Shimano 600 Steuersatz Demontage: Eine Detaillierte Anleitung

Der Steuersatz am Fahrrad kann vor dem kompletten Austausch oft noch repariert werden.

Erste Anzeichen eines Defekten Steuersatzes

Nach 13 Jahren Fahrerei war mein Steuersatz am Fahrrad defekt. Das Lenkkopflager hatte beim Geradeauslauf einen ganz leichten Rastpunkt. Zunächst dachte ich, der Vorderradreifen meines Stevens Citiflyer wäre abgefahren, aber auch nach dem Reifenwechsel konnte ich kaum mehr freihändig fahren. Ein eindeutiges Indiz für einen verschlissenen Steuersatz. Das Rad fuhr sich durch den minimalen Rastpunkt unangenehm nervös - es wollte keine Kurven durch reine Gewichtsverlagerung mehr fahren. Also war wohl ein neues Lenkkopflager fällig.

Die Schwierige Ersatzteilsuche

Die Ersatzteilsuche im Netz gestaltete sich sehr schwierig, da ich die Maße des Ahead-Steuersatzes nicht kannte. Der Hersteller Stevens konnte mir die Bezeichnung nach 13 Jahren angeblich auch nicht mehr nennen. Um diese heraus zu finden musste das Lager zunächst ausgebaut werden.

Grundlegende Unterschiede

Für Neueinsteiger: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Gewinde- und gewindelosem Steuersatz. Die Demontage des Steuersatzes ist normalerweise mit Spezialwerkzeug verbunden, das ich nicht hatte.

Alternative Lösungsansätze

Ich dachte nach: Die beiden verschlissenen Wälzlager des Steuersatzes könnte man doch vielleicht auch im eingepressten Zustand ausmessen, wenn die Vorderradgabel entfernt würde. Denn durch das die permanente Belastung in dieser Geradeaus-Stellung ist das Lenkkopflager nur punktuell verschlissen. Um 90 Grad verdreht müsste das Lager doch wieder perfekt funktionieren, denn der Rastpunkt wäre dann für das normale Radeln an einer völlig irrelevanten Stelle. Die Wartezeit auf einen neuen Steuersatz wird perfekt überbrückt.

Demontage des Ahead-Vorbau

Zunächst wird der Ahead-Vorbau demontiert. Dazu reichen zwei banale Innensechskantschlüssel aus. Die Ahead- Konstruktion ist wirklich genial aufgebaut: Das Lagerspiel wird nur über die nur ganz leicht angezogene Spannschraube im Gabelschaft eingestellt, der Vorbau samt Lenker ist lediglich mit zwei Schrauben geklemmt und dient als Arretierung des eingestellten Lagerspiels. Diese sind ebenfalls zu lösen. Die Höhe des Lenkers wird über sog. Spacer eingestellt.

Nun kann der gesamte Lenker samt Vorbau abgezogen werden - vorsicht, die Gabel fällt schon von allein nach unten heraus. Alle Lenkkopf-Lagerteile müssen in richtiger Reihenfolge sorgfältig abgelegt werden, damit der Zusammenbau wieder problemlos klappt. Neben den fest eingepressten Lagern gibt es Aluminium- und Kunststoffringe, die beim Zusammenbau wieder exakt in die urprüngliche Position verbaut werden müssen.

Zustandsprüfung der Lager

Das untere Lenkkopflager sieht stark korrodiert aus. Im Gegensatz zum oberen Kugellager dreht es sich leider nur schwergängig. Ich putze den Dreck ab und messe die Lager mit einem Messschieber zunächst aus. Da ich kein passendes Werkzeug habe und mit leichten Schlägen nichts zu machen ist, lasse ich das untere Lager sitzen, denn ich habe noch kein Ersatzteil, bzw. brauche das Rad. Das obere Lager geht ganz leicht heraus.

Danach fertige ich eine kleine Skizze mit den wichtigsten Maßen des Ahead-Steuersatzes an. Ein Fachhändler kann auf dieser Basis einen passenden Ersatz-Steuersatz ermitteln. - ZS = semi integriert (Lagersch. - IS = voll integriert (Lagersch.

Reinigung und Schmierung der Lager

Beide Kugellager, der Gabelschaft sowie sämtliche Kleinteile werden mit Bremsenreiniger gereinigt. Das untere Lager zeigt leichte Rostspuren, ganz sauber bekomme ich es nicht mehr. Das liegt vor allem am fehlenden Schutzblech bei Regenfahrten. In beide Lager wird hochwertiges Lagerfett einmassiert.

Der Trick: Lager Verdrehen

Und nun der Trick: Die Lager werden vor allem nur beim Geradeauslauf punktuell an den immer gleichen Stellen belastet. Wenn die Lager um ca. 90 Grad verdreht in den Gabelschaft eingesetzt werden, drücken die Belastungen an „neuen Stellen“, die noch nicht verschlissen sind bzw. nicht einrasten. Ein dadurch evtl. neu entstehender Rastpunkt bei stark eingeschlagenem Lenker ist keine Komforteinbuße. Optimal wäre es in meinem Fall gewesen, die untere Lagerschale ebenfalls um 90 Grad zu verdrehen.

Zusammenbau und Ergebnis

Nachdem die Staub- und Klemmringe wieder exakt in ihrer alten Position sitzen, wird der Gabelschaft wieder durch das Steuerrohr geführt. Nachdem das Lagerspiel am Spanndeckel mit den Spacern eingestellt- und die Vorbauklemmung festgezogen ist, das Ergebnis: Das Lager arbeitet nun wieder einwandfrei ohne Rastpunkt. Der Fahrradlenker dreht sich leichter. Das Rad fällt durch reine Gewichtsverlagerung wie von selbst in die Kurven. Schlussendlich der Beweis einer gelungenen Reparatur für mich: Ich kann mit dem alten Lager problemlos wieder freihändig fahren!

Jedem Fahrradmechaniker hätte ich einen Austausch des kompletten Steuersatzes durch Neuteile geglaubt. Es fragt sich nur, wie lange der alte Steuersatz mit diesen Tricks nun im Fahrradalltag hält.

Für die Reparatur bzw. Lagerwartung benötigte ich ca. Sechs Monate oder 1.800 Kilometer später ist das Lenkkopflager immer noch in Ordnung. Ich musste es noch nicht einmal nachstellen. Die Reparatur des Steuersatzes kann sich wirklich sehen lassen: Nicht nur Naben, sondern auch alte Steuersätze kann man so über tausende von Kilometern retten. Das komplette Lenkkopflager als Ersatzteilpaket kostet von der Marke Ritchey knapp 25,- EUR.

Professioneller Steuersatzwechsel

Es lag monatelang in der Schublade, bis mir ein Arbeitskollege kurz vor dem Wochenende das passende Spezialwerkzeug für einen professionellen Steuersatzwechsel auslieh. Da das alte, von mir reparierte Lager immer noch perfekt am Rad seinen Dienst tat, war ich nicht sonderlich motiviert.

Werkzeuge für den Wechsel

Professionelle Werkzeuge zum Wechsel des Steuersatzes: Ein Austreiber für die Steuersatzschalen und ein Einpresswerkzeug, um die Lager möglichst plan in das Steuerrohr des Rahmens zu pressen. Mit diesen Tools ist der Austausch eines Ahead-Steuersatzes kinderleicht und in weniger als einer halben Stunde erledigt.

Wer sich die knapp hundert Euro sparen will: Es geht in vielen Fällen sicherlich auch ohne diese Werkzeuge, z.B. Etwas tricksen musste ich auch: Beim Ausschlagen der unteren Lagerschale habe ich den Kettenradschutz „weich“ auf einer mehrlagigen Wellpappe abgestützt statt auf nackter Betonplatte. Sitzt eine Lagerschale fest, muss natürlich der Fahrradrahmen möglichst weit vorn am Steuerrohr abgestützt werden. Bei mir funktionierte es aber auch so. Die Pappe schützt nicht nur vor Kratzern und Zahnausfall, sondern federt beim Austreiben auch etwas. Ein Gummi- bzw.

Wenn sich eine Lagerschale partout nicht lösen lässt, erwärmt man das Steuerrohr mit einem (Heißluft-) Fön und kühlt die Lagerschale mit Eis oder Kältespray. Auch ein Kriechöl über Nacht wirkt manchmal Wunder, gerade bei rostigen Stahlrahmen. Statt des Spreizdorn-Austreibers tut es auch ein möglichst großes Rohr. Fehlt das auch, nimmt man einen großen Schraubendreher oder zur Not einen Meißel.

Erneute Inspektion und Montage des Neuen Lagersatzes

Das vor Monaten reparierte, untere Steuerrohrlager: Das Fett ist schon wieder verschwunden und hat sich wieder in brauen Rostschlamm verwandelt. Trotzdem funktionierte es noch und „rubbelte“ beim händischen Drehen nur leicht.Nach dem Ausbau mit dem professionellen Austreiber hätte ich es nochmal wieder verwenden können.

Der neue Lagersatz ist bereits ab Werk gefettet. Mir persönlich ist die Fettmenge aber zu sparsam aufgetragen. Also werden auch die neuen Konuslager gleich kräftig mit Fett einbalsamiert. Sogar die Flanken beider Lagerschalen außen fette ich ein, um einen möglichst leichtes Einpressen in das Steuerrohr zu ermöglichen.

Das Einpressen der Lagerschalen geht mit dem kugelgelagerten Einpresswerkzeug kinderleicht. Es ist kaum Kraft nötig, bis das Gefühl eines absolut festen Sitzes entsteht. Wichtig ist, dass die Lagerschalen wirklich ganz plan im Steuerrohr des Rahmen sitzen, da sonst punktuelle Belastungsspitzen auftreten, die die Lebenszeit der Lager wirklich drastisch verkürzen.

Beim Zusammenbau des Lenkkopflagers ist auf den exakten Sitz samt exakter Reihenfolge der Teile zu achten. Bei den Staub- und Klemmringen musste ich wieder die alten serienmäßigen Stevens-Teile benutzen, da die neuen nicht gut passten, bzw. einen 2 Milimeter- Spalt erzeugten. Eben deshalb ist es wichtig, die alten Teile Stück für Stück in richtiger Lage abzulegen.

Lagerspiel prüfen: Der Lenker muss absolut spielfrei sein, sich aber trotzdem ganz leicht drehen lassen. Die Gabel samt Vorderrad muss sich allein durch die Schwerkraft verdrehen! Den größten Widerstand erzeugen die Bowdenzüge. Die Spannschraube, die das Lagerspiel definiert, darf wirklich nur ganz, ganz leicht angezogen werden.

Zum Testen legt man Zeigefinger und Daumen halb um den Steuerkopf und halb um den Gabelschaft, zieht die Vorderradbremse und ruckelt am Fahrrad nach vorn und hinten.

Vorbeugende Maßnahmen

Nach über40 schutzblechfreien Jahren montiere ich dieses Jahr erstmals wieder „Radschützer“, um Lager, Kette und meine Klamotten zu schonen. Ein Schutzblech hält das Spritzwasser aus dem Steuersatz.

Feinabstimmung und Abschließende Bewertung

Die erste Probefahrt darf ruhig über ein paar Bordsteine, Wheelies bzw. mit scharfen Bremsungen erfolgen, danach muss das Lenkkopflager oft nochmal leicht nachjustiert werden. Der neue Steuersatz entpuppte sich bei mir übrigens als zweites Aha-Erlebnis, denn die Fahreigenschaften haben sich nochmals verbessert.

Der Steuersatz kann in vielen Fällen auch ohne Spezialwerkzeug repariert bzw. Er muss dazu gereinigt, neu abgeschmiert und um ca.

Zusätzliche Informationen: Steuersatzpflege am Mountainbike

Wer den Steuersatz an seinem Mountainbike gelegentlich reinigt und fettet, erhöht dessen Lebensdauer erheblich. Bei Defekten können einzelne Lager leicht getauscht werden. Wir zeigen, wie man's macht! Gelegentlich frisch aufgetragenes Fett erhöht die Lebensdauer von Steuersatzlagern am Mountainbike deutlich. Dennoch kann es den Verschleiß der Lager nicht verhindern. Wenn ein Steuersatz rau läuft, oder sich gar nicht mehr einstellen lässt, wird es Zeit, das Steuersatzlager zu wechseln. Bei modernen Mountainbikes mit voll integriertem Steuersatz braucht man dazu kein Spezialwerkzeug.

Bei fest verpressten Lagerschalen kann es sein, dass spezielle Austreiber und Lagerpressen nötig sind. Wir zeigen, wie man einen Steuersatz fettet und das Lager wechselt. Für diese Arbeiten sollte man spezielles Lagerfett benutzen: zum Beispiel - Tunap Sports Lagerfett für 14,95 Euro.

Werkzeuge für die Steuersatzpflege

Diese Werkzeuge brauchen Sie: Steuersatz fetten oder Lager tauschen: Die wichtigsten SchritteFoto: Wolfgang Watzke

Die Wichtigsten Schritte zur Vorbereitung

  • Zur Vorbereitung das Vorderrad ausbauen und die Vorderradbremse demontieren.
  • Dann die beiden Vorbauschrauben lockern, die den Vorbau am Gabelschaft klemmen. Oft reicht dazu eine Umdrehung pro Schraube.
  • Anschließend die Ahead-Kappe abschrauben (Bild) und zur Seite legen.
  • Achtung: Beim Abschrauben der Ahead-Kappe mit einer Hand die Gabel festhalten, diese rutscht ansonsten aus dem Steuerrohr.

Foto: Wolfgang WatzkeJetzt kann der Vorbau vom Gabelschaft und die Gabel aus dem Steuerrohr gezogen werden. Während der Arbeit am Steuersatz baumelt der Lenker an den Brems- und Schaltzügen. Viel besser: Lenker/Vorbau mit Schnur, Klebeband oder Kabelbinder am Hauptrahmen fixieren.

Beim Herausziehen der Gabel aus dem Hauptrahmen können bereits erste Steuersatzteile entnommen werden.Foto: Wolfgang WatzkeIst die Gabel aus dem Hauptrahmen ausgebaut die Steuersatzteile nach und nach entnehmen und in der richtigen Reihenfolge ablegen. So weiß man später, wie die Teile wieder einzubauen sind. Unser Steuersatz besteht aus (von links): Abschlusskappe, Zentrierring, oberem und unterem Lager. Der Gabelkonus bleibt auf der Gabel. Die Bauteile anderer Steuersätze können variieren.

Foto: Wolfgang WatzkeJetzt können die Industrielager auf Verschleiß geprüft werden. Laufen die Industrielager rau, sollten sie getauscht werden. Mit der entsprechenden Nummer auf dem Industrielager lässt sich passender Ersatz besorgen. Meist muss nur das untere Lager getauscht werden. Bei verpressten Steuersätzen können Lager unter Umständen nicht einzeln und ohne Werkzeug entnommen werden.

Foto: Wolfgang WatzkeBevor man den Steuersatz mit gegebenenfalls neuen Lagern wieder zusammensetzt, müssen alle Bauteile und der Lagersitz im Rahmen gereinigt werden. Dann den unteren und oberen Lagersitz einfetten. Die (eventuell neuen) Lager in die gefetteten Lagersitze drücken und nochmals eine Lage Fett drüberstreichen. Achtung: Auch wenn die Lager direkt im Carbon-Rahmen liegen, auf keinen Fall Carbon-Montagepaste verwenden! Handels­übliches Lagerfett ist der richtige Schmierstoff.

Foto: Wolfgang WatzkeAbschließend die Gabel wieder in das Steuerrohr stecken. Staubkappe und Zentrierring über den Gabelschaft bis zum oberen Steuersatzlager schieben. Gabelschaft von überschüssigem Fett befreien. Spacer, Lenker/Vorbau und Ahead-Kappe wieder verbauen.

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