Shimano Alfine 11 Schaltzug wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Die Shimano Alfine 11 ist eine beliebte 11-Gang Nabenschaltung (SG-S7001) von Shimano, die sich durch besondere Effizienz und eine ausgeglichene Gesamtperformance auszeichnet. Im City- und Touring-Sektor stellt diese Schaltung eine große Anzahl an Kunden zufrieden. Wenn die Schaltung korrekt eingestellt ist, sorgt Sie für durch verbesserte Abstufungen und einen leichten Lauf für ein komfortables Fahrgefühl.

Dieser Artikel teilt Erfahrungen für alle Radfahrer, die Probleme mit der Alfine 11 haben oder diese mal richtig gründlich warten möchten. Wer schon mal erfolgreich eine Nexus 8-Nabe gewartet hat, stößt hier auf keine riesengroßen Herausforderungen, allerdings geht es wie immer nur mit Schraubertalent und einer Basis-Werkstatt-Ausrüstung mit den üblichen Fahrradwerkzeugen und einem Schraubstock. Alle anderen gehen bitte zum Fahrradhändler - ich übernehme wie immer keine Verantwortung für die hier gegebenen Tipps.

Bei den meisten Schaltproblemen muss die Alfine 11 gar nicht geöffnet werden. Vieles ist von außen reparabel: Ölwechsel, neuer Bowdenzug, die richtige Schaltzug- und Konus-Einstellung usw. helfen in der Regel. Im weiteren Verlauf gehen wir noch detaillierter darauf ein.

Werkzeug und Vorbereitung

Drucken Sie sich die Shimano Explosionszeichnung unbedingt aus und nehmen Sie diese mit an den Arbeitsplatz. Ganz wichtig: Die Shimano Explosionszeichnung EV-SG-S700-3092A.pdf, da hier alle Teile bezeichnet sind.

Shimano Montagehilfe TL-S700 für Alfine

Die Shimano Montagehilfe TL-S700 für Alfine Schaltzüge ist eine Mess- und Befestigungshilfe für Schaltinnenzüge von Nabenschaltungen. Sie erleichtert die Befestigung der Innenzugschraube in der benötigten Länge von 184 mm. Das Spezialwerkzeug lässt sich für die Alfine 11-Gang-Getriebenaben SG-S700 und SG-S7001-11 verwenden.

Spezifikationen:

  • Funktion: Bearbeitung von Zügen, Warten von Getriebenaben
  • Werkzeugtyp: Sonderwerkzeug
  • Kompatibilität: Alfine SG-S700, SG-S7001-11
  • Material: Kunststoff
  • Features: zur Befestigung der Innenzugschraube in der benötigten Länge (184 mm)
  • Herstellernummer: Y-13098024

Demontage und Reinigung

Starten Sie mit der Demontage des Schaltarms und des Ritzels. Dazwischen sitzt eine Kunststoffscheibe namens Driver-Cap (Nr. 41), die später wieder montiert werden muss. Nach dem Entfernen des Ritzels wird der starke Ölverlust deutlich. Hier ist was undicht. Der schwarze Kunststoffring „Kettengleiter“ ist nur locker aufgesteckt und kann einfach abgezogen werden.

Achtung: Es dürfen beim Zusammenbau keinesfalls Sandkörner oder Dreck hinein fallen! Die Nabe ist von Innen mit hochpräziser Feinmechanik vollgestopft. Grob reinigen reicht leider nicht aus. Bei mir hat das Putzen der verölten und sandverkrusteten Bauteile sehr viel Zeit gekostet.

Unter der Gummistaubkappe links sitzt wieder massig Dreck, der unbedingt entfernt werden muss, weil darunter schon gleich die erste, empfindliche Dichtung sitzt. Vor dem Lösen der Kontermutter des Konuslagers also nochmal gründlich putzen, z.B. Nun kommt das Spezialwerkzeug zum Einsatz. Achtung, das Gewinde läuft hier anders herum…

Nach dem Lösen des linken Konuslagers, kann die gesamte Getriebeeinheit zur Ritzelseite herausgenommen werden. Aber Achtung, auch hier versteckt sich wieder loser Dreck auf dem Wellendichtring (Siehe Pfeil Nr. 35). Dieser kann nach dem Säubern ganz vorsichtig herausgenommen werden. Darunter befindet sich das von innen ölgeschmierte, linke Konuslager.

Mit etwas ruckeln und ziehen habe ich die öltriefende Getriebeeinheit nun ausgebaut. Das Öl wird weiterhin heraustropfen, insbesondere, wenn die Getriebeeinheit gedreht in den Schraubstock eingespannt wird. Das Öl der Alfine ist länger nicht gewechselt worden - man sieht es deutlich. In schlimmeren Fällen sieht man abgebrochene Metallpartikel oder Bauteilsegmente wie z.B. Fragmente von Federn.

Bevor es herausfällt, sollte nun das Konuslager samt Dichtring heraus genommen werden. Beides gründlich reinigen. Die Lauffläche des Konus und das Lager auf Laufspuren untersuchen. Falls diese sichtbar sind müssen die Teile ersetzt werden. Die Kugeln dürfen nicht von selbst aus dem Lagerring fallen, ansonsten das Kugellager erneuern.

Kontrolle des inneren, gesäuberten Nabenkörpers auf Laufspuren. Auf Riefen, Macken oder Klemmspuren achten, denn dann stimmt etwas nicht und der Nabenkörper (und oft auch die Getriebeeinheit) müssen ersetzt werden.

Nach dem Einspannen der Getriebeeinheit in den Schraubstock erkennt man optisch den Zustand der Sonnen- und Planetenräder. Hier dürfen keine Zähne abgebrochen- oder verschlissen sein. Die Pfeile im Bild zeigen auf die Haltenocken zweier Federn, die nicht gebrochen oder ausgeklinkt sein dürfen. Dies ist eine typische Fehlerquelle in der Alfine-Konstruktion, die bei vielen NutzerInnen für Probleme sorgt. Die Federn müssen leicht drehbar in ihren Nuten sitzen.

Nach genauer Begutachtung der Teile habe ich an dieser Stelle auf die weitere Demontage verzichtet, da alle Teile intakt aussahen und ich mit der Alfine ja noch keinen Meter gefahren bin.

Ersatzteile

Im Grunde genommen sind die Einzelteile nicht sonderlich teuer. Problematisch ist eher, das sie mühsam bei mehreren Händlern im Netz bestellt werden müssen, da nicht jeder alles vorrätig hat. Bei drei Einzelbestellungen hat man aber schon gleich ganz schnell zwanzig Euro Versandkosten oben drauf.

Ein kompetenter Shimano-Fahrradhändler vor Ort als Anlaufstelle zumindest für die Original-Ersatzteile wäre die Lösung gewesen. Haben Sie an das Getriebeöl samt ein Ölwechselkit gedacht?

Zusammenbau

Nachdem die Getriebeeinheit wieder zusammengesetzt wurde, wird die große Shimano Staubkappe A mit dem Spezial-Werkzeug mit viel Gefühl wieder eingeschraubt (nicht anballern, sie besteht aus weichen Kunststoffen). Vorher sollten die beiden Dichtlippen (siehe Pfeile im Bild) unbedingt mit Öl befeuchtet werden, damit es leicht läuft und die Gummidichtung nicht wieder vorschnell verschleißt.

Diese Dichtkappe ist aus verschieden festen Kunststoffmaterialien gefertigt und reagiert auf unsachgemäße Behandlung sicher extrem sensibel. Es wird sehr wahrscheinlich das verantwortliche Bauteil für die meisten Ölverluste auf Zeit an der Alfine 11 sein.

Das gilt vor allem auch für das weit außen liegende Konuslager, welches mit einer ordentlichen Ölladung eingesetzt werden will. Denn dafür gibt es einen guten Grund: Die beste Einstellung des Konuslagers entscheidet über die Effizienz der gesamten Fahrdynamik. Schon etwas zu stramm eingestellte Konuslager kosten sehr viel zusätzliche Energie, die im Nachhinein schwer zu lokalisieren ist.

Das linke Konuslager darf aber keinesfalls zu locker sitzen, die Alfine 11 verträgt (im Gegensatz nur Nexus 8) kein spürbares Spiel, da sie sonst undicht wird und die Lager vorschnell verschleißen. Andererseits dreht sich die Nabe durch die Menge an Zahnrädern und Lagern samt Abdichtung relativ schwer. Wir kommen hier in einen technischen Konflikt zwischen maximal möglichem Leichtlauf und einer technisch erforderlichen, absoluten Nullspiel-Toleranz.

Auf der rechten Seite wurden das Ritzel und die Metalldichtung ebenfalls leicht ölfeucht eingebaut, damit es schön leicht läuft. Auf dem Foto ist gut zu erkennen, das die Metalldichtung extrem passgenau aufliegt und keinesfalls verzogen oder verbeult sein darf. Zwischen diesen Teilen entstehen ansonsten zu viel Reibungsverluste beim Freilauf.

Bevor der Schaltarm als letztes Teil aufgesetzt wird, habe ich ihn aufgeschraubt und penibel gereinigt, damit die einzelnen Gänge sich ganz leicht schalten lassen.

Schaltzugeinstellung

Bei der Erneuerung ist das Maß zwischen der Tüllenhülse bis zur Klemmschraube von exakt 184 mm im 11. Gang einzuhalten, da die Alfine an der Rändelschraube des Rapidfire-Schalthebels sonst nicht sauber eingestellt werden kann. Nicht umsonst hat Shimano hierfür wieder ein Spezialwerkzeug (Nr. 46) entwickelt, auf das aber mit etwas Mühe verzichtet werden kann.

Auch die saubere Verlegung des Bowdenzugs ohne Knicke mit korrekten Radien entscheidet später über saubere Schaltvorgänge - oder eben nicht. Die Alfine 11 wird grundsätzlich im sechsten Gang eingestellt. Dabei müssen die beiden gelben Punkte (siehe Pfeil im Foto) genau fluchten.

Die Einstellung ist mindestens dreimal durchzuführen, indem vom 11. Gang in den 6. Gang geschaltet- und dann kontrolliert wird. Ein halber Millimeter vor oder hinter dem exakt übereinstimmenden Fluchtpunkt entscheiden hier oft über Sieg oder Niederlage. Bedenken Sie, dass sich neue Bowdenzüge in den ersten Wochen noch setzen und die Einstellung wahrscheinlich einmal wiederholt werden muss.

Hinten an der Schalteinheit befinden sich zwei gelbe Markierungen. Ist dies nicht der Fall, muss die Schaltung neu eingestellt werden. Dies geschieht mit Hilfe der Einstellschraube am Schalthebel. Schalten Sie nochmals vom elften in den sechsten Gang und überprüfen Sie abschließend die Einstellungen.

Nach korrekter Einstellung der Nabenschaltung dürfen Sie nun eine Testfahrt durchführen.

Aus- und Einbau des Hinterrads

Der Aus- und Einbau des Hinterrads stellt viele Nabenfahrer vor Probleme. Er steht deshalb hier an erster Stelle. Dann wird das Ritzel demontiert, gereinigt und wieder eingebaut.

Schritte

  1. Zugentspannung: Schalten Sie in den letzten Gang (Alfine 11: Gang 11, Alfine 8: Gang 8). Der Schaltzug ist nun ganz entspannt. Drücken Sie dann die Nase der Schaltmechanik gegen die innere Feder in Fahrtrichtung bis zum Anschlag nach vorn.
  2. Zuganschlag: Ziehen Sie den Schaltzug aus seinem Widerlager kurz vor der Nabe. Der Blecharm gibt Schaltzug und Gummihülse beim Ziehen in Fahrtrichtung nach unten aus der Schlitzpassung frei.
  3. Zuganker: Führen Sie den losen Schaltzug von oben bis zum Zuganker aus Nut und Haltenasen. Der Zuganker löst sich aus seinem Langloch, wenn Sie den Kloben beim Herausnehmen etwas gegen die Fahrtrichtung verdrehen.
  4. Entriegeln: Öffnen Sie dann die Achsmuttern und bauen Sie das Laufrad aus. Nehmen Sie Muttern und Sicherungsscheiben von der Achse. Am Laufrad öffnen Sie den äußeren Verschlussring mit einer Vierteldrehung nach links und heben ihn dann ab. In offenem Zustand stehen die gelben Punkte von Verschluss und Mechanik genau nebeneinander.
  5. Schaltmechanik: Die Schaltmechanik steckt nur lose in ihrer Vielzahn-Aufnahme. Heben Sie die zweiteilige Einheit ab. Beachten Sie auch hier die roten Markierungen: Beim Einbau müssen alle roten Punkte in einer Linie stehen.
  6. Abdeckring: Ein schwarzer Plastikring verdeckt nun die darunterliegende Ritzelbefestigung. Hebeln Sie ihn mit Schraubendreher und Gefühl nach oben ab. Er ist nur straff auf den Nabenflansch geklickt.
  7. Ringfeder: In einer waagerechten Nut im Nabenflansch sichert ein Ring aus Federstahl das Ritzel. Kleine Fräsnasen lassen Platz für einen Schraubendreher. So könnnen Sie die Ringfeder vorsichtig aus der Passung hebeln.
  8. Ritzel: Jetzt lässt sich das gezahnte Ritzel mitsamt Ablaufscheiben vom Nabenflansch heben. Ältere Modelle verzichten auf die Ablaufscheiben. Legen Sie alle Teile in der richtigen Reihenfolge und Einbauposition beiseite. Reinigen Sie alle Oberflächen sorgfältig mit einem Lappen.
  9. Fetten: Pinseln Sie dünn Lagerfett auf den Ritzelsitz und alle Metall­oberflächen. Bauen Sie dann die Teile in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammen.
  10. Achssicherung: Achten Sie beim Zusammenbau auf die korrekte Ausrichtung der Teile. Alle roten Punkte liegen in einer Linie. Die gelben Punkte markieren die Einbauposition des offenen Verschlussrings. Die Achse ist beidseitig abgeflacht. Die Nasen ihrer Sicherungsmuttern greifen in den Schlitz des Ausfallendes und sichern so die Nabe gegen Verdrehen beim Antritt.

Einstellung nach dem Einbau

  1. Referenzgang: Zum Einstellen der Gangsprünge schalten Sie am Hebel in den Referenzgang: Gang 6 bei Alfine 11, Gang 4 bei Alfine 8. Der Referenzgang ist als einziger zwischen erstem und letztem Gang in der Anzeige nummeriert.
  2. Nabenmarkierungen: Im Referenzgang müssen beide gel­ben Markierungen an der Nabe genau parallel nebeneinander stehen. Ist dies nicht der Fall, drehen Sie die Stellschraube am Hebel so weit vor- oder rückwärts, bis die Striche übereinstimmen. Das ist jedoch nur die erste Grundeinstellung.
  3. Feinjustage: Schalten Sie alle Gänge bei langsamer Fahrt auf ruhigem Gelände nacheinander durch. Stellen Sie dabei die Stellschraube am Schalthebel so lange in viertel oder halben Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn nach, bis Hebel-Klick und Gang­sprung exakt synchron sind: Bei idealer Spannung überträgt der Schaltzug jeden Gangwechsel auf- und abwärts absolut prompt und knackig.

Zusätzliche Tipps

  • Die gesamte Alfine 11 wird komplett durch das innere Ölbad geschmiert. Lagerfett (wie bei den Shimano Nexus-Schaltungen) verdickt das Öl künstlich und erzeugt so Schaltprobleme. Die Lager dürfen also nicht gefettet, sondern nur geölt eingebaut werden.
  • Nach dem Anklipsen habe ich ein leichtes Spiel bemerkt - der Schaltarm wackelte leicht und war bereits optisch angeschliffen. Dieses Phänomen kenne ich von der Nexus 8 Schaltung nicht und es machte mir Sorgen. Der Schaltarm funktionierte bei der ersten Probefahrt trotz der Wackelei. Trotzdem habe ich für wenig Geld einen neuen Schaltarmsatz (Shimano Alfine Kleinteile-Set für SM-S700) bestellt, da ich die anderen Kleinteile ebenfalls benötigte.
  • Das gilt auch für die absolut erforderliche Leichtgängigkeit des neuen, leichtgängigen Schaltbowdenzugs.

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