Wie eine Insel im Meer ragt das Sellamassiv, einer der mächtigsten Gebirgsstöcke der Dolomiten, aus dem Grün der Täler. Seine Umrundung, die Sellaronda, zählt zu den beeindruckendsten Fahrten in den Alpen.
Die legendäre Strecke der Sellaronda
Die Runde führt über legendäres Radsport-Terrain: kaum ein Giro d’Italia, der nicht die Abbrüche der Sella-Wände besucht. Vier Pässe umkränzen den Bergstock:
- Im Osten der Passo Campolongo (1.875 m)
- Im Süden das Pordoijoch (2.239 m)
- Im Westen das Sellajoch (2.241 m)
- Im Norden das Grödnerjoch (2.121 m)
Das Pordoijoch, die höchste Passstraße der Dolomiten, war mehrfach Etappenziel: Auf der Passhöhe erinnert ein Denkmal an den fünfmaligen Giro- und zweimaligen Tour-de-France-Sieger Fausto Coppi; zusätzlich, in einer Kehre, wo die Straße zum Sellajoch abzweigt, prangt eine in den Fels eingelassene Gedenktafel für Italiens Radidol der 50er Jahre, samt Zahnkranz und Kurbel.
Der Einstieg in die Runde ist an mehreren Orten möglich. Direkt an der Strecke liegen Kulfuschg, Corvara und Arabba, nur wenig abseits im Südwesten Canazei, im Nordwesten Wolkenstein. Wir empfehlen den Start in Corvara und die Umrundung im Uhrzeigersinn. Der Beginn in Corvara hat einen Vorteil: Der Campolongo als niedrigster Pass ist ideal zum Einfahren. Aber auch vor den anderen Anstiegen braucht sich niemand zu fürchten. Der längste Anstieg, zum Pordoijoch, misst neun Kilometer, kein Pass versucht, den Kletterer mit giftigen Rampen abzuschütteln.
Feiner Asphalt, schöne Kehren, Steigungen um sieben Prozent - da bleibt alle Zeit, die grandiose Landschaft zu genießen. Einmal im Jahr sogar autofrei: beim Sella Ronda Bike Day.
Sella Ronda Bike Day
Meistgelesene Artikel123Foto: Markus GreberAm Sonntag zuvor, den 18. Juni 2017, sind die Pässe Campolongo, Falzarego und Valparola für den motorisierten Verkehr gesperrt. Drei Pässe, drei Provinzen und drei ladinische Täler beteiligen sich am Dolomites Bike Day. Die Teilnahme ist kostenlos.
Die Strecke zieht einen Kreis vom Start in Alta Badia bis nach Arabba, dann in das Tal von Livinallongo, quert den Campolongo-Pass, um dann weiter zum Falzarego-Pass und Valparola-Pass zu verlaufen und die Orte La Villa und Corvara zu erreichen, wo sich der Kreis schließt. Die gesamte Route, die von 10 bis 15 Uhr für den Verkehr gesperrt ist, hat eine Länge von 51 Kilometern und einen Höhenunterschied von 1.290 Metern. Dabei wird empfohlen, die Strecke gegen den Uhrzeigersinn zu durchfahren.
Diese Route ist Teil der Strecke des Maratona dles Dolomites und eine der Passagen bei der hundertsten Ausgabe des Giro d’Italia.
Informationen zur Sellaronda
Streckendaten
- Asphaltqualität: gut bis sehr gut
- Schwierigkeit: mittelschwer
- 1.771 Höhenmeter
- Max. 11% Steigung
Startort
Corvara (1.530 m), mehrere gebührenfreie Parkplätze im Ort. Anfahrt über Brennerautobahn A22, Ausfahrt Brixen zur Staatsstraße 49, kurz vor Bruneck auf die SS244
Öffnungszeiten
Genaue Auskunft gibt der Verkehrsbericht der Provinz Bozen: Telefon 0039/0471/200198 oder im Internet unter www.provinz.bz.it
Verpflegung unterwegs
Restaurants gibt es in Corvara und Arabba sowie auf jeder Passhöhe, am Pordoijoch auch drei Kilometer davor. Kurz nach dem Abzeig zum Grödnerjoch liegt das Chalet Gérard, kurz vor Corvara (Km 47,2) der Kolfuschger Hof.
Sehenswertes
Überall atemberaubende Nähe zu den Wänden des Sellastocks.
- Campolongopass: Schöner Blick auf Corvara und Hausberg Sassngher.
- Pordoijoch: ab 1.900 Meter Höhe Blick auf die Tofana-Berge.
- Sellajoch: kurz vorm Pass der Blick auf Grohmannspitze, Fünffingerspitze und Langkofel.
- Grödnerjoch: Langkofel im Westen, Fanes-Gruppe im Osten.
Verkehr
Viel Verkehr, vor allem an Pordoiund Sellajoch. Auch bei Motorradfahrern sehr beliebt. Meiden Sie die Sommerferien, vor allem den August!
Karte
Straßenkarte "Trentino, Südtirol", 1:200.000 - Carta stradale d’Italia 3; Touring Club Italiano, Vertrieb Travel House Media, 7 Euro
Infotourismusverband Alta Badia
Str. „53 Kilometer, 1.637 Höhenmeter und vier legendäre Pässe: kein Thema mit dem E-Bike. Wer sich auspowern möchte, nimmt das Rennrad.“ Zack! Der Trigger war gesetzt. Dafür hatte die harmlose Beschreibung im Pressereisen-Programm nach Alta Badia gereicht.
Wir fahren uns warm, mit der Nordseite des Sellastocks im Rücken. Das erste Ziel: der Grödnerpass.
Eigene Erfahrung: Sellaronda mit dem Rennrad
Insgesamt sollte ich in 18 Tagen sieben Touren bewältigen, besonders erwähnenswert vielleicht: die zwei schweißtreibenden Tage, an denen ich jeweils dreimal hintereinander den Aufstieg zum Hohen Peißenberg abreiße. Das ist recht zach und trotz aller Schönheit des oberbayerischen Pfaffenwinkels ein wenig repetitiv.
Dann rollts! Immer im Angesicht des beeindruckenden Sellastocks aus hellgrauem Kalkstein, der wie die gesamten Dolomiten einst unter dem Meeresspiegel lag, kurbeln wir uns die stetigen Steigungen hinauf. Die Passstraßen sind von 8:30 Uhr bis 16 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. So sind mein Rennrad-Freund und ich seit unserem Start in Corvara morgens um neun ungestört in der wahrhaft beindruckenden Bergwelt Alta Badias unterwegs.
Wir fahren, wie empfohlen und von fast allen Teilnehmer:innen befolgt, gegen den Uhrzeigersinn. Die Stimmung ist so friedlich und entspannt wie angekündigt. Auf Zeit fährt hier niemand. Ab Passo Pordoi, dem mit 2.239 Metern höchsten Punkt der Sellaronda, werden wir in Venetien unterwegs sein, bevor wir auf dem 1.875 Meter hohen Campolongo nach Alta Badia zurückkehren.
Ins Keuchen um uns herum mischen sich immer wieder Gelächter und Scherze, auf ladinisch, italienisch, deutsch aber auch englisch und holländisch. Wir sind viele - an die 10.000, die allermeisten auf dem Rennrad, einige auf dem E-Bike. Das ist im Gegensatz zur Maratona dles Dolomites heute ja erlaubt.
Unter mir zeichnet sich der Schatten meiner Füße und Pedale ab, die sich heben und senken, heben und senken. Die Beine halten, der Tritt ist gleichmäßig, auch Atem und Puls bleiben unter Kontrolle. Auf den steilsten Stücken, selbst beim dritten Anstieg aus dem Fassatal zum Passo Pordoi hinauf, auf dem immerhin 600 Höhenmeter bewältigt werden müssen, ersticken aufmunternde Worte meines Bike-Spezls drohende Tourette-Anflüge im Keim.
Letzte Zweifel pustet mir auf den rasanten Abfahrten der Fahrtwind aus den Hirnwindungen heraus. Denn jetzt fliegt mir gesprenkelter Asphalt nur so entgegen, knattert die Windjacke vorlaut im Fahrtwind und steigt die Euphorie mit jedem km/h. Nach 3 Stunden und 49 Minuten ist es geschafft. Das Rennrädchen und ich haben die Sellaronda bezwungen.
Hinweise für die Sellaronda
Wer die Runde ohne Motorengeräusche erleben will, muss zum Sellaronda Bikeday kommen. Wer spektakuläre Ausblicke mag, wird die Dolomiten lieben 🤩 Die Gegend ist ein echtes Pass-Paradies und wir konnten einen kleinen Teil davon mit dem Rennrad erkunden. Wir kamen vor allem für die Sellaronda, aber waren begeistert von den vielen möglichen Touren, die wir aber wetterbedingt bei weitem nicht alle ausprobieren konnten.
Bei der Sellaronda mit dem Rennrad fährt man ebenfalls einmal um den Sellastock herum, auf Straßen und über insgesamt vier Pässe. Die Runde selbst führt über 53 Kilometer und 1650 Höhenmeter und je nachdem, von wo aus gestartet wird, kommt dann noch ein bisschen was oben drauf. Empfohlen wird, gegen den Uhrzeigersinn zu fahren.
Wer die Sellaronda gerne ohne motorisierten Verkehr, dafür mit ganz vielen anderen Radfahrer*innen in Angriff nehmen möchte, hat am Sellaronda Bike Day die Möglichkeit dazu. Dabei gibt’s sogar einen Materialservice und einen Besenwagen.
Die Pässe im Detail
Passo Campolongo
Der Passo Campolongo ist die einfachste Aufgabe heute. Gerade mal 300 Höhenmeter sind es hinauf und auch die Steigung ist nicht wirklich dramatisch. Dafür ist der Ausblick auch eher mäßig im Vergleich zu den bisherigen Anstiegen.
Passo Pordoi
In Arabba angekommen erreichen wir einen Kreisverkehr, und von da geht’s gleich wieder bergauf, hoch zum Pordoijoch. Das Wetter hat sich jetzt langsam definitiv für Regen entschieden und so platscht immer wieder ein ergiebiger Bergregen auf uns herab. Einfach treten, einfach treten. Die Wolkendecke gibt aber immer wieder den Blick auf den Sellastock frei und es ist einfach auch mit Mistwetter wunderhübsch.
Sellajoch
Ich passiere endlich die Abzweigung zum Sellajoch, dessen Anstieg wir heute morgen schon bewältigt haben, und weiß: jetzt ist es nicht mehr weit hinunter. Die Kehren kurz vor Canazei sind mit den inzwischen eiswürfeligen Fingern noch etwas herausfordernd, aber auch das bekomme ich noch hin, bevor ich dann die letzten paar Kilometer leicht abschüssig wieder nach Pozza die Fassa zurückschwimme, äh -fahre.
Grödner Joch
Von hier erreicht man Plan de Gralba und folgt links der Staatsstraße S.S.
Zusätzliche Informationen
Die Passstraßen rund um den beeindruckenden Sellastock bleiben an zwei Tagen im Jahr von 08.30 - 16.00 h für den Verkehr gesperrt und somit uns Radfahrern vorbehalten. Mit dem Auto fahren wir nach Corvara, wo wir auf den für Radler vorgesehenen Plätzen parken. Von hier radeln wir vorbei an Kolfuschg Richtung Grödner Joch (Runde gegen den Uhrzeigersinn).
Technisch keine Schwierigkeit, aber Ausdauer erforderlich! Untergrund/Wegeart: 100% Asphalt
Empfohlene Ausrüstung
- Helm, Handschuhe und geeignete Kleidung enstprechend der Tour und der Wetterprognosen.
- Voll aufgeladenes Navigationsgerät mit gespeichertem Track.
- Multitool und Erste-Hilfe-Set.
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