Die meisten Rennradfahrer scheuen sich davor, Schutzbleche an ihren geliebten Fahrrädern anzubringen. Optisch wirken sie oft nicht ansprechend und beeinträchtigen das Gesamtbild des Rades. Doch wer regelmäßig bei jedem Wetter fährt, kommt um Schutzbleche kaum herum.
Die sonntägliche Runde im Heimatverein wird bei jedem Wetter durchgezogen - schließlich ist Radsport ein „Draußensport“. Wer sich da beim Gruppentraining ohne Schutzbleche hin traut, wird sich unwiderruflich dem Zorn der Vereinsgenossen ausgesetzt sehen, weil die Hinterleute Dreck und Nässe der Straße ungefiltert ins Gesicht bekommen. Die Ü50 unter uns kennen sie, die leidigen Probleme mit der Prostata. Die mag es nämlich überhaupt nicht, wenn sie über Stunden der Nässe und evtl. auch noch Kälte ausgesetzt ist und reagiert dann gerne mal mit empfindlichen und gleichsam sehr schmerzhaften Entzündungen.
Wer ausgiebige Touren unternahm und nach einem vielversprechenden Frühjahr weiter fleißig Kilometer sammelte, der war entweder hart im Nehmen oder verfügte am Rad über: Schutzbleche. Nun steht die Hochsaison fürs Radeln bei unwirtlichem Wetter an - höchste Zeit für unseren Test von je vier Modellen zur Fest- und Schnellmontage.
Schutzbleche am Rennrad: Streben für Stabilität
Das wichtigste Kriterium ist und bleibt der Schutz vor Spritzwasser - und zwar vor dem, das von den Reifen aufgewirbelt wird. Deshalb ist nur ein langes Schutzblech ein guter Schmutzschutz. Wenig überraschend schneiden deshalb die festmontierten Modelle besser ab, weil sie länger sind als Steckbleche und dank stabiler Befestigung auch auf ruppigem Terrain an Ort und Stelle bleiben. “Das ist für uns entscheidend”, sagt Sven Kordes, Chefentwickler bei Zubehörspezialist SKS Germany. Denn: “Ein Schutzblech, das ständig klappert, will ich nach fünf Minuten wieder abmontieren.”
Specializeds geschraubte Dry-Tech Fender und die Steckbleche von Mudhugger markieren die Extreme im Test hinsichtlich der Länge. Die Specialized-Schützer umgreifen die Räder in einem weiten Bereich, während die Mudhugger so kurz sind, dass sie nur als schnell zu montierendes Provisorium in Frage kommen.
Wichtig für beide Arten von Schutzblechen ist, dass sie sich einfach montieren lassen - mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Steckbleche, die erst nach 20 Minuten Gefummel startklar sind, bleiben erfahrungsgemäß in der Garage. Das Anbringen fest montierter Bleche erfordert mehr Zeit - kann einen aber auch zur Weißglut treiben, wenn Montageteile und Befestigungspunkte nicht zusammenpassen. Davor sind im Übrigen auch moderne Marathonräder oder Gravelbikes nicht gefeit, deren integrierte Ösen oder Gewinde die einfache Montage von Zubehör versprechen. Dann heißt es Improvisieren.
Kaum Unterschiede gibt es hinsichtlich des Materials: Kunststoff ist Trumpf. Einzig Specialized verwendet bei seinem Testsieger-Set wärmebehandeltes Aluminium. Carbon-Modelle wie die Flexi-Carbon für 170 Euro, die wir in TOUR 11/2019 testeten, sind teuer und sehr selten.
Optik der Schutzbleche
Dass Schutzbleche von vielen Rennradlern nach wie vor kritisch beäugt werden, wundert SKS-Entwicklungsleiter Kordes nicht. “Der Rennradfahrer möchte sein meist teures Rad auf ein Minimum reduziert haben. Das Schutzblech darf deshalb eigentlich gar nicht auffallen”, sagt er und ergänzt augenzwinkernd: “Ein Porsche-Fahrer montiert ja auch keinen Dachträger an sein Auto.” Das stimmt wohl. Fürs Porsche-Fahren braucht man aber auch nicht bei Wind und Wetter im Freien zu trainieren.
Kategorie 1: Schutzbleche mit fester Montage
Unsere vier Modelle bieten allesamt einen guten Nässeschutz. Die Montage ist allerdings etwas aufwendig und erfordert Geschick.
Alle fest zu montierenden Schutzbleche aus unserem Test schützen gut bis sehr gut vor Nässe. Am besten gelingt das den Specialized Dry-Tech Fender - kein Schutzblech-Set umschließt die Laufräder auf größerem Umfang als das der US-Amerikaner. Dadurch schützt man nicht nur die eigenen Füße und den Rücken zuverlässig, beim Windschattenfahren behält auch der Hintermann den nötigen Durchblick.
Die robusten Aluminium-Bleche sind mit 80 Euro aber auch die mit Abstand teuersten Modelle im Test. Das in drei Größen erhältliche Set bietet Platz für bis zu 55 Millimeter breite Reifen - damit eignet es sich auch für Gravelbikes. Knapp dahinter reihen sich die ebenfalls in drei Varianten erhältlichen Bontrager NCS ein. Mit mehr als 600 Gramm sind diese zwar das schwerste Set im Test, doch darauf sollte man bei Schutzblechen nicht allzu großen Wert legen, sie bleiben ja in der Regel nicht dauerhaft am Rad.
Die schlechteste Gesamtnote bei den festen Schutzblechen geht an die Procraft Rainbow. Sie haben uns bei der Montage am meisten Geduld abverlangt. Zwar mussten wir auch bei den Schmutzfängern von Bontrager und SKS zum Bolzenschneider greifen, um die Streben zu kürzen, bei Procraft erwiesen sie sich allerdings als besonders widerspenstig. Außerdem sind die Kanten der Schützer kaum gerundet, der Kunststoff ist insgesamt sehr weich. Hier punkten die tadellos verarbeiteten SKS Bluemels Shiny 35.
In Sachen Sicherheit bieten die Schützer von Procraft und SKS einen Auslösemechanismus: Verfängt sich ein Zweig zwischen Schutzblech und Rad, entkoppeln sich die Streben, damit das Rad nicht blockiert. Den Schmutzfängern der beiden US-amerikanischen Hersteller fehlt diese Lösung.
Alle getesteten Rennrad-Schutzbleche zur Festmontage
| Marke | Modell | Preis (ca.) | Reifenbreite (mm) | Gewicht (g) | Fazit |
|---|---|---|---|---|---|
| Bontrager | NCS | 50-60 Euro | 25, 35, 45 | 617 | Die glänzenden Kunststoff-Bleche lassen sich relativ schnell montieren, die Streben können einfach angepasst werden. Schwerstes Set im Test. |
| Procraft | Rainbow | 36 Euro | 35, 45, 50 | 454 | Bei der Montage ist auch wegen der knapp gehaltenen Anleitung Geduld gefragt. Ist das glänzende Kunststoff-Set dann aber am Rad angebracht, erfüllt es seinen Zweck und schützt vor Spritzwasser. |
| SKS | Bluemels Shiny 35 Black Set | 26 Euro | 28 | 474 | Tadellos verarbeitet, mit Sicherheits-Clip zum Lösen der Streben. Kritikpunkt: Die Strebenlänge am hinteren Schützer war bei der Montage am Testrad weitgehend ausgereizt. |
| Specialized | Dry-Tech Fender | 80 Euro | 35, 42, 55 | 595 | Der Testsieger schmiegt sich weit um den Reifen und bietet einen exzellenten Spritzschutz. hochwertig verarbeitet. Vergleichsweise schwer und relativ teuer. |
Kategorie 2: Rennrad-Schutzbleche zur schnellen Montage
Nicht alle Schutzblech-Modelle schützen ausreichend vor Nässe und Schmutz. Die Anbringung ist dagegen unkompliziert und schnell erledigt.
Im Gegensatz zu den festmontierten Schutzblechen muss man bei den Schnellmontage-Modellen kleinere Abstriche beim Nässeschutz in Kauf nehmen. Am besten schneiden hier die SKS Speedrocker ab, die Reifen bis zu 42 Millimeter umschließen und laut Herstellerangaben speziell für Gravelbikes entwickelt wurden. Auch die BBB SlimGuard halten einen trocken - allerdings mit Einschränkungen.
Der Grund: Die Schmutzfänger passen ausschließlich an Felgenbremsen-Räder mit einfachem Bremsbolzen, sind nur für Reifen bis maximal 28 Millimeter geeignet und benötigen genügend Freiraum zwischen Sitzrohr und Reifen. Bei unserem Testmodell, einem älteren Scott Foil, war das nicht der Fall. Aus diesem Grund mussten wir auf das steckbare Teilstück zwischen Sitzstreben und Sitzrohr verzichten - und wurden entsprechend an den Füßen nass.
Nur bedingt empfehlenswert sind die - nur einzeln erhältlichen - Gravelhugger von Mudhugger. Das hintere Blech schützt aufgrund der Befestigung an den Sitzstreben nur Po und Rücken. Füße und Antrieb bekommen ordentlich Spritzwasser und Dreck ab - außer man ist zum Improvisieren bereit und verlängert das Schutzblech selbst.
Die Befestigung mit Gummiringen und Kabelbindern ist simpel, dafür geht sie am schnellsten. Besser gefiel uns die Befestigung der Crud Roadracer MK3. Dank eines äußerst stabilen und klebbaren Klettverschlusssystems lässt sich das Schutzblech-Set an nahezu jeder Rahmenform anbringen und mühelos ausrichten. Leider wirkt der Kunststoff billig und ist vergleichsweise weich. Mit 248 Gramm sind die Roadracer dafür das leichteste Set im Test.
Alle getesteten Rennrad-Schutzbleche zur Schnellmontage
| Marke | Modell | Preis (ca.) | Reifenbreite (mm) | Gewicht (g) | Fazit |
|---|---|---|---|---|---|
| BBB | SlimGuard | 50 Euro | 28 | 365 | Die schmalsten Schutzbleche im Test lassen sich nur an Bremsbolzen und Schnellspannachse anbringen. Bei Aero-Rennern muss man auf das Steckblech zwischen Sitzstrebe und Sitzrohr wegen des fehlenden Freiraums verzichten. |
| Crud | Roadracer MK3 | 40 Euro | 38 | 248 | Das lange vordere Schutzblech schützt gut vor Nässe, das assymetrische hintere hält den Antrieb relativ trocken und sauber. Abzüge gibt es wegen des Materials, der Kunststoff wirkt billig und ist vergleichsweise weich. |
| Mudhugger | Gravelhugger Front & Rear | 56 Euro | 50 | 262 | Bis zu 50 Millimeter breite Schlappen haben unter den Kunststoff-Blechen Platz; wenig Nässeschutz, vor allem hinten, weil das Schutzblech nur bis zu den Sitzstreben reicht. Sehr einfach zu montieren. |
| SKS | Speedrocker | 50 Euro | 42 | 415 | Empfehlung vor allem für Gravelbikes. Vielfältig einstellbar, guter Spritzschutz. Vergleichsweise schwer. |
Montage-Tipps für Rennrad-Schutzbleche
Keine Eile, bitte: Die Montage fester Schutzbleche am Rennrad braucht Zeit, weil oft individuelle Anpassungen erforderlich sind. Aber auch der Anbau von Steckblechen zur gelegentlichen Nutzung will vorbereitet sein.
Richtige Breite der Schutzbleche
Als Faustformel für die passende Breite eines Schutzbleches empfiehlt sich an beiden Rändern je ein halber Zentimeter Überstand. Für 28-Millimeter-Pneus sollte das Schutzblech demnach rund 38 Millimeter breit sein. Gleichzeitig müssen Sie darauf achten, dass die Schmutzfänger noch durch die Streben beziehungsweise Gabel passen.
Abstand halten
Die Schutzbleche sollten mindestens einen Zentimeter Abstand vom Reifen haben, vor allem bei grobstolligem Profil, damit aufgewirbelte oder im Profil steckende Steine sich nicht verklemmen können.
Befestigungspunkte überprüfen
Vor dem Kauf von passenden Schutzblechen sollten Sie Ihr Rennrad hinsichtlich möglicher Befestigungspunkte unter die Lupe nehmen. Vor allem Gravelbikes verfügen inzwischen zwar über entsprechende Montageösen, die aber nicht zwingend an der richtigen Stelle sitzen.
Schutzfolie verwenden
Bei vielen Schmutzfängern zur Schnellmontage zählt eine Schutzfolie zum Lieferumfang. Diese sollten Sie zwischen Schutzblech und Rahmen/Gabel anbringen, um den Lack zu schonen.
Passendes Werkzeug
Insbesondere bei Festmontage-Schutzblechen sollten Sie daran denken, dass die Streben möglicherweise mit einem Bolzenschneider oder einer kleinen Eisensäge gekürzt werden müssen.
Vorsicht bei der Anpassung
Um böse Überraschungen zu vermeiden, sollten Sie die Streben erst kürzen, nachdem die Schutzbleche endgültig montiert sind und Sie den Reifenfreigang überprüft haben. Andernfalls lassen sich diese möglicherweise nicht mehr am Rahmen befestigen. Um sich an den scharfen Enden nicht zu schneiden, können Sie diese mit Kunststoffkappen abdecken.
Weitere Tipps zu Rennrad-Schutzblechen:
- Schellen zum Nachrüsten: Befinden sich an Ihrem Rennrad keine Befestigungsösen, können Sie den Rahmen mit speziellen Schellen nachrüsten. Messen Sie vor dem Kauf unbedingt die Rohrdurchmesser.
- Spritzschutz verlängern: Um den Nässeschutz am Vorderrad zusätzlich zu erhöhen, können Sie sich selbst einen Spritzlappen basteln. Hierfür eignet sich beispielsweise ein alter Reifen. Markieren Sie die notwendigen Löcher, falten Sie den Reifen an der markierten Stelle über Kreuz und schneiden Sie die Ecke ab. Abschließend befestigen Sie den Lappen mit Kabelbindern am Schutzblech. Der Schützer sollte rund zehn Zentimeter über dem Boden enden.
René Herse Smooth-Schutzbleche
Schlechtwetterfahrer werden sie ebenso lieben wie Freunde klassischer Fahrradkomponenten und höchster Handwerkskunst: Die aus Aluminium in Japan gefertigten René Herse Smooth-Schutzbleche. Erhältlich sind sie für 700C, 650B und auch 26”, sowohl in poliertem Silber als auch in glänzendem Schwarz und sogar in der „Hammered“-Variante mit gehämmertem Blech. Die von uns getestete H50-Version passt für 700C-Reifen zwischen 35 und 38 mm Breite und kommt auf ein Gesamtgewicht von 468 g für das Set.
Durch zahlreiche Montage-Optionen sollen die Bleche an möglichst viele Rahmen passen. Das Profil der Schutzbleche ist weit umgreifend geformt, was in Kombination mit einer innenliegenden Vertiefung Spritzwasser sammeln und nach unten abfließen lassen soll, statt es seitlich rausspritzen zu lassen. Mit 95 cm Länge vorne und 125 cm hinten sind die Aluminiumbleche auffallend lang. Vorne soll das Wasser dadurch erst unterhalb der Schuhe abtropfen, um Fahrer und Tretlagerbereich trocken zu halten.
Wer Handarbeit und Qualität zu schätzen weiß, wird die René Herse-Schutzbleche schon gedanklich ans Rad geschraubt haben. Sie sind super edel, hochwertig verarbeitet und zeitlos schön: der heilige Gral der Schutzbleche!
Für die Montage solltet ihr aber - je nach eigenem Geschick - viel Zeit, entspannte Musik und ein Kaltgetränk eurer Wahl mit in den Keller nehmen, denn ohne Übung oder viel Geduld kann das Anbringen der Bleche schnell in Frustration enden. Oder aber ihr bucht direkt einen Termin beim Fahrradmechaniker eures Vertrauens!
Einmal montiert und eingestellt, gibt es allerdings nichts Besseres, die Schutzbleche halten super solide und klappern auch auf losem Untergrund nicht. Wer jedoch je nach Wetterlage die Regenschützer montieren bzw. demontieren will, sollte sich nach einem anderen Modell umschauen; auch nach vorheriger Installation nimmt das immer noch etwas Zeit in Anspruch.
Vor der Bestellung muss überprüft werden, welches der vielen Montage-Sets ihr benötigt. Mit der richtigen Wahl passen sie aber an fast jedes Bike, das für Schutzbleche ausgelegt ist. In Kombination mit Reifen in 700 x 37C passen die René Herse-Bleche perfekt, 40er-Pneus könnten aber gerade so nicht mehr klappen. Aufgewirbelte Steinchen sind natürlich etwas lauter als bei einem Plastik-Schutzblech, nach zwei Ausfahrten hat man sich aber daran gewöhnt.
Auch nach mehreren Kontakten zwischen Fuß und Schutzblech halten die Fender ihre Position perfekt - uns ist keine solidere Schutzblech-Lösung bekannt! Der Spritzschutz im Heck ist perfekt, jeder noch so kleine Tropfen wird abgefangen.
Ein in Aluminium geformter Schutzblech-Traum - das bringt die René Herse Smooth-Bleche auf den Punkt. Die Montage kann mit ungeübten Händen zwar etwas Zeit in Anspruch nehmen. Auf ein ganzes Fahrradleben gerechnet, und so lange werden die Schutzbleche mindestens halten, ist der investierte Abend jedoch zu vernachlässigen. Euer Bike wird mit den Smooth-Blechen auf jeden Fall zum absoluten Hingucker.
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