Die Schwalbe KR 51 (KR = Kleinroller) wurde im Februar 1964 als erstes zweisitziges Kleinkraftrad aus DDR-Produktion vorgestellt. Um den Zweipersonenbetrieb zu ermöglichen, musste ein robustes, neues Triebwerk geschaffen werden. Mit dem Motor M 53 war den Suhler Konstrukteuren ein guter Wurf gelungen. Er wies gegenüber den Vorgängermodellen einen deutlichen Zuwachs an Leistung und vor allem Durchzugsvermögen im gesamten Drehzahlbereich auf.
Die verschiedenen Typen der Schwalbe sind KR 51, KR 51/1 und KR 51/2. Äußerlich blieb sie jedoch annähernd gleich. Die Karosserie schützt den Fahrer weitgehend vor Verschmutzung weshalb die Schwalbe insbesondere von Frauen gern gefahren wurde.
Technische Details und Weiterentwicklungen
Bei der Konzipierung der Typreihe wurden fortschrittliche Wege beschritten. Neben Vollschwingenfahrwerken mit großen Federwegen und wirksamen Vollnabenbremsen sind Vorder- und Hinterrad austauschbar. Ferner wurde großer Wert auf Wartungsfreiheit gelegt.
Als Folge konnten alle Schmiernippel entfallen und der Kettentrieb wurde staubdicht mittels Gummischutzschläuchen gekapselt. Außerdem erleichtern Steckachsen die Demontage der Räder, wobei der Hinterradantrieb komplett an der Hinterradschwinge verbleiben kann. Dadurch hatten Kettenräder und Ketten eine mehrfache Lebensdauer.
Vervollständigt werden konnte dieser Typ - wiederum erstmalig bei einer derartigen Fahrzeugklasse - mit Blinklichtern, Stoplicht, Parklicht und einem Gleichstrom-Signalhorn. Die Voraussetzungen dafür wurden durch die während der Fahrt aufladbare Bleibatterie geschaffen. Ein solider Gepäckträger mit verstellbarem Spannband gehört zur Grundausstattung. An die Schwalbe kann ein typgeprüfter und im Fachhandel erhältlicher Kindersitz montiert werden.
Zul. Ab März 1968 ging eine Weiterentwicklung des Triebwerkes in Serie. Trotz einer Leistungserhöhung im unteren und mittleren Drehzahlbereich verringerte sich der Kraftstoffverbrauch merklich und das Fahrgeräusch wurde durch den Einbau eines voluminösen Ansauggeräuschdämpfers auf die international vorgeschriebenen Werte abgesenkt. Der Motor erhielt ab diesem Zeitpunkt die Typbezeichnung M53/1 und die damit ausgestattete Schwalbe das Kurzzeichen KR 51/1 (Handschaltung).
Zul. Diese Ausführung der Schwalbe wurde mit einer automatischen Anfahr- und Schaltkupplung ausgestattet. Da die Kupplungsautomatik mit dem Fußschaltmechanismus gekoppelt war, konnte der Kupplungshebel völlig entfallen. Die Funktion der Kupplung basierte auf dem Fliehkraftprinzip, sie wurde durch das übertragene Drehmoment zusätzlich stabilisiert. Dies bewirkte auch ein sehr zügiges Anfahren ohne langes Aufheulen des Motors.
Die Lichtleistung des Scheinwerfers wurde von 15 auf 25 Watt erhöht und die Zündspule erstmals außerhalb des Motors angebracht. Zul. 1974 kam die KR 51/1 K (K=Komfort) auf den Markt. Sie besaß hydraulisch gedämpfte Federbeine und eine verlängerte Sitzbank. Die Federbeine stellten eine beachtliche Fahrkomfortverbesserung dar, zumal sie im Gegensatz zu den mechanischen Dämpfern wartungsfrei sind.
Zul. Das Jahr 1979 brachte dann endlich eine vorwiegend triebwerkseitige Modernisierung. Die neue Motorenreihe M531/541 mit hohem Typisierungsgrad zwischen dem ziehkeilgeschaltetem 3- und 4-Ganggetriebe konnte nach einigen Rahmenänderungen in die Schwalbe übernommen werden.
Äußerlich sind die mit der Typbezeichnung KR 51/2 gekennzeichneten Fahrzeuge, nur durch geringfügige Veränderungen an der Lenkerabdeckung, einer runden Schlußleuchte, einem Bremsgestänge zum Hinterrad sowie der nach rechts verlegten Auspuffanlage zu unterscheiden. Der rechts liegende Schalldämpfer erleichterte den Hinterradausbau sowie das Aufbocken des Fahrzeuges bei heißer Abgasanlage erheblich.
Durch den gummielastisch aufgehängten Motor und den Wegfall des Gebläses, konnten die teilweise durch Mitschwingen der großen Blechkarosserieteile hervorgerufenen Fahrgeräusche, drastisch gesenkt werden. Der KR 51/2 besitzt reibungsgedämpfte Federbeine und Fußschaltung. Die Elektronikbauteile wurden unter das vordere Abdeckblech verlegt, der vorher dort sitzende Luftfilter sitzt jetzt direkt vor dem Vergaser.
Mit der Triebwerksreihe M531/M541 waren auch die werkseitigen Voraussetzungen für die Stückzahlsteigerung der Vierganggetriebe gegeben, so daß kurzfristig auch eine Viergang-Schwalbe in Produktion gehen konnte. Zul. Bei diesem Modell wurden hydraulisch gedämpften Federbeinen verwendet.
Zul. Der Einsatz der wartungsfreien Elektronikzündung verbunden mit Anhebung der Lichtleistung auf 35/35 W, machten den KR 51/2 L (L = Luxus) hinsichtlich der technischen Ausstattung zu einem echten Spitzenmodell in dieser Hubraumklasse. Auf ein neues, moderneres Design, mußte leider wiederum verzichtet werden. Trotzdem fand die Schwalbe bis zu ihrem Fertigungsauslauf im April 1986, stets ihre Käufer.
Geschwindigkeit und Leistung
Die 3,4 PS ermöglichten selbst im Soziusbetrieb eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h. Auf Anregung des Werkes wurden 60 km/h durch den Gesetzgeber als neue Höchstgeschwindigkeit für diese Fahrzeugklasse festgelegt. Diese vom internationalen Standard abweichende Regelung ermöglichte einen flüssigeren Verkehrsablauf und das Kleinkraftrad wurde nicht zum Verkehrshindernis.
Unter normalen Umständen fährt die /2 max. 65km/h. Eine originale Schwalbe schafft etwa 65km/h in der Ebene, bei optimal eingefahrenem Motor und optimaler Einstellung mögen es 70km/h sein....mehr ist absolut nicht drin.
Tabelle: Technische Daten Simson Moped SR 1
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Motorbauart | Luftgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor mit Flachkolben |
| Zylinderbohrung | 38 mm |
| Kolbenhub | 42 mm |
| Hubraum | 47,6 cm³ |
| Kurzleistung | 1,5 PS bei 5000 U/min |
| Dauerleistung | 1,3 PS bei 4200 U/min |
| Kraftstoffverbrauch auf 100 km Fahrstrecke | etwa 1,4 bis 1,6 Liter bei ebener Strecke und 20bis 25 km/h (Kilometer je Stunde) Geschwindigkeit, etwa 2 Liter bei ebener Strecke und 45 km/h |
Die E-Schwalbe: Eine moderne Interpretation
Die Schwalbe stand schon in der DDR für Freiheit, Mobilität und Jugend - seit Sommer 2017 versprüht sie diesen Spirit als E-Schwalbe auf deutschen Straßen. Die Elektro-Schwalbe verbindet die ikonische Optik des Originals mit einem hochmodernen elektrischen Antrieb, der für umweltfreundlichen Fahrspaß sorgt.
Die eSchwalbe ist jetzt in drei Varianten erhältlich: als 45 km/h Version, als 60 km/h Version und neu als L3e-Version mit 90 km/h Höchstgeschwindigkeit.
- Schwalbe 45 km/h (L1e): Ideal für entspannte Fahrten durch die Stadt.
- Schwalbe 90 km/h (L3e): Eignet sich ideal für Stadt- und Überlandfahrten.
Die E-Schwalbe L3e hat einen 8-kW-Motor, der von Bosch entwickelt und hergestellt wurde. Auch wenn die Technik des Mopeds mit ihrem Original aus der DDR nichts mehr zu tun hat, so ist sie optisch dem Kult-Roller treu geblieben: Die runden Scheinwerfer mit eckigem Gehäuse, das geriffelte Heck und die klassischen Konturen kommen auch bei der E-Schwalbe zur Geltung.
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