Shimano Dura-Ace Di2 R9200 12-fach Kassette im Test: Kompromisslose Performance

Die Wahl der richtigen Schaltgruppe für ein High-End-Rennrad wie das Bianchi Oltre ist keine leichte Aufgabe. Nach jahrelanger Erfahrung mit Campagnolo und dem Ausprobieren von SRAM-Neuheiten, fiel die Entscheidung, der Marke aus der Profikarriere noch einmal eine Chance zu geben und die Dura-Ace Di2 R9200 zu testen.

Mit dem Slogan „For those who never compromise“ stellt Shimano seine neue Dura-Ace Schaltgruppe vor und will damit auf die kompromisslose Performance seiner neuesten High-End Rennradschaltung hinweisen. Die größte Neuerung dürfte dabei direkt ins Auge stechen, denn mit einer 12-fach Kassette stockt man nun die Bandbreite noch einmal deutlich auf und bietet im Zuge dessen auch weitere interessante Verbesserungen und Features.

Die Dura-Ace Di2 R9200 im Detail

Schaltperformance

Die Schaltung der Dura-Ace Di2 R9200 überzeugt auf ganzer Linie. Egal, ob im Sprint oder bei langen, schnellen Strecken, das System reagiert blitzschnell und präzise - auch unter Belastung. Die Gangwechsel sind fließend.

Ich habe mich für die Kombination aus 52×36 Kettenblättern und einer 11-34 Kassette entschieden, um maximale Power leisten zu können. Das 54×40 stand zwar auch zur Wahl, aber hier im Ahrtal muss selbst mein Aero-Bike bergtauglich bleiben.

Laut Shimano sollen die Schaltvorgänge am Schaltwerk um 58 % schneller vonstattengehen. Der kleinere Teil davon ist realisierbar, weil die kabellose Kommunikation zwischen STIs und Schaltwerk schneller ist als die verkabelte Kommunikation bei der Vorgängerversion. Der größere Teil soll aus Hardwareverbesserungen kommen - sprich: Das Bauteil selbst bewegt sich einfach schneller.

Ergonomie und Handling

Die Hebel sind eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorgängern. Die neu gestalteten Taster sind besser zu erreichen und klarer zu unterscheiden. Der längere Hebelweg ermöglicht eine feinere Dosierung der Bremskraft.

Gerade durch Anpassungen im Millimeterbereich konnte die Ergonomie der Griffe deutlich verbessert werden und uns im Test von der ersten Sekunde an bis über viele Stunden hinweg einfach nur überzeugen. Im Detail verwendet Shimano für die bessere Ergonomie einen erhöhten Griff-Kopf mit einer leichten Kurve nach Innen und bietet zudem eine vergrößerte Fläche zwischen dem Schalthebel und dem Lenker.

Eine weitere Änderung ist der vergrößerte Versatz zwischen den Di2-Tasten am Hebel, der eine bessere Unterscheidung zwischen der Hoch- und Runterschalttaste ermöglicht, insbesondere auch mit Handschuhen oder nassen Fingern.

Bremsleistung

Der größere Belagsabstand hat das lästige Schleifen der Bremsscheiben endlich beseitigt. Die Bremsen greifen präzise zu, ohne viel Handkraft zu erfordern. Besonders bei hohen Geschwindigkeiten ist die Dosierbarkeit top. Kein Quietschen, kein Rubbeln - nur konstante, kraftvolle Bremsleistung.

Durch die neue Servo Wave-Technologie, die von Shimanos MTB- und Gravel-Bremssystemen übernommen wurde, haben Fahrer einen kürzeren Weg bis die Bremse greift und können eine direktere Verbindung zwischen Bremsbelägen und Bremsscheiben herstellen, was ein besseres Federn oder eine bessere Modulation der Bremsen ermöglicht, was zu mehr Vertrauen in technischen Situationen führt.

Semi-Wireless Lösung

Die semi-wireless Lösung von Shimano war zunächst ungewohnt. Die komplett kabellose Lösung von SRAM fand ich immer praktisch, aber ich habe mich schneller an Shimanos semi-wireless Setup gewöhnt, als ich dachte.

Der einzige Haken: Man darf das Aufladen nicht vergessen. Bei SRAM war ich es gewohnt, einfach einen Ersatzakku zu packen. Im schlimmsten Fall konnte ich sogar den Akku vom Umwerfer zum Schaltwerk wechseln, um die Fahrt noch halbwegs fair zu gestalten, falls der Strom zur Neige ging. Mit Shimano gibt’s diese Option nicht.

Die neuen kabellosen Schaltgriffe benötigen natürlich auch das entsprechende Pendant, um das gesendete Signal empfangen und verarbeiten zu können. Hier spielen vor allem die neuen Shimano Dura-Ace und Ultegra Schaltwerke einen entscheidende Rolle, denn durch die neue Plattform agieren diese nicht mehr nur als Gangwechsler, sondern nehmen eine zentrale Rolle in der Steuerung des gesamten Systems ein.

Zum einen ist das Schaltwerk der Punkt an dem die neue Dura-Ace und Ultegra geladen werden, zum anderen ist es auch der Empfänger für das Signal, welches über die Schalthebel kommt. Mittels eigenem Protokoll garantiert Shimano eine zuverlässige Funktion und minimiert die Anfälligkeit der kabellosen Verbindung erheblich.

Weitere Details und Technologien

Die große Besonderheit an der 12-fach Kassette: Diese kann auch auf 11-fach Freilaufkörpern gefahren werden. So sind auch geliebte Laufräder mit der neuen Shimano Dura-Ace und Ultegra 12-fach kompatibel.

Es stehen zwei Versionen zur Verfügung, die integrierte Powermeter-Version oder die Non-Powermeter-Version. Beide Kurbeln sind natürlich in verschiedenen Größen mit Kurbelarmlängen von 160 bis 177,5 mm und mit einem Q-Faktor von 148 mm erhältlich und verfügen über die Hollowtech II Technologie.

Mit jeweils drei Felgenhöhen sowohl auf Dura-Ace als auch Ultegra Niveau deckt Shimano alle Bedürfnisse ab. Die C36- und C50-Laufräder bieten ein 1:1-Standard-Speichenmuster mit 1,5-mm-Speichen für weniger Gewicht, während das C60 ein 2:1-Speichenmuster mit dickeren 1,8-mm-Speichen für mehr Steifigkeit und Kraftübertragung bietet.

Zudem wurde auch die Bremsenwartung verbessert. Jetzt ist es möglich, die Bremse zu entlüften, ohne den Bremssattel vom Rahmen zu entfernen, was dank eines separaten Entlüftungsanschlusses und einer separaten Ventilschraube ermöglicht wird.

Vor- und Nachteile der Dura-Ace Di2 R9200

Die Dura-Ace Di2 R9200 überzeugt mit präziser Schaltung, kraftvollen Bremsen und einem spürbar besseren Handling. Die Performance ist konstant stark. Der Akku hält lange und lädt schnell, sollte aber trotzdem im Auge behalten werden, da es unterwegs keine Lösung gibt.

  • Vorteile:
    • Präzise und schnelle Schaltung
    • Kraftvolle und gut dosierbare Bremsen
    • Verbesserte Ergonomie und Handling
    • Kompatibilität mit 11-fach Freilaufkörpern
  • Nachteile:
    • Semi-Wireless Lösung erfordert Aufladen des Akkus
    • Keine Möglichkeit, den Akku unterwegs zu wechseln

Vergleich mit der Shimano Ultegra R8100

Parallel zur Dura-Ace präsentierte Shimano auch eine neue Ultegra. 12-fach. Mit Funk. Und allen wesentlichen Neuerungen des Top-Ensembles. Wermutstropfen: Eine mechanische Version der beliebten Nummer 2 im Shimano-Portfolio mit zwölf Ritzeln soll es nicht geben!

Käufer der neuen R8100-Serie profitieren bis auf wenige Details von den technologischen Neuerungen der Top-Gruppe: Das 2 x 12-Getriebe wird per Funk angesteuert, soll genauso schnell schalten, die Discs genauso kraftvoll bremsen wie die der großen Schwester.

Günstigere Materialien (keine Carbon-Hebel oder Titanritzel) und die etwas einfachere Verarbeitung (kein einteiliger Bremssattel, einfachere Nabentechnolgie bei den drei Laufradmodellen) sowie der Verzicht auf wenige Ausstattungsoptionen erlauben einen geringeren Preis bei rund 200 g Mehrgewicht für eine typische Konfiguration.

Der Preis-Leistungs-Verhältnis: deutlich attraktiver.

Technische Daten im Überblick

Komponente Dura-Ace Di2 R9200 Ultegra Di2 R8100
Schaltwerk RD-R9250 RD-R8150
Umwerfer FD-R9250 FD-R8150
Bremsen BR-R9270 BR-R8170
Kurbelgarnituren FC-R9200 / FC-R9200-P FC-R8100 / FC-R8100-P
Kassetten-Variationen 11-28T, 11-30T und 11-34T 11-28T, 11-30T und 11-34T
Kurbel-Optionen 50-34T, 52-36T, 54-40T 50-34T, 52-36T

Fazit

Die Shimano Dura-Ace Di2 R9200 ist eine exzellente Schaltgruppe, die in Sachen Performance, Ergonomie und Bremsleistung überzeugt. Die semi-wireless Lösung erfordert zwar etwas Umgewöhnung, bietet aber dennoch eine hohe Zuverlässigkeit und Schaltgeschwindigkeit. Wer auf der Suche nach einer kompromisslosen High-End-Schaltgruppe ist, wird mit der Dura-Ace Di2 R9200 voll auf seine Kosten kommen.

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