Wenn aus dem Auspuff einer Harley-Davidson Sportster nur ein müdes "Pffftpfffftpffft" entweicht, anstelle des erwarteten, kernigen "Potatopotatopotato", dann besteht dringender Handlungsbedarf - besonders bei US-amerikanischen Schwermetall-Motorrädern.
Der Einstieg in die Harley-Welt beginnt bei rund 8500 Euro für eine 883er Sportster. Wer mehr Hubraum wünscht, kann ab 10795 Euro eine XL 1200 X Forty-Eight erwerben. Diese Angebote beinhalten neidische Blicke von Autofahrern, beeindruckte Nachbarn, die Mitgliedschaft in einem großen Wochenendrocker-Club und ein unbezahlbares Grinsen bei jeder Tour. Doch eines fehlt bei Harleys Einstiegsdroge: ein anständiger Sound.
Obwohl die größeren Harley-Modelle ab Werk soundtechnisch etwas besser abschneiden, fällt das Problem durch serienmäßige Klappensysteme im Auspufftrakt weniger auf. Dyna, Softail und Touring-Modelle klingen serienmäßig zumindest langweilig, während eine Sportster im Serientrimm oft als unbefriedigend empfunden wird. Das Thema ist längst kein Nischenproblem mehr, da Harley einen bedeutenden Platz in den Zulassungsstatistiken einnimmt und die Forty-Eight regelmäßig zu den meistverkauften Motorradmodellen in Deutschland zählt.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich die aktuelle Sportster in Bezug auf den Auspuff nur unwesentlich von Modellen des Jahres 2004 unterscheidet. Obwohl die Sportster 2007 eine Einspritzanlage erhielt, die theoretisch einen großen Schritt in Richtung Emissionsreduzierung darstellte, passt ein neuer Auspuff auch an ältere Modelle und umgekehrt. Es ist wichtig, die Angaben der Auspuffanbieter zu beachten, da nicht alles, was technisch möglich ist, auch zulassungstechnisch erlaubt ist. Hierbei ist besonders auf die Einhaltung der Fahrgeräuschwerte von 80 dB(A) zu achten.
Die Herausforderung eines Testfelds
Ein erster Versuch, ein interessantes Testfeld zusammenzustellen, scheiterte im Sommer 2012. Ob dies an mangelnder Lieferfähigkeit, Ignoranz, Desinteresse, Trägheit oder unprofessioneller Pressearbeit lag, war nicht immer klar. Es fiel jedoch auf, wie abgeschottet ein Teil der Harley-Zubehör-Szene immer noch agiert. Einige Anfragen wurden einsilbig abgelehnt, andere blieben unbeantwortet.
Umso erfreulicher war es, dass beim zweiten Versuch auch Anbieter zusagten, deren Anlagen zuvor noch nicht serienreif waren. Die Teilnahme von Miller und Dr. Jekill & Mr. Hyde erwies sich als Glücksfall, da ihre brandneuen Anlagen eindrucksvoll zeigten, wozu gut gemachte Auspuffanlagen an einer Harley fähig sind. Diese beiden Anlagen repräsentieren die Extreme in diesem Test: die günstige Slip-on-Anlage von Miller, die auch von ambitionierten Hobbyschraubern montiert werden kann, und die Jekill & Hyde-Anlage mit elektronisch gesteuertem Klappensystem, deren Montage nur von Profis durchgeführt werden sollte und die inklusive Einbau über 2000 Euro kostet.
Professionelle Unterstützung
Für den professionellen An- und Umbau der Auspuffanlagen holte sich MOTORRAD Unterstützung von Lucas Schmidt von der Harley-Factory in Frankfurt. Schmidt, ein erfahrener Schrauber, verfügt über umfangreiches Fachwissen und Zugang zu einem Dynojet-Prüfstand, auf dem alle Anlagen ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen mussten.
Testkandidaten im Detail
Im Folgenden werden einige der getesteten Auspuffanlagen detailliert beschrieben:
- Harley-Davidson Original: Optisch passend, aber soundtechnisch unbefriedigend.
- Akrapovic Slip-on: Auffälliger Kantenlook, aufwendige Verarbeitung, toller Sound, aber zu laute Fahrgeräusche.
- Jekill & Hyde Shorty Big Shot: Brachialer Sound, Einhaltung der Grenzwerte, fette Drehmomentwelle.
- Sebring Classic: Ähnlich dem Original, sowohl optisch als auch klanglich, geringe Leistungsausbeute.
- Termignoni HD 05: Fette Drehmomentausbeute, aber schwacher Sound und mäßige Passform.
- Zard Z HD 527 SKO-CR: Komplettanlage mit mehr Schub, aber schriller Sound und kleine Mankos beim Finish.
Testergebnisse
Jenseits des subjektiven Klangerlebnisses erfolgte eine Punktewertung des Schalldämpfertests. Die preiswerteste Anlage im Test, Millers Silverado-Dämpferpaar, überzeugte mit einem guten Gesamtpaket aus Leistung, Drehmoment und moderatem Fahrgeräusch. Jekill & Hyde meisterten die Geräuschhürde mit einem ausgefeilten Klappensystem und schöpften noch einmal richtig Leistung aus dem V-Twin, was jedoch mit hohen Kosten verbunden ist.
Tabelle: Übersicht der getesteten Auspuffanlagen
| Auspuffanlage | Gewicht | Leistung | Sound | Preis | MOTORRAD-Urteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Harley-Davidson Original | 7,3 kg | 48 kW/65 PS | Leise, verhalten | 954 Euro | Befriedigend |
| Akrapovic Slip-on | 7,3 kg | +4,4 % | Kernig, bissig | 1448,23 Euro | Befriedigend |
| Jekill & Hyde Shorty Big Shot | 7,6 kg | +13,5 % | Vibrierend | ab 1639 Euro | Sehr gut |
| Sebring Classic | 5,4 kg | -0,4 % | Leicht bollernd | 1150 Euro | Befriedigend |
| Termignoni HD 05 | 5,6 kg | -0,8 % | Soft | 929 Euro | Befriedigend |
| Zard Z HD 527 SKO-CR | 5,3 kg | +7,9 % | Krawallig | ab 879 Euro | Gut |
Interview mit Harley-Händler Thomas Trapp
Thomas Trapp, Geschäftsführer der Harley-Factory Frankfurt, gibt Einblicke in die Kundenbedürfnisse und Trends im Auspuffmarkt:
- Jeder zweite Kunde ordert beim Kauf oder spätestens in der ersten Saison einen Zubehörauspuff.
- Der Sound ist das wichtigste Kriterium, gefolgt von Leistung, Marke und Preis.
- Der Markt ist durch den Informationsaustausch in Internet-Foren sehr transparent geworden.
- Der Trend geht zu elektronisch gesteuerten (Klappen-)Systemen.
- Trapps abschließender Tipp: Die Originalanlage aufbewahren, da der Originalzustand bei älteren Harleys immer gefragter ist.
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