Shimano Bremskolben gängig machen – Eine Anleitung

Die Bremsen am Bike müssen zu 100% funktionieren. Ohne Wenn und Aber. Denn deine Gesundheit hängt davon ab. An fast allen Fahrrädern findet man inzwischen hydraulische Scheibenbremsen. Die modernen Systeme sind ausgereift und verhältnismäßig einfach zu warten. Lediglich das Entlüften der Anlage, wenn sich einmal Luft im System angesammelt hat, solltest du lieber der Fachwerkstatt überlassen.

Wir zeigen dir, welche Servicearbeiten du in Eigenregie erledigen kannst. Angefangen beim regelmäßigen Check und Austausch der Bremsbeläge. Bis hin zur Fehlersuche bei Schleif- oder Quietschgeräuschen.

Werkzeug - Diese Tools benötigst du

  • Satz Innensechskantschlüssel (Inbus)
  • Torx Schlüssel (je nach Bremsentyp)
  • Drehmomentschlüssel (empfehlenswert!)
  • Schleifpapier ca. Korn 100 bis 150
  • Bremsenreiniger Spray
  • Zur Bremse passende Ersatzbeläge

Laufräder ausbauen und Bremsscheiben prüfen

Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen natürlich die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kannst Du noch prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind. Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“.

Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - Du spürst während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn Dich das nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden.

Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.

Nun wird noch die Reibfläche der Scheiben geprüft. Diese unterliegt natürlich, genau wie die Beläge, einem gewissen Verschleiß, auch wenn dieser aufgrund der Härte des Stahls deutlich langsamer fortschreitet als bei den Bremsbelägen. Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist.

Mit dem Messschieber kannst Du die genaue Dicke messen. Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.

Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus.

Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.

Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.

Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger , der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.

Scheibenbremsen richtig reinigen

Wenn du lange Freude an deinem Fahrrad, Mountainbike oder E-Bike haben möchtest, solltest du es regelmäßig pflegen. Auch wenn du selten oder gar nicht bei schlechtem Wetter unterwegs warst. Das ist in der Regel schnell erledigt: Einsprühen mit Fahrradreiniger zum Anlösen der Verschmutzungen, einwirken lassen und anschließend abspülen mit klarem Wasser. Nach Regenfahrten sollte eine intensivere Behandlung mit Schwamm und Bürste selbstverständlich sein.

Im Zuge eines solchen Waschgangs kannst du die Scheibenbremsen im Prinzip ohne besondere Behandlung einbeziehen. Die Bauteile vertragen Wasser und Fahrradreiniger problemlos. Bei stärkerer Verschmutzung solltest du mit Bremsenreiniger (Spray) arbeiten, der speziell den typischen, aggressiven Bremsstaub lösen kann. Wir empfehlen, den Reiniger dosiert einzusetzen, oder ihn mit einem benetzten Tuch aufzutragen. Zum Beispiel zum Säubern der Scheiben. Das kann im Übrigen auch zur Bekämpfung von Quietschgeräuschen hilfreich sein.

Achtung!! Niemals Öl oder ölhaltige Substanzen auf die Beläge bringen!!

Bremsbeläge - Verschleiß checken und ggf. austauschen

Je nach Fahr-Intensität solltest du etwa alle zwei bis drei Wochen einen Blick auf die Beläge werfen. Nach Schlechtwetter-Einsätzen jedoch gezielt und öfter! Das kannst du bei relativ neuen Belägen mit Hilfe einer Taschenlampe von oben durch den Schlitz im Sattel erledigen.

Wenn die Beläge dünner werden, empfehlen wir, sie zur Sichtprüfung auszubauen. Dazu zunächst das Laufrad ausbauen. Als erstes sollten die Beläge in ihre maximale Ausgangsposition zurück gedrückt werden. Dazu mit einem flachen und stumpfen Hebel zwischen die Beläge fahren und diese mit sanfter Gewalt auseinander drücken. Es eignet sich zum Beispiel ein dünner Reifenheber (Ein scharfkantiger Schraubendreher kann die Beläge beschädigen!). Das Zurückdrücken der Kolben ist auch nötig, damit bei Bedarf neue Beläge im Sattel genügend Platz finden.

Zur Entnahme musst du noch den Sicherungsbolzen oben auf dem Sattel entfernen (i. d. R. Innensechskant-Schraube). Der Bolzen ist mit einem kleinen Sprengring gegen selbstständiges Lösen gesichert, der sich mit Hilfe einer Spitzzange oder von Hand abziehen lässt.

Zur Entnahme musst du noch den Sicherungsbolzen oben auf dem Sattel entfernen (i. d. R. Innensechskant-Schraube). Der Bolzen ist mit einem kleinen Sprengring gegen selbstständiges Lösen gesichert, der sich mit Hilfe einer Spitzzange oder von Hand abziehen lässt.

Neue Bremsbeläge unbedingt einbremsen!

Erst nachdem neue Bremsbeläge nach folgendem Prozedere eingebremst wurden, können sie ihre volle Bremsleistung entfalten: Das Fahrrad etwa 20 bis 30 Mal hintereinander auf rund 30 km/h beschleunigen und anschließend kraftvoll bis zum Stillstand abbremsen.

Scheibenbremsen - Geräusche ermitteln und beseitigen

Nichts ist schlimmer, als eine quietschende Scheibenbremse. In einzelnen Fällen kann dieses Bremsgeräusch unerträgliche Lautstärken erreichen. Aber auch weniger laute Geräusche wie kratzen, schleifen oder rubbeln können nerven. Umso mehr, wenn der Krach mit einer verringerten Bremsleistung einher geht. Grund genug, die Probleme aufzuspüren und zu beseitigen.

Quietschen bei Nässe

Leider ist es ein recht häufiges Phänomen, dass Scheibenbremsen während einer Regenfahrt plötzlich zu quietschen anfangen. Die Geräusche verschwinden, sobald alles wieder trocken ist. Warum das passiert, ist nicht wirklich zu klären. Aber unserer Erfahrung nach kannst du kaum etwas dagegen tun. Manchmal verschwindet das „Nassquietschen“ auch auf längeren Abfahrten wieder, wenn die Bremsscheiben heiß werden.

Welche Beläge sind montiert?

Es gibt hauptsächlich zwei verschiedene Arten von Material, das für Bremsbeläge zum Einsatz kommt:

  1. Organische Beläge aus verpressten Fasern organischer Stoffe.
  2. Beläge aus Sintermetall, also verschiedenen Metallgranulaten.

Unser Tipp: Wer sich häufig über Bremsgeräusche ärgert, sollte unbedingt organische Beläge verwenden. Diese verschleißen zwar etwas schneller als Sinterbeläge, neigen aber weniger zu Geräuschentwicklungen. Außerdem lassen sich Bremsen mit organischen Belägen besser dosieren.

Sind die Beläge verschlissen?

Auch abgefahrene Beläge können Geräusche verursachen. Dabei handelt es sich meist um ein metallisches Schleifen, verursacht durch die Spreizklammer zwischen den Belägen, die bei zunehmend dünner Bremsfläche an der Scheibe kratzt. Oder die Beläge sind bereits komplett abgenutzt, so dass das Trägermetall auf der Scheibe schleift. So oder so müssen derart abgenutzte Bremsbeläge unverzüglich ausgetauscht werden!

Ist die Oberfläche der Beläge verglast?

Besonders auf langen Abfahrten werden die Bremsen sehr heiß. Durch die hohen Temperaturen kann sich mit der Zeit eine harte, glänzende Schicht auf den Bremsbelägen bilden. Man spricht dann von verglasten Belägen. Das äußert sich mit nachlassender Bremswirkung und erhöhter Geräuschentwicklung. Bei rechtzeitiger Behandlung kannst du die Beläge retten und weiter verwenden. Dazu die Beläge ausbauen und so oft über einen ausgelegten Bogen Schleifpapier ziehen, bis die Bremsfläche wieder matt aussieht. Achte darauf, dass du den Belag nicht schräg anschleifst. Die Oberfläche muss parallel zur Trägerplatte stehen.

Alle Schraubverbindungen fest?

Eine Ursache für Geräusche ist, dass ein oder mehrere Teile in Schwingung geraten und hochfrequent vibrieren. Das kann ein Bauteil selbst sein oder eine (lose) Verbindung zwischen zwei Bauteilen. Im ersten Fall kann man nicht wirklich etwas tun. Du kannst jedoch prüfen, ob alle Schraubverbindungen an den Bauteilen der Bremsanlage fest geschlossen sind: Das sind zum einen die Befestigungsschrauben der Sättel an Rahmen und Federgabel. Zum anderen die Befestigungsschrauben der Bremsscheiben an den Naben. Bitte hier mit Gefühl vorgehen und einen Drehmomentschlüssel verwenden!

Sitzt der Bremssattel mittig über der Scheibe?

Die Bremsscheibe muss bei geöffneter Bremse mittig zwischen den Bremsbelägen rotieren, ohne diese zu berühren. Bei einer gut eingestellten Bremse ist der Spalt links und rechts minimal. Schleift die Bremse einseitig, kann dies Geräusche verursachen. Heute sitzen nahezu alle Laufräder mit Hilfe von Steckachsen in Rahmen und Gabel. Das heißt, die Position der Scheibe ist bei jeder Laufrad-Montage präzise definiert und somit identisch. In der Regel muss man also den Sattel nur einmal korrekt ausrichten.

Zwei Methoden führen zum Erfolg. Die einfachere geht so: Den Bremssattel an den beiden Inbusschrauben lockern, so dass er sich leicht von Hand seitlich bewegen lässt. Nun die Bremse am Hebel fest anziehen. Dadurch klammert sich der Sattel an die Scheibe und richtet sich automatisch aus. Nun bei weiterhin gezogener Bremse die beiden Schrauben wieder fest anziehen (Drehmomentschlüssel!). Nach Loslassen des Hebels sollte die Scheibe mittig zwischen den Belägen stehen und frei rotieren.

Sollte diese Methode nicht funktionieren, kannst du es händisch probieren: Den Bremssattel ebenfalls lösen, aber nur soweit, dass er sich mit etwas Kraftaufwand verschieben lässt. Damit verhinderst du zu große Bewegungen. Nun ist Augenmaß gefragt, denn man muss den Sattel in kleinsten Schritten verschieben. Dazu stets von oben durch den Schlitz die Position kontrollieren. Erst wenn sich die Scheibe frei dreht, kannst du den Sattel wieder richtig festschrauben.

Fahren alle Kolben gleichmäßig und leichtgängig aus?

Nach längerer Nutzung und vielen Schlechtwetterfahrten kann es sein, dass die Kolben verschmutzt sind und nicht mehr gleichmäßig ausfahren. Oder dass sich einer der Beläge nach dem Bremsvorgang nicht mehr von der Scheibe zurückzieht. Auch das kann dann Schleifgeräusche verursachen. In diesem Fall müssen die Kolben wieder gängig gemacht werden. Dazu das Rad ausbauen, die Beläge (und Kolben) zurück drücken und anschließend entnehmen (siehe Schritt eins: Beläge checken).

Als erstes den Innenbereich des Sattels und die Druckfläche der Kolben mit Bremsenreiniger säubern. Nun ist wieder Fingerspitzengefühl gefragt, denn mit einem sachten Zug am Bremshebel müssen die Kolben ein kleines bisschen ausgefahren werden. Bitte hier extrem vorsichtig sein und die Kolben höchstens einen Millimeter weit ausfahren! Jetzt kannst du die Gleitflächen mit etwas Bremsenreiniger benetzen.

Zur Schmierung kannst anschließend einen Tropfen Hydrauliköl mit einer Spritze aufbringen. Achtung! Es darf kein Öl auf die Bremsbeläge gelangen! Zum Zurückdrücken der Kolben die Beläge wieder einsetzen! Niemals auf die Kolben direkt drücken.

Zusätzliche Hinweise

Der Winter kann einer Scheibenbremse ziemlich zusetzen. Bei dir ist wahrscheinlich folgendes passiert: Damit der Kolben leichtgängig läuft ist eine gewisse Schmierung notwendig. Wenn der Kolben aufgrund von gesalzenen Straßen trocken läuft, kann sich der Kolben verkanten oder sich nur noch sehr schwergängig bewegen.

Sollte ein Kolben defekt sein oder sich nicht mehr gängig machen lassen, muss eventuell der Bremssattel getauscht werden. Cube verbaut vielfach B-Ware, dieser Bremssattel ist mit hoher Wahrscheinlichkeit genau solch ein Produkt. Bike ist neu, geht unter Garantie. Der Bremssattel muss getauscht werden. Wurde nach Reklamation anstandslos gemacht.

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