Die KSB - Klügel Schwinn Beschläge GmbH, ein Hersteller von Zierbeschlägen, befindet sich erneut in einer schwierigen Lage. Aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten wurde dem Insolvenzantrag im Februar stattgegeben. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Mirko Lehnert von der Kanzlei Schiebe und Collegen aus Darmstadt bestellt.
Eine lange Tradition in der Möbelbeschlagindustrie
Seit mehr als 90 Jahren behauptet sich die Marke Schwinn auf dem Markt für Möbelzierbeschläge. Gegründet wurde das Unternehmen 1932 von Peter Schwinn in Ober-Ramstadt als Kunstharzdreherei mit zwei Mitarbeitern. Es entwickelte sich mit Möbelgriffen, -knöpfen, -füßen und Garderobenhaken zu einem kompetenten Entwicklungspartner für die Wohnmöbel-, aber auch die Küchen- und Badindustrie weltweit sowie für den Fachhandel.
Von der Produkt- und Designentwicklung über den Werkzeugbau und die Produktion bis hin zur vielfältigen Oberflächenveredelung und Montage der Zierbeschläge bekommen Kunden alles aus einer Hand.
Innovation schafft Erfolg, und Erfolg bedeutet Expansion. Deshalb gehören zur Schwinn Beschläge GmbH inzwischen mehrere Tochtergesellschaften an verschiedenen Standorten. Diese Töchter sind entweder auf die Herstellung bestimmter Artikel oder auf den Vertrieb von Produkten innerhalb definierter Marktsegmente spezialisiert.
Zehn Jahre nach Gründung der Schwinn Polska GmbH, welche zunächst als Vertriebsgesellschaft den Zugang zum osteuropäischen Markt erschloss, konnte das Unternehmen 2004 am Standort Krakau ein neues Werk in Betrieb nehmen.
Turbulenzen und Veränderungen in der Unternehmensgeschichte
Viele Turbulenzen schüttelten das Unternehmen kräftig durch. Erstmals kriselte es 2006, als Adam Schwinn wegen Meinungsverschiedenheiten mit seinen Kindern aus dem Unternehmen ausschied. Das Vertrauen der Banken schwand und das Unternehmen musste Insolvenz anmelden.
Zum 1. Januar 2007 erwarb die Beteiligungsgesellschaft Finatem die wesentlichen Anteile der Schwinn GmbH. Die Familie Schwinn stieg komplett aus. Die deutschen Standorte sowie die ausländischen Töchter firmierten fortan unter Schwinn Beschläge GmbH.
Im Dezember 2015 veräußerte die Finatem die Schwinn-Gruppe an die DUBAG Beteiligungsgesellschaft. Doch schon 2019 kam es zur Schließung des Standortes Weimar und zur erneuten Insolvenz.
Mit hehren Zielen startete am 1. Februar 2021 schließlich die KSB GmbH Klügel Schwinn Beschläge. Der Personalchef der insolventen Vorgängergesellschaft Jens Klügel übernahm das Unternehmen samt Marken, Geschmacksmustern und Produkten gemeinsam mit dem - nicht mit der Gründerfamilie verwandten - Co-Investor Sven Schwinn im Rahmen eines Asset-Deals.
Da war die am deutschen Standort Ober-Ramstadt angesiedelte Produktion von Kunststoffbeschlägen bereits stillgelegt. Gefertigt wird fortan zu 90 Prozent bei Schwinn in Krakau, zu zehn Prozent bei Partnerbetrieben in Asien. Die KSB GmbH selbst siedelte sich in Heppenheim an.
Jens Klügel übernahm die Geschäftsführung und Sven Schwinn als Prokurist die Leitung des Vertriebs.
Erneute Insolvenz und die Zukunft der Marke
Jetzt geriet das Unternehmen selbst in Zahlungsschwierigkeiten, so dass Klügel den Gang zum Amtsgericht antreten musste. Dem Antrag wurde am 13. Februar 2024 stattgegeben.
Trotz aller Turbulenzen besteht Schwinn von allen deutschen Marken für Möbel-Zierbeschläge und -Accessoires am längsten. Dieser Besonderheit waren sich auch Jens Klügel und Sven Schwinn bewusst, als sie vor zwei Jahren mit ihrer KSB GmbH die Marke übernahmen. So strebten sie bereits vor dem Nachfrageeinbruch im letzten Jahr einen Sanierungsprozess gemeinsam mit einer Wirtschaftsberatung an.
Noch im Januar waren sie mit 18 Mitarbeitern von Heppenheim nach Darmstadt umgezogen.
Nun steht die Zukunft der Marke aber erneut auf der Kippe.
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