Das BR-MT200 Scheibenbremsen-Set von Shimano ist ein preisgünstiges Bremssystem, das sich durch sein vielseitiges Design auszeichnet. Es eignet sich für zahlreiche Fahrradtypen im MTB- oder auch Trekking- und Urban-Bereich.
Technische Details und Lieferumfang
Das Shimano BR-MT200 Scheibenbremsenset (VR + HR) kommt mit folgender Herstellernummer: E-MT200KLFPRA100 + E-MT200KRRXRA170.
Der Lieferumfang umfasst:
- 2 x Scheibenbremse Shimano BR-MT200 + BL-MT200, VR und HR
- 1 x Bremsleitung Shimano SM-BH59-JK-SS 1000 mm (VR)
- 1 x Bremsleitung Shimano SM-BH59-JK-SS 1700 mm (HR)
- 2 Paar Bremsbeläge Shimano
- 2 x Insertpin
- 2 x Olive
- 4 x Befestigungsschraube Bremssattel
- 2 x Sprengring
Das Set wird montagefertig befüllt und entlüftet geliefert.
Leistung und Anwendungsbereich
Die Leistung der 2-Kolben-Bremssättel ist an Einsteiger angepasst und entfaltet sich zuverlässig ohne große Geräuschentwicklung. Dank One Way Bleeding Technologie ist die Entlüftung kein Problem.
Dabei wurden die Leitungswege so optimiert, dass keine Luftblasen mehr im Bremssattel zurückbleiben. In Kombination mit dem Trichter lässt sich die Bremse sauber und einfach entlüften.
MTB-Scheibenbremsen im Vergleich
Um die BR-MT200 besser einordnen zu können, ist es hilfreich, einen Blick auf andere MTB-Scheibenbremsen zu werfen. MountainBIKE hat 2015 elf Bremsen aus zwei Preisklassen im Labor und in der Praxis getestet. Dabei wurden Bremspower, Standfestigkeit, Dosierbarkeit und Ergonomie bewertet.
Testkriterien und Ergebnisse
Im Test wurden die Bremskraft bei Nässe und Trockenheit sowie die Standfestigkeit der Scheibenbremsen gemessen. Zudem wurde die Dosierbarkeit in der Praxis getestet.
Schon die preiswerten MTB-Bremsen liegen meist auf hohem Niveau. Vor allem die Formula CR3 bietet viel Power und lässt sogar die teuren Scheibenbremsen von FSA, Hope und Sram hinter sich.
Bei den hochpreisigen Mountainbike-Bremsen liefern Brake Force One, Shimano, Trickstuff und allen voran Magura immense Power. Top-Ergonomie bieten die Bremsen von Sram, Shimano und Hope mit schlankem Einfingerhebel.
In Sachen Dosierung punkten Shimano und Sram, aber auch Magura. In der Praxis gab es in puncto Standfestigkeit nur kleinere Auffälligkeiten, im Labor deformierten jedoch die Alu-Rippen der Shimano-Ice-Tech-Scheibe so sehr, dass diese am Sattel schliffen.
Bedeutung starker Bremsen
Wer richtig schnell sein will, muss auch schnell langsam werden können. Starke Bremsen helfen, maximale Verzögerung auf den Boden zu bringen und die Kontrolle auf immer anspruchsvolleren Strecken zu behalten.
Gerade Einsteiger tendieren dazu, mehr auf der Bremse zu hängen - das geht nicht nur aufs Material, sondern auch auf die Unterarme. Wer viel Kraft zum Bremsen braucht, kriegt schnell Arm-Pump. Das kostet Sicherheit und zwingt euch dazu, langsamer zu werden oder sogar stehen zu bleiben, während eure Kumpels davon ziehen - mies.
Die Lösung dafür lautet starke Bremsen, die dennoch gut zu dosieren sind.
Hydraulische Scheibenbremsen: Funktionsweise und Bremsflüssigkeiten
Im Testfeld finden sich nur hydraulische Scheibenbremsen, wie sie schon seit Jahren in modernen MTBs als Standard gelten.
Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT.
Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig.
DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Die DOT-Flüssigkeit ist in Nummern unterteilt, wobei hauptsächlich DOT 4 und 5.1 bei MTBs vertreten sind. Je höher die Zahl, desto höher ist die Siedetemperatur der Flüssigkeit. Das wichtigste Merkmal von DOT-Bremsflüssigkeit ist, dass sie hygroskopisch ist.
Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht: Wie beim Salatdressing schwimmt das Öl einfach oben - eine typische Emulsion.
Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt in jedem Fall dem Hersteller, einfaches Wechseln zwischen den verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich. Dabei können Dichtungen und auch Bremsleitungen zu Schaden kommen. Der Einfluss aufs Bremsgefühl ist zudem marginal.
Bremsbeläge und Bremsscheiben
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar.
Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Wobei sie sich in den Grund-Bestandteilen nicht unterscheiden. Diese sind Reibmaterial, Gleitmittel und Fasern.
Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt.
Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll.
Noch ein wesentlicher Unterschied bei den Bremsscheiben: Es gibt ein- und zweiteilige. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert.
Kommt es zur Befestigung der Bremsscheiben am Rad, ist der Markt zwischen Shimano und dem Rest der Bremsenwelt gespalten. Stichwort 6-Bolt vs. Centerlock.
Testverfahren und Ergebnisse
Für unseren umfassenden Bremsentest haben wir alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet.
Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail.
Für den Trail-Test waren wir mehrere Tage im sonnigen Spanien, um die Bremsen back-to-back auf einer definierten Teststrecke zu fahren. So konnten wir ordentlich Tiefenmeter sammeln, die Bremsen auf Temperatur bringen und einen direkten Vergleich erfahren.
Zudem sind wir alle Bremsen auf unseren bekannten Hometrails gefahren und haben unsere jahrelangen Erfahrungen mit einfließen lassen. Denn in Summe haben wir über die letzten Jahre hunderte von Bremsen „erfahren“.
Unseren ausführlichen Labortest haben wir beim Belag-Spezialisten Sinter in Slowenien durchgeführt. Dort stellt Sinter nicht nur eigene Bremsbeläge her, sondern verfügt auch über ein großes Testlabor, das wir für mehrere Tage belegt haben.
Nach dem vorgeschriebenen Einbremsverfahren wurden alle Bremsen mit original Bremsbelägen und Bremsscheibe auf dem Prüfstand montiert.
Max. Um die Unterschiede der Bremsen auf unserer auswendig gelernten Teststrecke noch besser erfahren und vor allem aufzeichnen zu können, haben wir jeweils an einem Bike das BrakeAce Telemetrie-Messsystem aus Neuseeland verwendet.
Der Test auf dem Trail beginnt denkbar unromantisch: Alle Bremsen müssen montiert und entlüftet werden. Hier haben sich bereits die ersten großen Unterschiede in Sachen Handling und Usability aufgetan. Einige Bremsen werden per Trichter entlüftet, andere mit Spritzen und zu jeweils ganz unterschiedlichen Ports.
Die Trails sind gespickt mit Steinplatten und sandigen Kurven, auf denen feines Dosieren besonders wichtig ist.
Neben dem Fokus auf Bremspower und Standfestigkeit konnten so auch gut die Modulation, das Hebelgefühl und die Ergonomie der Bremsen getestet werden.
Auf dem Papier sind sich alle Bremsen sehr ähnlich, die Preisunterschiede aber sehr groß. Das spiegelt sich in der Performance allerdings nicht immer wider.
Im Test, egal ob Telemetriedaten, Labor- oder Trail, haben sich große Unterschiede gezeigt, aber auch, dass Bremsen viel mit persönlichen Vorlieben und Gefühl zu tun haben. Manche mögen es knallhart, während andere gern fein dosieren und modulieren wollen.
Beispielhafte Testergebnisse
- Hayes Dominion T4: Enorme Performance, sehr gutes Bremsgefühl, geringstes Gewicht, nützliche technische Features.
- Shimano SLX: Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis, starke Verzögerung, solide Dosierbarkeit.
Zusammenfassung
Die Shimano BR-MT200 Scheibenbremsen bieten eine solide Leistung für Einsteiger und sind vielseitig einsetzbar. Im Vergleich zu anderen MTB-Bremsen zeigt sich, dass es viele Faktoren gibt, die die Performance beeinflussen, und dass persönliche Vorlieben eine große Rolle spielen.
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