Shimano 9-fach Schaltung: Wartung und Einstellung für optimale Leistung

Die Fahrrad Kettenschaltung ist neben der Nabenschaltung und der Tretlagerschaltung nach wie vor die am weitesten verbreitete Gangschaltung am Fahrrad.

Aufbau und Funktion der Fahrrad Kettenschaltung

In der Regel besteht die Kettenschaltung aus folgenden Komponenten:

  • Kettenblätter: die Zahnräder an der Tretkurbel
  • Kassette: das Ritzel-Paket an der Hinterrad-Achse
  • Umwerfer: Schaltsystem an den Kettenblättern
  • Schaltwerk: Schaltsystem an der Kassette
  • Kette: überträgt die Antriebsleistung von der Tretkurbel auf das Hinterrad
  • Schalthebel: die Betätigung der Schaltung am Lenker im Bereich der Griffe
  • Bowdenzüge: sie übertragen den Schaltvorgang vom Schalthebel zu Umwerfer bzw. Schaltwerk

Die Schaltschwinge

Je nach gewähltem Gang steht die Fahrradkette mehr oder weniger stark unter Spannung (wegen der unterschiedlichen Durchmesser der Kettenblätter und Ritzel). Um für alle Schaltstufen eine gleichmäßige Spannung der Fahrradkette zu gewährleisten, existiert am Schaltwerk eine unter Federdruck stehende Schaltschwinge (Käfig) mit zwei Umlenkrollen: Spann- und Leitrolle.

Das Schrägparallelogramm

Das heute im Schaltwerk integrierte Schrägparallelogramm existiert als Massenprodukt erst seit den 80er Jahren. Hierdurch werden Kette und Schaltschwinge für jeden Gang axial und radial passend zum betreffenden Ritzel positioniert. Das ist notwendig, um einen zügigen, effizienten Sprung der Kette aufs nächste Ritzel zu gewährleisten.

Die Schaltpräzision

In den Anfängen der Fahrrad Kettenschaltung erfolgte der Schaltvorgang nach Gehör und Gefühl, später haben sich dann die Index-Schaltungen durchgesetzt, bei denen eine im Schalthebel integrierte Rastung die exakte Positionierung von Umwerfer und Schaltwerk für sämtliche Gänge gewährleistet. Zukünftig drängen auch elektrisch betriebene Schaltungen auf den Markt. Hierbei sorgen Stellmotoren für die gewünschte Position von Schaltwerk und Umwerfer. Allerdings steigt dadurch auch der Preis für die Fahrrad Kettenschaltung in ganz neue Dimensionen.

Das Übersetzungsverhältnis

Über die unterschiedliche Anzahl der Zähne auf Ritzeln und Kettenblättern lassen sich die gewünschten Übersetzungen realisieren. So sind sowohl Untersetzungen für steile Anstiege als auch Übersetzungen für hohe Geschwindigkeit in ebenem Gelände möglich. Maßgeblich ist allerdings nicht die theoretisch mögliche Anzahl verschiedener Gänge, sondern der Übersetzungsbereich vom kleinsten bis zum größten Gang.

Denn unter allen möglichen Kombinationen aus Kettenblättern und Ritzeln ergeben sich große Überschneidungen. Diese Überschneidungen sind durchaus gewollt, denn so lassen sich oft doppelte Schaltvorgänge vermeiden; also das Schalten vorne „und“ hinten. In Grenzen lässt sich der Übersetzungsbereich bei der Fahrrad Kettenschaltung verändern: durch die Auswahl von Zahnrädern mit anderer Zähnezahl.

Je nach Fahrradtyp und Einsatzbereich kommen bei der Fahrrad Kettenschaltung vorne 1-3 Kettenblätter und hinten 7-13 Ritzel auf der Kassette zum Einsatz. Dabei werden von der theoretischen Anzahl der Gänge, wie oben beschrieben, lediglich die Kombinationen mit geringerer Schränkung für die Kette benutzt. Das hält den Verschleiß an Kette und Zahnrädern in Grenzen.

Aktuell geht der Trend beim MTB Richtung 1 Kettenblatt und bis zu 13 Ritzeln mit 9-52 Zähnen. Damit entfällt der Umwerfer, aber die Kette unterliegt einem stärkeren Verschleiß (wegen der starken Schränkung) und ist teurer (weil schmäler). Auch die Kassette ist teurer, denn sie muss im Bereich der größeren Ritzel wesentlich steifer sein und erfordert wegen der vielen Ritzel sehr viel Aufwand bei der Gewichtsreduzierung.

Qualitätsstufen bei der Fahrrad Kettenschaltung

Die beiden größten Anbieter für die Fahrrad Kettenschaltung sind Shimano und Sram. Beide Hersteller bieten für alle gängigen Fahrradtypen und Qualitätsstufen eine Vielzahl von Schaltgruppen an. Je nach persönlichem Anspruch und dem gewünschten Einsatzzweck kommen dabei ganz bestimmte Schaltgruppen für dein Fahrrad infrage.

So zählen bei Shimano Altus und Acera zu den Einsteiger-Schaltgruppen, SLX und XT zu den hochwertigen Schaltungen und Saint oder XTR zu den High-End-Gruppen.

Tipps zur Nutzung der Fahrradkettenschaltung

Um die gesamte Technik so schonend wie möglich zu behandeln, solltest du die folgenden Empfehlungen beherzigen:

  • Praktikable Gänge: Die theoretische Anzahl der Gänge (z.B. 3 Kettenblätter x 9 Ritzel = 27 Gänge) ist in der Praxis nicht nutzbar und wegen der Überschneidung der Übersetzungen auch gar nicht nötig. Vielmehr achtest du bei der Wahl der Gänge vorne und hinten auf eine annähernd unverschränkte Führung der Kette, um einen erhöhten Verschleiß an Kette, Kettenblättern und Ritzeln zu vermeiden. Beispiel: die Kombination aus linkem Kettenblatt und dem Ritzel ganz rechts außen führt zu einer extrem stark verschränkten Kette und somit zu deutlich höherem Verschleiß.
  • Schalten unter Last: Vermeide auch das Schalten unter Last, auch wenn das bei der Hyperglide-Schaltung ausdrücklich möglich ist. Es beschleunigt den Verschleiß. Das bedeutet für dich konkret: Solange die Fahrradkette mit dem Wechsel von einem Ritzel/Kettenblatt auf das andere beschäftigt ist, solltest du den Antrieb per Pedalieren nur in Bewegung halten, aber keinen Druck auf Pedale bzw. Fahrradkette bringen.
  • Der Umgang mit den Verschleißteilen: Die Fahrradkette ist das Haupt-Verschleißteil in einer Fahrrad Kettenschaltung. Durch die Bewegung in den Kettengliedern, die Bewitterung und den Eintrag von Schmutz und Staub nutzen sich die Lagerkragen an den Innenlaschen und die Rollen kontinuierlich ab. Dadurch verändert sich das Stichmaß der Kettenglieder und es entsteht Versatz zu den Zahnabständen auf Ritzeln und Kettenblättern. Mit fortschreitendem Verschleiß an der Kette steigt irgendwann dann auch der Verschleiß an Kettenblättern und Ritzeln.

Vor diesem Hintergrund existieren zwei mögliche Methoden im Umgang mit Fahrradkette, Kettenblättern und Kassette:

  • Methode 1: Du fährst die Fahrradkette bis zur Verschleißgrenze (gemäß einer Kettenlehre) und wechselst sie dann aus. Du verbrauchst bei dieser Variante mehr Ketten, schonst aber die teuren Komponenten Kassette und Kettenblätter.
  • Methode 2: Du fährst 2 oder 3 Ketten rollierend im Wechsel und sorgst durch einen regelmäßigen Wechsel alle 1000 km für einen gleichmäßigen Verschleiß an den 3 Fahrradketten, der Kassette und den Kettenblättern. Wenn die Ketten durchrutschen, tauschst du das gesamte System aus: neue Kassette, neue Kettenblätter, 3 neue Ketten.

Pflege, Einstellung, Wartung und Reparatur der Gangschaltung

Der erste Arbeitsschritt im Zusammenhang mit Pflege und Wartung einer Fahrrad Kettenschaltung ist immer die Reinigung des gesamten Systems Kette-Kassette-Kettenblätter-Schaltwerk-Umwerfer. Danach erfolgt das Schmieren der Kette und zum Schluss das Einstellen der Schaltung.

Pflege und Austausch der Fahrradkette

Bei einer Fahrrad Kettenschaltung lässt sich die Fahrradkette nicht kapseln. Sie benötigt ja sehr viel Raum für alle Gänge. Folglich ist die Kette der Witterung und vor allem jeder Art von Staub und Schmutz ausgeliefert. Du musst sie also sehr häufig reinigen und bei Bedarf schmieren. Doch mit jeder „Behandlung“ im Rahmen der Pflege dringt ungewollt auch Schmutz in die Lagerstellen, was wiederum den Verschleiß beschleunigt. Die Fahrradkette ist also das Haupt-Verschleißteil in der Fahrrad Kettenschaltung und muss rechtzeitig gegen eine neue Kette ausgetauscht werden.

Reinigung der Kettenblätter und der Kassette

Sobald du die Fahrradkette reinigst, solltest du auch gleichzeitig Kettenblätter, Kassette, Schaltwerk und Umwerfer säubern. Denn sonst verschleppst du alten Schmutz gleich wieder in die gereinigte Kette. Nutze hierfür fusselfreie Lappen und ausgediente Zahnbürsten.

Neben dem Straßenschmutz ist vor allem das Aluminiumoxid (schwarze, klebrige Schmiere) auf den Kettenblättern zu entfernen. Es ist extrem hart und nagt an den Kettenblättern wie Schmirgel (Aluminiumoxid wird in der Industrie als Schleifmittel verwendet).

Die Einstellung der Fahrrad Kettenschaltung

Achte stets darauf, dass die Schaltung sauber eingestellt ist. Das ist der Fall, wenn Umwerfer und Schaltwerk die Fahrradkette bei jedem Gangwechsel sehr zügig auf die betreffenden Zahnräder schieben und es nach dem Abschluss eines Gangwechsels keine schabenden Kontakte zwischen der Kette und dem Schaltwerk bzw. Umwerfer gibt.

Bei einem Versatz schabt die Kette an den Seitenflanken der Zahnräder sowie an Umwerfer bzw. Schaltschwinge und das erhöht den Verschleiß und die Reibung. Du hörst, wenn die Kette in dieser Hinsicht nicht sauber geführt wird. Sowohl am Übergang der Schalthebel in die Bowdenzüge als auch zwischen Bowdenzug und Schaltwerk befinden sich Stellschrauben, an denen du den Bowdenzug in seiner Spannung verändern kannst. Bei manchen diese Stellschrauben spürst du auch eine Art Rasterung während dem Einstellen. Über diese Schrauben nimmst du die Einstellung vor.

Schaltwerk korrekt einstellen

Platziere das Fahrrad so, dass das Hinterrad ohne Bodenkontakt frei läuft. Lege die Kette per Umwerfer auf das mittlere Kettenblatt. Schalte nun einmal alle Gänge rauf und wieder runter und achte darauf, in welche Richtung die Kette Schwierigkeiten hat, den nächsten Gang zu treffen.

Springt die Kette beim Gangwechsel nicht weit genug oder zu weit, musst du an einer der beiden Stellschrauben (oben oder unten, der Effekt ist der Gleiche) entsprechend die Spannung des Bowdenzugs erhöhen oder reduzieren. Drehe an der Stellschraube aber immer nur einen Zahn (Rasterung) weiter. Das reicht oft schon aus. Wenn nicht, wiederhole die gesamte Prozedur.

Umwerfer korrekt einstellen

Platziere das Fahrrad wieder so, dass das Hinterrad ohne Bodenkontakt frei läuft. Betätige den Schalthebel für den Umwerfer und beobachte, in welche Richtung der Umwerfer in seiner Position korrigiert werden muss. Drehe an der betreffenden Stellschraube hinter dem Schalthebel in die erforderliche Richtung um einen Zahn weiter und prüfe das Schaltverhalten erneut.

Die beiden kleinen Einstellschrauben an Schaltwerk und Umwerfer ( mit L und H bezeichnet) sind für die Einstellung der Endanschläge nach außen und innen. Dabei steht L für Low und H für High.

Über die L-Schraube stellst du den Endanschlag des Umwerfers am kleinsten Kettenblatt und des Schaltwerks am größten Ritzel ein. Über die H-Schraube stellst du den Endanschlag des Umwerfers am größten Kettenblatt und des Schaltwerks am kleinsten Ritzel ein.

Um die Wirkungsweise dieser beiden Schrauben L und H besser zu verstehen, leuchtest du am besten mit einer Taschenlampe oder Stirnlampe mal in den Innenraum von Umwerfer bzw. Schaltwerk und suchst die Anschlagflächen der Schrauben.

Die Bowdenzüge

Du solltest regelmäßig die Bowdenzüge und die entsprechenden Zughüllen auf Verschleiß oder Beschädigungen kontrollieren. Aufgespleißte Bowdenzüge, Knicke oder Risse in den Zughüllen oder zu enge Biegeradien im Verlauf der Züge beeinträchtigen die Sicherheit oder die Schaltkräfte.

Öffne in diesem Zusammenhang auch die Schalthebel am Lenker, um nachzusehen, ob Schaltzug und Schaltmechanik dort ohne Beeinträchtigung ihren Dienst verrichten. Betätige den Schalthebel und beobachte, ob alles funktioniert. Die zentrale Verschraubung der Einzelteile im Schalthebel solltest du aber nicht öffnen. Diese filigrane Mechanik bekommst du sicher nie wieder korrekt montiert. Beschränke dich hier also auf das Reinigen und Schmieren.

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

1. Endanschlag unten (H-Schraube)

Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen. Hierzu lässt sich der Schwenkbereich des Schaltwerks in beide Richtungen mit sogenannten Endanschlägen begrenzen.

Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang.

2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen

Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen. Ist der Schaltzug in dieser Einstellung am Schaltwerk zu stark gespannt, zu sehr entspannt oder befindet sich das Schalträdchen nicht exakt unter dem kleinsten Ritzel, muss die Klemmung des Zuges am Schaltwerk nachgestellt werden.

3. Endanschlag oben (L-Schraube)

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.

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