Die Bremsen gehören zu den am härtesten beanspruchten Teilen am Bike und haben eine regelmäßige Wartung verdient. Wer daran rumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem sorgfältig arbeiten. Eine Kontrollfahrt nach der Wartung schadet nie. Ohne ausreichende Erfahrung beim Schrauben lohnt es sich, eine Bike-Werkstatt aufzusuchen und sich Rat von Experten zu holen. MountainBIKE zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre neue Bremse montieren.
Hebelmontage
- Richtige Position: Schieben Sie den Bremshebel zwischen Schalthebel und Griff auf den Lenker. Bei einigen Bremsen (z. B. The Cleg) empfiehlt es sich, Bremse und Schalter umgekehrt zu positionieren.
- Richtiger Winkel: Nachdem Sie den Lenkergriff montiert haben, stellen Sie den Bremshebel so ein, dass Ihre ausgestreckte Hand bei gewohnter Sitzposition leicht nach oben abknickt.
- Hebelweite/Druckpunkt: Via Madenschraube oder Stellrad (z. B. Shimano) stellen Sie die Hebelweite ein. Im Moment, wenn der Druckpunkt voll greift, sollte der Hebel parallel zum Lenker stehen.
- Abstand vom Griff: Um den Hebel mit einem Finger betätigen zu können, müssen Sie die Befestigungsschelle nach innen schieben. Als Maß dienen je nach Bremse ein bis zwei Finger.
Bremssattel und Scheibe montieren
- Sattel anbringen: Setzen Sie, falls nötig, erst den passenden Adapter, dann den Bremssattel auf die Bohrungen an Gabel oder Rahmen. Schrauben leicht reindrehen, nicht anziehen!
- Disc montieren: Ziehen Sie die sechs Torx-Schrauben "über Kreuz" an. Heißt: Sie drehen eine leicht an, dann die gegenüberliegende. Weiter im Uhrzeigersinn und schließlich fest (ca. 5 Nm) ziehen.
- Centerlock: Centerlock-Discs können nur an speziellen Naben montiert werden. Dazu nehmen Sie das Kassetten-Werkzeug und ziehen den großen Schraubring (40 Nm) fest.
- Der noch lockere Sattel richtet sich nun aus und kann danach fest angezogen werden.
- Spaltmaß begutachten: Schleift die Disc? Dann blicken Sie zwischen die Beläge, lösen eine Schraube leicht und drücken den Sattel mit Fingerspitzengefühl in die perfekte Position. Anziehen, fertig.
Je nach Rahmen, Gabel und gewünschter Scheibengröße benötigen Sie unterschiedliche Adapter. Der Pfeil verrät die Montagerichtung, die oft kryptische Bezeichnung das Maß.
Leitung kürzen
- Leitung lösen: Ziehen Sie die Gummistulpe, die die Sechskantschraube abdeckt, ab und lösen Sie die Schraube mit einem 8-mm-Maulschlüssel. Vorsicht: austretende Bremsflüssigkeit auffangen.
- Länge festlegen: Die Leitungslänge sollten Sie im Optimalfall so wählen, dass diese bei vollem Lenkeinschlag noch etwas Spiel hat. Markieren Sie die Stelle mit Daumen und Zeigefinger.
- Leitung kappen: Für die Montage ist ein gerader Schnitt wichtig. Nehmen Sie ein scharfes Teppichmesser, legen Sie die Leitung auf einen Holzblock und schneiden Sie das Ende im 90°-Winkel ab.
- Montage-Kit: Schieben Sie die Stulpe und die Überwurfmutter auf die Leitung, dann den Schneidring ("Olive"). Jetzt treiben Sie die Stützhülse mit einem Hammer bis zum Anschlag in die Leitung.
- Leitung ansetzen: Drücken Sie die Leitung samt Schneidring in die Gewindeöffnung am Bremshebel und drehen Sie die Mutter anschließend von Hand in das Gewinde.
- Festziehen: Nach dem Anziehen der Mutter (ca. 5 Nm) darf sich die Leitung nicht aus dem Hebel ziehen lassen.
Weitere wichtige Schritte
- Laufräder ausbauen und Bremsscheiben prüfen: Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen natürlich die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kannst Du noch prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind. Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“. Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - Du spürst während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn Dich das nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden. Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.
- Reibfläche der Scheiben prüfen: Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist. Mit dem Messschieber kannst Du die genaue Dicke messen. Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.
Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus. Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.
Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.
Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger , der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.
Wieso schleifen Scheibenbremsen?
Ohne am Bremshebel zu ziehen, schleifen die Bremsbeläge leicht an der Scheibe. Fünf Ursachen - fünf Lösungen:
- Zu viel Bremsflüssigkeit: Kommt bei neuen Bremsen im Auslieferungszustand immer wieder vor. Die Kolben können sich nicht weit genug zurückziehen. Da hilft nur, den Stand der Bremsflüssigkeit zu korrigieren. Anschließend müssen Sie die Bremse entlüften.
- Bremsscheibe nicht mittig: In diesem Fall den Bremssattel lockern und neu ausrichten.
- Laufrad schief eingebaut: Das kann bei Bikes mit herkömmlichen Schnellspannern passieren. Schnellspanner öffnen und neu justieren.
- Bremsscheibe verbogen: Manchmal hilft es schon, die Bremse richtig heiß zu bremsen (Achtung, nicht überhitzen!). Ansonsten vorsichtig per Hand oder mit Richtwerkzeug zurechtbiegen.
- Kolbenklemmer: Kolben und Bremssattel mit Bremsenreiniger säubern.
Bremsbeläge wechseln
Wie lange die Beläge halten, hängt stark von den äußeren Bedingungen ab. Bei Matschwetter kann ein Belag schon nach einem langen Bike-Tag runter sein. 1 Millimeter sollte die Belagstärke mindestens noch betragen. Auch die Scheiben verschleißen. Die Stärke lässt sich verlässlich mit einem Messschieber oder einer speziellen Verschleißlehre kontrollieren. Dünner als 1,5 Millimeter sollte die Bremsscheibe nicht sein. Auch stark unterschiedlich verschlissene Scheiben sollte man austauschen.
Schritte zum Wechseln der Bremsbeläge:
- Sicherungsschraube entfernen: Ehe Sie mit dem Wechseln der Bremsbeläge beginnen, drücken Sie die Bremskolben mit einem flachen Werkzeug zwischen den alten Bremsbelägen so weit wie möglich zurück. So schaffen Sie Platz für die neuen, dickeren Beläge. Nun entfernen Sie den Sicherungsring und dann die Sicherungsschraube.
- Bremsbeläge entfernen: Jetzt sind die alten Bremsbeläge frei, und Sie können sie entfernen. Einfach die Beläge von beiden Seiten zusammendrücken und nach hinten aus dem Bremssattel entfernen.
- Bremssattel reinigen: Mit einem sauberen, fusselfreien Tuch die Kolben am Bremssattel reinigen. Bei stärkeren Verschmutzungen und hartnäckigem Belagabrieb hilft Bremsenreiniger. Sorgfältiges Säubern verbessert die Funktion der Kolben und erhöht damit die Leistung der Bremse.
- Kolben zurückdrücken: Sicherheitshalber nun die Kolben nochmals zurückdrücken. Vorher aber die alten Beläge grob gesäubert wieder einlegen. Das verhindert, dass die neuen Beläge beim Zurückdrücken beschädigt werden. Danach die alten Beläge entfernen.
- Beläge einsetzen: Nun die Belagsfeder zwischen die beiden Bremsbeläge setzen, die Beläge mit den Fingern zusammendrücken und in die Aufnahme zwischen den Bremskolben einsetzen. Manche Hersteller unterscheiden zwischen linkem und rechtem Belag. Unbedingt auf die korrekte Anordnung achten!
- Beläge sichern: Setzen Sie die Sicherungsschraube der Bremsbeläge wieder ein. Auf keinen Fall dabei den Sicherungsring der Schraube vergessen. Bei älteren Bremsenmodellen wird teilweise noch ein Sicherungssplint verwendet, der mit einer Zange aufgebogen werden muss.
Bremsscheibe montieren
Die Bremsscheiben auszutauschen, ist kein Hexenwerk. Je nach Standard - Centerlock oder Sechs-Loch-Scheibe - sind unterschiedliche Werkzeuge nötig.
Sechs-Loch-Scheibe
Die Befestigung der Bremsscheibe erfolgt über sechs Schrauben, die je nach Bremsenmodell mit einem Drehmoment von 4-6 Nm über Kreuz angezogen werden. Die Schrauben sind mit einer Schraubensicherung versehen, um ein ungewolltes Lösen der Bremsscheibe zu verhindern.
Centerlock-Standard
Centerlock-Scheiben werden mit einem Ring im Zentrum der Scheibe montiert. Als Werkzeug dient ein herkömmlicher Innenlagerschlüssel. Centerlock-Montage ist alternativ auch mit einer Nuss möglich. Das erforderliche Drehmoment beim Anziehen des Rings ist deutlich höher: 40-50 Nm. Die Verzahnung von Nabe und Abschlussring verhindert, dass sich die Bremsscheibe lösen kann. Vorteil von Centerlock: Die Montage geht deutlich schneller. Nachteil: Manche Hersteller bieten für den Shimano-Standard keine passenden Scheiben.
Vorsicht: Bei der Montage der Bremsscheiben immer die korrekte Laufrichtung beachten. Shimano kennzeichnet sie in der Regel mit einem Pfeil.
Bremssattel ausrichten und schleiffrei einstellen
Der Bremssattel sollte exakt parallel zur Scheibe stehen - so kann die Bremse kräftig zupacken und schleift nicht.
- Bremssattel lockern: Die beiden Schrauben der Bremsaufnahme lockern. Nun den Bremshebel ziehen, bis die Bremsbeläge fest an der Scheibe anliegen. Mit gezogenem Bremshebel die Schrauben wieder festziehen.
- Sichtprüfung: Nach dem Festziehen der Befestigungsschrauben sollte die Scheibe genau mittig zwischen den Bremsbelägen laufen. Ist dies nicht der Fall, Schritt 1 wiederholen und den Bremssattel nachjustieren. Beim Sicht-Check hilft ein helles Papier am Boden.
- Bremsscheibe ausrichten: Schleift die Scheibe trotz justierten Bremssattels unregelmäßig und „eiert“, ist sie verzogen. In diesem Fall mit einem speziellen Richtwerkzeug, in das der Rand der Scheibe eingeklemmt wird, oder mit den Händen und einem Tuch zum Schutz vor Fett die Bremsscheibe gefühlvoll geradebiegen. Zur Sicherheit hinterher die Scheibe mit Bremsenreiniger säubern.
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