Shimano Alfine 11: Erfahrungen zum Schalten unter Last

Nabenschaltungen sind vor allem für den Einsatz an Rädern für den alltäglichen Gebrauch zu empfehlen. Denn aufgrund ihrer Bauart sind sie deutlich verschleißärmer, weniger wartungsintensiv und unempfindlicher gegenüber Verschmutzungen als Kettenschaltungen. Eine hochwertige Nabenschaltung ist jedoch oft sehr teuer. Shimano bietet mit der Alfine Schaltung eine preiswerte Möglichkeit, in den Genuss einer Nabenschaltung zu kommen.

Für wen eignet sich die Alfine Nabenschaltung?

Die Shimano Alfine Nabenschaltung eignet sich für all diejenigen, die sich eine zuverlässige Schaltung für den sorgenfreien Gebrauch des Alltagsrads oder für längere Ausfahrten am Wochenende wünschen. Die Nabenschaltung ist wahlweise mit 8 oder 11 Gängen ausgestattet. Die 8-fach Variante eignet sich für flaches bis welliges Terrain, stößt aber bei steilen Anstiegen an ihre Grenzen.

Die 8-fach Nabe ist damit prädestiniert für die Nutzung im städtischen Terrain und für Radtouren in tendenziell ebenen Gegenden. Die 11-fach Alfine Schaltung ermöglicht schon einen flexibleren Einsatz. Sie eignet sich für längere Fahrten zur Arbeit und kann am Wochenende auf ausgedehnteren Touren über den einen oder anderen längeren Anstieg genutzt werden.

Welche Varianten gibt es und worin unterscheiden sich diese?

Shimano bietet mehrere Varianten der Alfine Nabenschaltung an. Sie kann mechanisch oder elektronisch geschaltet werden und ist in beiden Varianten wahlweise mit 8 oder 11 Gängen erhältlich. Alle Alfine Naben sind mit einer Bremsscheiben-Aufnahme ausgestattet und können so wahlweise an Rädern mit Scheiben- oder Felgenbremse genutzt werden.

Der Unterschied zwischen der elektronischen und der mechanischen Shimano Alfine Schaltung besteht darin, wie der Schaltimpuls vom Schalthebel am Lenker an das Getriebe im Innern der Nabe übertragen wird. Bei der mechanischen Schaltung kommt hier ein Schaltzug zum Einsatz. Bei der elektronischen Variante sitzt ein Stellmotor auf der rechten Seite der Nabe. Dieser stellt den gewünschten Gang ein, nachdem die Fahrerin oder der Fahrer den Schalthebel betätigt hat.

Die Anzahl der Gänge macht sich bei der Shimano Alfine Nabe hinsichtlich der Übersetzungsbandbreite, also dem Unterschied zwischen kleinstem und größtem Gang, bemerkbar. Bei der 8-fach Schaltung beträgt dieser Unterschied 307%. Wenn das Hinterrad im kleinsten Gang eine Umdrehung pro Kurbelumdrehung zurücklegen würde, wären es im größten Gang damit drei Radumdrehungen pro Kurbelumdrehung. Wählst du die 11-fach Schaltung, beträgt dieser Unterschied 409%.

Ist die Alfine Nabenschaltung mit E-Bikes kompatibel?

Wie du bereits lesen konntest, ist die Shimano Alfine Nabe sowohl für die Nutzung im klassischen, alleine durch Muskelkraft betriebenen Fahrrad, als auch für die Nutzung im elektronisch unterstützen E-Bike ausgelegt. Sie verkraftet die höheren Kräfte, die bei der Nutzung im E-Bike auftreten, problemlos. In Kombination mit Shimanos E-Bike Antrieb, dem Shimano Steps System, besteht die Möglichkeit, die Gänge mithilfe des Bordcomputers automatisch zu wechseln.

Wie schaltet die Alfine Nabenschaltung?

Der Gangwechsel zwischen den 11 beziehungsweise 8 Gängen der mechanischen Shimano Alfine Nabenschaltung erfolgt über einen klassischen Schalthebel, der auf der rechten Seite des Lenkers angebracht ist. Dieser verfügt über zwei Hebel, die immer wieder in ihre Ausgangsposition zurückspringen und somit in jeder Situation erreichbar sind. Der vordere Hebel ist zur Betätigung mit dem Daumen ausgelegt. Mit diesem wechselst du in den nächstniedrigeren Gang. Der hintere Hebel lässt sich gut mit dem Zeigefinger erreichen und dient dem Wechsel in eine größere Übersetzung.

Wenn du die elektronische Alfine Nabenschaltung, die sogenannte „DI2“-Version, nutzt, wird der Schaltimpuls ebenfalls über einen Daumenschalthebel ausgelöst. Ein Stellmotor, der außen an der Nabe angebracht ist, sorgt dann für den Gangwechsel. Alternativ kann die Alfine DI2 auch über einen Brems-Schalthebel bedient werden, der für die Montage am Rennradlenker entwickelt wurde. Über zwei Tasten auf der äußeren Seite des Bremshebels kannst du hoch- und runterschalten.

Die Alfine Schaltung verfügt weiterhin über die Option eines automatischen Gangwechsels. Wird die Nabe in einem E-Bike mit einem Shimano Steps Motor genutzt, besteht die Möglichkeit, dem System „beizubringen“, wann es schalten soll. Der Bordcomputer registriert dann, in welchen Situationen die Fahrerin oder der Fahrer bevorzugt schaltet und mit welcher Trittfrequenz bevorzugt gefahren wird. Auf dieser Grundlage besteht dann die Möglichkeit, die Gänge automatisch durch den Bordcomputer wechseln zu lassen.

Kann ich jedes Fahrrad damit nachrüsten?

Die Shimano Alfine Nabe ist mit einer 10mm Achse ausgestattet und ist 135mm breit. Sie kann somit in jedes Rad mit „normalen“ Ausfallenden eingebaut werden. Eine Nachrüstung ist an nahezu jedem Trekking- oder Citybike problemlos möglich. Bei der Nachrüstung macht es in den meisten Fällen Sinn, direkt ein komplettes Hinterrad mit Alfine Nabe zu kaufen.

Wer ein neues Rad mit Alfine Nabe anschafft, kann sich überlegen, einen Rahmen zu wählen, der direkt für die Nutzung mit einer Nabenschaltung ausgelegt ist. Solche Rahmen zeichnen sich durch horizontal verschiebbare Ausfallenden aus. Diese ermöglichen, die Kette stets auf der optimalen Spannung zu halten.

Vor- und Nachteile des Systems

Die Vor- und Nachteile der Alfine Nabe betreffen einerseits die Entscheidung zwischen Ketten- und Nabenschaltung und andererseits die Positionierung im Feld der Nabenschaltungen, also gegenüber der Konkurrenz.

VorteileNachteile
dauerhafte Zuverlässigkeitetwas schwerer als Kettenschaltungen
wenig Verschleißgeringere Übersetzungsbandbreite als die Rohloff Speedhub
kaum Wartung notwendig
hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber äußeren Einflüssen
sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis
vielseitig einsetzbar - in E-Bike und "normales" Fahrrad
leichte, intuitive Bedienung - Option unterschiedlicher Schalthebel
automatischer Gangwechsel in Verbindung mit dem Shimano Steps Motor möglich

Die Vorteile der Nabenschaltung liegen in ihrer dauerhaften, verschleißarmen Nutzung. Eine Nabenschaltung braucht im Allgemeinen deutlich weniger gewartet zu werden, als eine Kettenschaltung. Weiterhin läuft die Kette hier stets optimal geradeaus, wodurch der Verschleiß gering gehalten wird.

Dadurch, dass der eigentlich Schaltvorgang im Innern der Nabe abgeschottet von äußeren Einflüssen stattfindet, ist dieser Schaltungstyp unempfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen als eine Kettenschaltung, bei der Wasser und Dreck von der Straßen direkt auf die Schaltkomponenten gelangen.

Gegenüber anderen Nabenschaltungen zeichnet sich die Alfine Schaltung vor allem durch ihr gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Als direkte Konkurrenz ist die geringfügig schwerere Rohloff Speedhub anzusehen. Diese ist mit einem Anschaffungspreis von rund 1200€ drei- bis viermal so teuer wie die Alfine Nabe. Rohloff bietet für diesen Preis eine Nabe mit 14 Gängen und einem Übersetzungsspektrum von über 500% an. Die Rohloff Nabe ist damit die Oberklasse der klassischen Nabenschaltungen. Ihr Kundenstamm setzt sich vor allem aus Leuten zusammen, die viel bis sehr viel mit dem Rad unterwegs sind. Wer auf das zusätzliche Übersetzungsspektrum verzichten kann, ist mit der Shimano Alfine Nabe bestens bedient.

Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine im Vergleich

Mit Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine gibt es unterschiedliche Getriebeschaltungen für das Fahrrad. Wie die einzelnen Hersteller im Vergleich abschneiden, kannst du in der folgenden Gegenüberstellung nachlesen.

PinionRohloffEnviolo NuVinciAlfine
Max. Übersetzung636%526%380%307% - 409%
Max. Gangzahl1814Stufenlose Gänge8 oder 11
GarantieFünf Jahre bei Einhaltung der WartungsintervalleZwei JahreZwei JahreZwei Jahre
GewichtCa. 1700gCa. 2450gCa. 1700g
NachrüstbarkeitBenötigt speziellen RahmenKann durch individuelle Konfiguration mit fast jedem Rahmen verwendet werdenKompatibel mit 135x10mm AusfallendenPasst in jeden Rahmen mit einem Hinterbau mit den Maßen 10x135mm. Das ist quasi jeder Trekking- oder Citybike-Rahmen
Verwendung im E-BikeFunktioniert mit Nabenmotoren. Kein automatisches Schalten möglich. Getriebe kommuniziert auch nicht mit der Elektronik des Motors/Displays.Funktioniert mit Mittelmotoren. In Kombination mit Bosch Motoren wird die Nabenschaltung intelligent integriert. Empfohlene Gangwechsel werden angezeigt, im Stand wird automatisch auf einen leichten Gang zum Anfahren geschalten uvm.Funktioniert mit Mittelmotoren. Man kann die bevorzugte Trittfrequenz einstellen, die dann durch automatische Schaltvorgänge immer konstant gehalten wird.Funktioniert mit Mittelmotoren. In Verbindung mit dem Shimano Steps Motor kann auch automatisch geschaltet werden.
WartungFast wartungsfrei. Lediglich alle 10.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen.Fast wartungsfrei. Lediglich alle 5.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen.WartungsfreiWartungsfrei, gelegentlich müssen Schaltzüge an der mechanischen Version nachgestellt werden
SchaltgriffDrehschaltgriffDrehschaltgriffDrehschaltgriff„Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit
SchaltvorgangIm Stand oder Rollen und unter Teillast. In schnellere Gänge unter Volllast.Im Stand, Rollen und unter Teillast.Im Stand, Rollen und unter LastIm Stand, Rollen und unter Last
WirkungsgradDa nur zwei Getriebestufen vorhanden sind, ist ein Pinion Getriebe effizienter als eine Kettenschaltung. Der Wirkungsgrad liegt aber etwas unterhalb einer RohloffBietet den höchsten Wirkungsgrad aller NabenschaltungenDurch die erhöhte Reibung ergibt sich gegenüber einer Kettenschaltung ein leichter LeistungsverlustEtwas geringer als Rohloff Speedhub
AnschaffungskostenFahrräder samt Pinion Getriebe fangen aktuell bei ca. 2.500 € an. Seit 2019 auch für den Endverbraucher ab 649€ bis 1.499€ erhältlich.Ca. 1000 €Ca. 350-400 €Ab 150€ für die 8-fach Nabe ohne Zubehör, ca. 300€ für die 11-fach Variante

Hinweise zum Schalten unter Last

Es ist ganz wichtig, dass man bei einer Nabenschaltung niemals unter Last schaltet. Das führt zwangsläufig zu hohem Verschleiß.

Erfahrungen und Probleme mit der Alfine 11

Mittlerweile zeigen sich bei meiner Nabe des Öfteren erste Alterungserscheinungen: Anscheinend ist die Schaltzug-Rückholfeder der Nabe ihrer Aufgabe auf Dauer nicht gewachsen (die Verfechter des Rohloff-Prinzips der zwei Züge werden sich ein Grinsen nicht verkneifen können) - das Schalten in den elften Gang klappt dann erst nach etwas Wartezeit oder gutem Zureden.

Inzwischen fährt auch die oben getestete Nabe wieder, Fahren und Schalten tut sie super, aber nach mehreren kräftigeren Aussetzern im zweiten Gang ist sie offensichtlich intern so beschädigt, dass dieser Gang immer wieder ausrastet.

Wartung und Reparatur der Alfine 11

Gern teile ich hier meine Erfahrungen für alle RadlerInnen, die Probleme mit der Alfine 11 haben oder diese mal richtig gründlich warten möchten. Wer schon mal erfolgreich eine Nexus 8-Nabe gewartet hat, stößt hier auf keine riesengroßen Herausforderungen, allerdings geht es wie immer nur mit Schraubertalent und einer Basis-Werkstatt-Ausrüstung mit den üblichen Fahrradwerkzeugen und einem Schraubstock.

Bei den meisten Schaltproblemen muss die Alfine 11 gar nicht geöffnet werden. Man sollte das also nicht einfach zum Spaß machen. Vieles ist von außen reparabel: Ölwechsel, neuer Bowdenzug, die richtige Schaltzug- und Konus-Einstellung usw. helfen in der Regel.

Tipp: Drucken Sie sich die Shimano Explosionszeichnung unbedingt aus und nehmen Sie diese mit an den Arbeitsplatz. Ganz wichtig: Die Shimano Explosionszeichnung EV-SG-S700-3092A.pdf, da hier alle Teile bezeichnet sind (ausgedruckt links oben im Bild).

Nach dem Entfernen des Ritzels wird der starke Ölverlust deutlich. Hier ist was undicht. Der schwarze Kunststoffring „Kettengleiter“ ist nur locker aufgesteckt und kann einfach abgezogen werden. Es dürfen beim Zusammenbau keinesfalls Sandkörner oder Dreck hinein fallen! Die Nabe ist von Innen mit hochpräziser Feinmechanik vollgestopft. Grob reinigen reicht leider nicht aus.

Vor dem Lösen der Kontermutter des Konuslagers also nochmal gründlich putzen, z.B. Nun kommt das Spezialwerkzeug zum Einsatz. Achtung, das Gewinde läuft hier anders herum…

Nach dem Lösen des linken Konuslagers, kann die gesamte Getriebeeinheit zur Ritzelseite herausgenommen werden. Aber Achtung, auch hier versteckt sich wieder loser Dreck auf dem Wellendichtring (Siehe Pfeil Nr. 35). Dieser kann nach dem Säubern ganz vorsichtig herausgenommen werden. Darunter befindet sich das von innen ölgeschmierte, linke Konuslager.

Das Öl wird weiterhin heraustropfen, insbesondere, wenn die Getriebeeinheit gedreht in den Schraubstock eingespannt wird. Auf der rechten Seite sind leichte optische Laufspuren von der Schleifdichtung der Staubkappe A (Nr.26), die ich ersetzen werde. Das Öl der Alfine ist länger nicht gewechselt worden - man sieht es deutlich.

Kontrolle des inneren, gesäuberten Nabenkörpers auf Laufspuren. Auf Riefen, Macken oder Klemmspuren achten, denn dann stimmt etwas nicht und der Nabenkörper (und oft auch die Getriebeeinheit) müssen ersetzt werden. Die beiden glänzen Flächen zeigen den Rollen-Freilauf (Shimano-Sprech: „Silent Clutch“) der ersten Getriebeeinheit. Diese dienen dem Freilauf der drei Getriebeeinheiten. Im Inneren der gesamten Getriebeeinheit stecken noch zwei weitere Rollenfreiläufe.

Nach dem Einspannen der Getriebeeinheit in den Schraubstock erkennt man optisch den Zustand der Sonnen- und Planetenräder. Hier dürfen keine Zähne abgebrochen- oder verschlissen sein. Beachten sie die beiden Aussparungen mit den sichtbaren Haltenocken für die Federn. Genauso muss das später wieder zusammengebaut werden.

Auch die zweite und dritte Getriebeeinheit kann demontiert werden - z.B. um eine gebrochene Feder oder defekte Kupplung (Nr.15) zu entdecken. Die Nabe knackt dann bzw. lässt sich in vielen Gängen nicht mehr schalten.

Nachdem die Getriebeeinheit wieder zusammengesetzt wurde, wird die große Shimano Staubkappe A mit dem Spezial-Werkzeug mit viel Gefühl wieder eingeschraubt (nicht anballern, sie besteht aus weichen Kunststoffen). Vorher sollten die beiden Dichtlippen (siehe Pfeile im Bild) unbedingt mit Öl befeuchtet werden, damit es leicht läuft und die Gummidichtung nicht wieder vorschnell verschleißt.

Das linke Konuslager darf aber keinesfalls zu locker sitzen, die Alfine 11 verträgt (im Gegensatz nur Nexus 8) kein spürbares Spiel, da sie sonst undicht wird und die Lager vorschnell verschleißen. Andererseits dreht sich die Nabe durch die Menge an Zahnrädern und Lagern samt Abdichtung relativ schwer. Wir kommen hier in einen technischen Konflikt zwischen maximal möglichem Leichtlauf und einer technisch erforderlichen, absoluten Nullspiel-Toleranz.

Vor dem Schaltarm als letztes Teil aufgesetzt wird, habe ich ihn aufgeschraubt und penibel gereinigt, damit die einzelnen Gänge sich ganz leicht schalten lassen.

Die Alfine 11 wird grundsätzlich im sechsten Gang eingestellt. Dabei müssen die beiden gelben Punkte (siehe Pfeil im Foto) genau fluchten. Die Einstellung ist mindestens dreimal durchzuführen, indem vom 11. Gang in den 6. Gang geschaltet- und dann kontrolliert wird. Ein halber Millimeter vor oder hinter dem exakt übereinstimmenden Fluchtpunkt entscheiden hier oft über Sieg oder Niederlage.

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