ein Liebhaber dieses Getränks ist. Allein wegen der teils uralten historischen Anlagen und der einzigartigen Atmosphäre, die dort herrscht, zählt sie mit zu den schönsten Motorradstrecken in Schottland.
Die sieben aktiven Destillerien auf dem Trail sind: Glenlivet, Cardhu, Glenfiddich, Glen Grant, Strathisla, Glen Moray und Benromach. Der Platz im Seitenkoffer kann also nicht groß genug sein, um ein Souvenir vom Whisky-Trail mit nach Hause zu bringen.
Fähranreise nach Schottland
Wer Schottland mit dem eigenen Fahrzeug bereisen möchte, der muss zunächst einmal die Fähre nehmen. Es gibt zwei Hauptrouten, auf denen der Großteil der Schottlandreisenden unterwegs ist. Zum einen die Verbindung von Amsterdam nach Newcastele mit DFDS und zum anderen die von Rotterdam nach Hull mit P&O Ferries. Hier liegt der Preis für die Überfahrt für eine Person inkl. der Mitnahme des Motorrades und Kabinenübernachtung bei etwa 100-150 Euro pro Strecke - je nach Buchungszeit. Ich empfehle so früh wie möglich zu buchen, da die Preise mit näherrückendem Abfahrtstermin enorm steigen können.
Die Fähren legen abends in Rotterdam oder Amsterdam ab und erreichen früh morgens gegen 8 Uhr die jeweiligen nordenglischen Hafenstädte Hull oder Newcastle, von wo aus es noch etwa 300 bzw. 100 Kilometer bis an die schottische Grenze sind.
Weitere Tipps
Trotz Linksverkehr ist das Motorradfahren in Schottland ausgesprochen entspannt, sobald man den Ballungsraum zwischen Edinburgh und Glasgow hinter sich gelassen hat. Am Steuer des eigenen Fahrzeugs gewöhnt man sich schnell an die ungewohnte Straßenseite. Außerdem sind die Schotten die höflichsten Autofahrer der Welt. Sie streiten sich fast darum, wer wem Vorfahrt gewähren darf.
Motorradtouren durch Schottland lassen sich im Grunde mit keiner anderen vergleichen. Das Fahren an sich rückt hier eher in den Hintergrund. Es ist mehr eine Reise in eine andere Zeit, in eine mystische Landschaft, zu bezaubernden Menschen, in ein Land, in dem man sich trotz - oder vielleicht gerade wegen des wechselhaften Wetters - als Motorradfahrer extrem wohl fühlt. Balsam für die Seele.
Verwandte Beiträge:
- Beste Reisezeit Schottland Motorrad: Tourenplanung & Tipps
- Schottland mit dem Motorrad: Die ultimative Roadtrip-Planung
- Mit dem Motorrad nach Schottland: Routenplanung & Tipps für Ihre Reise
- Schottland Radtouren: Die schönsten Routen & Tipps
- Gefälschte Aldi E-Bike Gewinnspiele entlarvt – So schützen Sie sich vor Betrug!
- Ultimative Anleitung zum Auspuff Dämmen beim Motorrad: Die besten Materialien & Profi-Tipps!
Kommentar schreiben