Mountainbike-Schuhe im Test: Der Scott Gravel Pro und Alternativen

Mountainbike-Schuhe müssen vielseitig sein. Ob Cross-Country-Schuh, Tourenschuh oder Enduro-Treter: Es gibt viele verschiedene Modelle für die unterschiedlichen Einsatzbereiche. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Testbericht über den Scott Gravel Pro und vergleicht ihn mit anderen Modellen auf dem Markt.

Scott Gravel Pro im Detail

Der Scott Gravel Pro soll laut Hersteller das Beste aus MTB und Rennsport vereinen. Dafür verpassen die Schweizer ihrem Gravel-Schuh ein nahtloses Obermaterial, das sich weich wie Veloursleder anfühlt, tatsächlich aber aus Kunststoff besteht und an der Innenseite mit einem Mesh-Fenster für bessere Belüftung ausgestattet ist. Auf der Sohle aus einem Nylon-Glasfaser-Verbund wurde ein leichtes Profil aus Sticky-Rubber aufgebracht - diesen Gummi nutzt Scott auch für seine MTB-Schuhe.

Das Gummi am Scott ist angenehm griffig. Trotz des schmalen Profils steht man nicht zu kippelig im Schuh.

Boa-Verschluss und Anpassung

Für Halt im Schuh soll ein einzelner Boa L6-Drehverschluss sorgen. Wir finden: Nicht optimal, denn gerade im vorderen Bereich läuft das Boa-Seil nicht mehr sauber durch die Schlaufen und sorgt so nicht für ideale Anpassung. So sitzt der Schuh entweder an den Zehen etwas locker, oder am Spann zu fest.

Im Inneren des Gravel Pro spendiert Scott eine etwas stabilere Einlegesohle mit leichter Pelotte, die den Fuß angenehm stützt. Zusätzliche Features wie eine Gummierung an der Ferse für besseren Halt oder eine Skala zur Cleat-Montage sucht man bei diesem Preispunkt allerdings vergeblich.

Ich würde mir nie einen Schuh mit nur einem einzelnen Drehverschluss kaufen. In der Vergangenheit habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sich damit der Schuh einfach nicht optimal anpassen lässt. - Peter Nilges - BIKE-Testchef

Sicherer Stand und Steifigkeit

Die schmale und bequeme Passform des Scott hat uns ansonsten aber durchaus gefallen. Der Halt an der Ferse ist ebenfalls gut, ohne dass der Schuh dabei irgendwo drücken würde. Durch seine flache Bauweise steht man mit dem Gravel Pro recht sicher auf dem Pedal. Auch wenn das Labor mit 339 N/mm eine ordentliche Steifigkeit attestiert: Bei harten Antritten spürt man durchaus etwas Flex an der Scott-Sohle.

Laufkomfort

Überraschung beim Laufen: Obwohl das Profil recht schmal ausfällt, fühlt man sich mit dem Scott recht sicher auf Schiebepassagen. Das liegt zum einen an der recht flach bauenden Profilierung, zum anderen an der griffigen Mischung des Sticky-Rubber-Gummis.

Scott Gravel Pro - Infos & Preis

  • Preis: 160 Euro
  • Gewicht (Größe 46): 775 Gramm
  • Größen: 38-48; keine halben Größen
  • Sohle / Steifigkeit: Nylon-Glasfaser / 339 N/mm
  • Made in: Kambodscha
  • Ausstattung: Sticky-Rubber-Profil; Boa L6 Drehverschluss, Einlegesohle mit Pelotte
  • Passform: normale bis schmale Passform; flacher Spann; Länge größengerecht

Der Scott Gravel Pro ist ein bequemer Begleiter auf sportlichen Gravel-Runden und auch abseits der Pedale gut unterwegs.

Bewertung & Fazit

Sicherer Stand, passable Kraftübertragung und hoher Laufkomfort. Der Scott Gravel Pro ist ein solider Allrounder. Das größte Manko am Scott Gravel Pro ist der einzelne Drehverschluss, der keine optimale Anpassung über den gesamten Fuß ermöglicht. Schade, denn der Schuh ist nicht nur richtig bequem, sondern bietet mit seiner schlanken Passform auch sehr guten Fersenhalt. Das Profil ist zwar schmal gehalten, allerdings auch recht flach und griffig - daher läuft sich der Scott im Gelände auch wenig kippelig. Den passablen Laborwert bei der Steifigkeit können wir in der Praxis nicht bestätigen. Die Sohle biegt sich bei harten Antritten spürbar durch. Daher: eher komfortabler Tourer als sprintstarker Racer. Verhältnismäßig gut belüftet.

Alternativen und Vergleiche

Im Gegensatz zu Klickpedal-Schuhen sind Modelle für Flatpedals nicht fest mit dem Pedal verbunden. Schuhe für Klicksysteme werden hingegen über sogenannte Cleats mit dem Pedal verbunden. Je nach Ausführung sind die Schuhe auf klassische Allmountain-Touren oder den Einsatz im Dirt- oder Bikepark zugeschnitten. Im folgenden Abschnitt haben wir uns zunächst den Schuhen für Plattformpedale gewidmet.

Flatpedal-Schuhe im Test

Hier sind einige Alternativen und Vergleiche zu anderen Mountainbike-Schuhen:

Vaude AM Moab Tech

Der Vaude AM Moab Tech bietet das beste Paket in unserem Test, wodurch er verdient unser Testsieger geworden ist. Die ausgeklügelte Sohle bietet top Grip auf dem Flatpedal, aber auch beim Gehen im Gelände. Der Grip auf dem Pedal ist überragend, und das Boa-System sorgt für eine optimale Anpassung an den Fuß. Der Schuh ist komfortabel, vermittelt auf dem Trail ein Gefühl von Sicherheit und schützt zudem den Knöchel.

Vaude AM Moab Mid STX

Der Vaude AM Moab Mid STX bietet einen hervorragenden Grip auf der Pedale. Dank der Sympatex-Membran ist der Schuh wasser- und winddicht und der hohe Schnitt bietet zusätzlichen Schutz vor dem Wetter. Die Sohle ist eine Wucht und bietet stets Grip, egal unter welchen Umständen.

Shimano ET5

Der Shimano ET5 ist ein klassischer MTB-Schuh für Mountainbike-Touren, der gerade beim Pedalieren eine gute Figur macht, mit dem aber dennoch ein paar Meter zu Fuß zurückgelegt werden können. Der ET5 ist ein guter Allrounder und für ausgedehnte Allmountain-Touren im Sommer geeignet, aber weniger für den Parkeinsatz. Er sitzt sehr bequem am Fuß und die steife Zwischensohle überträgt die Kraft optimal auf das Flatpedal.

Specialized 2FO Roost Flat Syn

Der Specialized 2FO Roost Flat Syn ist ein klassischer Flatpedal-Schuh im Sneaker-Design und überrascht mit erstaunlich viel Grip auf dem Pedal. Tatsächlich ist der Specialized 2FO Roost Flat Syn bis dato der Schuh mit dem besten Grip im Test. Selbst bei Nässe kann man sich auf den Grip verlassen. Somit ist der Mountainbike-Schuh ein idealer Begleiter auf Enduro-Touren oder auf schnellen und anspruchsvollen Trails mit dem Big-Bike im Bikepark.

Weitere getestete Modelle

Neben den oben genannten Schuhen wurden auch folgende Modelle getestet:

  • Scott Sport Crus-R Flat Lace
  • O’Neal Traverse
  • Giro Jacket II
  • O’Neal Pinned

Worauf kommt es bei MTB-Schuhen für Trail & Enduro an?

Dabei haben sich die Trail- und Enduro-Schuhe in den letzten Jahren stark verändert. Konnte man früheren Modellen ihren Einsatzzweck förmlich ansehen, ähneln einige von ihnen aktuell eher Skate-Sneakern als Bike-Schuhen. Was nicht verkehrt sein muss, denn die flachen Sohlen stehen gerade auf Pedalen mit Plattform besonders sicher und lassen sich - auch wenn sie nicht maximal steif sind - noch gut berghoch treten. Wer viele Höhenmeter sammelt oder nach der Bestzeit auf der Enduro-Strecke schielt, sollte trotzdem einen Schuh mit steiferer Sohle wählen.

Während man noch vor wenigen Jahren mit kippeligen Profilen durchs Gelände stöckelte, steht man mit dem aktuellen Jahrgang meist fest am Boden verwurzelt. Nahezu jeder Hersteller setzt auf rutschfestes Gummi von Vibram, SUPtraction oder einer Eigenmarke. Doch ein griffiger Name allein macht noch kein gutes Profil. Auf schwach konturierten Sohlen verliert man auf feuchten Wiesen, losem Waldboden oder moosigen Felsen schnell den Halt. Rollen die MTB-Schuhe dann auch noch schlecht ab, hebt es die Ferse schon mal hinten aus dem Schuh.

Das optimale Verschlusssystem

Spannend ist auch die Frage nach dem idealen Verschlusssystem: klassische Schnürung, Drehverschluss, Klett oder eine Kombination aus verschiedenen Optionen?

Drehräder lassen eine feine Anpassung auch während der Fahrt zu. Bei nur einem Rädchen fehlt es jedoch meist an Spannung im Bereich der Zehen. Die klassische Schnürung ist zwar etwas aufwendiger, dafür lassen sich die MTB-Schuhe über den gesamten Bereich sauber an den Fuß anpassen. Tipp: Fädelt man die Schnürsenkel von außen nach innen durch die Laschen, halten sie beim Schnüren besser die Spannung. Flache Senkel funktionieren in der Regel zudem besser als runde.

Optimal ist allerdings weder die eine noch die andere Variante, denn erst in Kombination mit einem Klettverschluss wird ein “Schuh” draus. Sowohl in Verbindung mit einem Drehverschluss als auch mit Schnürsenkel bringt ein einfacher Klettriemen zusätzlich Spannung und fixiert den Fuß. Das verbessert nicht nur die Kraftübertragung, sondern verhindert auch, dass es beim Schieben die Ferse lupft. Gerade in Verbindung mit eh schon nassen Socken könnte das sonst für unangenehme Reibung sorgen und der Tour ein jähes Ende bereiten.

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