Motorrad Schutzkleidung: Arten, Materialien und Tests

Motorradfahren ist ein aufregendes Hobby, birgt jedoch auch Risiken. Im Falle eines Unfalls ist es wichtig, dass Sie so wenig wie möglich verletzt werden und vollen Versicherungsschutz genießen. Daher sollten Sie in eine hochwertige Schutzausrüstung investieren. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die verschiedenen Arten von Motorradschutzkleidung, die verwendeten Materialien und die durchgeführten Tests.

Warum Motorrad Schutzkleidung wichtig ist

Motorräder haben weder eine Außenkarosserie noch eine Knautschzone oder Airbags. Der Fahrer ist also einem erhöhten Verletzungsrisiko ausgesetzt. Bei einem Unfall kann einem Motorradfahrer ohne Schutzkleidung nämlich eine Mitschuld an seinen eigenen Verletzungen angelastet werden. Das rechtliche Grundprinzip nennt sich Schadensminderungspflicht (§ 254 BGB): Jeder ist verpflichtet, eventuelle Schäden so gering wie möglich zu halten.

Versicherungsschutz

Der Schutzhelm ist bei der HDI Motorradversicherung versichert. Das gilt auch für Modelle mit Wechselsprechanlage. Der Helm ist bei einem selbstverschuldeten Unfall nur versichert, wenn eine Vollkasko oder Teilkasko besteht. Zusätzlich ist der Helm gegen Diebstahl versichert. Das gilt allerdings nur, wenn Sie ihn mit dem abgestellten Fahrzeug so fest verbunden haben, dass ein unbefugtes Entfernen ohne Beschädigung nicht möglich ist - der Helm also zum Beispiel mit einem Helmschloss gesichert ist. Achten Sie unbedingt auf Ihren Helm, wenn Sie ihn gerade nicht tragen. Die Versicherung zahlt nicht, wenn er Ihnen einfach herunterfällt und dabei kaputtgeht.

Die Schutzbekleidung wie Jacke, Hose und Motorradstiefel fallen nicht unter den Versicherungsschutz. Denn dieser bezieht sich ausschließlich auf das Fahrzeug und damit fest verbundene Teile. Wird Ihre teure Motorradbekleidung bei einem Unfall in Mitleidenschaft gezogen, besteht aber dennoch eine Möglichkeit, dass diese von der Versicherung ersetzt wird. Voraussetzung ist, dass Sie keine Schuld an dem Unfall tragen. Dann ist nämlich Ihr Unfallgegner beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung in der Pflicht und muss für die Ihnen entstandenen Schäden aufkommen. In der Regel erstatten Versicherungen in solchen Fällen die beschädigte Motorradkleidung des Unfallopfers bis zu einer Grenze von 500 Euro.

Arten von Motorradschutzkleidung

Helme

Ein Sturzhelm ist laut Straßenverkehrsordnung in jedem Fall Pflicht. Bei der praktischen Fahrerlaubnisprüfung der Klassen A, A1, A2 und AM muss der Fahrschüler geeignete Schutzkleidung tragen. Wenn Sie den Motorradführerschein haben, sind Sie gesetzlich nicht verpflichtet, Motorradbekleidung zu tragen. Dennoch ist es dringend empfehlenswert, eine hochwertige Schutzmontur anzuschaffen. Maximalen Schutz bieten Integralhelme mit fester Kinnpartie und verschließbarem Visier. Klapphelme, bei denen sich die Kinnpartie hochklappen lässt, sind insbesondere für Brillenträger empfehlenswert. Die Schutzwirkung wird als etwas niedriger eingestuft.

Prüfen Sie: Lassen sich Visier, Belüftungselemente und Sonnenblende problemlos mit Handschuhen bedienen? Lässt sich das Helmpolster zum Reinigen entnehmen? Gründliches Anprobieren ist Pflicht. Setzen Sie verschiedene Modelle auf; als Brillenträger sollten Sie die Brille bei der Anprobe tragen. Entsprechendes gilt für Träger von Sturmhauben und Ohrenstöpseln - passt alles? Halten Sie den aufgesetzten Helm mit beiden Händen fest. Können Sie Ihren Kopf im Helm drehen? Dann ist er zu groß. Drücken darf er aber auch nicht, das kann bei langen Fahrten zu Kopfschmerzen führen. Machen Sie nach Möglichkeit auch eine Probefahrt mit dem Helm.

Motorradbekleidung

Die Wahl der Motorradkleidung ist immer ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Komfort. Achten Sie bei einem Zweiteiler auf einen stabilen Verbindungsreißverschluss zwischen Hose und Jacke. Der Reißverschluss sollte um den Rumpf verlaufen und fest mit dem Obermaterial vernäht sein. Ansonsten könnte die Jacke beim Sturz hochgerissen werden und kann Sie nicht mehr schützen. Stabiler und sicherer, aber weniger komfortabel, sind einteilige Anzüge. Für Fahrer von Tourenmaschinen, die aufrecht sitzen, ist die Passform unter Umständen ungeeignet, denn die Einteiler stammen aus dem Rennsport und sind darum auf die stark nach vorn gelehnte „Rennhaltung“ abgestimmt.

Gute Textilbekleidung ist leicht, bequem und wetterfest. Bei Unfällen schützt sie meist auch relativ gut. Doch selbst hochwertiges Kunstfasergewebe erreichte bei ADAC-Tests nicht die Abriebfestigkeit guten Leders. Durch die Materialdehnung passt sich Leder zudem optimal dem Körper an. Lederbekleidung mit Perforierungen und speziell behandeltes „Cool Leather“ hält die Sonnenstrahlung ab. 1,2 Millimeter dickes Rindsleder ist abriebfest und bietet Bewegungsfreiheit. Wählen Sie eingearbeitete Protektoren. Außenliegende Nähte können bei einem Sturz aufgescheuert werden - achten Sie auf innenliegende Nähte. Unter den Anzug muss warme Unterkleidung passen. Wenn die Hände am Lenker sind, sollten die Ärmel ausreichend lang sein.

Protektoren

Bei einem Sturz verteilen Protektoren die Aufprallenergie auf eine größere Fläche. Wo sollte ein sicherer Motorradanzug Protektoren haben? Am besten an Schulter, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Gesäß, Knie, Schienbein und Fußknöchel. Je dicker und großflächiger der Protektor, desto höher ist seine Schutzwirkung. Protektoren müssen dabei nicht unbequem sein. Vorsicht vor Rückenprotektoren aus minderwertigem Schaumstoff. Entfernen Sie diese Pseudoschützer und tragen Sie einen separaten, hochwertigen Rückenprotektor. Gerade Rückenprotektoren arbeiten nach dem Prinzip, die Kraft des Aufpralls auf eine möglichst große Fläche zu verteilen. Auf diesem Weg wird erreicht, dass ein Aufprall punktuell deutlich geringeren Schaden anrichten kann. Dieses Prinzip ist aus dem Automobilbau bekannt: Durch nachgiebige Materialien wird ein Teil der Aufprallenergie aufgenommen und in Verformung umgewandelt. Da die Schoner jedoch in ihrer „Dicke“ beschränkt sind, stehen für Motorradfahrer oft nur einige Millimeter an Knautschzone zur Verfügung.

Wer sich Schutzkleidung kaufen möchte, sollte gerade bei einem Protektor genauer hinschauen. Hier gibt es trotz bestimmter gesetzlicher Vorgaben durchaus deutliche Unterschiede. Im Normalfall muss ein Protektor die Vorgaben die DIN EN 1621-1 (Gelenkprotektoren) oder EN 1621-2 (Rückenprotektoren) erfüllen. Die gesetzlichen Normen geben zumindest eine Orientierung, was ein Protektor heute können sollte. Dabei wird zum einen eine Trennung zwischen Gelenk- und Rückenprotektoren vorgenommen und zum anderen werden die Produkte in verschiedene Schutzklassen eingeteilt. Bei der Prüfung zur Klassifizierung werden verschiedene Tests durchgeführt, um die Haltbarkeit und die Schutzwirkung zu ermitteln. Einer der Tests besteht darin, einen 5 kg schweren Stempel aus 1 Meter Höhe auf den Protektor fallen zu lassen. Dessen maximale Schlagkraft liegt bei ungefähr 150-180 kN. Da auch Krafteinwirkungen von 35 kN für Knochen oft noch äußerst fatal sind, sollten sicherheitsbewusste Biker hier auf Gelenkprotektoren setzen, die dem Schutzlevel 2 genügen. Mitunter geben die Hersteller sogar genaue Werte für die maximale Restkraft an, die mitunter noch deutlich unter den Anforderungen von Schutzlevel 2 rangieren. Ein genauerer Blick kann hier also sehr hilfreich sein.

Rückenprotektoren decken vor allem die Rückenpartie ab. Zusätzlich schützen sie wichtige Organe wie zum Beispiel die Nieren. Aus diesem Grund gilt für diese Art von Schonern die noch etwas strengere Norm EN 1621-2. Wie bei den Gelenkprotektoren gilt auch hier, sich die einzelnen Produkte genau anzuschauen. Mitunter geben die Hersteller ebenfalls die genauen Werte für die Restkraft an und bleiben damit unter den Grenzwerten. Ein Protektor kann seine Schutzwirkung nur dann entfalten, wenn er auch richtig sitzt. Aus diesem Grund sollten Motorradfans ihre Schutzkleidung sowie die Protektoren immer in der richtigen Größe erwerben. Dies ist vor allem bei Knieprotektoren von besonderer Bedeutung, da hier ein falscher Sitz die Schutzwirkung deutlich mindern kann.

Handschuhe

Wenn ein Mensch stürzt, fängt er sich reflexartig mit den Händen ab. Motorradhandschuhe können den Aufprall dämpfen und Abschürfungen oder Knochenblessuren verhindern. Aber nur, wenn die Handschuhe exakt passen. Rinds- und Ziegenleder gelten als besonders reiß- und abriebfest. Metallnieten erhöhen die Widerstandsfähigkeit und verbessern bei einem Unfall das Gleitverhalten. Um die Gelenke und Knöchel zu schützen, sollten Polster und Protektoren eingearbeitet sein.

Stiefel

Wählen Sie lederne Motorradstiefel mit mindestens 2 Millimeter Dicke. Sie reichen über die Knöchel, besser noch über die Wade. Um bei einem Unfall optimale Schutzwirkung zu entfalten, sollten die Schuhe über eine feste Sohle, Fersenschutz und verstärkte Zehenkappen verfügen. Ratsam sind auch Protektoren an den Knöcheln und am Schienbein. Wichtig: Auch wenn Protektoren eine gewisse Schutzwirkung entfalten, ist vorausschauendes Fahren nach wie vor oberstes Gebot.

Materialien für Motorradschutzkleidung

Textilien sind aus der modernen Bekleidung für Motorradfahrer nicht mehr wegzudenken und haben sich zu einer echten Alternative zum Leder entwickelt. Aber was verbirgt sich hinter den vielen Fachbegriffen?

  • Aramid: Leichtgewichtige, extrem reiß- und zugfeste, temperaturbeständige (Schmelzpunkt 370° C) und weitgehend chemikalienresistente Polyamidfaser mit hoher Abriebfestigkeit, bekannt z. B. unter den Markennamen Kevlar und Nomex.
  • Air-Mesh: Eine dreidimensional aufgebaute, winddurchlässige und atmungsaktive Drei-Lagen-Kons­truktion, deren äußere Lagen aus Netzfutter bestehen.
  • Armacor: Entwicklung von W.L. Gore, eine Mischung aus 85% Polyester- und 15% Aramid-Fasern, was eine besonders hohe Abrieb- und Reiß­festigkeit mit sich bringt.
  • Cordura: Polyamidfaser, die geschnitten und dann erneut versponnen wird.
  • Cold Black: Textilien, deren obere Schicht durch den gezielten Einsatz spezieller Farbstoffe und Pigmente die auftreffenden Sonnenstrahlen reflektieren.
  • Denier: Denier (D) gibt das Gewicht eines Garns in Gramm pro 9000 m Lauflänge an. So wiegen z.B. 9000 m Faser eines 500-D-Textilgewebes 500 Gramm. Je höher die Grammzahl, desto dicker und damit stabiler das Garn.
  • Grundstoffe: Zwei Kunstfasern werden für Motorradbekleidung am häufigsten eingesetzt: Polyamid (PA) und Polyester (PE).
  • Keprotec: Hochwertiges Mischgewebe aus Polyamid und Kevlar, verstärkt sturzgefährdete Stellen. Sehr guter Schutz vor Hitze und Reibung.
  • Lorica: Robustes, wie Leder aussehendes Microfaser-Material, fle­xibel, leicht, wasser- und schmutz­­abweisend, zugleich wetterfest und pflegeleicht. wird häufig für Sportstiefel verwendet. Weitere Vorteile: Hoher Tragekomfort und Strapazierfähigkeit.
  • Lumidex: Gewebe aus einer Kombination von reflektierendem 3M-Scotchlite und abriebfestem Textilmaterial.
  • Nanosphere: Besondere, waschbeständige Art der Behandlung von Textiloberflächen die verhindert, dass Wasser oder Schmutz ins Gewebe eindringen.
  • Neopren: Stark wärmendes, durch Perfo­rier­ung at­mungs­aktives und dehn­bares Ma­terial aus Kunst­kautschuk. Oftmals auf der Au­ßen- und In­nen­sei­te mit ei­nem hautfreund­lichen Textil­gewe­be kaschiert.
  • RipStop: Auf Deutsch Reiß-Stop mit einem wie Rechenkästchen aussehenden Gewebe: Alle paar Millimeter zieht sich ein kräftigerer Kett- bzw. Schussfaden durchs Gewebe, an dem ein eventueller Riss endet.
  • Softshell: Leichte Textilbekleidung, die Elastizität, relative Winddichte und hohe Atmungsaktivität auszeichnet.
  • SuperFabric: Besteht aus 32% Polyester und 68% Epoxidharz. Sehr flexibel und mit lederähnlicher Ab­riebfestigkeit, wird haupt­säch­lich an sturzgefährdeten Stellen eingesetzt.
  • Teflon: Thermoplastischer Kunststoff (PTFE) von milchig weißer Farbe, der sich wachsartig an­fühlt. Wird zur Behandlung von Textilfasern eingesetzt, um sie dauerhaft unempfindlich für Flüssigkeit oder Schmutz zu machen.
  • Teramid: Mischgewebe aus Aramid und Polyesterfasern, wird in Mo­torrad-Jeans-Kleidung an sturzgefährdeten Stellen verwendet.
  • Texturieren: Das Kräuseln von Polyamidfasern durch Hitze und Druck vor dem Weben, um ihnen ein grö­ßeres Volumen und eine bessere Wärmedämmung zu verleihen. Aufgrund der veränderten Fa-serstruktur ist texturiertes Po­lyamid abriebfester als herkömmliches PA.
  • Wachscotton: Mit Spezialwachsen imprägniertes Baumwollgewebe, wind- und wasserdicht, aber nur wenig atmungsaktiv.

Tests von Motorradschutzkleidung

Hersteller müssen ihre Schutzkleidung gemäß der Norm EN 17092-2:2020 zertifizieren lassen. Besonders im Ausland kann zertifizierte Schutzkleidung Pflicht sein, weshalb diese Norm immer mehr an Bedeutung gewinnt.

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