Eve Scheer: Vom Renncockpit zum ServusTV-Mikrofon

Eve Scheer ist ein bekanntes Gesicht im Motorsportfernsehen. Doch hinter der charmanten Moderatorin steckt eine Frau mit Benzin im Blut, die ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht hat.

Die Anfänge einer Motorsport-Leidenschaft

Schon in ihrer Kindheit war Eve Scheer vom Motorsport fasziniert. "Schon als Kind war ich allem gegenüber affin, was Räder hat. Ich hatte eine Carrera-Bahn und ein Kettcar. Mit zwölf hat mich mein Papa zum ersten Mal zur Formel 1 mitgenommen." Dieser Besuch entfachte in ihr den Wunsch, Rennfahrerin zu werden. "Ab diesem Zeitpunkt wollte ich so gerne Rennfahrerin werden. Aber welche Eltern haben damals ihre Tochter in ein Go-Kart gesetzt?"

Mit 16 Jahren machte sie den 80er-Führerschein, und an ihrem 18. Geburtstag hatte sie den Auto- und Motorradführerschein in der Hand. "Ich wollte schon immer mobil sein, schnell fahren und habe deshalb dann an Rennstreckentrainings teilgenommen. Dabei habe ich auch gleich meine Rennlizenz am Nürburgring gemacht."

Eigene Rennerfahrung im Automobilsport

Mit Glück und Hartnäckigkeit schaffte es Eve Scheer, als Fahrerin in den Motorsport einzusteigen. "Ich war 8 Jahre in verschiedenen Markenpokalen und Meisterschaften unterwegs, so zum Beispiel im Alfa147-Cup, der Mini Challenge, im Porsche Sports Cup und dem VW Scirocco-Cup im Rahmen der DTM."

Dabei durfte ihre absolute Lieblingsstrecke, die Nürburgring Nordschleife, nicht fehlen, wo sie dreimal beim 24h-Rennen an den Start ging. "Meine Porsche-Saison 2006 war sicher meine beste Saison. Ich war gut vorbereitet, durfte im sehr erfahrenen und erfolgreichen Team Tolimit fahren und hatte Ex-F1-Pilot Timo Glock als Coach an meiner Seite. Das war sehr professionell, vor allem auch durch etliche Tests im Vorfeld der Saison." Ihr letztes aktives Jahr als Fahrerin im modernen Motorsport war 2011.

Der Wechsel zur Moderatorin

Parallel zum Rennfahren ergaben sich für Eve Scheer Chancen zur Moderation. "Durch das Einsteigen ins Rennauto haben sich parallel Chancen zur Moderation ergeben. Es war eine perfekte Synergie. Denn für Unternehmen und Firmen war es von Anfang an spannend und authentisch, eine Moderatorin zu haben, die Fahrer, Sportchefs oder Ingenieure interviewt, die selbst die Cockpit-Perspektive kennt und vor allem ein großes Herz für den Motorsport hat. Es gab damals nicht viele Mädels, die selbst gefahren sind."

Ihre Erfahrungen als Rennfahrerin halfen ihr, sich als fachkundige Field Reporterin zu etablieren. Sie profitiert von der Disziplin, die sie bei den Soap-Drehs gelernt hat und legt viel Wert auf eine umfangreiche Vorbereitung.

Eve Scheer bei ServusTV

2019 verstärkte Eve Scheer das Moderatorenteam von ServusTV für die MotoGP-Übertragungen. "ServusTV hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Es gab dann in Salzburg ein ganz klassisches Casting, und auch danach hat man mich wieder angerufen und mir gesagt, dass man gerne mit mir zusammenarbeiten möchte."

Gemeinsam mit Andrea Schlager moderierte sie abwechselnd die Rennen und führte Interviews mit Fahrern und Teammitgliedern. "Beim Saisonauftakt in Katar wird das komplette Team vor Ort sein. Danach werden sich Andrea und ich bei den restlichen 18 Rennen abwechseln. Andrea wird zum Beispiel in Argentinien dabei sein und ich dann in Austin. So haben wir die Saison jeweils zur Hälfte aufgeteilt. Andrea macht ihr Heimrennen auf dem Red-Bull-Ring, während ich bei meinem Heimrennen auf dem Sachsenring bin."

Am Rennwochenende moderiert sie die Sendungen und hat in der Boxengasse Experten wie Stefan Bradl oder Gustl Auinger an ihrer Seite, sowie Alex Hofmann, der zwischen Grid und Kommentatorenkabine hin und her springt.

Faszination für Zweiräder

Obwohl sie lange im Automobilsektor tätig war, hegt Eve Scheer auch eine Leidenschaft für Motorräder. "Da ich gleich mit 18 den Motorradführerschein gemacht habe, habe ich die Szene auch etwas verfolgt. Ich habe schon Ende der 1990er Rennen gesehen, als Max Biaggi und Loris Capirossi vorne dabei waren. Wer kennt sie nicht, Legenden wie Mick Doohan oder Kevin Schwantz."

Besonders angetan ist sie von der Action in der Moto2 und Moto3. "Das sind auch so unfassbar geile Rennen! Vier, fünf, sechs Fahrer bekämpfen sich bis zur letzten Runde, bis zur letzten Kurve, und zeigen so viel Leidenschaft. Nicht nur die MotoGP ist für den Zuschauer großartig, sondern auch die Nachwuchsklassen. So tolle Racer und Persönlichkeiten, die Sportsgeist zeigen und trotzdem miteinander können - das hat mich unglaublich beeindruckt."

Die Rennstrecken aus Fahrersicht

Als ehemalige Rennfahrerin kennt Eve Scheer einige Strecken aus der Fahrerperspektive. "Genau, den Sachsenring zum Beispiel. Dort bin ich selbst Rennen gefahren. Also, es gibt Strecken, die ich noch von meiner aktiven Zeit her kenne, andere von Trackdays wie zum Beispiel Mugello und einige Kurse, die ich als Moderatorin der WEC, zum Beispiel Austin oder Le Mans, gesehen habe."

Ihre Lieblingsrennstrecke ist die Nordschleife. "Die Nordschleife! Dort wird natürlich leider kein Motorrad-Grand-Prix gefahren. Der Sachsenring ist viel kürzer, aber er ist auch eine kleine Berg- und Talbahn mit einigen blinden Ecken. Genau wie Mugello. Man merkt, mir gefallen die älteren, klassischen Rennstrecken besser als die modernen Formel-1-Kurse mit langen Geraden und dann Erste-Gang-Kurven."

Objektivität und Nähe

Als Moderatorin bei ServusTV, das zum Red Bull Media House gehört und Red Bull mehrere Teams und Fahrer sponsert, ist Objektivität wichtig. "Das hat ServusTV schon in den vergangenen drei Jahren gut gemacht. Es wird natürlich die eine oder andere Hintergrundgeschichte mit KTM oder den Red-Bull-Fahrern geben. Aber das muss man auch positiv sehen, denn der Zuseher kommt unglaublich nahe heran. Aber darunter soll die Objektivität natürlich nicht leiden, denn das große Ganze steht im Vordergrund."

Die Erwartungen an die MotoGP-Saison

Eve Scheer freut sich auf eine spannende MotoGP-Saison. "Ich erwarte ein mega spannendes, lautes und spektakuläres Motorsporterlebnis. Natürlich muss ich noch viel lernen, aber ich bin neugierig und freue mich auf den tollsten Motorsport, den man heutzutage im Fernsehen verfolgen kann. Die MotoGP und gerade auch die Moto2 und Moto3 sind von Beginn an bis zur allerletzten Kurve so packend und so spannend. Einen WM-Tipp möchte ich nicht abgeben. Das überlasse ich lieber den Experten."

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