Shimano Scheibenbremse richtig einbremsen: Eine detaillierte Anleitung

Die Scheibenbremse ist zweifelsohne ein Meilenstein in der Welt des Fahrradfahrens, aber um ihre Spitzenleistung zu erreichen, ist das Einbremsen von entscheidender Bedeutung. Bei einem neuen Fahrrad mit Scheibenbremsen ist besonders zu beachten, dass die Bremsen zunächst richtig eingebremst werden. Das Einbremsen ist der Prozess, bei dem du die Bremsbeläge und Bremsscheiben aufeinander abstimmen und optimieren kannst. Neue Scheibenbremsen sind oft mit einer glatten Oberfläche ausgestattet, die ihre volle Bremskraft einschränkt.

Warum ist das Einbremsen wichtig?

Das Einbremsen ist nicht unbedingt ein aufwendiger, dafür aber ein extrem signifikanter Prozess für die spätere Performance deiner Bremsen. Hier erfährst Du, wie Du Bremsbeläge am besten einbremsen kannst und warum das sinnvoll ist.

Kurz und bündig: Drei gute Gründe für richtiges Einbremsen

  • Maximale Bremswirkung erzielen: Rauhe Oberflächen auf Belag und Scheibe werden beim Einbremsen geglättet. Erst dann liegen beide Reibpartner plan und großflächig aufeinander.
  • Bremsbeläge widerstandsfähig machen: Ab Werk besitzt ein Bremsbelag noch nicht die größtmögliche Härte. Er enthält Stoffe, zum Beispiel Bindemittel, die durch Hitze herausgelöst werden müssen, damit sich eine optimale Reibschicht bildet. Diese Hitze muss beim Einbremsen erzeugt werden.
  • Geld sparen: Das Einbremsen macht die Beläge lange haltbar. Deshalb sparst du unterm Strich bares Geld.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einbremsen

Moderne Scheibenbremsen am Fahrrad (MTB, Trekkingrad, CityBike) sind die optimale Art sehr kraftvoll, aber doch wohl dosiert, zu bremsen. Sind die Scheibenbremsen bzw. Beläge aber neu, müssen diese ab dem ersten Tag "eingebremst" bzw. "eingefahren" werden. Beim Einbremsprozess bzw. Einschleifen passen sich Bremsscheibe (Disc Brake) und Bremsbelag optimal aufeinander an.

1. Vorbereitung

Zum Einbremsen Deiner Bremsanlage solltest Du Dir eine sichere Umgebung suchen, wo Du ungestört bist und relativ viel Platz hast. Ein leerer Parkplatz funktioniert gut, aber auch ein übersichtlicher Forstweg, auf dem wenig los ist. Stelle dein Fahrrad auf einen sicheren Ständer. Überprüfe zuerst, ob deine Bremsscheiben und -beläge in gutem Zustand sind.

2. Einschleifen der Beläge und Scheiben

Beläge und Bremsscheiben müssen zunächst eingeschliffen werden. Das ist wichtig, damit die mikroskopisch kleinen Unebenheiten der jeweiligen Oberflächen ausgeglichen werden. Ansonsten reiben nur die Spitzen dieses Mini-Gebirges aufeinander, was zu extrem hoher lokal begrenzter Hitzeentwicklung führt.Die Folge: Beläge werden thermisch überlastet und können verglasen (insbesondere Sintermetall-Beläge), Scheiben können verziehen. Wir beginnen daher mit einer ganz sanften Schleiffahrt in Schrittgeschwindigkeit. Lasse dafür einfach die Bremse bei langsamer Fahrt leicht schleifen, damit sich mikroskopisch feine Unebenheiten von Bremsklötzen und Bremsscheibe anpassen. Lassen Sie dabei zuerst die MTB-Scheibenbremse bei langsamer Fahrt oder geringem Gefälle 200 bis 300 Meter leicht schleifen.

3. Moderate Bremsungen

Den Einbremsprozess der Scheibenbremse geben die Bremsenhersteller meist so oder so ähnlich an: mindestens 30 moderate Bremsungen aus mittlerer Geschwindigkeit (ca. 30 km/h) fast bis zum Stillstand. Beschleunige dazu acht bis zehn Mal auf 30 km/h und bremse bestimmt und kontrolliert auf Schrittgeschwindigkeit herunter, ohne eines der Räder dabei zu blockieren. Fast bis zum Stillstand deshalb, damit sich keine Anhäufungen von Bremsbelag auf der Reibfläche bilden, die später ungewünschte Vibrationen (Ursache für Geräusche) hervorrufen können. Man sollte während dieses Schrittes eine Zunahme der Bremswirkung spüren. Erhöht sich die Bremspower der Scheibenbremse nicht mehr merklich, ist dieser Schritt abgeschlossen.

4. Heißbremsen (nur bei organischen Belägen)

Zum Abschluss des Einbremsens von Scheibenbremsen am Mountainbike sollte man - bei organischen Belägen - das Ausgasen provozieren. Dazu auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln!) so lange schleifen lassen (also: richtig heiß bremsen), bis das Initial-Fading beginnt, die Bremswirkung also deutlich nachlässt. Ganz Hartgesottene bleiben jetzt sogar so lange auf der MTB-Bremse, bis die Verzögerungswirkung wieder zurückkommt. Erst dann ist der Belag optimal eingebremst, verschleißfest und standfest. Die oben beschriebenen Bremsvorgänge sollten so oft wiederholt werden, bis die Bremsen heiß sind, um den Ausgasungsprozess zu ermöglichen.

5. Spezielle Hinweise für organische und gesinterte Beläge

Es gibt „organische“ und „gesinterte“ Bremsbeläge. Organische Bremsbeläge setzen sich aus verschiedenen Produkten der organischen Chemie zusammen. Gesinterte Bremsbeläge bestehen aus gesinterten Metallen. Diese Sintermetalle werden mit viel Druck und Hitze zusammengepresst.

Basiswissen - Organische vs. Gesinterte Bremsbeläge

Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen: Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen. Und gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen. Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.

Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.

Sinter-metallische Bremsbeläge und auch die meisten sogenannten semi-metallischen Belagmischungen bei Scheibenbremsen benötigen diesen Schritt in der Regel nicht zum Ausgasen, da sie keine oder nur sehr geringe Anteile flüchtiger Lösemittel enthalten. Allerdings müssen auch sie hohen Temperaturen ausgesetzt werden, damit sich die nötige Reibschicht nachhaltig ausbilden kann.

6. Abschließende Schritte

  • Wichtig! Bremse nicht bis zum Stillstand des Rades.
  • Es ist einfacher, sich zunächst auf eine Bremse zu konzentrieren.
  • Widme Dich der Vorder- und Hinterradbremse jeweils einzeln! So funktioniert das Einbremsen besser als würdest Du versuchen, beide zugleich einzubremsen.

Zusätzliche Tipps und Hinweise

Regelmäßige Wartung

Halte deine Bremsscheiben und Beläge stets sauber und frei von Schmutz und Öl. Achte beim Reinigen deines Rades darauf, dass nicht jedes Reinigungsmittel mit den Bremsparts in Berührung kommen darf. Einige Hersteller weisen sogar explizit darauf hin, dass ihre Bremsprodukte nicht mit Bremsreiniger in Verbindung gebracht werden dürfen.

Bremstechnik

Lerne die richtige Bremstechnik, um die Bremsbeläge und -scheiben zu schonen. Wer seine Bremsen pausenlos schleifen lässt, gibt dem Bremssystem keine Möglichkeit abzukühlen und riskiert Überhitzungen. Die Folge: die Belagoberflächen der Bremsbeläge „verglasen“ und werden „speckig“.

Verunreinigungen vermeiden

Halte die Scheibenbremse und Bremsbeläge fern von jeglicher Art von Ölen, Fetten, Schmiermitteln und Bremsflüssigkeit. Solltest du Kettenspray aus der Dose nutzen, achte beim Auftragen auf jeden Fall auf den Sprühnebel, welcher sich unkontrolliert verteilen und der Bremsscheibe anhaften kann.

Was tun bei verglasten oder verölten Bremsbelägen?

Sind Bremsbeläge aufgrund von unsachgemäßem Einbremsen oder einer ausgereizten Dauerbelastung leicht verglast, ist ihr Schicksal nicht unweigerlich besiegelt. Oftmals hilft die Bearbeitung mit einem Schleifpapier (Körnung 100 bis 150), um den Belag wieder anzurauen. Um eine gleichmäßige Abtragung zu gewährleisten, achte auf jeden Fall darauf, dass die Beläge plan aufliegen, während du sie bearbeitest. Nach einem kreuzweisen Anschliff sollten die Bremsen wieder deutlich mehr Power bekommen. Reinige vor der Montage auf jeden Fall auch deine Scheibenbremse gründlich mit Spiritus, um dort verbliebene Rückstände ausschließen zu können. Leichte Verglasungen können so durchaus behoben werde, bei einer starken Verglasung raten wir hingegen dringend zum Neukauf.

Anders verhält sich die Situation bei verölten Bremsen. Zwar findet man immer wieder DIY-Tipps im Netz, welche Schmierrückstände mithilfe von Hitze beseitigt haben wollen, allerdings können wir hiervon nur abraten. Gerade organische Bremsbeläge sind hitzeanfälliger als Sintermetalle und können springen, reißen und im schlimmsten Fall zu Verletzungen führen. Bei einem Anschaffungswert der meisten Bremsbeläge von zehn bis 20 Euro würden wir hier immer einen Neukauf vorziehen.

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