Shimano 600 Arabesque Schaltwerk: Details und Bedeutung

Anfang der 1980er Jahre schien es, als wären die Innovationen bei den renommierten Herstellern weitgehend ausgereizt. Man hatte diverse Materialien eingesetzt und alles Mögliche ausprobiert, um Anbauteile immer leichter zu machen. Der japanische Komponentenhersteller Shimano brachte jedoch kontinuierlich neue und gute Innovationen im Bereich Rennradkomponenten hervor, während Campagnolo scheinbar neue Ideen vermissen ließ.

Genau zu dieser Zeit, in den frühen 80er Jahren, präsentierte Shimano etwas völlig Neues auf dem Markt. Von nun an war nicht mehr nur das Gewicht der Anbauteile entscheidend, sondern auch das aerodynamische Design. Nicht mehr hauptsächlich die Gewichtsreduzierung war für die Geschwindigkeit wichtig, sondern das aerodynamische Design der kompletten Fahrer/Rad-Kombination. Es war die Geburtsstunde der Shimano Aerodynamics Gruppen.

Zuerst kam die Shimano Adamas Gruppe, die eher für Reiseräder konzipiert war und im unteren Preissegment angesiedelt war. Die Shimano 600 AX (6300) Gruppe repräsentierte die obere Mittelklasse, während die Dura Ace AX (7300) Gruppe die Oberklasse bildete. Für das Design wurde jedoch nicht einfach eine bereits vorhandene Gruppe modifiziert, sondern etwas völlig Neues entwickelt.

Zeitgleich hatte Shimano von 1978 bis 1984 die Shimano 600 EX, Shimano 600 EX Arabesque und die Dura Ace 7200 im Programm. In diese aerodynamischen Gruppen flossen viele neue Ideen ein, und es wurden an zahlreichen Stellen völlig neue Wege beschritten. Einzelne Komponenten wie die Kurbel, Dyna Drive Pedale und die speziellen Direction 6 Naben tauchten bereits 1981 im Shimano Katalog auf, auch unter dem Namen Shimano Aerodynamics.

Im Katalog von 1982 war es dann endlich so weit, und Shimano stellte die kompletten Shimano AX Gruppen vor, welche, wie bereits erwähnt, aus Shimano Adamas, 600 AX und Dura Ace AX bestanden. Die gesamte Radsportwelt staunte 1982 über dieses völlig neue Konzept, und die meisten erinnern sich sofort an das Bild eines Rennradfahrers in einem silbernen Anzug und Aero-Helm auf einem silbernen Rennrad, das sehr "futuristisch" aussah. Alles war völlig anders, als man es kannte.

Zum Start der Aero Gruppen gab es sogar einige Rahmenhersteller oder Marken mit zugekauften Rahmen, die den angedachten Aero-Triumphzug mitgehen wollten. Shimano lieferte dazu folgende Komponenten aus seiner Aero Serie, die alle im eigens dafür installierten Windkanal in den heiligen Konstruktionshallen von Shimano getestet wurden. Schaltwerk und Umwerfer waren von völlig neuer Konstruktion. Zusätzlich zum völlig neuen und schlanken Design war die eingebaute Indexierung im Schaltwerk, welche einen schnellen und sauberen Schaltvorgang ermöglichen sollte.

Völlig neue Zugverlegung und andere Aspekte zeigten direkt, dass hier völlig neue Wege gegangen wurden. Den Umwerfer gab es in insgesamt 4 verschiedenen Ausführungen: für normales rundes Sitzrohr und für aerodynamisch geformtes Sitzrohr, jeweils als Anlöt- und Schellenversion.

Auch bei den Bremsen der Shimano AX Gruppen wurden völlig neue Wege gegangen. Delta Bremsen mit Mittelzug und sehr schmale Bremshebel sind ein sofortiges Erkennungszeichen dieser AX Gruppen. Die neu konstruierten Delta Bremsen sollten es dem Fahrer ermöglichen, seine Bremsen ganz genau einzustellen und eine bessere Bremsleistung zu erzielen. Dies sollte mit dem neuen "Para Pull Mechanismus" erreicht werden.

Da die Bremsbeläge fest in den Bremsarmen montiert sind und keine eigene Höhenverstellung erlauben, ist die Höhenverstellung der kompletten Bremse durch ein Langloch auf der Rückseite der Bremse möglich. Bei den Bremshebeln ist die hauptsächliche Neuerung, dass der Bremszug aerodynamisch unter dem Lenkerband verlegt ist.

Die Kurbel und die dazugehörigen Pedale waren ebenfalls eine ganz spezielle Sache der AX Gruppen, auch wenn die Kurbel auch aus der Dura Ace Ex 7200 Gruppe bekannt war. Das Besondere an dieser Kurbel ist neben dem aerodynamischen flachen Design die Pedalbefestigung, welche für die passenden Dyna Drive Pedale konstruiert war. Bei den ebenfalls flachen und aerodynamisch geformten Pedalen hatte man sich die Pedalachse gespart, indem man den kompletten Drehmechanismus mit Lagern in die Befestigung der Pedale mit einbaute, und so den untersten Punkt des Fahrers unter die gedachte Pedalachse legen konnte. Dadurch wies das Rad ein sehr viel besseres Fahrverhalten auf.

Wie schon erwähnt, gab es zur Einführung der AX Gruppen auch direkt Rahmen, welche zu der neuen aerodynamischen Innovation passten. Ein ganz bekanntes Beispiel ist das Norta Aero mit aerodynamisch geformten Rohren. Den gleichen Rahmen gab es auch gelabelt mit Jan Janssen oder z.B. Diamond.

Alles in allem waren die Shimano AX Gruppen kein kommerzieller Erfolg für Shimano, und die Gruppen waren nach ca. 3 Jahren schon wieder aus den Katalogen verschwunden. Trotzdem hat es für Shimano etwas gebracht, denn die bereits angeschlagenen europäischen Hersteller wie Campagnolo usw. ,wollten den Anschluss nicht verlieren, und so ziemlich jeder Hersteller hatte seine eigene Aero Gruppe auf dem Markt. Im Falle von Campagnolo mit der C Record Gruppe erst Jahre nach der Veröffentlichung der Shimano AX Gruppen. Dies hat Shimano noch mehr Zeit gebracht um ihren nächsten Klassiker mit vielen neuen Innovationen herauszubringen.

Verfügbarkeit und Zustand gebrauchter Shimano 600 Arabesque Schaltwerke

Auf dem Markt sind verschiedene gebrauchte Shimano 600 Arabesque Schaltwerke erhältlich, oft in sehr gutem Zustand. Hier eine Übersicht basierend auf aktuellen Angeboten:

Produkt Zustand Preis (EUR)
Shimano 600 Arabesque Schaltwerk Sehr gut 45,90 - 89,90
Shimano 600 Arabesque Schaltwerk Set (vorne, hinten) Gebraucht 50,00
Shimano 600 EX Arabesque Schaltwerk RD-6200 Gebraucht 59,00 - 60,79
Shimano 600 Arabesque Schalthebel + Schaltwerk NOS (New Old Stock) 102,91

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0