Die Geschichte des Mountainbikes begann in den 1970er Jahren in Kalifornien, als eine Gruppe von Radsportlern nach neuen Wegen suchte, sich auf zwei Rädern auszutoben. Noch heute zieren sie mit ihren Namen die Rahmen Hunderttausender Mountainbikes, auch wenn sie damals Teil einer Bande von Nobodys waren, die in den Hügeln von Marin Country um Mount Tamalpais nach neuen Wegen suchten, sich auf zwei Rädern auszutoben.
Die Anfänge: Vorkriegsräder und "Klunker"
Die Gruppe besorgte sich simple und vor allem billige Vorkriegsräder mit breitem Lenker und Ballonreifen, oft von Schrottplätzen oder aus dunklen Kellern. "Wir besaßen zwar alle hochwertige italienische Rennräder, doch für den Alltag waren die fragilen Maschinen einfach zu unpraktisch", erklärte Joe Breeze. Diese Räder wurden als "Klunker" bekannt und gelten als die Vorfahren der heutigen Hightech-Mountainbikes.
Allerdings waren die Räder für den Einsatz im Gelände denkbar ungeeignet. "Bergauf war an Fahren nicht zu denken, stattdessen wurde geschoben und sich auf die Abfahrt gefreut", erinnert sich Charles Kelly, ein weiterer Pionier und wohl der erste Mountainbike-Journalist.
Das Repack-Rennen: Ein Katalysator für Innovation
Im November 1974 geriet das Rad endgültig ins Rollen, als die Routenlegung des "Appetite Seminar" erfolgte. Am Ende des Ausflugs wartete ein 2,1 Meilen langer Bergabritt an der Flanke des Mount Tam: 400 Höhenmeter vernichtete ein Fahrer auf dem kurzen Streckenabschnitt. Tatsächlich sorgte die Kombination aus übermotivierten Piloten und unterdimensionierten Fahrrädern für manch spektakuläre Bodenprobe oder Ausritte in die Botanik am Wegesrand.
Die Kombination aus übermotivierten Piloten und unterdimensionierten Fahrrädern führte oft zu spektakulären Stürzen und Materialschäden. Nach jedem Lauf mussten die Fahrer ihre Naben neu mit Fett befüllen (englisch "to repack") - und verpassten damit dem Serpentinen-Rennen, das ab 1976 regelmäßig ausgetragen wurde, seinen Namen.
Die Rennen waren ein Ansporn für die Weiterentwicklung der Bikes. Unzufrieden mit Fahr- und vor allem Bremsverhalten ihrer Räder, die oft genug nicht mehr als eine Abfahrt überstanden, begannen Breeze, Kelly und Co., mit den ersten Modifikationen ihrer Bikes. An Bauteilen fand alles Verwendung, was Stabilität und Funktionalität versprach. Trommelbremsen und Gangschaltungen, massive Lenker und robuste Bremshebel machten aus den gemütlichen Alltagsrädern martialische Rennmaschinen.
Die ersten Mountainbikes: Joe Breeze und Tom Ritchey
Fakt ist: Joe Breeze konstruierte 1977 das erste Zweirad, das den Namen "Mountainbike" verdient. Die quer durch den Rahmen laufende Zwillingsverstärkungsstrebe zeichnet die ersten Breezer-Bikes aus.
Als nächster versuchte sich der talentierte Schweißer Tom Ritchey am Stollenreifen-Trend. Als er für seine edlen (und teuren) Kreationen einen Vertrieb und vor allem einen Namen suchte, sprangen Fisher und Kelly ein. 1979 gründeten sie mit einigen hundert Dollar Startkapital die Firma "Mountainbikes".
Die Kommerzialisierung des Mountainbikes
Annoncen in BMX-Magazinen und erste Fachartikel, nicht selten von Charles Kelly selbst verfasst, trugen die Botschaft der radelnden Hippies ins Land. Schnell etablierte sich der Begriff des Mountainbikes, und immer mehr Radsportfreunde wollten wissen, was es mit dieser merkwürdigen Erfindung aus der kalifornischen Provinz auf sich habe.
Mit ihrer Kombination aus Offroadfähigkeit, Komfort und Stabilität im Alltag eroberte die Allzweckwaffe auf Stollenreifen schnell die USA - und weckte das Interesse von Mike Sinyard. Als dieser die Produktion seiner Specialized-Bikes nach Asien auslagerte, konnte er Großserien-Räder zu deutlich niedrigeren Preisen anbieten.
Specialized hat den Sport dann mit der Serienfertigung auf die nächste Stufe gehoben. So ließ er sich 1980 von Tim Neenan in Santa Cruz einen Rahmen bauen und gab davon unter dem Namen „Specialized” 450 Stück bei einer Firma in Japan in Auftrag.
Die 1980er Jahre: Der Aufstieg des Mountainbikes
In den 1980er Jahren erlebte das Mountainbike einen rasanten Aufstieg. Viele technische Neuerungen und Publikationen in bekannten Magazinen hatten aus einer kleinen Idee ein überregionales Phänomen werden lassen.
Das Specialized Stumpjumper war 1981 das erste Serien-Mountainbike der Welt. Knapp 750 Dollar kostete das erste Stumpjumper 1981. Die erste Serie verkaufte sich innerhalb weniger Wochen. Das Tor in die weltweite Radszene war aufgestoßen, Mountainbiken konnte vom Hippie-Spaß zur Sportart wachsen.
Technische Innovationen und Meilensteine
Im Laufe der Jahre gab es zahlreiche technische Innovationen, die das Mountainbike revolutioniert haben:
- Aluminium-Felgen: Sie ermöglichten ein neues Fahrgefühl und sparten Gewicht.
- Shimano XT: Die legendäre Schaltgruppe setzte Maßstäbe für Zuverlässigkeit.
- Klickpedale: Sie sorgten für eine feste Verbindung zwischen Fahrer und Maschine.
- Rock Shox One: Die erste Federgabel revolutionierte das Fahrverhalten.
- Kestrel Nitro: Das erste Fully-Mountainbike bot mehr Komfort und Kontrolle.
- Horstlink: Der Viergelenker zähmte die Dämpfer und verbesserte die Fahrperformance.
Die Mountainbike Hall of Fame
Die Mountainbike Hall of Fame in Fairfax bewahrt die Geschichte des Mountainbikes und ehrt die Pioniere des Sports. Joe Breeze und Otis Guy haben sich dafür eingesetzt, dass die Ruhmeshalle von Crested Butte nach Fairfax umsiedelt. Beide wollen nicht nur die gute, alte Zeit konservieren, Sammlern Raum geben, ihre Schmuckstücke auszustellen, sondern auch die Geschichte des Fahrrads für Besucher greifbar machen.
Mountainbike heute
Speziell entwickelte Schalt- und Bremskomponenten, Vollfederung und High-Tech-Materialien lassen die Mountainbikes des Jahres 2009 nur noch entfernt an ihre Urahnen der siebziger Jahre erinnern.
Im Laufe der Zeit sind viele neue Disziplinen entstanden, darunter Cross-Country, Downhill, Dual Slalom und Trial. Das Mountainbike hat sich nicht nur im Rennsektor, sondern auch im Freizeit- und Gesundheitsbereich etabliert.
Die Möglichkeit, abseits der Straßen die Natur zu erleben, übt einen großen Reiz aus. Mountainbiker haben einen großen Aktionsradius und können größere Entfernungen zurücklegen als bei einer Fußwanderung.
Bedeutende Ereignisse in der Mountainbike-Geschichte
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1973 | Idee des Mountainbikes wird geboren |
| 1976 | Erstes "Repack"-Rennen findet statt |
| 1977 | Erstes "echtes" Mountainbike wird konstruiert (Joe Breeze) |
| 1981 | Erste Großserien-Produktion eines Mountainbikes (Specialized Stumpjumper) |
| 1990 | Mountainbiken wird vom Weltverband UCI offiziell anerkannt |
| 1991 | Erster Mountainbike Worldcup |
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