Das Reisen in Schweden kann einem schon den Atem rauben. Die wunderschöne Natur ist es, die Motorradfahrer nach Schweden zieht. Gesegnet mit einer einmalig schönen Natur geht es vorbei an blauen Seen, felsigen Inseln und unendlich weiten Wäldern, vorbei an der für Schweden so typischen Architektur und dabei bitte die wichtigen Fotos für die daheim gebliebenen nicht vergessen. Schweden mit dem Motorrad zu erkunden ist eine tolle Erfahrung, die gleichzeitig den Naturfreund als auch den Biker anspricht. Bist du auf der Suche nach einer ruhigen und idyllischen Umgebung für die große Rundfahrt mit dem Motorrad? Neben der schönen Natur hält Schweden aber auch noch andere Highlights für Reisende bereit.
Was sich zuerst komisch anhören mag, wird dann doch sicherlich zu einer bleibenden Erinnerung. Wann hast du das letzte Mal Bibersalami oder leckeren Elch gegessen? Abends darf ein Besuch in einer holz-befeuerten Sauna oder einem Outdoor Badezuber nicht fehlen. Während der Motorrad-Tour auch einfach an einem der zahllosen Seen anhalten und sich in das glasklare Wasser stürzen.
Straßen und Verkehrsregeln
Für Motorradfahrer sind die Straßen in Schweden sehr gut geeignet. Sie sind in der Regel in erstklassigem Zustand und bieten dabei viele kurvige Strecken eingebettet in atemberaubender Natur. Gerade abseits der großen Städte sind die Wege meist recht spärlich befahren. Vorsicht aber vor den Lkws, die in Schweden auch an Sonn- und Feiertagen unterwegs sind.
Ebenso ist auch bei der Beachtung der schwedischen Verkehrsvorschriften Vorsicht geboten. Verstöße werden häufig recht streng geahndet und die Bußgelder sind um ein Vielfaches saftiger als zu Hause. Deswegen: Helm tragen und auch tagsüber das Licht einschalten. Die Promillegrenze liegt in Schweden übrigens bei 0,2.
Es erstaunt immer wieder das Maß an Rücksicht, das auf andere Verkehrsteilnehmer und Fußgänger (sie haben absoluten Vorrang) genommen wird. Ebenso, wie man sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hält: 110-120 km/h auf Autobahnen / Schnellstraßen, 70-90 km/h auf kleineren Straßen und 50 km/h in Ortschaften. Und die Leute halten sich dran, weit überwiegend jedenfalls. Da käme es nicht gut, mit deutschem Kennzeichen aus der Reihe zu tanzen und auf einsamen geraden Straßen zu heizen wie auf unseren Autobahnen.
Routenempfehlungen
Um dieses Gefühl auszukosten, vermeiden wir auf dem Weg nach Norden - soweit möglich - die autobahnähnlich ausgebaute E 22 zwischen Malmö und Stockholm. Eine viel befahrene Küstenstraße (fast) ohne Meerblick. Hinter Ystad wartet die Landschaft mit einem fast südlichem Flair auf: sanfte Hügel, wechselnde Ausblicke auf die sonnenbeglänzte Ostsee, ausgedehnte Obstplantagen - und vor allem eine ermunternd schwungvolle Straßenführung.
Simrishamn ist das erste Hafenstädtchen, das wir anlaufen. Mit seiner Marina und seiner Architektur ähnelt es einem Hafenort an der schottischen Küste, von dem aus man auf die Hebriden übersetzt. Nur mit wesentlich schönerem Wetter. Auf den Landsträßchen entlang der Küste kommen wir trotz Tempolimit erstaunlich flott voran. Aber zur Gewohnheit wollen wir die angestammte Fahrweise nicht werden lassen. Das ist auch schlecht möglich, denn ab Kristianstad kanalisiert uns die E 22 und wir rollen so voran wie alle anderen auch.
Unser Kartenstudium führt zu dem ernüchternden Ergebnis, daß eine West-Ost-Passage gen Karlskrona wohl nur über die E 22 möglich ist. Die meisten anderen Straßen verlaufen in Nord-Süd-Richtung. Doch die spektakuläre Einfahrt nach Karlskrona entschädigt uns für die Eintönigkeit der Fernstraße: Am Horizont glänzt das Meer, davor reiht sich eine Kette von Schären und unser Weg zum Hotel schlängelt sich an den Buchten entlang, die der Stadt ihr Gepräge geben.
Unser weiterer Weg führt nordwärts durch endlose Wälder. Wie mit dem Lineal gezogen sticht unsere Straße auf einen Horizont zu, den man allenfalls erahnen kann, unterbrochen nur durch sanfte Hügel und leichte Senken. Einen Vorteil hat diese Art zu fahren: Man hat Muße, sich umzuschauen. Zu sehen, was die Leute in den kleinen Ansiedlungen an der Straße so treiben. Wie leben sie? Wo verbringen sie ihre Zeit? Wo arbeiten sie?
Als wir in Gotland wieder von der Fährrampe rollen, tut sich uns ein gänzlich neues Stück Schweden auf: Hinter einer dreieinhalb Kilometer langen Ringmauer duckt sich die mittelalterliche Hansestadt Visby, ein Ensemble hübsch hergerichteter Häuser, überquellender Gärten, stolzer Klosterruinen und winkliger Gassen. Die kilometerlange Uferpromenade an der Stadtmauer entlang und dann weiter zur nächsten Bucht ruft die Abendstimmung am Lago Maggiore in Erinnerung: spiegelglatte See unter tiefstehender Sonne, üppiges Grün, entspanntes Flair, alles sauber und aufgeräumt. Auch wir lassen uns auf einer Bank nieder, breiten die Landkarte auf den Knien aus und lassen unsere Phantasie spielen, welche Strecken wir in den nächsten Tagen unter die Räder nehmen möchten.
Wer in Schweden und besonders auf Gotland eine Motorradtour unternimmt, sollte jegliche Ambitionen auf fahrerische Ausnahmestrecken hinter sich lassen. Die Natur explodiert förmlich in allen Farben, die sich in unseren Breiten erst zaghaft nacheinander zeigen. Lila Flieder, rosa Magnolien, Rosen in allen Schattierungen, Getreidefelder, durchzogen vom leuchtenden Rot und Blau des Mohns und der Kornblumen. Zwischen den Küstenfelsen drängen sich gelbe, weiße und blaue Blümchen an die Sonne.
Vorbei an zahllosen kunstvoll geschichteten Trockensteinmauern, schräg gezimmerten Zäunen (eine regionale Besonderheit) und aufgegebenen Windmühlen gondeln wir an der Küste entlang von Bucht zu Bucht, mutterseelenallein und bei offenem Visier die kristallklare Meeresluft genießend. Hier wird das Land noch karger und ursprünglicher. Begegnungen auf der Landstraße sind reiner Zufall.
Für den Heimweg programmiere ich das Navi auf „Kurvige Strecke planen“ und wir scheren uns einen Teufel darum, in welche hintersten Ecken Gotlands uns dieses Gerät schickt. Der Süden der Insel zeigt ein ganz anderes Gesicht: Auf breiter Straße durchfahren wir eine ebene, weite Landschaft mit ausgedehnten Getreidefeldern, geschäftigen Bauerndörfern und eingestreuten Waldinseln. Fahrerisch richtig interessant wird die Strecke dann ab Burgsvik im Südzipfel der Insel. Die Straße windet sich durch Dünen und Felsen, kleine Dörfer und an einsamen Bauernhöfen vorbei. Wie gesagt: ähnlich wie in Schottland, nur schmeichelnder vom Ambiente her.
Gleich, wohin es einen führt. Mit dem Überraschungsmoment der Zufallsfunktion führt unser Weg zurück nach Visby. So typisch wie das Touren in Schweden ist auch der Zugang zum Land mit der Fähre.
Fährüberfahrt
Der Transfer mit den großen Seefähren verläuft dagegen im Grunde ebenso wie bei einem Urlaubsflug: Onlinebuchung mit Buchungsnummer, Check-In, dann Boarding. Den zugehörigen QR-Code speicherst du auf Deinem Telefon ab und zeigst ihn beim Vorfahren an der Kontrollstelle des Terminals vor. Beim Check-In wird Motorrädern (ebenso wie Wohnmobilen) ein eigener Wartestreifen vor der Fährrampe zugewiesen, von dem aus man dann zu gegebener Zeit vom Boarding aufgefordert wird. Meist steht da schon eine erwartungsfrohe Truppe weiterer Motorradfahrer.
Fahre vorsichtig auf den z. T. glatten Stahlplanken unter Deck. Motorräder haben auf der Fähre eigene markierte Stellplätze, die mit Befestigungsringen versehen sind. In diese werden zur Sicherung des Motorrads Zurrgurte eingeklinkt, die dort bereithängen. Im Unterschied zu zahlreichen anderen Fähren, die wir benutzt haben, erledigt beim Schwedentransfer die Verzurrung nicht ein Besatzungsmitglied. Das mußt du selber machen.
Mache dich damit vertraut, wie so eine Ratsche funktioniert, wie sie festgezogen und wieder gelöst wird. Schaue dir genau an, wie du an deiner beladenen (!) Maschine die Gurte führen kannst, ohne daß irgendwelche Kabel oder Schläuche abgequetscht werden. Lege im Tankruckrack einen Werkstattlappen bereit, den du zum Schutz an kratz-/quetschgefährdeten Stellen unterlegen kannst.
Denke dir diese Vorgehensweise noch mal durch, bevor das versammelte Motorradgeschwader auf die Fähre losröhrt. Im Zweifel halte dich hinter den anderen, um zu studieren, wie alles läuft. Mache nicht den Fehler wie viele andere und setze dich gleich abfahrbereit auf die Maschine. Bis alles anrollt, dauert das noch. Stelle lieber deine Maschine so lange auf den Seitenständer, halte Helm und Handschuhe griffbereit und beobachte, wie es ganz vorn in der Kolonne weitergeht.
Übernachtung
Wenn's kein Luxushotel zu sein braucht habt ihr zwei Möglichkeiten. Vandrarhem (zu deutsch Jugendherberge, ist aber die falsche Bezeichnung) oder Hütte auf Campingplatz mieten, das ist wahrscheinlich für vier auch nicht teurer. Erfordert halt eine gewisse Vorplanung und (vor allem bei Vandrarhem) auch nen Anruf vorher!
Campingplätze gibt's nahezu überall und Wildzelten ist kein Problem. Steinig, ja, aber man findet für ein kleines Zelt immer Möglichkeiten. Anständige Heringe mitnehmen. Habe in Schweden noch nie in einem festen Gebäude übernachtet fällt mir grad auf, immer Zelt oder WoMo.
Insekten
Die Insektenlage hat sich in den letzten Jahren verändert. Häufig hat man im Süden früh im Juni Gnjtten (Knotts), die sind garstig, aber nur in der Zeit und wenn es Windstill ist, also gern abends oder morgens. Später folgen Mücken ab Mitte Juli war es vor 10 bis 15 Jahren schon heftig, aber hat nach meinem Empfinden in den letzten Jahren abgenommen. Selbst den Schweden ist das aufgefallen.
Ich bin bzgl. Mücken ausgesprochen empfindlich und bei Zecken habe ich schon fast eine Phobie entwickelt. Das Anti Brum Forte (das "rote") hat mich bisher sehr zuverlässig geschützt. Meist reicht vorsichtiges Auftragen. Und wenn es zu spät ist, hilft der Beurer BR 60 sehr gut. Möglichst schnell nach dem Stich und ggf. mehrfach anwenden. Mittel ist aus Australien importiert und an Tankstellen erhältlich.
Weitere Tipps
- Wer mit dem Motorrad nach Schweden reisen will, sollte vorher zu Hause ein wenig Offroad-Training betreiben. Oftmals führen nur Schotterpisten zu den Ferienhäusern oder manche kleine Straßen sind nicht asphaltiert.
- Schon in Småland - also noch im Süden des Landes - macht Motorradfahren auf den kuppigen, kurvenreichen Strecken so richtig Spaß.
- Eine weitere Besonderheit liegt in der weit verbreiteten Liebe der Schweden für historische Technik: Spannende Motorradmuseen, historische Dampfschiffe im täglichen Betrieb, Schleusenanlagen aus dem 19. Jahrhundert und fette Amischlitten aus den Sechzigern und Siebziger - die Schweden haben ein Händchen dafür, historische Technik am Laufen zu halten.
Verwandte Beiträge:
- Radweg Schweden Südküste: Die schönsten Routen & Tipps
- Radrennen Schweden 300km: Strecken, Teilnehmer & Ergebnisse
- Radfahren in Schweden: Die schönsten Routen & Tipps für Ihre Radreise
- Schweden Radtouren: Die schönsten Routen & Tipps für Ihre Radreise
- Entdecke die schönsten Bahntrassen in der Eifel für entspannte Radtouren – Ultimative Tipps und Highlights!
- Radfahren im Schönbuch: Die besten Touren & Trails
Kommentar schreiben