Die Shimano 105 ist seit Jahrzehnten eine feste Größe im Rennradbereich und bietet eine ausgewogene Kombination aus Leistung und Preis. In diesem Artikel werfen wir einen detaillierten Blick auf die verschiedenen Generationen der Shimano 105 Schalt-Bremshebel, von den frühen mechanischen Versionen bis hin zu den neuesten elektronischen Di2-Modellen.
Einleitung
Die erste Shimano 105 brachte der japanische Hersteller vor genau 40 Jahren heraus. Die erste Shimano 105-Gruppe trug den Namen "Golden Arrow" und war Verkaufsschlager der 1980er-Jahre. Schnell entwickelte sich die 105 zum Verkaufsschlager und wurde ein Grundstein für die heutige Marktmacht des japanischen Teileproduzenten.
Erstmals wird diese Gruppe nun mit der elektronischen Di2-Technologie ausgestattet, die auch bei den Top-Gruppen Dura-Ace und Ultegra zum Einsatz kommt. Die Shimano 105er Rennradgruppe existiert bereits seit den frühen 80er-Jahren, wird regelmäßig erneuert und bewegt sich heute in der gehobenen Mittelklasse. Hier ist sie die unerreichbare Königin ihrer Preisklasse. Dank hochwertiger Materialien verspricht die Shimano 105er Gruppe erstklassigen Fahrspaß und ein optimales Fahrverhalten.
Sie übernimmt meistens alle Innovationen ihrer etwas hochwertigeren “Schwester-Gruppen” Ultegra und Dura-Ace - so bekommst du eine Profi-Ausrüstung zum Anfänger-Preis. Sie eignet sich gleichermaßen für Einsteiger, Amateure wie auch für Profis, die ihr Rad erst nach und nach mit höherpreisigen Komponenten ausstatten möchten.
Mechanische Shimano 105 im Test
Wir haben die neue mechanische Shimano 105 12fach-Schaltgruppe in der Praxis ausprobiert. Das vorweg: sie lässt die mechanische Ultegra gar nicht vermissen. Die Entscheidung der Japaner, dass es eben keine mechanischen Ultegra- und Dura-Ace-Gruppen mit zwölftem Ritzel geben soll, wird so nachvollziehbarer. Und was die Schaltperformance angeht, gibt’s bei der neuen 105 nix zu meckern.
Ein kurzes Fingertippen mit wenig Kraft, ein Klick - und schon liegt die Kette auf dem nächsten Ritzel. Und das so leise, dass man bei kleinen Gangsprüngen schon mal einen Blick nach hinten riskiert, um zu sehen, ob die neue Shimano 105 wirklich geschaltet hat. Was Shimano mit der neuen Gruppe vorgestellt hat, ist Feinmechanik auf höchstem Niveau. Natürlich gibt es nach wie vor viele, die sich auch eine mechanische Ultegra mit zwölf Ritzeln wünschen, aber nach einer Runde mit der beeindruckend souverän funktionierenden 105 stellt sich die Frage fast zwangsläufig, wie sich eine Ultegra - außer in Sachen Prestige und eventuell beim Gewicht - noch groß abheben könnte.
Ergonomie und Bedienung
Am Cockpit gefällt die verbesserte Ergonomie der STIs, die sehr angenehm in der Hand liegen und viele Griffvarianten erlauben. Die Schalt-Bremshebel der neuen Shimano 105 wurden hinsichtlich ihrer Ergonomie überarbeitet. Dabei floß laut Shimano auch das Feedback von Profi-Rennfahrern in die Entwicklung mit ein. Die Bremsgriffe sind nun - ähnlich wie bei den teureren Top-Gruppen - höher gezogen und die Hebelform wurde angepasst. Dies soll für mehr Kontrolle und Fahrkomfort sorgen.
Schaltleistung
Das neue, komplett überarbeitete Shadow-Schaltwerk erlaubt die bereist erwähnten extrem geschmeidigen Gangwechsel, und auch der Umwerfer hebt die Kette selbst unter Last klag- und problemlos auf das jeweils andere Kettenblatt. Die Schaltvorgänge der 11fach-Gruppe sind aber deutlich leichtgängiger und einen Tick präziser. Von der Top-Gruppe Dura-Ace hat der neue 105-Umwerfer den längeren Hebelarm übernommen, auch hier fällt der etwas geringere Kraftaufwand beim Schalten auf.
Bremsleistung
Weiterhin profitiert die neue 105 von verbesserten Bremsen. Dank des größeren Abstands zwischen Bremsbelägen und -scheiben (wie schon bei der Ultegra Di2 und Dura-Ace Di2) neigt sie weniger zum Schleifen, lässt sich aber dennoch sehr gut dosieren und gefällt mit ihrem präzisen Druckpunkt.
Shimano 105 Di2 im Detail
Seit die revolutionäre Di2-Technologie (steht für: Digital Integrated Intelligence) im Jahr 2009 eingeführt wurde, hat sie sich stetig weiterentwickelt, sodass diese jüngste Version sogar auf ein 12-fach-System erweitert wurde. So kommt die neue 105 Di2 mit 12 Ritzen am Hinterrad. Dank dieses zusätzlichen Ritzels kann auf jede Fahrsituation individuell eingegangen werden, da nun die Gangabstufungen der Kassette noch enger sind. Für vorne gibt es die Auswahl zwischen zwei Kurbelngarnituren - die kompakte Variante mit 50-34 sowie die semi-kompakte mit 52-36 Zähnen. So können steile Aufstiege ebenso wie schnelle Abfahrten optimal überwunden werden.
Auch auf 105-Niveau kommt in den neuen Di2-Hebeln der selbst entwickelte Schaltkreis zum Einsatz, der für sichere, schnelle Signalübertragung und -verarbeitung sorgt und zugleich den Energiebedarf auf ein absolutes Mindestmaß reduziert. So wird das Risiko von Störungen und Interferenzen verringert, die Schaltgeschwindigkeit weiter reduziert und die Akku- bzw. Batterielebensdauer verlängert. Auch die Shimano 105 ist künftig mit einem Zwölffach-Antrieb ausgestattet. Anders als bei den Sram-Gruppen fügt Shimano nicht ein kleineres Zehner-Ritzel hinzu, sondern platziert den „Extra-Gang“ mittig, um kleine Gangsprünge zu gewährleisten.
Bremsleistung und -technologie
Auch das Bremssystem der 105 Di2 wurde neuentwickelt. Das Ziel der Entwickler: ein geringeres Schleifen der Discbrakes, sowie eine vereinfachte Wartung und eine verbesserte absolute Bremspower. Für mehr Sicherheit wurde die Shimano 105er Gruppe, ebenso wie ihre Verwandten, die Dura-Ace und die Ultegra, mit einem optimierten Bremssystem ausgestattet. Bremsvorgänge sind jetzt noch kraftvoller und kontrollierbarer. Die Bremsen reagieren zuverlässig und direkt, obwohl der Belagabstand in der Ruheposition größer ist. Der Entlüftungsprozess wurde ebenfalls vereinfacht, der Bremssattel muss nicht mehr wie bisher vom Rahmen entfernt werden.
Laufräder
Neben den Schalt- und Bremskomponenten stellt Shimano zur Markteinführung der 105 Di2 erstmals auch zwei neue Carbon-Laufräder vor. Die C32- und C36-Laufradsätze ergänzen nun den bei der Einführung der Ultegra und der Dura-Ace vorgestellten C36- und C50-Laufräder. Das C32 Modell verfügt über 32 Millimeter hohe Felgen mit einer Maulweite von 21 Millimeter; das Gewicht des Satzes soll bei 1.502 Gramm liegen. Die Felge beim C46-Satzist 46 Millimeter hoch, hat ebenfalls 21 Millimeter Maulweite und soll 1610 Gramm wiegen.
Shimano 105 vs. Ultegra und Dura-Ace
Die neue 105er funktioniert top. Bei der vorigen 105-Generation (5800) konnte der Eindruck entstehen, Shimano habe ihr absichtlich Innovationen der teuren Ultegra (6800) vorenthalten, um die preisliche Differenz mit technischem Abstand zu rechtfertigen. Ganz anders bei der neuen R7000: Sie steht fast auf der gleichen Innovationsstufe wie die Ultegra R8000. Bei der Shimano 105 R7000 steht am Ende immer nur diese eine Frage: Ist sie gut genug, oder muss es doch die Shimano Ultegra sein? Bisher war die Antwort: Ja, aber ... Bei der neuen R7000 ist es einfacher. Wer auf das Prestige (und eine Elektronik-Schaltung) verzichten kann, fährt mit der neuen 105 bestens. Sie liegt technisch und funktional deutlich näher an der Ultegra, als es bei den Vorgänger-Gruppen der Fall war.
Preisvergleich
Shimano gibt nur die Preise für die einzelnen Bauteile der neuen 105-Di2-Gruppe an. Die Komplettgruppe inklusive Akku und Ladegeräten kostet demnach rund 1838 Euro. Zum Vergleich: Die neue Ultegra-Zwölffachgruppe kostet rund 2415 Euro, die Dura-Ace rund 4180 Euro.
Die Shimano 105 im Einsatz
Die 105 verrichtete ihre Arbeit stets unauffällig und zuverlässig - so wie man das schon von den Vorgängermodellen gewohnt war. Wir haben die Schaltung in unterschiedlichsten Fahrsituationen ausprobiert und uns ausführlich angeschaut, ob die die 2x11fach-Kombination nicht nur am Pendlerrad oder am Crosser, sondern auch auf langen Radreisen mit Gepäck durchs Gebirge überhaupt Sinn macht. Dank der breiter abgestuften Ritzelpakete lassen sich rein rechnerisch auch mit 2×11-fach komfortable, bergtaugliche Schaltumfänge erreichen: 428 Prozent ermöglichen auch Hochgebirgstouren, allerdings nicht mit schwerem Gepäck.
Wir waren nie mit mehr als 12 Kilo Zuladung unterwegs, Touren auf die höchsten Gipfel der Vogesen und des Schwarzwalds waren mit der zur Verfügung stehenden Übersetzung kein Problem. Gegenüber dem 2x10fach-Vergleichsrad machten sich die feineren Abstufungen der Ritzel sehr positiv bemerkbar, zudem waren die Schaltvorgänge der neuen 105 über den gesamten Bereich präziser und vor allem leichtgängiger als die der Vorgängergeneration.
Vor- und Nachteile der Shimano 105
Vorteile:
- Hohes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Zuverlässige und präzise Schaltleistung
- Ergonomische und komfortable Bedienung
- Kompatibilität mit anderen Shimano-Komponenten
- Verfügbarkeit in verschiedenen Ausführungen (mechanisch, Di2)
Nachteile:
- Höheres Gewicht im Vergleich zu Ultegra und Dura-Ace
- Eingeschränkte Übersetzungsoptionen bei einigen Generationen
- Keine elektronische Version vor der Di2-Einführung
Die Generationen im Überblick
Die Entwicklung der 105 (Baujahre - Modellnamen - Besonderheiten):
- 1983-1985 Golden Arrow (105), Fünffach, Unterrohr-Friktionsschalthebel
- 1985-1989 105 (1050/1051) - Sechsfach, UniGlide-Kassettennabe, gerasterte SIS-Unterrohr-Schalthebel (Shimano Integration System). Ab 1987 (1051) siebenfach, Biopace-Kettenblätter, Bremshebel mit Aero-Zugverlegung am Lenker
- 1990-1999 105 SC (1055/1056/1057) - Siebenfach, Dual-Pivot Bremsen, HyperGlide-Kassette und -Nabe.
Fazit
Die Shimano 105 hat über die Jahre ihren Ruf gefestigt, für etwa die Hälfte des Preises annähernd die Funktionen einer Profi-Gruppe zu bieten, wenn man Kompromisse bei Gewicht und Optik eingeht. Die neue 105 wird mit dieser Leistung kaum Marktanteile einbüßen, zu groß ist der Vertrauensvorsprung von Käufern und Herstellern, die auch diesmal nicht enttäuscht werden. Alle Teile funktionieren hervorragend - unbesehen sind sie von einer Top-Gruppe kaum zu unterscheiden. Dazu kommt das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis: Online-Händler offerieren die Gruppe bereits für deutlich weniger als 500 Euro, womit die 105 die günstigste Elffach-Gruppe am Markt ist.
Als Resümee können wir sagen, dass elektronisches Schalten natürlich komfortabler bleibt. Doch die neue mechanische 105 wird all jene begeistern, die mit mechanischen Schaltsystemen kein Problem haben und eine preiswerte, langlebige und sorglose Alternative zu Elektroschaltungen suchen. Ein Erfolg dürfte die Gruppe für Shimano schon deshalb werden, weil sie im Grunde konkurrenzlos ist. Preiswerter als mit der mechanischen 105 lässt sich ein Rennrad mit diesem funktionalen Niveau nicht aufbauen.
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