Shimano Alfine 11: Test und Erfahrungen

Die Shimano Alfine 11 Nabenschaltung ist eine technisch optimierte Nobelversion, die eine neue Kategorie sportlicher Fahrräder mit Nabenschaltungen bedient. Sie stellt Shimanos erfolgreiche 8-fach-Nabe „Nexus Inter-8“ in den Schatten.

Die Shimano Alfine Gruppe

Mit der sportlich ausgelegten Alfine (S500) hat Shimano einen neuen Komponentensatz in Premiumversion für eine neue Kategorie sportlicher Fahrräder mit Nabenschaltungen entwickelt. Die S500 verfügt unter anderem über eine optisch wie technisch aufgewertete 8-Gang-Nabe, hydraulische Scheibenbremsen, eine Kurbelgarnitur, spezielle Bremsgriffe und RapidFire Plus-Schalthebel. Alle Teile der Gruppe wirken optisch sehr ansprechend und dürften Shimano-typisch wohl dauerhaft verlässlich arbeiten.

In der Nabe selbst funktioniert die Kraftübertragung durch Rollen aus beiden Getriebeteilen auf die Nabe. Auch ist die Alfine im Gegensatz zur üblichen 8-fach-Nabe gewichtsoptimiert (Prototyp ca. 1590 g). Verwendet werden übrigens Nadellager wie bei der 8-Gang-Premiumversion gegen Verschleiß und besonders hohe Effizienz. Zudem besitzt die Alfine ein edel poliertes, geschmiedetes Nabengehäuse - und als auffälligstes Merkmal einen filigranen Kettenspanner, der Radherstellern das Verbauen einer Alfine in Serienrahmen mit senkrechtem Ausfallende erlaubt.

Damit ist der Weg frei für Hersteller, in jeden Rahmen (egal ob fürs Trekkingrad, Fitnessbike, Crossrad, Mountainbike oder Reiserad) anstelle einer Kettenschaltung ein Nabengetriebe zu verbauen. Ganz nebenbei erleichtert der Kettenspanner auch den Radausbau beziehungsweise -einbau bei Transport oder einer Reifenpanne erheblich.

Technische Details und Optionen

Noch handelt es sich um eine XT-Version aus dem Mountainbike-Regal, später wird es eine Alfine-Discbrake geben. Montiert am Testrad ist vorerst ist eine 2-fach-Rennradkurbel (50/34 Zähne, entliehen aus der „Tiagra“-Gruppe). Sie wird später durch eine technisch gleiche, aber wunderschön fließend geformte Alfine-Kurbel ersetzt, die uns schon präsentiert wurde. Übrigens besitzt die Alfine-Kurbelgarnitur (Einfach- oder Doppelblatt-Version) ein integriertes Achsrohr für erhöhte Steifigkeit, Gewichtsersparnis und einfache Montage.

In der Ein Kettenblatt-Version ist sie mit einem integrierten Kettenschützer ausgestattet, damit die Bekleidung nicht verschmutzt. Ihr Übersetzungsumfang entspricht den erprobten Nexus 8-Gang-Nabenschaltungen. Zwei Ritzelalternativen fürs Hinterrad bietet Shimano an: mit 18 Zähnen oder 20 Zähnen für Räder, die in alpine Regionen gekauft werden.

Hersteller haben die Möglichkeit, anstelle eines üblichen Umwerfers vorn den Shimano C-600 Power Changer zu verbauen - mit dem der Wechsel auf das benachbarte Kettenblatt mühelos vonstatten geht. In einer unscheinbar unter dem Tretlager montierten Box befinden sich an die Kurbel gekoppelte Mitnehmerklinken, die nach der Gang-Auslösung am Lenker bei einer Viertelkreis-Kurbeldrehung - also mit Fußkraft! - durch eine Straffung des Schaltzugs die Kette verblüffend exakt auf das gewünschte Blatt schieben!

Shimano Nexus im Vergleich

Bringen wir mal Licht in den Dschungel der Shimano Nabenschaltungen, die sich schon spürbar voneinander unterscheiden, vor allem in der Qualität für Viel- und Schnellfahrer-Innen. Offen dokumentiert wurden die Unterschiede der Shimano Naben leider so gut wie nie. Es gab Explosionszeichnungen bei Paul Lange (dem deutschen Importeur), aber wer steigt da schon durch?

Egal welche an Shimano Nabenschaltung eingebaut ist, der Radhändler wird sie Ihnen als problemlos, pflegeleicht und völlig komfortabel unterjubeln. Millionenfach verkauft, Sie können eigentlich damit gar keinen keinen Fehler machen. Das wird er oder sie sagen. Sie wollen einen Rücktritt wie 1980? Mit der Shimano Nexus kein Problem, das Modell gibt es sogar mit Rücktritt. Leider ist genau diese Version recht anfällig, man hört oft Klagen in den Fahrradforen: „Die Nabe mit Rücktritt hielt keine 500 Kilometer“, „China-Schrott durch billige Produktion“, usw. … glaube ich persönlich alles.

Die Qualität der Naben hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Viele ehrliche Radhändler bestätigen, dass die Naben ganz unterschiedlich leicht laufen und bestreiten nicht, dass es bei Shimano zeitweise „Problemnaben“ gab bzw. immer noch gibt. Das Ganze ist für Omas Stadtrad auch gar nicht so relevant, denn die 8-Gang Nexus wird bei der typischen Zielgruppe „Anspruchslos 50+“ über 200 km im Jahr sehr wahrscheinlich halten. Probleme gibt es vor allem, wenn ein Rad wirklich sportlich gefahren wird.

Die Shimano Naben können jetzt nur noch über die aufgedruckte Serien-Nr. erkannt werden. Es ist von Shimano nie genau gesagt worden, wie sich die Alfine- und Nexus Premium- Nabe voneinander unterscheiden.

Unterschiede zwischen Alfine und Nexus

Zwei klare Unterschiede werden gern unter den Tisch gekehrt: Die Alfinenabe konnte auch vor ein paar Jahren schon mit einer Scheibenbremsaufnahme geliefert werden, das gab es bei der Nexus früher nicht - jetzt aber schon. Um die höheren Kräfte einer Scheibenbremse an der Nabe aufnehmen zu können, ist die Alfine-Achse anfangs etwas stabiler konstruiert worden. Außerdem der „schicke Rapid-Fire-Hebel“ besteht bei der Alfine aus einem Daumenschalter, mit dem man pro Hub immer nur 2 Gänge herauf- oder herab schalten kann.

Was sich nach einem kleinen Detail anhört, ist bei der günstigeren Nexus besser gelöst: Man bremst an einer roten Ampel aus hoher Geschwindigkeit ab und kann mit einem Drehschalter mit einer mühelosen Bewegung vom 8. in den 1. Gang schalten. Das ist ein echter Vorteil.

Alfine 11 vs. Nexus: Ein detaillierter Vergleich

3 Gänge mehr spreizen den Wirkungsgrad einer Nabe natürlich immens, aber es gibt leider eine kleine Tücke: Die 3 Gänge liegen alle über dem 5. Gang. Der fünfte Gang ist aber bei Shimano der Beste, weil er als einziger ohne Getriebe-Übersetzung auskommt und die Kraft vom Kettenblatt fast 1:1 auf das Hinterrad überträgt. Im Normalfall sind Nabenschaltungen also so konstruiert, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit möglichst in einem 1:1 Gang ohne Getriebe gefahren werden kann.

Die 11-Gang Alfine-Version verschenkt dadurch meiner Ansicht nach ihr eigentliches Potenzial, denn Ihre zusätzlichen 3 Gänge liegen alle über dem reibungsarmen 5. Gang der Nexus-Naben. Heißt auf Deutsch: Der ehemals leichte, fünfte Gang fehlt bei der Alfine 11. Ich fahre mit der 11-Gang-Alfine also im 6. oder 7. Gang von 11 Gängen und muss ständig das Planetengetriebe mit all den Reibungsverlusten bewegen. Die alte Nexus im 5. Gang (also 1:1 ohne Zahnrädchen übersetzt) läuft da sicherlich einen Tick leichter.

Der große Vorteil der Alfine 11-Gang-Nabe, liegt für mich nicht in den 3 Gängen mehr, sondern in ihrer leichtgängigen Perma-Ölfüllung, die dadurch ein leichteres Treten ermöglicht, als alle Nexus-Versionen samt der Alfine 8.

Wartung und Pflege

Deshalb empfiehlt Shimano regelmäßig einen Ölwechsel bzw. bei den geschlossenen Naben-Versionen ein regelmäßiges Tauchen der Innereien in einem Ölbad. Details zur Wartung der Shimano Nexus gibt es hier.

Die meisten Shimano Naben verschleißen im Alltag immer noch durch eindringende Feuchtigkeit und Schmutz. Falls Wasser eingedrungen ist, rostet die Nabe von innen bis sie schrottreif ist, wenn sie nicht demontiert und getrocknet wird. Deshalb benötigt die Nabe regelmäßig ein Öl-Tauchbad: Dabei werden alte Metall-Partikel herausgespült u. Defekte Nexus 8 Nabe mit gebrochenem Lagerkäfig: Diese Nabe ist über 12.000 Kilometer überhaupt nicht gewartet worden.

Shimano Inter 5E: Speziell für E-Bikes

Die 2018 vorgestellte Inter 5E-Nabe von Shimano wurde speziell für E-Bikes bzw. Pedelecs entworfen. Da acht oder gar 11 Gänge bei zusätzlicher Motorunterstützung von vielen E-BikerInnen mit etwas Routine gern einfach überschaltet werden (z.B. 1, 3, 5 = 25 km/h), wurde diese Nabe zugunsten einer größeren Haltbarkeit mittels stabilerem Planetengetriebe mit nur fünf statt acht Gängen auf satte 60 Newtonmeter statt auf 50 Nm ausgelegt.

Wartungsarmut und lange Haltbarkeit lassen den 4-8 Prozent geringeren Wirkungsgrad im Vergleich zur Kettenschaltung gerade bei ambitionierten Pendlern, Commuterbikes und VielfahreInnen mit kräftigen Beinen gut verschmerzen, weil der Antrieb unauffällig jahrelang seinen Dienst tut. Wird die Getriebeeinheit wie von Shimano empfohlen in Öl getaucht, werden die Geräusche meist zurück gehen. Die Nabe schaltet sich danach angeblich wieder leichter und präziser.

Langzeiterfahrungen

Die 11 Gang Alfine hatte bei der Markteinführung wohl etwas unter Kinderkrankheiten zu leiden, meinem Eindruck nach hat das Shimano aber zwischenzeitlich in den Griff bekommen. Wer allerdings mehr Geld für eine Nabenschaltung mit möglichst vielen Gängen ausgeben kann, sollte sich am besten die Rohloff holen, diese gilt jedenfalls als unverwüstlich.

Mein Kumpel fährt ein Fahrrad von Velo de Ville mit der Alfine 11 und einem Bosch Antrieb. Ihm gefällt die Nabe sehr gut. Er hat jetzt ca. 15 000km damit zurückgelegt und dabei zwei mal die Alpen überquert.

Vor- und Nachteile im Überblick

Die Shimano Alfine 11 bietet eine sportliche Nabenschaltung mit Rennrad-Genen, die eine deutlich größere Zielgruppe der Viel- und sportiven Tourenfahrer sowie Pendler anspricht. Sie überzeugt in Sachen Bedienbarkeit und Wartungsarmut, bietet eine überschaubare Gangzahl und begeistert uns auch in punkto Entfaltung.

Nabe Vorteile Nachteile
Shimano Nexus 8 Günstiger, Drehschalter für schnelles Runterschalten Gleitlager, höhere Reibung, anfälliger für Defekte
Shimano Alfine 11 Ölbad, leichteres Treten, Scheibenbremsaufnahme Teurer, Rapid-Fire-Hebel, Gangabstufung nicht optimal
Rohloff Speedhub Wartungsarm, leichtläufig, für Tandems geeignet Teuer

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