Die Wahl der richtigen Bremse ist entscheidend für die Sicherheit und Kontrolle beim Mountainbiken. Starke Bremsen helfen, maximale Verzögerung auf den Boden zu bringen und die Kontrolle auf immer anspruchsvolleren Strecken zu behalten. Dieser Artikel widmet sich der Shimano Acera Scheibenbremse, beleuchtet ihre Eigenschaften und vergleicht sie mit anderen Modellen auf dem Markt.
Grundlagen der Scheibenbremsen
Hydraulisch betätigte Scheibenbremsen haben sich als Standard in modernen MTBs etabliert. Sie bestehen aus einer Gebereinheit (Bremshebel) und einer Nehmereinheit (Bremssattel), die über eine Bremsleitung verbunden sind. Der Druck, der durch den Bremshebel erzeugt wird, wird über die Bremsflüssigkeit auf die Bremskolben im Bremssattel übertragen, was zur Verzögerung des Rades führt.
Zwei Arten von Bremsflüssigkeit sind verbreitet: Mineralöl und DOT-Bremsflüssigkeit.
- DOT-Bremsflüssigkeit: Sie ist hygroskopisch, bindet Wasser und sollte regelmäßig getauscht werden. Sie kann Lack, Haut und Kleidung angreifen.
- Mineralöl: Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, sollte aber nicht mit den Bremsbelägen in Kontakt kommen. Es zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht.
Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt dem Hersteller und kann nicht einfach geändert werden.
Die Shimano XT Bremse im Detail
Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers.
Im von uns getesteten Shimano-Line-up nimmt die XT-Reihe die mittlere Position der Performance-Bremse ein.
Mit 588 Gramm ohne Scheiben entspricht die Vierkolbenbremse Shimano XT um 1 g fast exakt dem Durchschnittsgewicht.
Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik.
Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit.
Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC.
So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden.
Die Klemmung kann leicht gelöst werden und dank einteiliger Ausführung geht nichts verloren - wir sind Fans!
Einfache Anpassungen sind dank werkzeugloser Hebelweitenverstellung und der „free Stroke“-Schraube möglich, wobei Letztere eher eine Placebo-Wirkung hat.
Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie die Marken-Geschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt.
Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, seid ihr safe.
Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld.
Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen.
So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.
Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower.
Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes.
Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar.
Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR.
Auf dem Trail sind die XT und XTR ziemlich gleich, erst im Labortest werden die Unterschiede deutlich: Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und hinter Hayes Dominion T4, dicht gefolgt von der Shimano XTR.
Mit Sinter Green-Belägen kann die Bremspower der Shimano XT aber noch deutlich gesteigert werden.
Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In unseren Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als als bei der SLX im direkten Vergleich.
Das führt zu Fading auf langen Abfahrten.
In Summe lässt die Shimano XT keine Wünsche offen, hebt sich aber auch in keine Richtung besonders ab.
Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling.
Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €.
Das Handling ist einfach, sowohl beim Einstellen als auch beim Entlüften.
Bremsbeläge und Bremsscheiben
Bremsbeläge bestehen aus Reibmaterial, Gleitmittel und Fasern. Es gibt metallische und organische Beläge, wobei sich die Fasern in organischen (Kevlar, Carbon) und metallischen (Kupfer, Stahl) Materialien unterscheiden.
Bremsscheiben bestehen aus Stahl, wobei die Dicke variiert und die Wärmeableitung beeinflusst. Shimano setzt bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium zur Verbesserung der Wärmeableitung und des Gewichts. Es gibt ein- und zweiteilige Bremsscheiben, wobei letztere auf einem Stern vernietet und schwimmend gelagert sind, um Verformungen durch Hitze zu vermeiden.
Die Befestigung der Bremsscheiben am Rad erfolgt entweder über 6-Bolt oder Centerlock. Die Variante mit den 6 Schrauben hat sich als besser herausgestellt.
Testverfahren
Für umfassende Bremsentests werden verschiedene Parameter berücksichtigt:
- Labortests
- Telemetrie-Aufzeichnungen mit BrakeAce
- Praxistests auf dem Trail
Im Labortest werden Bremsen auf einem Prüfstand montiert und verschiedenen Bremsvorgängen unterzogen. Dabei werden Verzögerung, Bremskraft und Temperatur gemessen. Telemetrie-Systeme wie BrakeAce messen Anzahl und Dauer von Brems-Events, Bremsleistung und Kraftverteilung. Praxistests auf dem Trail ermöglichen die Beurteilung von Modulation, Hebelgefühl und Ergonomie.
Einsteigerbremsen im Vergleich
Für Bikes der 1000-Euro-Preisklasse werden oft Einsteigerbremsen von Avid, Hayes und Shimano verwendet. Diese sind günstiger, bringen aber auch Kompromisse mit sich.
Shimano Deore:
Die Shimano Deore profitiert von der Technik der teureren Modelle. Der kurze Hebel greift sich sehr angenehm, die Bremskraft lässt sich damit fein dosieren. Am Prüfstand packte die Deore am kräftigsten zu. Die RT66-Scheibe ist zudem sehr standhaft. Sie überlebte den Fading-Test.
Hayes Radar:
Die Radar von Hayes verzögert dank Sinter-Belägen kraftvoll, neigt allerdings selbst im Trockenen zum Quietschen. "Crosshair"-Technologie nennt Hayes die zwei Inbus-Schrauben, mit denen sich der Sattel feinjustieren lässt. Nur der lange Hebel könnte etwas ergonomischer sein.
Avid DB3:
Die DB3 aus Avids Einsteiger-Linie überzeugt mit guter Ergonomie und werkzeugloser Hebelweitenverstellung. In Sachen Bremskraft erzielt sie nur mittlere Werte. Bei großer Hitze verformen sich die Centerline-Scheiben, richten sich beim Abkühlen aber wieder aus.
Die folgende Tabelle zeigt die mittlere auf dem Prüfstand gemessene Bremskraft in Newton aus Nass- und Trockenbremsung bei 80 Newton Handkraft, ermittelt mit einer 180-mm-Bremsscheibe.
| Bremse | Bremskraft (Newton) |
|---|---|
| Avid DB3 | 299 |
| Hayes Radar | 327 |
| Shimano Deore (RT66-Scheibe) | 335 |
| Shimano Deore (RT64-Scheibe) | 347 |
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Die besten wasserdichten Fahrrad-Gepäckträgertaschen im ultimativen Test – Top-Modelle im Vergleich!
- Ultimativer MTB 4-Kolben-Bremse Test: Die besten Modelle im Vergleich!
Kommentar schreiben