Shimano Bremsen: Ein umfassender Modellüberblick

Der Satz "Wer später bremst, ist länger schnell" ist wohlbekannt. Um das Maximum an Geschwindigkeit in die nächste Sektion mitzunehmen, braucht man die jeweils beste Bremse. Nicht nur beim Downhill, sondern bei jeder Mountainbike-Disziplin. An dieser Stelle solltest Du also auf keinen Fall sparen!

Nicht nur bei Mountainbikes, sondern auch bei Autos ist die Bremse als "sicherheitsrelevantes Bauteil" eingestuft. Auf Deutsch heißt das, dass es eins der Teile ist, von dem die Gesundheit und sogar Leben des Fahrers abhängen.

Genauso, wie Du vor jeder Fahrt den Druck Deiner Reifen kontrollierst, solltest Du ebenfalls den Zustand Deiner Bremsbeläge, die Dichtigkeit von Bremszylindern und -schläuchen sowie den Druckpunkt Deiner Bremse prüfen. Abgefahrene Bremsbeläge können Deine Bremsscheibe beschädigen und, natürlich, zu Bremskraftverlust führen. Undichte Hydraulikleitungen verlieren Öl, was nach gewisser Zeit zu einem Komplettausfall Deiner Bremsanlage führen kann. Findest Du bei Deiner Kontrolle einen Mangel, stelle sicher, dass Du ihn vor der nächsten Fahrt behoben hast.

Die Entwicklung der Mountainbike-Bremsen

Aber fangen wir bei den Grundlagen an. Mountainbikes gibt es nun schon einige Dekaden und natürlich hat sich die Technik weiterentwickelt. Wenn Pioniere wie Hans Rey und Gary Fisher noch mit Cantileverbremsen unterwegs waren, durften Richie Schley und Co. schon mit den deutlich bissigeren V-Brakes stoppen. Nach und nach hielt die Technologie der Automobilindustrie (und die der Motorräder) Einzug und die ersten Scheibenbremsen tauchten auf. Anfangs noch klobig und teilweise mit Seilzügen bedient, wurden sie doch schnell zum neuen Must-Have und inzwischen gibt es kaum noch ein Mountainbike, das ohne Scheibenbremse auskommen muss. Inzwischen sind fast nur noch hydraulische Scheibenbremsen zu finden.

Natürlich ist nicht alles so einfach wie die Frage "Scheibenbremse oder nicht?" - denn mit der neuen Technologie kam neue Finesse. Und wie auch bei Auto und Motorrad macht es einen großen Unterschied, für welchen Einsatzzweck eine Bremse entworfen wurde. Wie anfangs erwähnt stellt sich also vorrangig die Frage, welche Bremse für Dich die richtige ist. Egal welcher Hersteller, SRAM, Shimano oder Formula, alle haben sie unterschiedlichste Modelle, um zu den unterschiedlichsten Mountainbikes und Geldbeuteln zu passen.

Du bist vor allem auf Deinen Hometrails unterwegs und fährst eher am Wochenende, die Alpen sind für Dich eher etwas Exotisches, das Du und Dein Mountainbike einmal im Jahr zu sehen bekommen? Dann wäre eine Zweikolbenbremse wie die Shimano XT M800 sicher was für Dich. Hast Du dagegen Downhill im Blut und die schwarzen Lines der Bikeparks sind Dein natürlicher Lebensraum?

Die Wahl der richtigen Bremsbeläge

Wenn es Dich schon überrascht hat, dass es verschiedene Bremssysteme gibt, kommt hier die nächste Offenbarung: Auch die Wahl der Bremsbeläge will richtig getroffen werden. Der Unterschied bei Fahrrad-Bremsbelägen ist recht einfach. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen organischen und metallischen Bremsbelägen. Diese haben bei verschiedenen Herstellern unterschiedliche Namen wie "gesintert", "metallisch" oder eine Typenbezeichnung.

Wichtig zu wissen ist folgendes: Organische Bremsbeläge nutzen sich schneller ab, weil sie etwas weicher sind, bieten meist aber auch eine bessere Bremsperformance. Metallische Beläge bremsen dementsprechend nicht ganz so bissig, halten aber auf langen Abfahrten besser durch. Metallische Beläge gibt es von jeder Marke und auch von Drittherstellern. Wer sich etwas mehr Bremspower aber auch langlebige Bremsbeläge wünscht, kann auf die semi-metallischen Bremsbeläge zurückgreifen. Diese bieten gute Bremskraft bei verbesserter Haltbarkeit. Wer vor allem gute Bremskraft möchte oder eher im Nassen unterwegs ist, sollte zu organischen Bremsbelägen greifen.

Dein Mountainbike verschleißt Bremsbeläge genauso wie Reifen. Manche halten dabei länger, manche kürzer. Wichtig ist, sie in regelmäßigen Abständen zu tauschen. Die Art und Weise unterscheidet sich von Modell zu Modell, hierzu findest Du genauere Informationen in der Gebrauchsanweisung Deiner MTB-Bremse. Generell gilt: Das jeweilige Rad muss ausgebaut werden, um bequem an die Bremsbeläge zu kommen. Nun wird die Belagssicherung entfernt, oft handelt es sich hierbei um eine Schraube, die Beläge und Bremszange verbindet. Meist ist diese durch einen extra Splint gesichert, den Du zuerst entfernen musst, bevor Du die Schraube lösen kannst. Alte Beläge raus, neue Beläge rein und alles so einsetzen, wie zuvor. Festziehen, Rad einbauen und dann die Brems auf gerader Strecke einbremsen. Dafür genügt es, etwas zu beschleunigen und dann vorsichtig aber beherzt abzubremsen. Wiederhole diesen Vorgang so lange, bis Du das Gefühl hast, dass die Beläge richtig greifen. Achtung: Stelle sicher, dass niemals Öl oder ähnliches auf die Beläge kommt, beispielsweise beim Ölen der Kette!

Bremsscheiben: Durchmesser und Montage

Bei den Bremsscheiben unterscheidet man vor allem zwischen den verschiedenen Herstellern, also ob Du beispielsweise eine SRAM oder Shimano-Bremse fährst. Natürlich gibt es noch Dritthersteller wie Galfer, die sich auf die einzelnen Teile spezialisiert haben. Hier ist es nur wichtig, dass Du die für Deine Bremse passende Bremsscheibe auswählst. Welchen Bremsscheibendurchmesser hast Du? Brauchst Du vorne statt der kleineren 180mm Scheibe vielleicht eine 200mm große für mehr Bremspower und Widerstand gegen Fading? Auch wichtig ist die Montage. Hier unterscheidet man hauptsächlich zwischen 6-Loch und Centerlock. Bei Letzterem brauchst Du ein spezielles Werkzeug, um die Scheiben zu montieren.

Fährst Du ein E-Bike, solltest Du außerdem auf eine solche Zertifizierung achten. Generell sollten auch Bremsscheiben in regelmäßigen Abständen getauscht werden, um Materialermüdung vorzubeugen.

Je größer die Scheibe, desto höher die Bremskraft. Im Mittel aller unserer Bremsentests erreichte eine 180-mm-Disc nur 86 Prozent der Bremskraft einer 200-mm-Scheibe. Bei 160 mm sind es 77 Prozent. Einige Hersteller bieten noch größere Rotoren mit noch mehr Durchmessern (um 220mm) an, die noch giftiger zubeißen sollen. Gleichzeitig gelten sie als standfester bei schweren Fahrern oder massiven E-Mountainbikes in langen Abfahrten.

Montage und Wartung

Natürlich bleibt alles Theorie, wenn Du die Bremse nicht an Dein Mountainbike montierst. Dafür musst Du die Bremsleitungen an oder in Deinem Rahmen verlegen. Von vielen Herstellern gibt es gerade für die interne Verlegung Montagekits, sodass Du nicht Stunden damit verbringst. Achte bei der Montage darauf, dass kein Öl auf die Bremsbeläge kommt. Am besten nimmst du sie zur Montage aus der Bremszange. Ist alles verlegt und die Bremse angeschlossen, kannst Du die Bremsbeläge wieder einsetzen und die Räder montieren. Jetzt ist vermutlich Entlüften angesagt.

Hast Du alles richtig montiert und Bremsbeläge, Leitungen und Bremsscheiben regelmäßig im Auge, steht dem sicheren Ausritt mit Deinen neuen MTB-Bremsen nichts mehr im Wege!

Shimano Bremsen im Überblick

Das Portfolio von Shimano ist riesig und dadurch auch ein wenig unübersichtlich. Zumindest namentlich ist das Shimano-Produktangebot, das Bremsen, Schaltgruppen und auch den ganzen Antrieb enthält, seit vielen Jahren unverändert. Nach CUES und DEORE beginnt in aufsteigender Hierarchie die Serie mit „X“ im Namen: SLX, XT und XTR. Sie sind gleichzeitig aber auch mit einem Zweikolben-Bremssattel erhältlich.

Shimano SLX

Die Shimano SLX ist die günstigste Bremse aus dem Hause des japanischen Herstellers in unserem Vergleichstest. Für 350 € verkörpert die zweitgünstigste Bremse im gesamten Testfeld unauffälliges Understatement und solide japanische Qualität. Die SLX ist Shimanos klassische Brot & Butter-Bremse und entspricht mit 600 g ohne Scheiben ziemlich genau dem Durchschnittsgewicht in unserem großen Bremsen Vergleichstest. Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Optik - außer in farblicher Hinsicht - kaum von der XT- oder XTR Bremse. Bei genauerem Fühlen kommt die SLX jedoch nicht ganz so hochwertig daher wie die XT und XTR: Die Bremshebel verzichten auf die Struktur, die den Fingergrip erhöhen soll. Dafür ist die Hebelweitenverstellung wie bei den anderen Modellen einfach und werkzeuglos.

Das Entlüften der Shimano-Bremsen funktioniert dank Trichter am Bremsgriff und dem sogenannten „One-Way Bleeding“ denkbar einfach: Geber-Einheit waagrecht stellen, Trichter füllen, aufschrauben und ein paar Mal die Bremse betätigen. Das bekommt wirklich jeder hin.

Die Bremspower der Shimano SLX-Bremse auf dem Trail ist sehr gut und ähnelt stark den anderen Shimano-Bremsen im Test. Wie bei den restlichen Stoppern des japanischen Herstellers ist auch das Bremsgefühl der SLX „digital“: Der Druckpunkt ist richtig knackig und deutlich definierter im Vergleich zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die volle Power liegt fast schon zu Beginn des Druckpunkts an und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar.

Dennoch lässt die Shimano SLX zum Kampfpreis nichts missen und verzögert auch in Extremsituationen sehr kraftvoll. Im Vergleich zu den teuren Shimano-Modellen muss man hier nur beim Gewicht leichte Abstriche machen, und so bekommt die SLX die Auszeichnung Kauftipp im großen Bremsen-Vergleichstest 2024. Denn für 350 € lässt die Shimano SLX keine Wünsche offen und überzeugt sowohl in Verarbeitung, Haptik, Ergonomie und natürlich auf dem Trail.

Wer sich noch mehr End-Verzögerung wünscht, kann die SLX-Bremse mit den Sinter Green-Belägen günstig upgraden und - zumindest im Labor - nahezu auf ein Level mit der fast viermal so teuren Trickstuff MAXIMA heben.

Weitere Shimano Schaltgruppen

  • Shimano Tourney: Konzipiert für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder.
  • Shimano Altus: Bietet solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis.
  • Shimano Acera: Ermöglicht erste Erfahrungen im Gelände.
  • Shimano Alivio: Geeignet für Alltagsfahrten und leichtes Gelände.
  • Shimano Deore: Robust und zuverlässig für den Einsatz im Gelände und für Mountainbike-Touren.
  • Shimano Deore XT: Ausgezeichnet sich durch zuverlässige Schaltleistung und robuste Bauweise.
  • Shimano XTR: Für Fahrer entwickelt, die höchste Anforderungen an die Leistung ihres Mountainbikes stellen.

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