Shimano 105 Kurbel 10 Fach Test: Ein umfassender Vergleich

Früher war alles ganz einfach, zumindest bei den Rennradschaltungen. Eine richtige "Männerkurbel" mit 53er- und 39er-Blättern sowie ein Ritzelpaket mit strammer Abstufung waren allen Rennern gemein - aber so ein Antrieb bringt nur Profis mit Anstand über die Berge. Heute gibt es Übersetzungen, die genauer auf die Bedürfnisse von Rennradfahrern zugeschnitten sind - ob Hobbyradler oder Profi.

Aber die Frage nach dem passenden Antrieb überfordert viele Rennradfahrer, denn zur Auswahl stehen mittlerweile drei Kurbelsysteme:

  • die Standardkurbel mit 39 und 53 Zähnen
  • kürzer übersetzte Kompaktkurbeln mit 50 und 34 oder 36 Zähnen
  • Kurbeln mit drei Kettenblättern.

Kombinieren lassen sich mit allen drei Kurbeln Kassetten von sportlichen 11 bis 19 Zähnen bis hin zu angenehmen 13 bis 29 Zähnen - in der Summe eine unübersichtliche Vielfalt an Möglichkeiten, bei der manche verzweifeln. Egal ob Einsteiger, Tourenfahrer, Rennfahrer oder Alpinist, jeder kann die perfekte Abstufung der Gänge finden. RoadBIKE hilft bei der Suche, erklärt Vor- und Nachteile der drei Kurbelsysteme und gibt Kauftipps für jeden Fahrertyp.

Kurbeltypen: Auswahl bedeutet Freiheit

Als vor rund zehn Jahren Kurbeln mit drei Kettenblättern aus dem Mountainbike-Bereich Einzug bei den Rennrädern hielten, machten die Rennradfahrer ihrem konservativen Ruf zunächst alle Ehre: Die Mehrheit blieb bei der Standardkurbel. Ähnlich argwöhnisch wurde anfangs die Kompaktkurbel beäugt, die dank kleinerem 110-mm-Lochkreis ein 50er- und minimal ein 34er-Blatt beherbergt. Mittlerweile haben aber viele Rennradfahrer den Segen der Auswahl erkannt - und die Nachteile, die sich Hobbysportler mit Standardkurbeln definitiv einhandeln.

Die Standardkurbeln orientieren sich nämlich am Leistungsvermögen von Rennfahrern. Selbst das kleine Kettenblatt mit 39 Zähnen bedeutet einen Übersetzungsbereich, der auf Dauer am Berg Profi-Wattzahlen verlangt. Die überwältigende Mehrheit der Rennradbegeisterten ist aber an Anstiegen selbst bei der Übersetzung 39/25 (das bedeutet ein Übersetzungsverhältnis von 1:1,56) nicht in der Lage, die mindestens 75 Umdrehungen pro Minute zu treten, auf welche sich die Wissenschaft als Untergrenze für einen gelenk- und muskelschonenden Tritt geeinigt hat.

Anders sieht es bei Kompaktkurbeln aus. Kombiniert mit einem 27er-Ritzel bieten sie ein Übersetzungsverhältnis von immerhin 1:1,25 - deutlich, nämlich beinahe 25 Prozent, erträglicher. Für Shimano-Fahrer ist beim 27er-Ritzel allerdings Schluss, mehr Zähne bieten die Japaner nicht an, ihre Schaltwerke sind dafür nicht freigegeben. Sram-Kunden finden immerhin Kassetten mit 28er-Ritzel im Angebot der Amerikaner. Campagnolo bietet gar ein 29er-Ritzel an. Hier muss allerdings ein Campagnolo-Schaltwerk mit mittellangem Käfig montiert werden - die Ritzelpakete der italieni­schen Traditionsmarke sind allerdings nicht kompatibel zu Sram oder Shimano. Wer noch kleinere Übersetzungen will, kann eine Kompaktkurbel mit 34er-Kettenblatt auch mit einer Mountainbike-Kassette fahren, braucht dann aber auch ein MTB-Schaltwerk, das mit den Brems-/Schalthebeln kompatibel ist - und erhält so eine 1:1-Übersetzung.

Dreifachkurbel: Aller guten Dinge ...?

Shimano brachte einst mit der Dreifachkurbel für Rennradgruppen diese Möglichkeit auch ohne Anleihe aus dem MTB-Bereich in greifbare Nähe - mit Shimanos größtem erhältlichem 27er-Ritzel ergibt sich eine Übersetzung von nur 1:1,1. So lassen sich steile Anstiege erträglich meistern - ein Grund, warum passionierte und clevere Alpinisten vorn dreifach fahren.

Stilisten allerdings verwehren sich gegen dreifach, und auch technische Argumente sprechen gegen die Option auf drei Kettenblätter. Etwa das höhere Gewicht von rund 150 Gramm oder die um 1,5 Millimeter nach außen versetzte Kettenlinie. Zudem treten sich Dreifachkurbeln breiter, haben also einen höheren Q-Faktor (Abstand zwischen den beiden Außenkanten der Pedalgewinde).

Nicht unproblematisch ist auch die richtige Justage des speziellen dreifachtauglichen Umwerfers - Shimano weist im technischen Handbuch darauf hin, dass es bei gewissen Rahmenformen zu Schaltproblemen kommen kann -, bei Kurbeln mit zwei Blättern kaum ein Thema. Schließlich erfordert das dritte Kettenblatt selbst bei perfekt justierter Schaltung mehr Aufmerksamkeit beim Schalten, um einen Kettenschräglauf zu vermeiden. Einsteiger sind da oft überfordert. Folgerichtig erleben Kompaktkurbeln derzeit enormen Zulauf als sinnvoller Kompromiss. Sie funktionieren problemlos mit herkömmlichen Umwerfern, obwohl manche Hersteller auch spezielle Kompakt-Umwerfer anbieten. Außerdem erfordert "kompakt" kein großes Mitdenken beim Schalten und erlaubt mit einem möglichst großen letzten Ritzel ordentliche Berg-Übersetzungen. Nur wirklich große Übersetzungen - für Hochgeschwindigkeitssprints oder Attacken bergab - klammert das 50er-Blatt aus.

Darum empfiehlt RoadBIKE nicht nur Einsteigern, sondern jedem Freizeitsportler diese Lösung. Nur wer rennorientiert in die Pedale tritt, braucht Standardkurbeln. Der Umstieg von Standard auf Kompakt ist technisch problemlos, allein die Kettenlänge muss angepasst, zudem der Umwerfer etwas tiefer montiert werden, damit er sauber über den etwas kleineren Blättern der Kompaktkurbel steht.

Der Umstieg auf Kompakt bringt neben einem leichteren Tritt zudem einen Nebeneffekt, der jeden freut: Das Rad wird leichter, bei Kurbeln des gleichen Modells um rund 50 Gramm. So ist der Umstieg auf eine neue Kurbel nicht nur funktionales und optisches Tuning, sondern speckt den Renner auch ab - wie ein Blick auf die von RoadBIKE gewogenen Kurbeln zeigt.

Bei den Top-Modellen liegen zwischen Campagnolos samt Lagerschalen nur 695 Gramm schwerer Record und Truvativs Noir satte 93 Gramm. Auch Shimanos Klassiker Dura-Ace rangiert 72 Gramm hinter Camapagnolos Leichtbauwunder. In der Mittelklasse liegt Shimanos neue Ultegra SL mit 802 Gramm Set-Gewicht vorn, hier haben sich die Japaner richtig ins Zeug gelegt und am Gewicht der Lager und Kettenblätter gefeilt.

Messwerte vergleichen

Aber auch Sram markiert mit der neuen Rival OCT, die dank spezieller Alu-Legierung leichter wurde, einen sehr guten Wert. Erfreulich bei allen genannten Modellen: Trotz des niedrigen Gewichts erreichen sie durchweg Steifigkeitswerte, die auch schweren Fahrern problemlos standhalten. RoadBIKE vermisst im Testlabor beide Kurbelarme separat, da die Antriebsseite konstruktionsbedingt bei jedem Modell steifer ist. Aber auch die schwächeren linken Arme liegen bei fast allen Kurbeln im Testfeld über 80 N/mm. Analog zu den Tretlagersteifigkeiten von Rahmen ist dies der Wert, der für jedes Fahrergewicht uneingeschränkt zu empfehlen ist.

Signifikant unter dieser Grenze liegen die Modelle SL-K von FSA, Force von Sram und Fast Foot von Tune. Deren Steifigkeiten unter 70 N/mm bedeuten zwar für einen Fahrer um 75 Kilo noch keinen deutlichen Nachteil - eine vergleichsweise im selben Rahmen montierte, richtig steife Kurbel fühlt sich beim harten Antritt aber direkter an und trägt so ihren Teil zum Gefühl von sattem Vortrieb bei. Spannend wird sein, ob die Kurbel aus Srams neuer Red-Gruppe die Steifigkeitswerte der Force überbieten kann.

Allerdings ist die Kurbel noch nicht serienreif - genauso wie die neue Dura-Ace-Carbon-Kurbel von Shimano. Eine Sonderstellung im Testfeld nimmt Tunes Fast Foot ein. Die leichteste Kurbel im Test ist auch deutlich die weichste und deshalb nur für leichte Fahrer bis maximal 75 Kilo zu empfehlen.

Ausgewählte Kurbelmodelle im Detail

Im Folgenden werden einige der getesteten Kurbelmodelle detaillierter vorgestellt:

Campagnolo Record

  • Hersteller: Campagnolo
  • Produkt: Record
  • Preis: 525 €
  • Gewicht: 603 g + 92 g
  • Q-Faktor: 145 mm
  • Erhältl. Abstufungen: Kompakt/Standard
  • Erhältl. Kurbellängen: 170/172,5/175/177,5/180 mm
  • Steifigkeiten li/re: 88,3/108,3 N/mm
  • Technik/Aufbau: Technisch eine feine Lösung: feste Kettenlinie durch Festlager rechts, links Loslager und Wellenfeder - aber saubere Montage erforderlich. Die hohlen Carbonkurbelarme der Chorus und Record repräsentieren die hohe Schule der Kohlefasertechnik.
  • Fazit: Campagnolos Top-Modell besticht mit minimalem Gewicht, guten Steifigkeiten und dem überzeugendsten technischen Aufbau. Die beste Kurbel im Test.
  • Testurteil: Überragend

Campagnolo Veloce

  • Hersteller: Campagnolo
  • Produkt: Veloce
  • Preis: 139 €
  • Gewicht: 759 g + 92 g
  • Q-Faktor: 145 mm
  • Erhältl. Abstufungen: Kompakt/Standard
  • Erhältl. Kurbellängen: 170/172,5/175 mm
  • Steifigkeiten li/re: 81,3/107,7 N/mm
  • Technik/Aufbau: Technisch eine feine Lösung: feste Kettenlinie durch Festlager rechts, links Loslager und Wellenfeder - aber saubere Montage erforderlich.
  • Fazit: Für kleines Geld punktet die Veloce mit Gewicht unter Shimanos 105 und guten Steifigkeiten. Zudem überzeugt der technische Aufbau von Campagnolos Kurbeln.
  • Testurteil: Sehr gut

Shimano Ultegra SL

  • Hersteller: Shimano
  • Produkt: Ultegra SL
  • Preis: 219,95 €
  • Gewicht: 713 g + 89 g
  • Q-Faktor: 147 mm
  • Erhältl. Abstufungen: Kompakt/Standard
  • Erhältl. Kurbellängen: 165/170/172,5/175 mm
  • Steifigkeiten li/re: 90,6/114,6 N/mm
  • Technik/Aufbau: Siehe Shimano 105. Unterschied der neuen Ultegra SL zu allen anderen Shimano-Kurbeln ist das 9 Gramm leichtere Lager.
  • Fazit: Der Neuling bei Shimano überzeugt zum anständigen Preis auf ganzer Linie mit niedrigem Gewicht bei sehr guten Steifigkeiten - der neue Preis-Leistungs-Standard.
  • Testurteil: Sehr gut

Sram Rival OCT

  • Hersteller: Sram
  • Produkt: Rival OCT
  • Preis: 219 + 35 €
  • Gewicht: 703 g + 119 g
  • Q-Faktor: 150 mm
  • Erhältl. Abstufungen: Standard
  • Erhältl. Kurbellängen: 170/172,5/175 mm
  • Steifigkeiten li/re: 91,3/136,4 N/mm
  • Technik/Aufbau: Toleranzen des Rahmens werden ausgeglichen und die Lager nicht verspannt, schöne Lösung. Die Kurbel muss fest angezogen sein.
  • Fazit: Dank speziellem Alu leichter als die Normalversion, erreicht die Rival OCT - leider nur als Standardkurbel erhältlich - top Steifigkeiten bei für ihren Preis tollem Gewicht.
  • Testurteil: Sehr gut

Weitere getestete Kurbelmodelle

  • Campagnolo Centaur
  • Campagnolo Chorus
  • FSA SL-K
  • FSA K-Force light
  • Fulcrum Racing Torq R
  • Fulcrum Racing RS
  • Race Face Cadence

Shimano 105 Di2: Eine moderne Alternative

Shimanos 105 Di2 erfreut sich wachsender Beliebtheit im Segment der günstigen, elektronischen Schaltungen. Die Unterschiede zu den darüber angesiedelten, höherpreisigen Elektro-Gruppen der Japaner sind tatsächlich kaum spürbar. Die Hebel liegen angenehm in der Hand, die Ergonomie ist identisch, ebenso die Größe der Schalttasten, die auch gut mit Winterhandschuhen zu bedienen sind.

Die Gänge wechseln knackig und präzise, auch wenn der 105 Di2-Umwerfer für den Kettenblattwechsel einen Wimpernschlag länger benötigt als die Pendants von Dura-Ace und Ultegra. Gegenüber mechanischen Antrieben sind die elektronischen Gangwechsel einer 105 Di2 eine Offenbarung - vor allem unter Vollast. Auch die Bremsen überzeugen: Sie verzögern mit geringer Handkraft, sehr gut dosierbar und auf Wunsch kraftvoll - quietschen bei Nässe allerdings gerne empört.

Die Shimano 105 Gruppe im Detail

Die Shimano 105er Rennradgruppe existiert bereits seit den frühen 80er-Jahren, wird regelmäßig erneuert und bewegt sich heute in der gehobenen Mittelklasse. Hier ist sie die unerreichbare Königin ihrer Preisklasse. Dank hochwertiger Materialien verspricht die Shimano 105er Gruppe erstklassigen Fahrspaß und ein optimales Fahrverhalten. Sie übernimmt meistens alle Innovationen ihrer etwas hochwertigeren “Schwester-Gruppen” Ultegra und Dura-Ace - so bekommst du eine Profi-Ausrüstung zum Anfänger-Preis. Sie eignet sich gleichermaßen für Einsteiger, Amateure wie auch für Profis, die ihr Rad erst nach und nach mit höherpreisigen Komponenten ausstatten möchten.

In der Fahrradtechnik werden sämtliche Teile der Schaltung und der Bremsen an einem Fahrrad als „Komponenten“ bezeichnet. Alle Komponenten zusammen stellen die Gruppe. Die Shimano 105 umfasst natürlich auch sämtliche Komponenten, die nachfolgend kurz vorgestellt werden. Bewegt man sich innerhalb der gleichen Schalttechnik, sind diese Komponenten mit allen weiteren Shimano-Gruppen kompatibel.

Bestandteile der Shimano 105 Gruppe:

  • Umwerfer: Die vordere Schaltvorrichtung.
  • Tretkurbel oder Innenlager: Dank hohler Innenräume besonders leicht.
  • Innenlager: Besteht bei der 105er Gruppe aus Aluminium. Sie sind besonders effizient in der Kraftübertragung.
  • Kette: Überträgt die Tretkraft des Fahrers bis zu 98 % auf das Antriebsrad. Besonders geschmeidig und schmutzabweisend.
  • Bremsen: Bei Shimano 105 hat man die Wahl zwischen einer hydraulischen Scheibenbremse oder einer mechanischen Felgenbremse.
  • Naben: Zentrum des Rades.

Die Shimano 105er Gruppe eignet sich besonders für den Sport- und Fitnessbereich. Sie ist relativ robust und zuverlässig. Sie gilt als eine der ersten wirklich brauchbaren Rennradgruppen und ist definitiv wettbewerbsfähig. Vielmehr ist sie die Allzweckwaffe für ein moderates Budget.

Alternativen zur Shimano 105

Hobby- und AmateurfahrerInnen greifen auch gerne auf die Tiagra, auch aus dem Hause Shimano, zurück. Über der Shimano 105 liegt dann schon die Ultegra - möchte man bei dem japanischen Hersteller bleiben. Diese zählt bereits zu den Topmodellen. Ein weiterer Hersteller ist SRAM. Dieser kommt mit seinen Gruppen Apex und Rival auch nah an Shimano heran. Auch die Italiener mischen in dieser gehobenen Mittelklasse mit. Campagnolo ist mit seinen Gruppen Centaur und Veloce ebenfalls ein ernst zu nehmender Hersteller von hochwertigen Mittelklasse-Gruppen, ist allerdings auch etwas teurer. Letztendlich ist die Wahl der passenden Schaltgruppe aber auch eine Glaubensfrage.

Daneben sollte man noch auf Innovationen, die Verarbeitung, Verfügbarkeiten und natürlich auch auf den Preis achten.

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