Die Simson Schwalbe: Ein Kultmoped aus der DDR – Geschichte und Überleben

Die Simson Schwalbe, ein legendärer Roller aus dem Simson Werk in Suhl, genoss Kultstatus zwischen Ostsee und Erzgebirge. Heute ist das Moped „Schwalbe“ Kult. Nostalgiker und Hipster hegen und pflegen ihr Überbleibsel aus DDR-Zeiten. Die Schwalbe, das erste zweisitzige Kleinkraftrad Ostdeutschlands, feiert jetzt seinen 50. Geburtstag.

Die Anfänge der Simson-Produktion

Die Geschichte der Simson-Produktion begann im Jahr 1856 mit der Gründung des Unternehmens Suhl, das später in Simson umbenannt wurde. Ursprünglich war das Unternehmen als Waffenhersteller tätig, aber es begann auch mit der Herstellung von Fahrrädern und Motorrädern. Im Jahr 1927 stellte Simson sein erstes Motorrad, das Modell A, vor. Es hatte einen 147ccm-Motor und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h.

Im Jahr 1856 erwarben die jüdischen Brüder Moses und Löb Simson eine Stahlschmiede im thüringischen Suhl (Thüringen war seit langem etablierter Standort von Waffenherstellern) und stellten dort Waffenläufe her. Als Arthur und Julius, die Enkel von Moses, das Unternehmen in den frühen 1920er Jahren übernahmen, beschäftigte das Werk tausende von Arbeitern, die Waffen, Fahrräder, Autos und sogar Flugzeugmotoren fertigten.

Im Jahr 1927 veröffentlichte Fritz Sauckel einen Leitartikel in Der National-Sozialist, in dem er behauptete, dass Simson der Reichswehr Kosten in Rechnung stellte, die bei der Fertigung ziviler Produkte entstanden waren. Dies war nur die erste einer Reihe verleumderischer Behauptungen, die sich schlussendlich am 23. November 1935 im Hauptquartier der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin in einem besonderen Vertragswerk niederschlugen: Quasi im neuralgischen Zentrum des Terrorapparats der Nationalsozialisten wurde Arthur Simson zur Unterzeichnung einer Vereinbarung gezwungen, mit der Sauckel die Kontrolle über das Unternehmen übertragen wurde. Der Wert des Unternehmens wurde mit einer Strafe für "Übergewinn" aufgerechnet, der angeblich von den Aufträgen der Reichswehr abgeschöpft worden war. Ihres Familienunternehmens beraubt, folgten Arthur und Julius Simson ihren Geschwistern in die Vereinigten Staaten, wo sie den langen Kampf um Wiedergutmachung aufnahmen.

Die Schwalbe Ära

In den 1950er Jahren entwickelte Simson das Modell S 51, das zu einem der bekanntesten und meistverkauften Motorräder der DDR wurde. Es hatte einen Zweitaktmotor und war in verschiedenen Versionen erhältlich, einschließlich der S 51 B, S 51 C und S 51 E. Das Modell wurde in großen Stückzahlen produziert und erfreute sich großer Beliebtheit bei jungen Menschen in der DDR.

Ein herausragendes Ereignis in der Simson-Geschichte war die Produktion des legendären Simson Schwalbe, die 1964 begann. Am 5. und 6. Juli wird dort der 50. Ehrentag gefeiert. Mindestens 1000 Roller und ein paar Tausend Geburtstagsgäste werden erwartet. Ab 1964 wurde der Kleinroller KR 51 in den Simson-Werken Suhl, die zeitweise der größte Hersteller motorisierter Zweiräder Europas war, in Serie produziert. Bis zu 60.000 Schwalben im Jahr, die in mehr als 50 Länder verkauft wurden. 1986 rollte dort die letzte von einer Million Schwalben vom Band. Doch das war eigentlich erst der Beginn des Kults.

Die Schwalbe wurde seit 1964 im Simson-Werk in Suhl hergestellt. Insgesamt gab es drei Baureihen. Die erste Baureihe hieß KR 51 (KR stand für Kleinroller) und folgte auf den Kleinroller KR 50, der noch nicht als Zweisitzer konzipiert war. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h erschien 1964 der KR 51, der bis 1968 produziert wurde. Die Konstrukteure mussten für das Design herbe Kritik einstecken: die Presse erklärte deutlich, dass die Formgestaltung des Gefährts keineswegs als schön zu bezeichnen wäre.

Das ursprüngliche Modell KR1 wurde in Blau, "Tundragrau" und in begrenzter Stückzahl auch in Signalorange hergestellt. Doch jenen machte schnell der Motor die größeren Sorgen. Er war auf die 60 km/h-Beschränkung noch nicht optimal ausgelegt. Die zweite Baureihe KR 51/1 sollte dies ab 1968 beheben. Tatsächlich verbesserte sich die Leistung geringfügig und vor allem lief sie durch einige Korrekturen wesentlich leiser. In dieser Baureihe wurden verschiedene Sondermodelle gefertigt, die beispielsweise mehr Komfort oder eine halbautomatische Fliehkraftkupplung boten. Diese wurden bis 1980 hergestellt.

Erst dann wurde die zweite Baureihe durch die dritte KR 51/2 abgelöst, die bis zum 31. März 1986 produziert wurde. Danach wurde die Herstellung des ersten Mopeds der „Vogelserie“ eingestellt. Die wesentliche Unterscheidung zum Vorgänger war der neu konstruierte, fahrtwindgekühlte 3,7-PS-Motor M541. Er reduzierte die Vibrationen beim Fahren, war sparsamer und mit drei oder vier Gängen lieferbar.

Angetrieben wurde die erste Schwalbe mit ihren für diese Fahrzeugart atypisch großen 16-Zoll-Rädern von einem 49 cm³-Einzylinder-Zweitakter mit Gebläsekühlung, der 3,4 PS (2,5 kW) bei 6500/min leistete. Er verhalf dem vollgetankt nur 79 kg wiegenden Kleinroller zu einer für diese Klasse respektablen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Die drei Gänge wurden per Drehgriff geschaltet, später gab es die Schwalbe auch als KR 51 F mit Fußschaltung. Der Tank fasste 6,8 l Zweitaktgemisch (1:33), was bei einem Durchschnittsverbrauch von 2,8 l auf 100 km gut für 250 km Reichweite langte.

Die Simson-Schwalbe wurde nicht nur von Privatleuten genutzt - sie diente der Deutschen Post in der DDR, der ostdeutschen Polizei und auch den Gesundheitsversorgern in ländlichen Gegenden als Dienstfahrzeug.

Das Ende der Produktion und die Wiedervereinigung

Mit der Wende zeichnete sich für die Herstellung von Mopeds, Mokicks, Leichtkrafträdern und Kleinrollern in Suhl das Aus ab. Die Produktion der Schwalbe war nach 1,058 Mio. Exemplaren schon im April 1986 ausgelaufen. Im Dezember 1990 wurde das traditionsreiche Unternehmen von der Treuhand abgewickelt. Nach der Wende wurde das Unternehmen von der Treuhand abgewickelt. Die Produktion endete 1990.

Nach der deutschen Wiedervereinigung lag die Kontrolle über die volkseigenen Betriebe bei der Treuhandanstalt, einer Anstalt öffentlichen Rechts, die mit der Privatisierung der gesamten Wirtschaft der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik beauftragt war. Vor einem Verkauf waren jedoch Fragen der etwaigen Wiedergutmachung oder Restitution an enteignete Eigentümer zu klären.

Heute genügt übrigens die Führerscheinklasse AM, um die Schwalbe zu fahren, obwohl sie eine Höchstgeschwindigkeit von über 45 km/h besitzt. Dies ist dank der Bestimmung des Einigungsvertrages möglich, die erlaubt, dass Ein- und Mehrspurfahrzeuge der ehemaligen DDR mit maximal 50 cm³ Hubraum trotz einer (in der DDR zulässig gewesenen) Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h mit dieser Führerscheinklasse gefahren und als Kleinkraftrad versichert werden dürfen.

Der Kult lebt weiter

Obwohl sie nicht mehr hergestellt wird, ist die Schwalbe einfach zu reparieren und so ist sie von ihrer aus DDR-Nostalgikern und ölverschmierten Bastlern zusammengesetzten Fangemeinde weiterhin heißbegehrt. Zwar wird der Roller mit dem Vogelnamen gar nicht mehr gebaut, doch eine hartgesottene Fangemeinde aus Ost - und mittlerweile auch aus West - schwört auf die Schwalbe und das nun schon seit 50 Jahren. Schnell und zuverlässig sei das skurrile Gefährt. Liebhaberstück für junge Leute. Die Schwalbe mit ihrem gebläsegekühlten Einzylinder-Zweitaktmotor ist für sie mehr als nur ein Fortbewegungsmittel, sie ist ein Image, eine Selbstinszenierung, für manche gar ein Lebensgefühl.

Laut Schätzungen waren 2015 ganze 150.000 Schwalben im deutschen Straßenverkehr zugelassen. Nur wenige haben dem Zahn der Zeit unverändert standgehalten, viele sind heute nachlackiert, mit Ersatzteilen versehen oder frisiert. An die Ersatzteile zu gelangen ist kaum ein Problem.

Hier eine Übersicht der wichtigsten Modelle:

Modell Produktionszeitraum Merkmale
KR 51 1964-1968 Erste Baureihe, Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
KR 51/1 1968-1980 Verbesserte Leistung, leisere Fahrt
KR 51/2 1980-1986 Neuer Motor, weniger Vibrationen

Das Simson-Werk in Suhl war der größte Arbeitgeber der Region. 3.500 Arbeitnehmer standen hier in Lohn und Brot. Bis zur Übernahme des Werks durch Teile der Belegschaft 1991/92 wurden in Suhl mehr als sechs Millionen Schwalben und Co. produziert. Ein Viertel der Krafträder wurde exportiert, etwa 20.000 Stück pro Jahr gingen in sozialistische Brüderländer und etwa 30.000 Stück in den Westen.

Ersatzteile für Schwalbe und Co. sind deshalb so gefragt, dass das Unternehmen MZA, das nach der Insolvenz des Traditionswerkes Teile von Simson übernommen hatte, unzählige Ersatzteile für die alten Kleinkrafträder produziert. Im polnischen Breslau motzt Michał Koziołek seit 2016 Schwalben auf und stattet sie mit einem modernen Elektromotor aus. Seine Firma "RetroElectro" hat er mit Freunden gegründet. Besser hat es da die Münchner Firma "Govecs". Sie hat die Markenrechte für die E-Schwalbe und fertigt sie seit 2017 in Breslau in großem Stil. Allerdings verwendet das mittelständische Unternehmen keine Originalbauteile - und umgeht so den Behördenärger.

Die AKF restaurierte den Motorroller und stellte u. a. Dieser 1978 hergestellte Motorroller (Typ Schwalbe KR51/1 von Simson) ging durch viele Hände, bevor er 2013 auf einer Auktion durch die AKF Fahrzeugteile GmbH, ein auf die Restaurierung und den Teilehandel für Simson-Motorräder und -roller spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Bautzen, erworben wurde.

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