Schweizer Armee Fahrrad: Geschichte und Modelle

Die Geschichte des Fahrrades beim Militär beginnt vor rund 130 Jahren. Erste Versuche einer militärischen Nutzung des Fahrrades begannen etwa nach 1885. In Deutschland wurden ab 1892 Radfahrer bereits in einzelnen Truppenteilen als Melder eingesetzt. Im Ersten Weltkrieg waren Radfahrtruppen auf allen Seiten noch sehr verbreitet. Dies lag vor allem daran, dass die Truppen sich zu Kriegsbeginn noch rasch bewegen mussten, der Grad der Motorisierung aber noch nicht ausreichte.

Die Schweizer Armee setzte seit 1905 Militärfahrräder ein. Legendär ist das „Ordonanzrad 05“. Fast 90 Jahre lang fuhren die Rekruten damit durchs Land. Die radelnden Einheiten der Schweiz galten Ausländern bisweilen als militärisches Kuriosum, skurril wie eine Kavallerie. Die kämpfende Radlertruppe wurde vor ein paar Jahren abgeschafft, doch ein Militärrad gibt es wieder: Das „Velo 12“.

Aus der langen Geschichte folgt, dass das Schweizer Militärvelo nicht einfach irgendein Rad sein kann. Fast 80 Jahre benutzten die Soldaten das legendäre „Ordonnanzrad 05“. Die „05“ bezeichnet das erste Modelljahr, im vorigen Jahrhundert. Ohne Gangschaltung kam es aus, es war stählern, 27 Kilo schwer, aber unzerstörbar. Über 60.000 Stück wurden gebaut, viele fahren heute noch.

Ihm folgte das weniger glorreiche „Modell 93“ mit Siebengang- Kettenschaltung, ebenfalls über 20 Kilo schwer. Es war das letzte Waffenrad der Schweiz. Dann beschloss die Armee, dass sie ein eher ziviles Rad brauchte - und lieferte auf dem Weg zu unserem Pin-up, dem „Velo 12“ einen kleinen nationalen Aufreger: zu teuer, zu schlecht.

Mittlerweile ist das Thema aus der Debatte, die Vorwürfe sind entkräftet, die 4100 Räder werden ausgeliefert - und sind zum Stückpreis von 2500 Euro auch für zivile Käufer zu haben. Die augenfälligste Besonderheit am Schweizer Militärrad ist die Rahmenform. Das erst senkrechte, dann flach abknickende Sitzrohr sorgt dafür, dass sich mit der Höhenverstellung des Sattels auch die Sitzlänge deutlicher verändert als bei üblichen Rahmen. Das Prinzip ist von „mitwachsenden“ Kinderrädern bekannt. Beim Velo 12 soll es helfen, Fahrer zwischen 1,60 und 1,90 Meter mit der nur einen erhältlichen Rahmenhöhe zu bedienen.

Bei der Ausstattung sind die Besonderheiten eher spärlich. Nachdem das „Modell 93“ vor lauter Spezialteilen nicht mehr zu reparieren war, orderte die Armee nun ein Rad aus Serienteilen. Die Schweizer setzten ihre Soldaten jahrzehntelang lieber auf Lowtech-Gefährte: das Militärvelo.

Da ohne Gangschaltung ausgestattet, eignet sich das Ordonnanzfahrad 05 nur bedingt zum Erklimmen von Berggipfeln.

Das Ordonnanzrad 05

Das Armeefahrrad oder Ordonnanzrad 05 wurde speziell für die Schweizer Armee entwickelt und produziert. Eine Spezialtruppe aus überdurchschnittlich sportlichen Soldaten kümmerte sich per Velo um die Sicherheit der Eidgenossen. Von dem eigens für die Schweizer Armee konzipierten Ordonnanzrad 05 wurden in den Jahren 1905 bis 1988 insgesamt circa 68.000 Räder gebaut. Da eine Gangschaltung als unnötige Fehlerquelle gesehen wurde, hatten die schweizer Militärvelos allesamt nur einen Gang.

Die militärische Karriere des Fahrrads begann schon Ende des 19. Jahrhunderts - ab 1892 wurden innerhalb der eidgenössischen Bundesarmee der Schweiz Radfahrabteilungen eingerichtet. Der verlässliche Rahmen des Schweizer Militärrads ist extrem robust.

Auf Grund der 1903 veranlassten Versuchen mit den Normalfahrrädern und den geprüften ausländischen Fahrrädern in Kursen und Schulen durch das Militär-Departement konnte der technischen Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung 1904 die Anforderung zur Herstellung eines Modells gegeben werden. Den Auftrag zur Erstellung desselben erhielt die Fahrradfabrik Schild & Cie., Madretsch-Biel. Im Sommer 1904 lag der Prototyp vor. Anfangs September gab die technische Abteilung der Kriegsmaterialverwaltung noch Abänderungs-Wünsche bekannt und bat um Preisofferte und den Zeitpunkt für den Liefer-Termin. Etwas später, als alles bereinigt war, erfolgte der Auftrag für 10 Fahrräder (ohne Pneumatiks, Laterne und Signalvorrichtung).

Im Juli 1905 wurden die ersten 300 Ordonanz-Fahrräder dem Militär ausgeliefert, nämlich COSMOS Fahrrad-Nr.1-150, HELVETIA Fahrrad-Nr. 151-225, und CONDOR Fahrrad-Nr. 226-300. Am 17. Juli 1905 erhielten die in Yverdon einrückenden Rekruten erstmals solche Ordonnanz-Fahrräder (in schwarzer Farbe) ausgehändigt.

Die Firma Gustav Adolf Saurer, Arbon, (Helvetia-Räder) bekam 1903 vom Militär einen Fahrrad-Lieferauftrag welchen Sie 1905 (75 Stck.) und 1907 (50 Stck.) erfüllte. Der Gang dieser Velos wurde aber als zu schwer beurteilt und von Militärstelle bemängelt. Deshalb bekam die Firma Saurer keinen Lieferauftrag mehr, dafür die Firma Schwalbe AG (Gebr. Rüegg), Uster.

Ab 1907 bauten also längere Zeit drei Firmen die Ordonnanz-Velos für die Schweizer Armee (das Modell MO 05) nämlich die jurassische Firma Condor SA, Courvaifre, sowie die Firmen Schwalbe AG (Gebr. Rüegg) Riedikon/Uster und die Firma Cosmos (B. Schild & Cie. AG), Biel. Zusätzlich nahm 1945-1965 auch noch die Firma Zesar AG, Nidau, sowie von 1952-1959 die Maschinen-Fabrik Gränichen AG, Gränichen, an der Fahrrad-Produktion teil. Ab ca. 1975 soll nur noch die Firma Condor SA allein Militärvelo 05 hergestellt haben.

Die Packung am Militärrad bestand aus der Rahmentaschen (Anmerkung: Rahmentasche wurden erst ab 1928 an die Offiziersvelo montiert), der Mantelhülle, dem Brotsack sowie Waffen- und Zubehör-Träger. In der Mantelhülle wurde der Mantel und unter dem Deckel das Zelt mit den Zeltpflöcken versorgt. Im Brotsack befanden sich Gamelle, Feldflasche, Essbesteck, Notportion und evtl. Zwischenverpflegung. In der Rahmentasche waren Hemd, Socken, Unterwäsche, Schuhnestel, Taschentuch, Taschenlampe, Leuchtgamaschen und Feldmütze versorgt. Evtl. bei Bedarf auch zusätzlich Pullover und zusätzlich Wäsche.

Als Relikt aus der Zeit der Velos mit Starrlauf gab es unerklärlicherweise beim Militärvelo bis 1960 eine Aufsteighilfe, die hinten links an die Radnabe geschraubt wurde. Und dies obwohl seit Beginn der Produktion der Ordonanz-Räder diese immer mit einem Freilauf versehen waren !! Bis Ende 1930 wurde das Aufsteigen über die Aufstieghilfe drillmässig geübt. aber anfänglich ohne Licht und Glocke (letzteres war nur Corps-Material).

Anfänglich hatte das Militärvelo nur vorne eine Stempelbremse und auf dem Hinterrad eine Rücktrittbremse. Ab 1944 wurde dann im Hinterrad nebst dem Rücktritt auch eine Trommelbremse (so genannte Bönibremse) angebracht.

Die ersten Radfahrer der Schweizer Armee waren Ende des 19. Jahrhunderts noch mit dem eigenen Fahrrad eingerückt. Entsprechend bunt war die Truppe. 1904 dann beschlossen die Eidgenossen die Einführung eines einheitlichen Militärrades. Das "Ordonnanzrad 05" machte Schluss mit dem Durcheinander der Drahtesel. Mehr als 83 Jahre diente dieses klassische Velo in beinahe unveränderter Form in der Schweizer Armee - es gibt eben kaum ein besseres Fahrrad als das Modell 05. Dann, als der Kalte Krieg in den letzten Zügen lag, stellte der Schweizer Bundesrat das "Ordonnanzrad 05" 1988 außer Dienst. Es war das Ende einer einzigartigen Militärkarriere.

Beinahe jeder Blick auf das Gefährt trifft ins Schwarze - dem Modell 05 fehlt jeglicher Chromglanz, abgesehen von der zur Ausleuchtung von Kuhweiden wie Nahkampfzonen gleichermaßen tauglichen Lampe. Alle Lager waren stets bestens geschmiert, kein Schutzblech durfte klappern und einmal in Fahrt, lief das Rad federleicht und geräuschlos geradeaus. Allein die Heidi-hell erklingende Signalglocke sorgte für musikalische Fahrtbegleitung.

Gangschaltung? Weil eine Gangschaltung als potentielle Fehlerquelle galt, war sie gleich eingespart worden. Vor Bergaufpassagen - in der Schweiz keine Mangelware - mussten die Soldaten daher absitzen. Dann gab der Kompaniechef den Befehl "Stossen!"Bergab ging es dann sehr viel leichter.

Hergestellt wurde das Fahrrad von den vier in der Eidgenossenschaft ansässigen Firmen Condor, Schwalbe, Caesar und Cosmos. Sie produzierten das Gefährt exklusiv für das Schweizer Militär. Jeder Hersteller hinterließ dabei an den Einzelteilen seine individuellen Stempelsymbole. So lässt sich ein original belassenes Fahrrad bis heute leicht identifizieren. Die fortlaufenden Produktionsnummern von 001 im Jahr 1905 bis zur Seriennummer 68614 im Jahr 1988 sind rechtsseitig an der Sattelaufnahme eingeschlagen, gegenüber das Produktionsjahr des Rades.

Ob seiner unverwüstlichen Bauweise war das "Ordonnanzrad 05" tatsächlich für die Ewigkeit konzipiert. Doch die Schweizer Militärplaner hinderte dies nicht daran, sich mit dem modernen Leichtbau anzufreunden. Erstmals 1993 kam der technisch zeitgemäße, ästhetisch jedoch bei weitem uncharmantere Nachfolger zum Einsatz.

Die Armee entschied sich für eine andere Variante und versteigerte die Velos nach und nach auf Auktionen - und brachte so auch das unbewaffnete Fußvolk in der Eidgenossenschaft und über deren Grenzen hinaus in den Genuss dieses Qualitätsproduktes.

Die Zahlen (Jahrgänge, Seriennummer) haben die Hersteller selber einstanzt. Die GRD oder KTA (Kriegtechnische Abteilung) haben die Kontingente für die Hersteller festgelegt (und ihnen somit auch den Nummernpool vorgegeben). Ein Kontrolleur der Armee hat dann nach Liefereingang noch seinen Stempel draufgetan. (Oft sichtbar leicht rechts oberhalb der Seriennummer). Deshalb war eine durchgehende Nummerierung von 1 bis über 68400 über 83 Jahre möglich.

Von 1905 - 1961 waren diese relativ gross, 6-eckig und mit einem Schweizer-Kreuz sowie teilweise mit einem Buchstaben (A - E) plus einer individuellen Nummer versehen. Die Schilder mit dem Buchstaben E sind vermutlich nur in äusserst geringer Menge ausgegeben worden. Während des zweiten Weltkrieges rückten vermutlich einzelne Soldaten mit ihrem eigenen Velo ein.

Ca. Seit 2003 gibt es nur noch die roten Velo-Schilder (nun 5-stelliger Kontrollzahl) für die Militärverwaltung (M), die Regie-Betriebe und die Bundesverwaltungen ohne eigene Kennzeichen (PR) sowie auch für den Zollverwaltung (ZD). Die Militär-Fahrräder hatten seit Einführung der neuen, kleinen roten Velonummern EUR_CH_Milit_MC_Old.jpg ab 1962 noch zusätzlich oben beim Gepäckträge ein rechteckiges Nummern-Schild in grau mit weisser Nummer und oben ein Schweizerkreuz Das Schild galt als individuelle Registriernummer.

Ab 1962 - 2003 gab es die kleineren Veloschilder im Ausmass analog der kantonalen Schilder.. Vorerst wurden die Armee-Fahrräder der diversen Truppen (ausgenommen Radfahrer-Truppen) mit diesem Kontrollschild versehen.

Und ab 1962, nach Abschaffung der alten sechs-eckigen Kontroll-Schilder und anlässlich der Einführung der neuen, roten Veloschilder, wurden sämtliche Ordonnanz- und Armee-Fahrräder nebst dem Fahrrad-Kontrollschild zusätzlich noch mit einem Registrier-Schild (so genannte Zeughaus-Nummer) versehen, das hinten beim Sattel befestigt war, wobei die Armee-Fahrräder die Nummern 1xxxx - 9xxxx, die Veloanhänger hingegen eine dreistellige Zahlen mit den Nummern 1 - 999. hatten.

Folgende Firmen bauten die Ordonnanz-Velos für die Schweizer Armee (das Modell MO 05), nämlich die jurassische Firma Condor SA, Courvaifre von 1905-1988, die Firmen Schwalbe AG (Gebr. Rüegg) Riedikon/Uster von 19007-1951 und die Firma Cosmos (B. Schild & Cie. AG), Biel. von 1905-1979.

Liste der Hersteller des Ordonnanzrad 05

Hersteller Produktionszeitraum
Condor SA, Courvaifre 1905-1988
Schwalbe AG (Gebr. Rüegg) Riedikon/Uster 1907-1951
Cosmos (B. Schild & Cie. AG), Biel 1905-1979
Zesar AG, Nidau 1945-1965
Maschinen-Fabrik Gränichen AG, Gränichen 1952-1959

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