Wer einen Mountainbike-Schuh sucht, verliert leicht den Überblick. Allerdings lassen sich die Modelle durchaus in verschiedene Kategorien einteilen. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Aspekte: Erstens die Sohle, zweitens der Schaft und drittens die Schnürung. Ein guter MTB-Schuh zeigt nicht nur am Pedal Performance, sondern macht sich auch im Gehmodus gut am Fuß.
Die Wichtigsten Eigenschaften von Touren-Fahrradschuhen
Die Optik von Touren-Fahrradschuhen geht immer mehr von Wander-Boots zu Sneakern. Die Kernkompetenzen bleiben aber gleich: gute Kraftübertragung, Schutz vor Felskontakt, Grip und Komfort auf Schiebepassagen. Die wichtigsten Eigenschaften im Detail.
1 - Schutz
Eine TPU-verstärkte Zehenkappe bieten die meisten Schuhe. Wer mehr Schutz möchte, sollte ein Modell mit innen hochgezogenem Knöchelbereich wählen. Strick- oder Neopren-Gamaschen verhindern, dass Schmutz in den Schuh gelangt und Reibung verursacht.
2 - Mesh-Einsätze oder Laser-Cuts
Mesh-Einsätze oder Laser-Cuts verbessern die Belüftung an heißen Tagen und verhindern, dass man im eigenen Saft steht. Wer mehr Schutz vor Schlamm und Spritzwasser sucht, sollte auf nahtloses und geschlossenes Obermaterial setzen.
3 - Schnürung von MTB-Schuhen
Erstaunlich viele Hersteller gehen wieder zurück zur klassischen Schnürung. Vorteil: So lässt sich der Bike-Schuh über den kompletten Spann perfekt an den Fuß anpassen. Das gelingt mit den praktischeren Drehverschlüssen nicht immer. Zudem sind Boa und Co schmutz- und defektanfällig und unterwegs kaum zu reparieren. Dafür lassen sie sich auch während der Fahrt feinjustieren. Hochwertige Schnürsenkel sind ein Muss, an den Testschuhen fransen sie teils schon bei Kontakt mit den Klettverschlüssen aus. Tipp: Fädelt man die Schnürsenkel von außen nach innen, verbessert das den Halt erheblich.
4 - Laufsohle
Je steifer die Sohle, desto besser kommt die Kraft aufs Pedal. Umso schlechter rollt der MTB-Schuh in der Regel aber auch ab. Beim Schieben schlüpft dann schon mal die Ferse halb aus dem Schuh. Ein aufgebogener oder weicherer Zehenbereich verhindert Schlupf. Richtig grobes Profil, das auch auf felsigem Grund Halt gibt, bieten nur noch wenige Modelle. Für Alpen-Touren sollte man aber unbedingt ein Modell mit griffigem Gummi und ausreichend Profil wählen.
5 - Montagebereich
Laut Ergonomieexperten sollten die Cleats etwa unter den Zehen-Grundgelenken montiert sein. Je weiter vorne, desto besser ist die Kraftübertragung aufs Pedal. Wer eher bergab unterwegs ist, platziert die Cleats weiter hinten für einen stabileren Stand. Das entlastet auch die Muskulatur in der Abfahrt. Ein möglichst langer und abgeflachter Cleat-Kanal erleichtert den Einstieg ins Pedal und verbessert die Selbstreinigung bei schlammigen Bedingungen.
6 - Die Einlegesohle
Die Einlegesohle ist maßgeblich für den Tragekomfort verantwortlich. Hier sparen viele Hersteller. Gute Sohlen gibt es bei Fox, Scott oder Specialized. Wer mehr Komfort und Effizienz will, greift zu Spezialsohlen wie Currex, Solestar oder SQlab.
Die Komponenten im Detail
Sohle
Grundsätzlich besitzen Mountainbike-Schuhe mehr Profil wie etwa die Modelle aus dem Rennradbereich. Schließlich muss man beim Biken immer wieder kurze Distanzen zu Fuß zurücklegen - und dafür braucht es eben den nötigen Grip. Die Stärke des Profils orientiert sich dabei am Gelände. Wer zum Beispiel bevorzugt im Hochgebirge oder auf Geröllpisten mit Hindernissen fährt, benötigt grobe Stollen, für einfache Hügeltrails hingegen reichen flache Nocken. Wichtig ist zudem die Härte der Sohle. Konkret: Je schwieriger das Gelände, desto härter und verwindungssteifer sollte die Sohle sein. Das ist zwar nicht allzu bequem, dafür aber sicherer. Zudem überträgt ein harter Schuh die Kraft besser auf die Pedale.
Schaft
Durchaus vergleichbar ist die Problematik beim Schaft. Das heißt: Leider muss man sich zwischen Tragekomfort und Stabilität entscheiden. Bequemer sind sicher Modelle, deren Schaft kaum über den Knöchel reicht. Allerdings ist die Verletzungsgefahr - etwa durch Umknicken - hier relativ groß. Sie eignen sich deshalb im Grunde nur für Freizeitfahrten. In schwierigem Terrain hingegen sollte ein hoher Schaft Pflicht sein. Auch das ist unbequem, dafür wird der Fuß in aller Regel ziemlich gut fixiert - etwa bei heftigen Sprüngen oder bei der Überquerung unzugänglicher Felspassagen.
Schnürung
Bleibt zu guter Letzt noch die Frage nach der Schnürung. Hier hat man die Wahl zwischen zwei Systemen. Zum einen gibt es nach wie vor klassische Schnürsenkel, mit denen sich der Schuh zumindest einigermaßen individuell an die Fußform anpassen lässt. Und zum anderen kommen immer mehr Modelle mit Klett- oder Ratschenverschluss auf den Markt.
Klickpedale vs. Flatpedale bei MTB-Schuhen
Stefan Frey, BIKE-Testredakteur:Ganz klar Klickies. Sie haben meist die steifere Sohle und bringen die Kraft besser aufs Pedal, das spart auf langen Touren Körner. Außerdem muss ich nicht ständig nach der optimalen Position auf dem Pedal suchen und kann mich voll auf den Trail konzentrieren. Aktuelle Modelle sind längst keine steifen “Stöckelschuhe” mehr. Griffige Sohlen, angenehme Laufeigenschaften und lässige Optik - Fahrradschuhe mit Klicksystem sind für mich die optimalen Allrounder für lange Touren.
Stefan Herrmann, Fahrtechnikprofi:Wer es nicht eilig hat, sollte auf Flat-Schuhe setzen. Sie fördern einen aktiven Fahrstil, weil man für die Verbindung mit dem Bike eine Bogenspannung zwischen Fuß, Beinen, Rumpf und Armen erzeugen muss. So agiert man mehr, als sich mit einem defensiven Fahrstil auf die mechanische Verbindung zu verlassen. An kritischen Stellen kann ich zudem schnell den Fuß absetzen, dadurch bin ich mental offensiver. Schiebepassagen lassen sich ohne Cleats an der Sohle auch besser meistern.
Unsere Getesteten 12 Mountainbike-Schuhe im Überblick
Crankbrothers Mallet E Boa
Mit dem Mallet liefern die US-Amerikaner einen top Allrounder. Per Klett und Boa-Drehrad ist der Fahrradschuh schnell angepasst und sitzt dank guter Polsterung bequem und ohne Druckstellen. Die steife Sohle und das zugfeste Material bringen die Kraft gut aufs Pedal. Weil der Mallet vorne etwas aufgebogen ist, läuft er sich auch angenehm, sein Profil erzeugt zudem viel Grip. Die Zehenbox bietet viel Schutz vor Felskontakt und Spritzwasser, an heißen Tagen wird der Schuh aber etwas schwitzig. Guter Einstieg dank angeschrägtem Cleat-Kanal.
- Preis: 200 Euro
- Gewicht (Größe 44): 910 g
- Größen: 37-48; halbe Größen 39,5-46,5
- Sohlenmaterial / Gummimischung: Carbon-Nylon-Mix / Crankbrothers MC1
- Ausstattung: Boa L6; Klettverschluss; Zehenschutz; Silikon-Gripper an Ferse; inkl. Cleats
- Passform: Durchgehend mittelbreiter Schnitt, etwas flacher Spann
- Bewertung: Sehr gut - 51 Punkte
Five Ten Trailcross CL
Der Five Ten Trailcross sticht nicht nur optisch aus dem Testfeld heraus. Er ist besonders leicht und gut belüftet. Das macht ihn zum angenehmen Begleiter an heißen Tagen. Gummi und Profil erzeugen viel Grip auf Schiebepassagen. Der Sitz im MTB-Schuh dagegen ist nicht allzu gut. In Verbindung mit dem leichten Material und der wenig steifen Sohle verpufft viel Kraft. Die Schnürung kann zudem durch die labbrige Zunge drücken. Nicht optimal. Somit ist der Trailcross eher ein Modell für gemäßigte Trail-Einsätze und entspannte Touren.
- Preis: 160 Euro
- Gewicht (Größe 44): 841 g
- Größen: 38 2/3 - 50 2/3; in 2/3-Größen
- Sohlenmaterial / Gummimischung: Nylon / Stealth Rubber
- Ausstattung: Schnürung; Klett; Zehenschutz
- Passform: Recht breite, eher voluminöse Zehenbox, ansonsten normal geschnitten
- Bewertung: Sehr gut - 48 Punkte
Fizik Gravita Tensor
Super Schutz, gute Kraftübertragung und sicherer Stand auf dem Pedal - der Fizik Gravita Bike-Schuh kommt dem Enduro-Ideal schon recht nahe. Die asymmetrische Neopren-Gamasche geht nahtlos in die Zunge über und schmiegt sich druckfrei um die Knöchel. Robustes , wasserabweisendes Ripstop-Material und die seitlich versetzte Schnürung bringen Zug auf den Fuß und lassen sich fein anpassen. Der abgeflachte Cleat-Kanal erleichtert den Einstieg. Top beim Kurbeln. Andere Schuhe laufen sich aber besser.
- Preis: 179 Euro
- Gewicht (Größe 44): 926 g
- Größen: 36 -48; 37,5-46,5 halbe Größen
- Sohlenmaterial / Gummimischung: Nylon / Vibram XS Evo
- Ausstattung: Schnürung; Klett; Anziehschlaufe; Zehen- und Knöchelschutz; Cleat-Shims
- Passform: Durchgehend mittelbreiter Schnitt, etwas schmaler im Zehenbereich
- Bewertung: Sehr gut - 50 Punkte
Fox Union
Der neue Union von Fox sitzt angenehm unauffällig und trägt sich fast schon wie ein Sneaker. Bei enger Schnürung faltet sich das wenig flexible Obermaterial leicht auf. Die Schnürsenkel fransen schnell aus. Dank des großen Cleat-Kanals findet man leicht ins Pedal, der Fuß rückt dabei aber sehr nah an die Kurbel und kann sie streifen. Die Sohle dieses Mountainbike-Schuhs gehört zu den wenig steifen, daher eignet sich der Fox eher für Pedale mit großem Käfig. Gummi und Profil bieten nur mäßigen Grip beim Laufen. Für den Preis etwas mager ausgestattet.
- Preis: 170 Euro
- Gewicht (Größe 44): 920 g
- Größen: 37-47; 41,5-45,5 halbe Größen
- Sohlenmaterial / Gummimischung: Nylon / no name
- Ausstattung: Schnürung; Klett; anpassbare Einlegesohle; Zehenschutz
- Passform: Fällt normal aus, weder besonders schmal noch breit geschnitten
- Bewertung: Gut - 45 Punkte
Ion Rascal Select Boa
Schnell rein und raus sowie Anpassung während der Fahrt, das sind die großen Vorteile der Boa-Verschlüsse. Beim Ion Rascal lässt sich aber nur schwer ausreichend Zug damit aufbringen. Zusammen mit dem beweglichen Obermaterial steht man mit viel Flex auf dem Pedal, nicht optimal für Racer, aber gut für lange, entspannte Trail-Tage. Zudem ist dieser Fahrradschuh gut belüftet und an Zehen und Fersen solide geschützt. Die Sohle läuft sich angenehm, das Heck ist gegen Fersenschlupf aufgeraut. Das Profil bietet aber nur mäßig Grip.
- Preis: 220 Euro
- Gewicht (Größe 44): 991 g
- Größen: 37-47, keine halben Größen
- Sohlenmaterial / Gummimischung: TPU / SUPtraction
- Ausstattung: Boa-Verschluss; Anziehhilfe; Gripper-Ferse; Zehen- und Knöchelschutz
- Passform: Mittelbreit mit etwas breiterer Ferse und flachem Spann
- Bewertung: Gut - 41 Punkte
Leatt 4.0 Clip
Umfangreich gepolstert, Zehen und Knöchel gut geschützt - der Leatt zielt eher auf Enduro-Biker. Schnürung und Klett fixieren den Fuß sicher im MTB-Schuh, die steife Sohle bringt ordentlich Kraft aufs Pedal. Beim Einstieg knautscht die Fersenpolsterung, die Schnürung läuft extrem schwergängig, zudem ist ständig der quer laufende Klett im Weg - nicht optimal. Großer Cleat-Kanal mit weitem Verstellbereich und guter Selbstreinigung. Der Cleat-Kanal liegt extrem tief, was den Einstieg ins Pedal erschwert.
- Preis: 119 Euro
- Gewicht (Größe 44): 1034 g
- Größen: 38,5 - 48,5, teils halbe Größen
- Sohlenmaterial / Gummimischung: Nylon / no name
- Ausstattung: Schnürung; Klett; Zehen-und Knöchelschutz
- Passform: Durchgehend mittelbreit geschnitten mit etwas flacherem Spann
- Bewertung: Gut - 41 Punkte
Ride Concepts Tallac Clip
Sportlich geschnittener Trail-Schuh mit straffem Sitz. Die Schnürung passt das robuste Cordura-Gewebe gut an den Fuß an. In Verbindung mit der steifen Sohle bringt man viel Kraft aufs Pedal - gut für lange Anstiege. Trotzdem trägt sich der Fahrradschuh komfortabel. Auch im Gelände punktet der Tallac mit massig Grip und Traktion. Durchdacht ausgestattet und sauber verarbeitet, aber insgesamt recht schwer. Den Tallac gibt es auch als Damenversion (Flume Clip) und alternativ mit dem praktischen Boa-Drehverschluss. Recht teuer.
- Preis: 189 Euro
- Gewicht (Größe 44): 1086 g
- Größen: 39,5 - 47, teils in halben Größen
- Sohlenmaterial / Gummimischung: Nylon / Clip Grip
- Ausstattung: Schnürung; Klett; D3O-Einlegesohle; Zehenschutz; Cordura-Gewebe
- Passform: Breit geschnittene Zehenbox, jedoch mit flachem Spann
- Bewertung: Sehr gut - 50 Punkte
Scott MTB Shr-alp Boa Evo
Wenn der schlanke Schnitt passt, bekommt man mit dem Scott einen top Trail-Schuh, der viel Komfort und Schutz bietet und trotzdem ordentlich belüftet ist. Der einzelne Boa-Verschluss fixiert den Fuß erstaunlich sicher im Bike-Schuh, so steht man stabil und fest verbunden auf dem Pedal. Auch die Kraftübertragung stimmt. Dank breitem Cleat-Kanal findet man leicht in die Bindung. Der Shr-alp rollt beim Gehen angenehm ab, das grobstollige Profil funktioniert auf vielen Untergründen und bietet ausreichend Halt und Traktion.
- Preis: 170 Euro
- Gewicht (Größe 44): 886 g
- Größen: 40-48, keine halben Größen
- Sohlenmaterial / Gummimischung: Nylon-Glasfaser / Scott Sticky Rubber
- Ausstattung: Boa-Verschluss; Zehen- und Fersenschutz; Ergo-Sohle
- Passform: Schlank geschnittener Schuh mit flachem Spann und schmaler Zehenbox
- Bewertung: Sehr gut - 52 Punkte
Empfehlungen für Flatpedal-Schuhe
- Fizik (Tour)
- O’Neal (Sport)
- Ride Concepts (Allround)
Der Testsieg bei Flatpedal-Schuhen geht verdient an FiveTen.
Empfehlungen für Klickpedal-Schuhe
- Crank Brothers (Allround)
- Doghammer (Tour)
- Northwave (Sport)
Zusammenfassung der Testergebnisse für Flatpedal-Schuhe
Vaude AM Moab Tech
- Bietet top Grip auf dem Flatpedal und beim Gehen im Gelände.
- Boa-L6-Verschlusssystem für optimale Anpassung an den Fuß.
- Asymmetrisches Design für zusätzlichen Schutz des Knöchels.
- Testsieger in Fachzeitschrift Moutainbike (4/2020).
Vaude AM Moab Mid STX
- Hervorragender Grip auf der Pedale.
- Geeignet für das ganze Jahr und jede Wetterlage dank Sympatex-Membran.
- Obermaterial aus geöltem und hydrophoben Nubuk-Leder.
Shimano ET5
- Guter Allrounder für ausgedehnte Allmountain-Touren im Sommer.
- Ausgeklügeltes Schnürsystem für einfaches An- und Ausziehen.
- Steife Zwischensohle für optimale Kraftübertragung auf das Flatpedal.
Specialized 2FO Roost Flat Syn
- Klassischer Flatpedal-Schuh im Sneaker-Design mit erstaunlich viel Grip auf dem Pedal.
- SlipNot-Sohle für sicheren Halt, selbst bei Nässe.
- Ideal für Enduro-Touren oder schnelle und anspruchsvolle Trails im Bikepark.
Weitere Getestete Modelle im Überblick
| Modell | Beschreibung |
|---|---|
| Scott Crus-r Flat Lace | Luftiger Schuh ideal für lange Touren an heißen Tagen, jedoch nicht gut belüftet bei schlechtem Wetter. |
| O’Neal Traverse | Robuster Schuh mit gutem Sitz und recht steifer Mittelsohle, geeignet für nicht zu schwierige Trails. |
| Etnies Tailwhip | Stylischer Schuh mit Michelin-Laufsohle, gut für Pumptracks, aber weniger geeignet für anspruchsvolle Trails. |
| Giro Jacket II | Lässiger Sneaker für den Alltag oder Pumptrack, jedoch rutschig auf holprigen Trails. |
| O’Neal Pinned | Schlichter Schuh mit guter Passform und Honey-Rubber-Sohle, geeignet für Allmountain-Touren und Downhill. |
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